Die erste Corona-Warnung aus der Notaufnahme von Dr. Ai Fen – Internet kämpft mit Morse-Code gegen Zensoren

Von 23. März 2020 Aktualisiert: 3. April 2020 12:29
Morse-Code, DNA, Blindenschrift, Emoji, Orakelschrift und Elfenrunen - Chinas Internetuser waren erfinderisch, die Geschichte von Ai Fen für die Nachwelt gegen die Zensoren zu sichern.

Der chinesische Arzt Li Wenliang versuchte bereits Ende Dezember durch WeChat Freunde und Bekannte vor einem Virus-Ausbruch zu warnen. Innerhalb weniger Stunden wurden Screenshots seiner Nachricht viral verbreitet: Patienten mit einer SARS-ähnlichen Krankheit von einem lokalen Meeresfrüchtemarkt. Wenige Tage später wurde Li zur Polizei bestellt und wegen „Gerüchte online verbreiten“ schwer gerügt. Er musste eine Erklärung unterzeichnen, in der er zugab, „falsche Kommentare“ gemacht und damit „die soziale Ordnung in schwerwiegender Weise gestört“ zu haben. Doch woher hatte er bereits so früh Informationen über erste Krankheitsfälle durch das neue Coronavirus? Die Spur führt zu einer Frau, einer Kollegin von Dr. Li, der Direktorin der Notaufnahme des Wuhan Central Hospital Dr. Ai Fen.

Sie war die Quelle seiner Informationen, sie hatte die drohende Gefahr auch als erste erkannt und die Informationen an mehrere Ärzte im Krankenhaus weitergegeben. Schließlich erreichten sie auch Dr. Li Wenliang, der sie veröffentlichte. Im Februar starb der 33-Jährige selbst am Coronavirus, der sich mittlerweile auf 155 Länder der Welt ausgebreitet hat.

Am 10. März veröffentlichte das „Peoples Magazin“ ein Interview mit Dr. Ai Fen, gerade an dem Tag, als Chinas Führer Xi Jinping Wuhan besuchte. Der Artikel wurde kurz nach seinem Erscheinen gelöscht. Zuvor gelang es jedoch Personen, ihn zu reproduzieren, eine Version wurde auf der chinesischsprachigen Epoch Times (DaJiYuan) gesichert.

Im Kampf gegen die Zensoren

Doch alle Blogbeiträge über Ai Fen verschwinden rasch, nachdem sie in den sozialen Medien Chinas veröffentlicht wurden. Offenbar suchen die Zensoren des Internets nach bestimmten Begriffen, um an ihr Werk zu gehen. Internet-User bedienten sich daher zahlreicher Tricks, um diese Informationen am Leben zu halten und die Tools der Zensoren zu umgehen.

Der chinesische Regisseur Ye Daying, Sohn des KP-Generals Ye Ting (1896-1946) nannte das Löschen von Posts auf Weibo einen faschistischen Akt: „Kann es in einem System, in dem sogar Ärzte ihr Leben riskieren, um die Wahrheit zu sagen und es eine Gesellschaft gibt, die nur Loblieder singt, einen Glücksindex geben?“, zitierte die „DaJiYuan“ den Prominenten.

Die Menschen bemühten sich, die Informationen vor den Zensoren zu schützen und zu bewahren, denn sie sind auch untrennbar mit dem Vorwurf verbunden, warum die Behörden der Kommunistischen Partei Chinas sie unterdrückten, statt zu handeln und damit die Seuche in ihrer Anfangsphase zu bekämpfen.

Die „Hong Kong Free Press“ (HKFP) berichtet von einer Studie der Universität Southampton, in der berechnet wurde, dass sich die Zahl der Corona-Fälle um 95 Prozent hätte verringern lassen, wenn die Kommunistische Partei drei Wochen früher, also Anfang Januar bereits auf die Gefahr mit Maßnahmen reagiert hätte.

Mittlerweile wurde Ai Fens Bericht in mehrere Sprachen übersetzt, als Emoji-Text kodiert, in der Blindenschrift Braille veröffentlicht, mit Morsezeichen geschrieben, als DNA-, Bar- oder QR-Code verschlüsselt und sogar in Orakelschrift und Elfenrunen dargestellt – viele Versionen existieren im Internet, auf einer Seite wurden 33 davon veröffentlicht.

Ai Fen – Ärztin, um Leben zu retten

In ihrem Bericht schildert Ai Fen, dass ihr Vater an Magenkrebs gestorben sei, als sie gerade erst neun Jahre alt war. Damals dachte sie, dass sie Ärztin werden wolle, um das Leben anderer zu retten. Nach College und Universität (1997) ging sie ins Zentralkrankenhaus und wurde 2010 Leiterin der Notaufnahme: „Ich denke, die Notaufnahme ist wie ein Kind von mir. Ich habe sie groß gemacht …“

Hier habe es Herzinfarkt und Schlaganfall, Magen-Darm-Blutungen, Traumata und andere Fälle gegeben und für alle Patienten reibungslose Abläufe – eine Art von Geschäftigkeit, die mit einem Gefühl der Erfüllung verbunden gewesen sei. Doch alles änderte sich: So viele schwerkranke Patienten, ohne Möglichkeiten, sie zu behandeln, sie auch nur im Krankenhaus aufzunehmen, es sei jetzt eine andere Art Geschäftigkeit, traurig und hilflos.

Bis zum 9. März waren vier ihrer Ärztekollegen im Krankenhaus gestorben, mehr als 200 Mitarbeiter sind infiziert, darunter drei Vizepräsidenten und mehrere Abteilungs-Direktoren. Doch niemand wagt es, öffentlich zu sprechen, nur unter vier Augen wird diskutiert und getrauert.

Alles begann Mitte Dezember des vergangenen Jahres im Wuhan Central Hospital an der Nanjing Road, nicht weit entfernt vom vermuteten Ausbruchsort, dem South China Seafood Market …

Coronavirus in der Notaufnahme

Am 16. Dezember wurde eine Patientin in die Notaufnahme eingeliefert, die unerklärliches hohes Fieber hatte. Doch die Medikamente zeigten keine Wirkung und es gelang nicht, ihre Körpertemperatur zu senken. Am 22. wurde sie in die Atemabteilung verlegt, eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) durchgeführt. Die bei der Untersuchung entnommene Alveolarspülflüssigkeit wurde dann zur Hochdurchsatz-Sequenzierung geschickt. Die mündliche Meldung kam: Coronavirus. Erst später erfuhren die Ärzte, dass die Patientin im Sea Food Market in Wuhan arbeitete.

Am 27. Dezember kam der Neffe eines Arztes aus der Abteilung von Dr. Ai Fen, ein Mann in den 40ern, ohne Grunderkrankungen. „Seine Lunge war beeinträchtigt, sodass die Sauerstoffsättigung des Blutes nur 90 Prozent betrug“, so die Ärztin. Fast zehn Tage lang wurde er im Krankenhaus ohne jegliche Besserung behandelt, dann kam er in die Abteilung für Atemwegserkrankungen. Auch bei ihm wurde Spülflüssigkeit aus der Lunge getestet. Am 30. Dezember zeigte ein Kollege von Dr. Ai ihr einen Bericht mit dem Inhalt: SARS-Coronavirus, hauptsächlich Tröpfchenübertragung aus nächster Nähe oder Kontakt mit Atemwegssekreten von Patienten, offensichtlich ansteckende atypische Lungenentzündung möglich, die mehrere Organsysteme betreffen kann.

Der rote Kreis macht die Runde

„Damals hatte ich kalten Schweiß vor lauter Angst. Es war schrecklich“, erinnerte sich Ai Fen. Die Ärztin meldete es unter anderem der Abteilung für öffentliche Gesundheit des Krankenhauses. Sie gab den Bericht auch an einen ihrer ehemaligen Klassenkameraden vom Tongji Medical College sowie Ärzten in ihrer Abteilung weiter und kreiste die Begriffe „SARS-Coronavirus, Pseudomonas aeruginosa, 46 Arten von oralen/respiratorischen Besiedlungsbakterien“ mit einem roten Kreis ein, um alle daran zu erinnern, vorsichtig zu sein.

Noch in derselben Nacht verbreitete sich die Nachricht und im Internet tauchten Screenshots auf, Kopien des Fotos mit dem roten Kreis. Einen Tag später bekam Dr. Ai Fen eine Nachricht vom Leiter der Krankenhausaufsichtsabteilung, der sie für den nächsten Morgen zu sich bestellte. Sie sei „in einem noch nie dagewesenen Ausmaß und sehr hart getadelt“ worden.

Die Seuche breitet sich aus

Die Vorahnungen dessen, was da kommen sollte, war dem medizinischen Personal der Notaufnahme allgegenwärtig. Sie überlegten, wie sie sich schützen könnten, ohne dass sie zu viel Aufmerksamkeit erregten. Einige merkten an, „dass das Tragen der Oberbekleidung Panik auslösen würde“. Dr. Ai Fen wies sie an, die Isolierkleidung unter dem weißen Kittel zu tragen. Auch Mundschutz und Einweghandschuhe wurden verwendet.

„Wir beobachteten immer mehr Patienten und der Radius des Ausbreitungsgebietes wurde immer größer“, so die Ärztin. Sie fragte sich, warum es immer mehr Patienten gebe, wenn es keine Übertragung von Mensch zu Mensch geben soll. „Wenn alle bereits am 1. Januar wachsam gewesen wären, gäbe es nicht so viele Tragödien.“

Zuerst waren es Leute vom Seafood Market, dann deren Familienangehörige. Der Klinikchef wurde krank, eine Krankenschwester der Notaufnahme infizierte sich, das war am 11. Januar. Das Krankenhaus hielt eine Notfallsitzung ab. Die Befunde wurden von „Doppel-Lungen-Infektion“ auf „zwei Lungen mit verstreuten Infektionen“ geändert. Dr. Jiang Xueqing wurde am 17. Januar eingeliefert und musste nach zehn Tagen künstlich beatmet werden. Laut chinesischen Medien verstarb er am 1. März. Er war ein Nachbar von Ai Feng, sie wohnt mit ihrer Familie im 40. Stock, er lebte im 30. Sie bezeichnete ihn als Workaholic. „Er war entweder im Operationssaal oder in der Klinik“.

Notaufnahme im Kriegszustand

In der Nacht vor der Schließung der Stadt rief ein Freund Dr. Ai an, fragte nach der wahren Situation der Notfallpatienten in Wuhan. „Ich werde Ihnen die Wahrheit sagen (…). Am 21. Januar behandelte unsere Notaufnahme 1.523 Patienten, dreimal so viele wie üblich, 655 von ihnen hatten Fieber. Wenn es sich hier um einen Krieg handelt, steht die Notaufnahme an vorderster Front.“

Doch die Situation war diesmal so, dass die Stationen belegt waren. Man wollte keinen der neuen Patienten aufnehmen. Die Aufnahme in der Intensivstation lehnte sie ab. „Sie sagten, es seien saubere Patienten dort, die gleich beim Eintritt verseucht würden.“ Die Patienten „stapelten“ sich in der Notaufnahme, im Saal, im Infusionsraum des Rettungsraumes, alles voll.

Eine Familie kam, sie konnten nicht in die verschlossene Tiefgarage und standen mit dem Auto auf der Straße. „Ich konnte nicht anders, als mit Personal und Geräten zum Auto zu laufen.“ Doch der Vater der Familie war bereits im Auto gestorben.

Es gibt immer noch viele Menschen, die ihre Familien auf die Station schicken. Es ist das letzte Mal, dass sie sich sehen. Sie werden sich nie wieder sehen.“

Die Patienten, die in der Notaufnahme gestorben seien, hätten alle keine Diagnose bekommen, seien alle keine bestätigten Fälle gewesen, erinnert sich die Abteilungschefin.

Die Nerven liegen blank

Eines Morgens meldete sich ein Arzt per WeChat bei Dr. Ai Fen ab. Er sagte, dass er sich nicht gut fühle. Im weiteren Verlauf des Chats verlor er die Beherrschung, warf ihr vor, dass eine große Zahl hochverdächtiger Fälle von der von ihr geleiteten Notaufnahme wieder in die Gesellschaft zurückgeschickt worden seien. „Ich verstehe ihn wegen seines Gewissens als Arzt, aber ich war auch besorgt und sagte: Sie können mir sagen, was Sie tun wollen, wenn Sie der Leiter der Notaufnahme sind.“

Nach ein paar Tagen hatte er sich beruhigt und kam wieder zur Arbeit. Er sagte, dass er keine Angst vor Tod und Erschöpfung hatte, doch fühlte er sich innerlich niedergeschlagen angesichts der vielen Patienten.

Vor allem die Ärzte, die zur Unterstützung kamen, konnten das alles psychisch nicht ertragen. Einige Ärzte und Krankenschwestern weinten – die einen um die Menschen, andere wegen ihres eigenen Schicksals, weil niemand wusste, wann er an der Reihe war, sich anzustecken.

Lebensretter an der Front

Mitte bis Ende Januar erkrankten nacheinander mehrere Führungspersonen des Krankenhauses, unter anderem der Büroleiter und drei Vizepräsidenten. „Auch die Menschen um mich herum begannen einer nach dem anderen umzufallen.“ Am 18. Februar gegen 18.30 Uhr sagte Ai Fen einer Isolationsschwester, dass ein Arzt gestürzt war. „Nachts fiel dann unsere Oberschwester um.“ Auch Ai Fen war jeden Tag in Kontakt mit diesen Kollegen. Sie rechnete damit, bald zusammenzubrechen. Alle im Krankenhaus hielten es für ein Wunder, dass sie noch nicht erkrankt war. Sie selbst analysierte sich und fand eine mögliche Erklärung: „Vielleicht liegt es daran, dass ich Asthma habe und die Verwendung einiger inhalierter Hormone kann die Ablagerung dieser Viren in der Lunge hemmen“, meinte die Ärztin.

Vor einigen Tagen ist eine Krankenschwester in Guangxi bei der Arbeit plötzlich ins Koma gefallen. Man konnte sie retten. Später erlitt sie einen Herzschlag und ist nun immer noch im Koma. Mehrere medizinische Mitarbeiter unter Ai Fens Führung würden an Resignation denken. „Viele arbeiten hart. Eine Tochter schickte heute im WeChat eine Nachricht in der stand, dass ihr Vater seine ganze Zeit den Patienten geschenkt hatte,“ berichtet die Ärztin.

Doch Ai Fen erinnerte auch daran, dass jeder „auf seinem eigenen unabhängigen Denken“ bestehen müsse, „weil jemand aufstehen und die Wahrheit sagen muss …“. Sie sagte: „Wer von uns aus Wuhan liebt nicht seine Stadt. Wenn ich an früher denke, an das gewöhnliche Leben, welch ein Luxus. Wenn ich an ganz normale Sachen denke, wie mein Baby zu halten, mit ihm auf der Rutsche zu spielen oder mit meinem Mann einen Film anzuschauen, früher war das ganz normal. Aber jetzt: Es wäre ein Glück, das zu haben, aber wir haben es nicht mehr.“

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