43 v. Chr.: Wie Alaska den Aufstieg des Römischen Kaiserreichs unterstützte

Von 25. Juni 2020 Aktualisiert: 25. Juni 2020 16:27
Umnak, eine kleine Insel in Alaska, beeinflusste maßgeblich die Entwicklung des Römischen Reiches. Weit jenseits der damals bekannten Welt, verursachte einer der heftigsten Vulkanausbrüche der letzten 2.500 Jahre unter anderem Hungersnöte in Ägypten unter Kleopatra.

Rom am 15. März 44 v. Chr.: Der berühmte römische Staatsmann und Feldherr Gaius Iulius Caesar erhält von einem römischen Beamten die Warnung „Cave Idus Martias“ (deutsch: „Hüte dich vor den Iden des März“). Trotz aller Unsicherheiten nimmt er an der Senatssitzung im Theater des Pompeius teil – sein letztes Mal.

Auf der anderen Seite der Erde, weit jenseits der damals bekannten Welt, brach, belegt durch Eisbohrkerne, wenig später der Vulkan Okmok aus. Dieser Vulkanausbruch und die Ermordung Cäsars sollten weitreichende Folgen haben, sie beeinflussten maßgeblich den Aufstieg des Römischen Kaiserreiches.

Eine neue Studie in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) zeigt nun, dass der Vulkanausbruch in Alaska eine wichtige Rolle im römisch-ägyptischen Machtkampf spielte.

Wie viele moderne Romane und Filme anschaulich das historische Ereignis beschreiben, stirbt Cäsar durch die Hand seiner politischen Mitstreiter.

Die Ermordung des Oberhauptes der Römischen Republik löste einen 17-jährigen Machtkampf aus. Dieser gipfelte 31 v. Chr. in der Schlacht bei Actium, bei der sich letztlich die Römische Republik und Ägypten gegenüberstanden.

Als Sieger dieser Seeschlacht ging Octavian, der Großneffe Cäsars, hervor. Unter seiner Herrschaft und fortan unter dem Namen Augustus beendete er die Republik und begründete die viele Jahrhunderte dauernde Ära des Römischen Kaiserreichs.

Größte Vulkanausbruch der letzten 2.500 Jahre aus Alaska

Ein internationales Forscherteam untersuchte nun eine Reihe historischer Berichte und Klimadaten, um Beweise dafür zu finden, dass der Ausbruch des Vulkans Okmok in Alaska im Jahr 43 v. Chr. globale Klimaveränderungen verursachte. Dies, so die Forscher, könnte politische und soziale Unruhen ausgelöst und schließlich den Verlauf der Geschichte beeinflusst haben.

Das Forscherteam analysierte dazu Aufzeichnungen über Vulkanausbrüche in sechs arktischen Eisbohrkernen. Dabei fanden sie heraus, dass der größte Vulkanausbruch der letzten 2.500 Jahre auf der Nordhalbkugel 43 v. Chr. stattfand. Weiterhin bestätigten die darin enthaltenen Gesteinsfragmente und Partikel, dass diese vom Okmok-Vulkan in Alaska stammen.

Klimaaufzeichnungen zeigen zudem, dass die Jahre 43 und 42 v. Chr. zu den kältesten Jahren der letzten Jahrtausende in der nördlichen Hemisphäre gehörten. Weitere Forschungen legen nahe, dass dieser Ausbruch in hohen Breitengraden zu Veränderungen der Wassertemperatur führte und zu kälteren Temperaturen in bestimmten Mittelmeerregionen.

Anschließend verglich das Team die Klima-Erkenntnisse mit schriftlichen und archäologischen Quellen aus dieser Zeit. So sind vor allem ein ungewöhnliches Klima, Ernteausfälle, Hungersnöte, Krankheiten und Unruhen im Mittelmeerraum beschrieben. Laut Joe Manning von der Yale-University (USA) und Co-Autor der Studie deuten die schriftlichen Belege darauf hin, dass selbst hochentwickelte und mächtige alte Staaten anfällig für klimatisch erhebliche Ereignisse auf der gegenüberliegenden Seite der Erde waren.

Notwendige Überschwemmungen blieben aus

Während Rom 43 v. Chr. mit den Folgen der Ermordung Cäsars beschäftigt war, versuchte Kleopatra in Ägypten das Ptolemäische Reich wieder als Großmacht im östlichen Mittelmeerraum zu etablieren. In den folgenden Jahren erschwerten jedoch Trockenheit, Hungersnöte und Krankheiten das Leben in Ägypten. Diese stimmen zeitlich mit Jahren überein, in denen der Nil nicht über seine Ufer trat.

„Zwar gab es zu dieser Zeit Regen in der Region, jedoch nicht genug, um die Landwirtschaft aufrechtzuerhalten. Seit langem waren die Ägypter bei der Bewässerung ihrer Ernten stark auf die jährliche Nilüberschwemmung angewiesen“, erklärte Manning. „Wir wussten, dass der Nil 43 und 42 v. Chr. nicht über die Ufer getreten ist – und jetzt auch warum. Dieser Vulkanausbruch hatte große Auswirkungen auf den Nil.“

Einer der historischen Texte bestätigt die Befunde und berichtet über eine große Hungersnot und soziale Missstände. „Die Inschrift beschreibt einen örtlichen Stadthalter, der die Bevölkerung vor einer großen Hungersnot rettet, indem er Nahrung herbei schaffte“, so Manning.

Eine Vorstellungswelt in der Alaska nicht existierte

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Heute leben auf der Insel Umnak (Teil der östlichen Aleuten) etwa 40 Menschen und 7.500 Vieh. Für Manning ist es wie Ironie, dass einer der bedeutendsten Orte der Weltgeschichte in einem extrem abgelegenen Teil der Welt liegt.

„Dieser große Vulkanausbruch aus dem Winter 43 v. Chr. hatte kaskadenartige Auswirkungen auf das Klimasystem und auf die Menschen im Mittelmeerraum.“ Weder römische Gelehrte noch antike Priester hatten eine Vorstellung von der Existenz der Insel Umnak, geschweige denn, was auf ihr passierte.

(Mit Material der Yale University, USA)