Sanierungen im Sinkflug: Klimaziele geraten in weite Ferne

Um die Klimaziele der Bundesregierung bis 2030 im Gebäudesektor zu erreichen, müsste es jährlich in zwei Prozent des Bestandes energetische Sanierungen geben. Derzeit sind es lediglich etwa 0,7 Prozent – mit sinkender Tendenz. Inflation, Zinsen und politische Unsicherheit verschärfen die Lage.
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Sanierung an Gebäuden ist teuer, nicht nur, weil die Rohstoffe mehr kosten.Foto: iStock
Von 7. Mai 2024

Die Krise der Baubranche in Deutschland rückt nicht nur das ursprüngliche Ziel der Ampel, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, in weite Ferne. Auch die Klimaziele im Gebäudesektor bis zum Jahr 2030 stehen mittlerweile infrage. Dies geht aus einer Mitteilung des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e. V. (BuVEG) hervor. Grund dafür ist eine unzureichende – und weiter rückläufige – Quote im Bereich der Sanierungen.

Sanierungen rückläufig – außer im Bereich der Fenster

Wie der Verband verlautbarte, lag die Quote energetischer Sanierung im deutschen Gebäudebestand bereits im Vorjahr lediglich bei 0,7 Prozent. Für das erste Halbjahr 2024 prognostiziert man sogar einen weiteren Rückgang auf 0,69 Prozent. Dies gehe aus der aktuellen Marktdatenstudie hervor, die der BuVEG bei B+L Marktdaten Bonn in Auftrag gegeben hatte.

Am günstigsten sieht es dabei im Bereich der energetischen Sanierungen von Fenstern aus. Dort könne die Quote mit 1,24 Prozent sogar den Vorjahreswert noch leicht übertreffen. Demgegenüber sind die Sanierungsquoten in den Bereichen Dach (0,71 Prozent) und Fassade (0,52 Prozent) klar rückläufig.

Aufgrund der langjährigen Erfahrungen werde üblicherweise von einer Quote von einem Prozent bei den energetischen Sanierungen ausgegangen. Um die Klimaziele im Gebäudesektor bis 2030 zu erreichen, wären dem Verband zufolge sogar zwei Prozent erforderlich. Derweil seien bereits die erfassten Zahlen mit einem Restunsicherheitsfaktor belastet:

„Auf Grundlage der Erfahrungen liegt die tatsächliche Quote für energetische Sanierung aber noch einmal rund 20 Prozent unter der hier ermittelten Sanierungsquote.“

Verband beklagt „verlorenen Fokus“ aufseiten der Ampel

BuVEG-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs fordert eine „Sanierungsoffensive in Deutschland“. Er wirft der Bundesregierung vor, zuletzt zu stark den Heizungstausch forciert und stattdessen energetische Sanierungen bei den Gebäuden aus dem Fokus verloren zu haben.

Die Ampel setzte jedoch offenbar bewusst in diesem Bereich die Prioritäten. Dies lässt sich nicht zuletzt anhand der Genese der EU-Gebäuderichtlinie nachzeichnen, die im April in Brüssel beschlossen wurde.

Die Richtlinie sieht vor, dass bis 2050 durch energetische Sanierungen und Renovierung von Gebäuden mit schlechter Energieeffizienz das Netto-Null-Ziel erreicht werden soll. An Neubauten sollen bereits ab 2030 nur noch solche errichtet werden, die energieeffizient und mit klimaneutraler Wärme versorgt sind.

Die Etappenziele sind dabei auf die schrittweise Sanierung des Gebäudebestandes abgestimmt, beginnend mit jenen 43 Prozent, die über die schlechtesten Effizienzwerte verfügen. Bis 2026 sollen die Mitgliedstaaten ihre Konzepte ausarbeiten, um die Etappenziele zu erfüllen.

Ampel hielt Heizungstausch für wichtiger als energetische Sanierungen

Bundesbauministerin Klara Geywitz hatte sich im Vorfeld der Gebäuderichtlinie vehement gegen individuelle Vorgaben zur Sanierung einzelner Gebäude gestemmt. Zusammen mit Vertretern anderer Mitgliedstaaten setzte sie durch, dass es keine Sanierungspflicht geben wird, die sich auf einzelne Bestandsgebäude bezieht.

Stattdessen müssen Mitgliedstaaten nun in Eigenregie die konkrete Umsetzung der Vorgaben der Richtlinie bestimmen. Geywitz und die Ampel stehen auf dem Standpunkt, durch das Heizungsgesetz die wesentlichen Vorgaben der Gebäuderichtlinie zur Erreichung des Netto-Null-Ziels bereits umzusetzen. Dass nun im Bereich der Sanierungen keine weiteren Maßnahmen forciert würden, solle gewährleisten, dass Hausbesitzer nicht überfordert würden.

Der Verband sieht im Ukrainekrieg, der hohen Inflation und im Zinsanstieg die wesentlichen Gründe für die Zögerlichkeit bei Sanierungen. Die politische Unsicherheit und die fehlende Planungssicherheit ließen Eigentümer vor entsprechenden Investitionen zurückschrecken.

Verband hofft auf Wende in der EZB-Zinspolitik

Auch die Umzugsmobilität sei geringer geworden. Handwerksbetriebe müssten mit weniger Aufträgen auskommen, gleichzeitig seien auch sie mit höheren Material- und Lieferkosten konfrontiert.

Ab der zweiten Jahreshälfte hofft der BuVEG auf einen leicht wachsenden Markt für Bestandsimmobilien. Auch sei nicht auszuschließen, dass die EZB im Sommer die Zinsen senke. Dies könnte auch zu einer moderaten Entlastung im Bereich der Sanierungen beitragen.



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