Hiawatha-Krater auf Grönland
Geologen haben das Alter des 2015 entdeckten grönländischen Meteoritenkrater Hiawatha auf 58 Millionen Jahre bestimmt.Foto: Pierre Beck

Gigantischer Meteoritenkrater unter Grönlandeis ist 58 Millionen Jahre alt

Von 24. Februar 2019 Aktualisiert: 5. April 2022 11:06
Tief unter dem Eis Grönlands liegen mindestens zwei gigantische Einschlagkrater, die vermutlich von Meteoriten stammen. Einer von ihnen ist der über 30 Kilometer große Krater Hiawatha, der nun auf ein Alter von ca. 58 Millionen Jahren datiert wurde.

+++ Update vom 13. März 2022: Forscher bestimmen Alter des Hiawatha-Meteoritenkraters auf Grönland +++

Dänische und schwedische Forscher haben nun den bereits 2015 entdeckten Hiawatha-Meteoritenkrater auf Grönland datiert. Demnach ist der 31 Kilometer breite und ein Kilometer tiefe Krater vor 58 Millionen Jahren entstanden. In dieser Zeit war Grönland nicht von Eis bedeckt, sondern besaß üppige gemäßigte Regenwälder. Zudem soll das 20 Grad Celsius warme Grönland in dieser Zeit von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten besiedelt gewesen sein, so die Forscher. Nur acht Millionen Jahre zuvor schlug ein noch größerer Asteroid im heutigen Mexiko ein und löste das weltweite Aussterben der Dinosaurier aus.

Seit der Entdeckung des Kraters führte die Ungewissheit über das genaue Alter des Kraters zu erheblichen Spekulationen. Einige Stimmen fragten sich, ob der Asteroid erst vor 13.000 Jahren auf der Erde eingeschlagen sein könnte, als die Menschen den Planeten längst bevölkert hatten? Andere Überlegungen zogen einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Einschlag und der fast 1.000 Jahre andauernde globale Abkühlung, die als Jüngere Dryas bekannt ist.

Eindeutige Beweise, dass der Hiawatha-Einschlag das globale Klima störte, gibt es noch nicht. Derzeit testet ein internationales Forschungsteam verschiedene Hypothesen, um die Auswirkungen des Einschlags auf den Planeten und sein Klima besser zu verstehen. Die Studie erschien am 09. März 2022 in der Fachzeitschrift „Science Advances“.

+++ Update Ende +++

Kraterlandschaft unter Grönland

In ein bis zwei Kilometern Tiefe unterhalb des Grönlandeises befinden sich zwei kreisförmige Senken von über 30 Kilometer Durchmesser. Sie stammen aller Wahrscheinlichkeit nach von alten Einschlägen zweier Meteoriten.

Von dieser neuen Entdeckung berichtet ein Forscherteam um Joseph MacGregor im Februar 2019 im Fachjournal „Geophysical Research Letters“. Dies sei erst der zweite verzeichnete Fund in Grönland. Zudem befindet er sich nur 183 Kilometer vom anderen Krater des Landes entfernt, wie Wissenschaftler berichteten.

Joseph MacGregor, Glaziologe im Goddard Space Flight Center der NASA, gehörte zu dem Team, das den Hiawatha-Krater entdeckte. Als Ende 2016 die meisten Arbeiten zur Identifizierung des Hiawatha abgeschlossen waren, war MacGregor bereits auf der Suche nach einem weiteren Krater. Dann wurde er schneller fündig, als er erwartete. „Ich dachte: ‚Könnte es wirklich noch einen anderen geben?‘“ erzählte MacGregor gegenüber Live Science. „Ich stand irgendwie von meinem Schreibtisch auf und ging ein wenig durch die Gänge.“

Hiawatha bekommt Gesellschaft

Der neu entdeckte Krater ist 36 Kilometer breit, was ihn zum 22. größten Einschlagkrater macht, der je auf der Erde entdeckt wurde. Außerdem ist er ein wenig größer als der Hiawatha-Krater, der 31 Kilometer breit ist. Hiawatha liegt unter etwas weniger als ein Kilometer Eis, während der neue Krater unter zwei Kilometern begraben liegt.

Beide Krater befinden sich im Nordwesten Grönlands, einer abgelegenen und eisigen Region. Dennoch haben die Wissenschaftler bereits eine unverhältnismäßig große Menge an Informationen sammeln können.

Um die Krater zu finden, kombinierte das Forschungsteam Satellitenbilder des grönländischen Eisschildes mit Radardaten, die von Flugzeugen gesammelt wurden. Die meisten Daten stammen von den Terra- und Aqua-Satelliten der NASA und dem Luftvermessungsprogramm IceBridge der Raumfahrtagentur. Alle diese Daten sind öffentlich zugänglich.

„Jeder hätte das hier finden können“, sagte MacGregor. Und in der Tat machten einige Amateur-Forscher den Geologen auf einen weiteren Krater aufmerksam, nachdem dieser 2018 die ersten Forschungsergebnisse zu Hiawatha veröffentlichte.

Die Frage nach dem Alter

„Das Alter des neuen Kraters ist schwer abzuschätzen“, sagte MacGregor. „Die älteste Eisschicht, die über der Senke datiert wurde, ist etwa 79.000 Jahre alt. Aber Eis fließt, das bedeutet nicht unbedingt viel.“

Durch die Verwendung von Tiefen-Breiten-Verhältnissen der Einschlagskrater konnte das Team das Alter des Kraters anhand seiner Erosionsrate sehr grob schätzen. Die Forscher errechneten das Alter des Kraters demnach zwischen 100 Millionen und 100.000 Jahre. „Hiawatha ist wahrscheinlich im jüngeren Bereich der Zeitspanne anzusiedeln“, erklärte MacGregor.

Zudem sind sich die Wissenschaftler ziemlich sicher, dass der neue Krater definitiv von einem Einschlag stammt. Die einzige andere Erklärung für die neu entdeckte Depression ist, dass es sich um den Krater eines Caldera (Vulkan) handelt, sagte MacGregor. Allerdings erzeugen vulkanische Gesteine magnetische Anomalien, was bei dem neuen Fund nicht der Fall ist.

Gibt es weitere Krater in Grönland?

Obwohl es überraschend war, die ersten Einschlagkrater von Grönland so nah beieinander zu finden, ist es nicht möglich zu sagen, wie viele Einschläge es in der Region gab. Auch sei es nicht möglich zu sagen, wie schnell die Krater erodieren, so MacGregor. Höchstwahrscheinlich sind Hiawatha und der neue Krater die „größten und leichtesten, die es zu finden gibt“, sagte er. Alle zusätzlichen Krater werden wahrscheinlich viel kleiner und schwieriger zu erkennen sein.

Auch fügte er hinzu, dass die Fragen über das Alter und die Formation der Krater nicht einfach zu beantworten sei. „Du musst durch 2 Kilometer Eis bohren. Und dann, je nachdem, an welchem Element der Kratergeschichte du interessiert bist, musst du vielleicht durch weitere 100 oder 200 Meter Gestein bohren“, sagte MacGregor. Weiterhin müsse die gesamte Ausrüstung mehr als 160 Kilometer landeinwärts über das Eis transportiert werden. „Das ist eine technologische Herausforderung.“

 



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