EZB-Direktor über „nicht-grüne“ Bank-Mitarbeiter: „Ich will diese Leute nicht mehr“

Ein hoher Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank irritierte mit der Aussage, dass Mitarbeiter mit nicht-grüner Gesinnung unerwünscht sind. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hält zu ihm.
Titelbild
Euro-Zeichen-Skulptur am Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.Foto: iStock
Von 20. Februar 2024

“Ich will diese Leute nicht mehr“, sagte Frank Elderson, eines von sechs Mitgliedern des EZB-Direktoriums, bei einem internen Treffen, wie „Politico“ berichtete. Mit „diese Leute“ waren Menschen gemeint, die die grünen Ziele der Institution nicht unterstützten. Diese seien nicht mehr willkommen, für die in Frankfurt am Main ansässige Organisation zu arbeiten.

Bei dem Treffen Anfang Februar fragte Elderson die Mitarbeiter: „Warum sollten wir Leute einstellen wollen, die wir umprogrammieren müssen? Weil sie von den besten Universitäten kommen, aber immer noch nicht wissen, wie man das Wort ‚Klima‘ buchstabiert.“

All diejenigen, die bereits bei der EZB arbeiten, sollten umgeschult werden, ergänzte Elderson. Dann fügte er noch hinzu, dass er aber „niemanden bedroht“ habe.

Grüne Gesinnungsprüfung für EZB-Mitarbeiter?

Diese Äußerungen haben bei der EZB-Belegschaft Empörung ausgelöst, schreibt „Politico“ und beruft sich dabei auf die dem Magazin vorliegende Kommunikation in einem internen Chatroom für Bankmitarbeiter, wo sich die Entrüstung in Form von wütenden Kommentaren entlud:

Elderson habe „das Ideal der Vielfalt und Einbeziehung in einem Satz getötet“, die Worte des Niederländers wurden zudem als „autoritär“ bezeichnet. Sie zeigten, dass eine freie und offene Diskussion über den Klimawandel – und die Rolle, die die Bank bei seiner Bekämpfung spielen sollte – in der EZB nicht mehr möglich sei.

Äußerungen wie diese förderten ein „Gruppendenken“, das die Entscheidungsfindungen der in Frankfurt am Main ansässigen Bank beeinträchtigen würde.

Christine Lagarde an der Seite von „Kollege Frank“

Christine Lagarde, die Präsidentin der EZB, wurde nach Bekanntwerden der Äußerungen zum Thema befragt und antworte: “Ich stehe zu meinem Kollegen Frank, aber auch – und das ist wahrscheinlich noch wichtiger – ich und andere schätzen die Vielfalt in der Institution, die ich leite.“

Die EZB-Chefin selbst äußerte die Meinung, „dass wir unsere Arbeit dadurch verbessern werden, und zwar in jeder Hinsicht, d.h. nicht nur durch die üblichen Definitionen von Vielfalt, sondern auch durch die Vielfalt des Denkens“. In dem internen Mitarbeiter-Chat wurde so argumentiert, dass sich eben genau diese „Vielfalt“  nicht auf Meinungsverschiedenheiten über die grüne Agenda der Zentralbank erstreckt.

Wie nach innen, so nach außen

Mit dem Bekanntwerden der aktuellen Äußerungen des hochrangigen EZB-Funktionärs Frank Elderson, hat die Debatte neue Fahrt aufgenommen, inwieweit die Politik der EZB darauf ausgerichtet sein sollte, die Wirtschaft „grüner“ zu machen, oder ob sie sich auf ihr Hauptziel und eigentliche Aufgabe beschränken sollte, die Preise in der Eurozone stabil zu halten.

Die EZB argumentiert auf Kritik an ihrer Agenda, sie sei rechtlich dazu verpflichtet, zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen. Sie beruft sich dabei auf eine formale Nebenaufgabe, die sie zur Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik der EU verpflichtet, solange diese nicht mit der Preisstabilität kollidiert.

Grüner Bank-Leitfaden

Aber nicht nur intern, also bei den eigenen Mitarbeitern, soll die grüne Überzeugung stimmen, auch die von der EZB beaufsichtigten Banken müssen den Gesinnungs-Test machen: Elderson, der auch Klimabeauftragter der EZB ist, kritisierte bereits Ende 2023, auf einer Veranstaltung in Brüssel mehrere Geldhäuser der Euro-Zone in Bezug auf Mängel im Umgang mit Umwelt- und Klimarisiken.

Einige der von der EZB beaufsichtigten Institute blieben hinter den erwarteten Fortschritten zurück beziehungsweise hätten diese nicht erreicht: „Wir haben begonnen, Durchsetzungsmaßnahmen zu ergreifen“, merkte er an und kündigte Strafen in Form von Zwangsgeldern an.

Die EZB hatte in ihrer Funktion als Bankenaufseher 2020 einen Leitfaden für Geldhäuser im Euro-Raum zum Umgang mit Klima- und Umweltrisiken erstellt, inklusive klarer Formulierungen von Erwartungen an die Banken. Zu den Gefahrenquellen gehören laut EZB Investments in emissionsintensive Firmen und klimaschädliche Branchen.



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