Tricks der ‚Haussitter’ täuschen am chinesischen Wohnungsmarkt

Von 19. Oktober 2010 Aktualisiert: 19. Oktober 2010 10:45

In der derzeitigen „Warum bist du nicht reich“-Wirtschaft Chinas hat sich eine neue Nische aufgetan, und zwar für „Haussitter“ (Haushüter) für leer stehende Gebäude. Eine Annonce, die diesen Service anbietet, erschien kürzlich unter der Rubrik: „Stellenangebote“ in Internetforen und am Schwarzen Brett.

Nach Berichten der „Beijing Morning Post“ erschienen in diesem Sommer Angebote für Dienste bei der Hausverwaltung, nachdem eine Untersuchung durch das CCTV zeigte, dass die Leerstandsrate in Peking und Tianjin 40 Prozent erreicht hatte und dass es sich bei vielen der leer stehenden Häuser um Neubauten handelte.

Im September kündigte das nationale Büro für Statistik an, es werde Erhebungen über die Leerstandsrate in verschiedenen Städten durchführen. Peking sei als erste Stadt ausgesucht worden. Das Büro gab keinen Grund für die Erhebung an; nachdem einige Analysten und Kritiker der chinesischen Wirtschaft der Sache auf den Grund gegangen sind, kamen sie zu dem Schluss, dass Angebot und Nachfrage in keinem Verhältnis zueinander stehen.

Haussitter sorgen für einen „bewohnten“ Zustand

Ein gewisser Herr Wang gab auf qq.com eine Anzeige heraus, in der drei Möglichkeiten aufgezeigt wurden, nach denen die Erhebung festlegt, ob ein Haus leer stehend ist: Betreten der Räumlichkeiten, Nutzungsprüfung und Befragung des Bauunternehmers. Er erklärte, dass seine „Haussitter“ für Leute, die nach Möglichkeiten suchen, diese Erhebung zu umgehen, überall dort tätig sein können, wo sie gebraucht werden. Sitter betreten das Haus von Zeit zu Zeit, stellen das Wasser  an und schalten das Licht ein. Solange der Verbrauch steigt, werden die Inspektoren nichts unternehmen. Wang hat auch Sitter, die mit den Bauunternehmern zusammenarbeiten und als Mieter fungieren.

Seit vergangenem Mai bietet Wang seine Dienste an. Die Preise dafür differieren je nach Größe und Stil des Hauses. Er gewährt sogar Preisnachlässe für Kunden, die mehrere Häuser besitzen. Seinen Aussagen zufolge ist die Nachfrage nach seinen Dienstleistungen seit der Bekanntmachung der Erhebung gestiegen.

Unveröffentlichte Statistiken

Hong Wei, ein Immobilienkritiker, der auch einen Blog hat, weist darauf hin, dass das Ministerium für Immobilien ein Büro unterhält, das detaillierte Informationen über Leerstandsraten besitzt. Allerdings hat keine einzige Stadt diese Statistiken veröffentlicht.

Nach Angaben des „Global Entrepreneur Magazine“ ist es leicht, von der Nutzung her auf die Leerstandsrate zu schließen. Die Tatsache, dass dies nicht geschieht lässt laut Artikel erkennen, dass die Bekanntgabe dieser Informationen einen Schlag für den Immobilienmarkt bedeuten würde.

Hong Wei präsentiert eine klare Analyse: Die Tatsache, dass überhaupt ein Bedarf für „Dienste für das Management leer stehender Häuser“ besteht, zeigt, dass etwas verkehrt läuft. Besitzer von legal erworbenem Eigentum haben das Recht, ihre Häuser leer stehen zu lassen. Also muss man in Betracht ziehen, dass hier ein Machtmissbrauch vorliegt – vermutlich von Parteibeamten.

Er führt weiter aus, dass viele Beamte eine große Anzahl von Immobilien besitzen, die im Wert weit höher liegen, als sie sich von ihrem offiziell angegebenen Einkommen leisten können.

Hong führt dazu folgendes Beispiel an: Hao Pengjun, ehemaliger Direktor eines Bergbaubüros in der Provinz Shanxi, hat 36 Immobilien in Peking, Hainan und Linfen gekauft; das Geld dafür kann unmöglich aus seinen staatlichen Bezügen stammen.

Für Hong stellen die Dienstleistungsangebote der Haussitter einen Versuch der Privatunternehmer dar, den Markt derjenigen Beamten zu erobern, die eine genaue Kontrolle ihrer Immobilien und Finanzen vermeiden wollen.

Immobilienblase

Nach einer anderen Erklärung sind leer stehende Häuser ein Symptom exzessiver Spekulationen und könnten 15 Prozent von Chinas Bruttoinlandsprodukt ausmachen. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Prozentsatz in den nächsten zwei Jahren weiterhin ansteigt, wenn die Kontrollmechanismen für den Wert von Immobilien gelockert werden.

Der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Andy Xie betonte, dass die inflationären Immobilienpreise die größte Sorge in der Vergangenheit waren und dass jetzt das Risiko zu vieler Häuser noch höher sei. Er schätzt, dass die Leerstandsrate zwischen 25 und 30 Prozent liegt, also doppelt so hoch ist wie angenommen und sich nicht mehr in vernünftigen Bahnen bewegt.

Ein weiterer Beobachter, Frank Xie, schrieb in einem Artikel der „New Epoch Weekly“, dass der Preis für eine unverkäufliche Multimillionen-Immobilie unverändert bleibt, während Chinas Immobilienmärkte völlig unausgeglichen sind. Er hat Bürger beobachtet, die die hohe Leerstandsrate eifrig dokumentierten, indem sie abends Aufnahmen von den Häusern machten. Er hat aber auch Versuche von Immobilienagenten gesehen, die Licht installierten, um die leeren Häuser am Abend zu beleuchten.

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„Die hässliche Wahrheit, wie Banken, staatliche Unternehmen und Interessengruppen heimlich zusammenarbeiten, wird an die Öffentlichkeit dringen“, schreibt er. „Ein Dutzend von schätzungsweise 100 staatlichen Unternehmen sind Immobilienunternehmen und fast alle staatlichen Unternehmen besitzen oder kontrollieren Tochtergesellschaften, die im Immobiliengeschäft tätig sind. Das könnte der größte ununterbrochene Raub in der Geschichte der Menschheit sein.“

Frank Xie erklärt, dass unter normalen Umständen, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, sich der Markt abkühlt. In China jedoch besteht das Regime darauf, dass weiter gebaut wird. Es lässt sogar Häuser niederreißen, die erst vor einigen Jahren gebaut wurden, um Platz für Neue zu schaffen.

„In ihrem gierigen Rausch sehen die Leute nur, wie man ungeheure Profite machen kann, wenn man Häuser baut, die niemand kauft und in denen auch niemand wohnt.

Noch floriert der Immobilienmarkt, obwohl er sich in einem solch schlechten Zustand befindet“, schreibt Frank Xie. „Es scheint so, dass das kommunistische China den Beweis für die Redensart antritt: Diejenigen, die die Götter zerstören wollen, führen sie zuerst in den Wahnsinn.‘“

Originalartikel auf Englisch: China’s Unbalanced Property Market Spawns ‘House Sitters’ for Hire