(Liu Jin/AFP/Getty Images)

Peking fasst heimlich Fuß in Mittelamerika

Von und 3. September 2008 Aktualisiert: 3. September 2008 11:13

Während der Rest der Welt nach Peking auf die Olympischen Spiele blickte, hat sich China zielstrebig Einfluss in Mittelamerika verschafft. Einer Region, die traditionell als Onkel Sams Hinterhof bekannt ist. China, neues Kind auf dem Feld, das die alten regionalen Verbindungen herausfordert,  lässt seit Juni 2007 Geld nach Costa Rica fließen. Die Wende kam, nachdem der mittelamerikanische Staat die fast 60 Jahre währenden diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen hatte.

Chinas erfolgreiches Werben um Costa Rica könnte wie eine Randerscheinung auf der Bühne der  internationalen Angelegenheiten erscheinen. Aber das Ausrollen des roten Teppichs für China in Costa Rica und anderen Ländern lässt vermuten, dass sich eine wichtige Machtverschiebung in dieser Region vollzieht.

Das zeigt auch, wie sehr sich die Welt seit dem Kalten Krieg verändert hat, als die Vereinigten Staaten Hunderte von Millionen Dollar Wirtschafts- und Militärhilfe nach Mittelamerika gepumpt haben. Und gelobt haben  „eine Grenze zu ziehen“ gegen die Sowjet-finanzierte „kommunistische Expansion“ in dieser Hemisphäre. Während sich die US-Außenpolitik auf den weltweiten Krieg gegen den Terror im Mittleren Osten konzentriert, setzt China jetzt seine neu gewonnene wirtschaftliche Macht ein, um neue Freundschaften mit Amerikas nächsten Nachbarn zu schließen.

Anfang des Jahres startete eine Delegation unter der Führung von Chinas Vizepremier für Landwirtschaft, Hui Liangyu, Costa Ricas Hauptstadt San José und einigen Regierungsmitgliedern einen formalen Besuch ab. Einige Abkommen wurden unterzeichnet, Geld versprochen und viel für die Kamera posiert. Hui und seine Begleitung wurden von Costa Ricas Präsident, Vizepräsident, Außenminister und der Leitung der Nationalversammlung, die China als „exotisches“ Land bezeichneten, herzlich empfangen.

Der Besuch wurde von der Regierung Costa Ricas als chinesische Delegation des höchsten Ranges angekündigt, die jemals das Land besucht hätte und in den öffentlichen Diskussionen kamen hohe Erwartungen zum Ausdruck. Beide Länder wiederholten immer wieder, dass sich ihre neue Beziehung nachhaltig entwickeln würde – und schnell. 

Ein Geschenk von 10 Millionen Dollar cash, die Erweiterung eines Stipendienprogramms von 20 auf 40 Stipendien mit Chinaaufenthalt für Studenten aus Costa Rica und die Spende von 200 Polizeiwagen für die öffentliche Sicherheit zählten zu den unterzeichneten Vereinbarungen. Auch über den Umgang mit Wasservorräten einigte man sich, und auf Führungsebene wurden Gespräche über zukünftige Freihandelsabkommen begonnen. Insgesamt kam es auf der „Wirbelwindreise“ zur Unterzeichnung von elf Dokumenten in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Handel, Technologie, Tourismus, Einwanderung, Diplomatie und Finanzen.

Ebenso hat Geld für den neuen Flügel eines staatlichen Krankenhauses in der Nachbarstadt San Pedro die Hände gewechselt. Das alte Krankenhaus wurde vor kurzem durch Brandstiftung schwer beschädigt und benötigte zudem Erneuerungen und Reparaturen.

Eine neue Heimat für Fußballspieler

Die vielleicht eindrucksvollste aller Vereinbarungen betrifft den Plan Chinas, ein neues Nationalstadion in San José zu bauen. Der Abriss des alten Stadions begann fünf Tage, nachdem Hui Liangyus Delegation im Mai das Land besucht hatte.

China verspricht 72 Millionen Dollar für den Stadionbau, der angeblich von 800 eigenen Arbeitern gebaut wird, die speziell für diese Aufgabe einreisten. Sie hätten auch die Pläne selbst erstellt und den Zeitplan für den Bau, der im Oktober starten soll, festgelegt.

„El Estadio Nacional“, wie die Costa Ricaner ihr Stadion nennen, war veraltet und musste dringend modernisiert werden. In noch höherem Maß allerdings steht dieses Projekt, von dem die Menschen hier sehr begeistert sind, im Licht der Öffentlichkeit – und das in einem Teil der Welt, in dem Fußball hohe Popularität genießt.

Laut Daniel Erikson, einem führenden Mitarbeiter der Expertenkommission für den inneramerikanischen Dialog in Washington, D.C., ist es kein Zufall, dass es sich bei Chinas erstem größeren öffentlichen Arbeitsprojekt in Costa Rica um ein Stadion handelt. „Ein Nationalstadion ist etwas, das die Chinesen zu bauen verstehen – und womit sie werben können“, sagt Erikson und fügt hinzu, dass der Stadionbau ein diplomatischer Schachzug sei, den China in dieser Region gezielt ausführe.

Seit dem vorigen Jahr gibt China Hilfestellung beim Bau von fünf Stadien für den Cricket-Weltcup in der nahen Karibik und ließ über 140 Millionen Dollar und mehr als 1.000 chinesische Arbeiter in das Projekt fließen.

Die Wahl zwischen Taiwan und China

Es ist kein Zufall, dass Costa Rica zum besten Freund Chinas in dieser Region wurde. In den vergangenen Jahren war es zu einem diplomatischen und wirtschaftlichen Tauziehen zwischen China und Taiwan gekommen.

Der Inselstaat Taiwan, der 1949 seine Verbindungen mit China abbrach und seine eigene Regierung bildete, verlor immer mehr Verbündete in der Welt, seitdem Präsident Richard Nixon in den frühen 70er Jahren zum ersten mal diplomatische Beziehungen zum kommunistischen Mutterland aufnahm. Heute unterhält Taiwan volle diplomatische Beziehungen mit nur 23 Staaten. Die lateinamerikanischen Staaten bilden die größte Gruppe dieser Verbündeten. Die Landenge von Mittelamerika – mit ihrem zusammenhängenden Streifen kleiner Länder – ist schon lange eine Hochburg der diplomatischen Unterstützung für Taiwan, aber Beobachter sind der Meinung, dass China seinen Druck erhöht, um Taiwan von seinen alten Verbündeten zu isolieren.

„Eines von Chinas höchsten außenpolitischen Zielen ist die weltweite Durchsetzung der ´Ein-China´-Politik“, sagt Erikson von der Expertenkommission für den inneramerikanischen Dialog. „Peking ist von der Idee der Wiedervereinigung Taiwans mit dem Mutterland regelrecht besessen.“

Neue Möglichkeiten auf dem Spielfeld in Mittelamerika eröffneten sich für China schon im Jahr 2006, als in Costa Rica, Nicaragua und El Salvador neue Regierungen an die Macht kamen. Die Verschiebungen in den politischen Allianzen vollzogen sich zusammen mit anderen Veränderungen in der historisch instabilen Region und verschafften China neuen Spielraum. Nicaragua deutete an, dass eine Bündnisbildung mit China bevorstehe, die aber schließlich doch nicht zustande kam – zumindest bis jetzt nicht. El Salvador bekannte sich öffentlich sehr deutlich zur Freundschaft und Zusammenarbeit
mit Taiwan.

Der Umschwung in Costa Rica vollzog sich, als Oscar Arias zum neuen Präsidenten gewählt und diplomatische Beziehungen im Jahr 2007 aufgenommen wurden. Durch diese Machtverschiebung bot sich China die Möglichkeit, hier Fuß zu fassen.

In Nicaragua, wo die taiwanesische Flagge noch an ihrer Botschaft in der Hauptstadt Managua weht, drücken deren Angehörige ihr Vertrauen in ihre Position aus. Laut Pablo Hui, einem Presse-Funktionär an der Botschaft von Taiwan, basiert die Beziehung vor allem auf technischen und landwirtschaftlichen Projekten.

„Taiwan und Nicaragua unterhalten sehr enge Beziehungen,“ sagt Hui. „Taiwan bietet viele Projekte in der Reisentwicklung an; wir verkaufen Wein, Gemüse und Früchte und sind darin sehr erfolgreich.“

Aber manche sind nicht davon überzeugt, dass Taiwan Nicaragua am meisten zu bieten hat. Ajax Delgado, ein Geschäftsmann in Managua, der in China hergestellte Fahrzeuge verkauft, ist auch der Chef einer Handelsorganisation, die sich für offizielle Beziehungen mit China einsetzt.

Delgado, der sein Geschäft vor etwa vier Jahren eröffnete, sagt, ein chinesischer Freund hätte ihm vor drei Jahren empfohlen diese Organisation zu gründen. Die sogenannte „Association for Friendship with the People’s Republic of China and Its People (Gesellschaft für Freundschaft mit der Volksrepublik China und ihrem Volk)“ wird teilweise von Präsident Ortegas sandinistischer Regierung finanziert und hat Verbindungen zum früheren Sandinisten Commandante Bayardo Arce. Der Konzern hat auch Zweigstellen in den Städten Leon und Matagalpa.

Nach Aussage von Delgado lässt die Zielsetzung dieser Organisation keinen Raum dafür, sich um die Folgen einer Aufnahme offizieller Beziehungen mit dem Mutterland China Sorgen zu machen. „Wir wissen, dass es zwischen Taiwan und China Probleme gibt,“ sagt Delgado. „Unsere Position ist die, dass wir Beziehungen mit China haben möchten. Die Wirklichkeit in Nicaragua sieht so aus, dass wir ein armes Land sind und überlegen müssen, mit welcher Regierung wir am besten diplomatische Beziehungen
aufnehmen.“

Nach vorne schauen

Costa Ricas wirtschaftliche, politische und innere Stabilität in einer historisch unberechenbaren Region könnte Chinas Anwesenheit dort zu einem perfekten Modell für andere Länder werden lassen.

Trotz Taiwans langer Präsenz in dieser Region könnte der Kampf um die Aufnahme und den Erhalt von internationalen Beziehungen auf reine Zahlen reduziert werden.

„China versucht gerade aus Costa Rica ein Modell für andere Staaten zu machen,“ sagt Daniel Erikson vor der Expertenkommission für den inneramerikanischen Dialog. „Costa Rica könnte zur Ausgangsbasis für den Versuch werden, auch das restliche Mittelamerika für sich zu gewinnen.“

(Liu Jin/AFP/Getty Images)
(Liu Jin/AFP/Getty Images)


Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion