Deutsche Automobilindustrie im Sinkflug – VDA: „Brauchen handlungsfähige Regierung“

Epoch Times5. Dezember 2019 Aktualisiert: 5. Dezember 2019 15:22
Der Verband der Automobilindustrie tut, was er sonst tunlichst vermieden hat: Er nennt Zahlen. Und gibt in ungewohnt offener Art und Weise zu, dass dem Industriesektor in den nächsten Jahr schwere Zeiten bevorstehen.

Was Daimler und Audi schon angekündigt hatten, gibt nun auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) offen zu:

„Wir müssen damit rechnen, dass die Zahl der Mitarbeiter in den Stammbelegschaften geringer wird“, sagte Verbandspräsident Bernhard Mattes, bevor er fortfuhr, „Wir rechnen für 2019 bereits mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr auf 834.000 Beschäftigte und in 2020 wird dieser Trend ausgeprägter sein.“

Die Beschäftigtenzahl im Automobilsektor in Deutschland beträgt zurzeit 835.300. Somit ist laut VDA bis Ende des Jahres mit 1.300 Stellenstreichungen zu rechnen. Treffen wird dies vor allem Zeitarbeiter. Bis 2030 werden aller Voraussicht nach bis zu 70.000 Stellen gekürzt.

Daran sei jedoch nicht der Trendwechsel vom Verbrennungsmotor zum E-Auto schuld. Laut VDA mache der Automobilindustrie vor allem die schwache Konjunktur zu schaffen. Allein schon in diesem Jahr prognostiziert man ein Abschrumpfen am Weltmarkt um fünf Prozent, auf nur noch 80,1 Millionen Pkw.

Problemkind China

„Konjunkturell haben wir, nach langer Wachstumsphase, Gegenwind“, so Mattes. „Zulieferer, die alle Hersteller als Kunden haben, spüren diesen noch heftiger.“ Allein in China brach die Nachfrage um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr ein.

Eine Kehrtwende dieses Trends zeichnet sich nicht ab. Im Gegenteil – auch im nächsten Jahr werde die weltweite Nachfrage um ein Prozent auf nur noch 78,9 Millionen Autos sinken, so die Schätzungen. Laut WELT ziehen die drei wichtigsten Absatzregionen – China, USA und Europa – die Zahlen nach unten.

Der VDA fordert eine stabile Regierung

„Angesichts der Gesamtlage ist die Gesellschaft, aber insbesondere die Politik mehr denn je gefordert“, so Mattes. Deshalb brauche Deutschland „gerade jetzt eine stabile, handlungsfähige Regierung.“

Er forderte eine Reform der Unternehmensbesteuerung: „Steuerpolitik muss wieder Standortpolitik werden. Dieses Land kann sich nicht dem globalen Standortwettbewerb entziehen“, beklagt Mattes. Deshalb müssten Energie- und Arbeitskosten sinken, um mit anderen Ländern konkurrieren zu können.

Dass die USA noch Zölle auf europäische Autos erheben könnte, sei dazu keineswegs vom Tisch. Dazu meint Mattes: „Es ist ruhig zurzeit, doch es kann immer wieder hochkommen.“ (rm)

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