Weizsäcker Mordprozess: Gutachter bescheinigt Gregor S. zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Im Mordprozess um den tödlichen Messerangriff auf den Berliner Chefarzt Fritz von Weizsäcker hat ein psychiatrischer Gutachter dem Angeklagten eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit bescheinigt.

Alexander Böhle diagnostizierte Gregor S. am Freitag vor dem Berliner Landgericht eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung. Die Aufhebung der Schuldfähigkeit sah er jedoch nicht. S. gibt für den Angriff vom 19. November 2019 jahrelangen Hass auf den Ex-Bundespräsidenten und Vater des Opfers, Richard von Weizsäcker, an.

Schuldfähigkeit war zentrale Frage des Prozesses

Die Schuldfähigkeit des 57-jährigen S. war von Beginn an eine zentrale Frage in dem Prozess. Er selbst bezeichnet sich als „Zwangsneurotiker“. Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklageschrift davon aus, dass S. die Tat „im Zustand der erheblich verminderten Schuldfähigkeit“ beging.

Böhle konnte sein Gutachten nur aufgrund von Unterlagen und der Beobachtung von S. im Gerichtssaal erstellen, da der Angeklagte sich ihm gegenüber nicht äußern wollte.

Der Experte geht aber „ganz sicher“ davon aus, dass S. nicht an Schizophrenie leidet. Auch sei kein ausgeprägter Wahn deutlich geworden, wohl aber eine wahnhafte Störung im Rahmen seiner Persönlichkeitsstörung.

Böhle machte keine konkreten Aussagen zur weiteren Prognose. „Ich kann nicht abschätzen, inwieweit das gefährlich wird“, sagte er. Das Paranoide sei bei S. stark ausgeprägt.

Laut Gutachter gibt zahlreiche Hinweise auf eine Zwangserkrankung. Dazu zählten die räumliche Orientierungslosigkeit von der Kollegen und der Angeklagte berichteten, seine Wasch- und Reinlichkeitszwänge am Arbeitsplatz im Gegensatz zur Verwahrlosung der eigenen Wohnung. Die Störung mache es Gregor S. tiefer gehende soziale Bindungen einzugehen.

Gregor S. unterbricht Gutachter wiederholt

Böhles Vortrag wurde immer wieder von S. unterbrochen. „Ich habe die Tat aus politischer Überzeugung und nicht etwa aus Wahn heraus begangen“, sagte er. Reue äußerte S. bislang nicht.

Mit seinem Stift zeigt er auf die Anwesenden im Saal, die alle bestreiten würden, dass der ehemalige Bundespräsident die vielen Toten im Vietnamkrieg mitzuverantworten habe. „Das ist wie eine Gehirnwäsche, was mit mir gemacht wird.“

Der 57-Jährige hatte bereits zu Prozessbeginn angegeben, Richard von Weizsäcker für mitverantwortlich an der Produktion des Entlaubungsmittels Agent Orange zu halten.

US-Truppen hatten im Vietnamkrieg Millionen Liter Agent Orange im Süden von Vietnam versprüht. Das Gift wird bis heute für schwere Missbildungen, Krebserkrankungen und Behinderungen unter der vietnamesischen Bevölkerung verantwortlich gemacht.

S. gesteht Tat

S. gestand, am Tattag mit einem eigens dafür gekauften Messer zu einem Vortrag des Arztes gekommen zu sein und dort auf von Weizsäcker eingestochen zu haben. Von Weizsäcker erlitt eine Luftembolie, an der er kurz danach starb.

Bei der Tat war ein Polizeibeamter eingeschritten, der privat unter den Zuhörern der Veranstaltung war. Auf ihn stach der 57-Jährige ebenfalls ein. S. werden wegen dieses zweiten Angriffs nicht nur Mord, sondern auch versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. S. wurde noch am Tattag festgenommen.

Der letzte Prozesstermin ist für Mittwoch kommender Woche angesetzt. Bei einer Verurteilung kommt auch die Unterbringung in einer Psychiatrie in Betracht. (afp/nh)

Quelle: https://www.epochtimes.de/blaulicht/weizsaecker-mordprozess-gutachter-bescheinigt-gregor-s-zwanghafte-persoenlichkeitsstoerung-a3282971.html