Gebetsfahnen vor dem Wasserkraftwerk Zangmu in Lhoka am 23. November 2014 in der Region Tibet, Südwesten Chinas.Foto: STR/AFP über Getty Images

Expertin: Chinas Regime nutzt Tibets Flüsse als Waffe und blockiert Asiens Wasserversorgung

Von 18. September 2020 Aktualisiert: 20. September 2020 8:30
"Asien befindet sich in einer Wasserkrise", meint die China-Expertin Maura Moynihan. Denn Chinas Regime habe eine neue Waffe entdeckt: Die vielen Flüsse Tibets, die stromabwärts gelegene Länder mit Wasser versorgen.

Auf der tibetischen Hochebene entspringen 10 große Flüsse Asiens, die Hunderte von Millionen Menschen auf dem ganzen Kontinent mit Wasser versorgen. Doch das chinesische kommunistische Regime hat diese Gewässer zur Waffe umgewandelt, um seine eigene Industrialisierung voranzutreiben. 

„Dadurch werden die flussabwärts gelegenen asiatischen Länder dieser kostbaren Ressource beraubt,“ sagt Maura Moynihan, China-Expertin und Tibet-Aktivistin.

Ihre Warnung kommt inmitten der schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten in China, durch die das Wassermanagement im Land an Bedeutung gewonnen hat. In den letzten Monaten mussten zig Millionen Menschen in Zentral- und Südwestchina ihre Häuser verlassen; die chinesische Wirtschaft verlor Milliarden von US-Dollar.

Die Überschwemmungen haben zudem erneut die Besorgnis über die strukturelle Integrität und die ökologischen Auswirkungen der weltgrößten Wasserkraftanlage hervorgerufen – des Drei-Schluchten-Staudamms am Fluss Jangtse. 

Im August erreichte der Wasserstand im Stausee des Staudamms Rekordhöhen und fast die maximale Kapazität. Kritikern zufolge sei der Staudamm nur begrenzt in der Lage, Überflutungen zu kontrollieren. Sein Vorhandensein könnte die Probleme auf lange Sicht verschlimmern. Sollte der Damm brechen, wären Millionen von Menschenleben in Gefahr.

Expertin: Dämme und Deiche in China blockieren Wasserversorgung Asiens

Für Moynihan stellen die Probleme rund um den Drei-Schluchten-Staudamm die Spitze des Eisbergs dar – das chinesische Regime hat Hunderttausende von Deichen, Talsperren und Dämmen entlang seiner großen Flusssysteme gebaut.

„Wenn diese Dämme einmal gebaut sind, ist es wirklich schwierig, sie wieder abzubauen und die von [ihnen] verursachten Umweltschäden rückgängig zu machen“, sagte Moynihan kürzlich in einem Interview mit dem „American Thought Leaders“-Programm von The Epoch Times.

Das führte eine Wasserkrise herbei, doch „niemand im Westen will davon hören“, sagte die Aktivistin. „Das Einspannen und Drosseln dieses Wassers, das Umwandeln dieses Wasser zur Waffe und das Leiten des Wassers Tibets ins durstige Festland der Volksrepublik China hat enorme Folgen, denn Asien ist der bevölkerungsreichste Kontinent der Welt“, sagte Moynihan.

„Wir befinden uns in einer Krise“, fügte sie hinzu. „Und ich glaube nicht, dass es in Amerika einen einzigen Think-Tank gibt, der sich damit befasst“.

Auf Druck der KPC: Medien im Westen vermeiden Diskussion über Tibet

Jahrzehntelang reiste Moynihan durch die Region, forschte und berichtete über Probleme, mit denen Tibet konfrontiert ist. Ihre Kolumnen wurden früher in Zeitungen wie der „Washington Post“ veröffentlicht. Doch der Hunger nach ihrer Berichterstattung sei seit den 2000er Jahren „scheinbar über Nacht“ verschwunden, sagte sie. 

„Die Medien tun nun im Grunde genommen das, was die KPC will, indem sie jegliche Diskussion über Tibet einstellen“, fügte sie hinzu und bezog sich dabei auf die Kommunistische Partei Chinas. „Im letzten Jahrzehnt gab es anscheinend eine völlige Nachrichtensperre über Tibet“, sagte Moynihan.

Bericht: China hielt Wasser am Mekong zurück – trotz Dürre stromabwärts

Die aggressiven Staudammprojekte des chinesischen Regimes hätten es ihm ermöglicht, die Gewässer als Waffe zu nutzen und die Versorgung der flussabwärts gelegenen Länder zu unterbrechen, sagte Moynihan.

In den vergangenen zwei Jahren verzeichnete der Mekong, der in Tibet entspringt und durch fünf südostasiatische Länder fließt, rekordverdächtig niedrige Wasserstände. Dies wurde nicht nur durch weniger Regenfälle verursacht, sondern auch durch Chinas stromaufwärts gelegene Wasserkraftwerke, die enorme Wassermengen zurückhielten, hieß es in zwei Berichten in diesem Jahr.

Laut einem Bericht vom April (pdf) gingen über China im Jahr 2019 sechs Monate lang hohe Niederschlagsmengen nieder, währenddessen hielten seine Dämme noch nie dagewesene Wassermengen zurück – selbst als die flussabwärts gelegenen Länder mit einer schweren Dürre zu kämpfen hatten. 

Der Bericht wurde von „Eyes on Earth“ verfasst, einem in den USA ansässigen Klimaberatungsunternehmen, und gemeinsam von der „Lower Mekong Initiative“ der US-Regierung und der von den Vereinten Nationen unterstützten „Sustainable Infrastructure Partnership“ in Auftrag gegeben.

Die Mekong-Flusskommission (Mekong River Commission) – eine zwischenstaatliche Gruppe, der Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam angehören – brachte in einem Bericht vom August (pdf) auch die Mekong-Dürre mit Chinas Staudämmen in Verbindung.

Pompeo: Pekings Aktivitäten am Mekong verschärften Mekong-Dürre

US-Außenminister Mike Pompeo rief die Aktivitäten Pekings am Mekong in Erinnerung. Am 14. September erklärte er, dass die „einseitigen Entscheidungen der KPC, Wasser flussaufwärts zurückzuhalten, eine historische Dürre verschärft haben“.

Er kritisierte die Kommunistische Partei Chinas dafür, dass es der Mekong-Flusskommission keine umfassenden Daten über Wasserströme zur Verfügung stellt.

Peking liefert Wasserstands- und Niederschlagsdaten nur während der Hochwassersaison und nur von zwei seiner vielen Stationen am Oberen Mekong. Dies sei für die Wasserwirtschaft „unzureichend“, erklärte die Kommission. 

Ende August versprach der chinesische Premierminister Li Keqiang, jährliche hydrologische Informationen mit den Mekong-Ländern zu teilen, gab aber keine weiteren Einzelheiten bekannt.

Pompeo ermutigte die Mekong-Länder, „die KPC für ihre Zusage, ihre Wasserdaten auszutauschen, zur Rechenschaft zu ziehen“. „Diese Daten sollten öffentlich sein. Sie sollten das ganze Jahr über veröffentlicht werden“, sagte er und fügte hinzu, dass sie über die Mekong-Flusskommission ausgetauscht werden sollten.

Keine Kritik an KPC aus Südostasien

Die USA starteten letzte Woche die Mekong-USA-Partnerschaft (Mekong–U.S. Partnership), in deren Rahmen mehr als 150 Millionen US-Dollar für regionale Initiativen zur Verfügung gestellt werden, um die Wassersicherheit entlang des Mekong zu stärken.

Moynihan zufolge seien die flussabwärts gelegenen Länder wegen ihrer tiefen wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking in dieser Frage nicht sehr lautstark aufgetreten. Viele südostasiatische Staaten hätten sich der „Neuen Seidenstraße“ angeschlossen, dem wichtigsten Infrastruktur-Investitionsprojekt des Regimes, mit dem es seinen Einfluss weltweit vergrößern wolle, meinte sie.

„Sie können sich nicht wirklich zu Wort melden und die KPC kritisieren […], denn sie kann ihre Versorgung blockieren“, so Moynihan. „Es ist sehr, sehr ernst.“

Nach chinesisch-indischem Grenzkonflikt: Indien befürchtet Wasserblockade

Unterdessen könnte auch Indiens Wasserversorgung blockiert werden, sagte Moynihan. China baut mehrere Wasserkraftwerke entlang des Brahmaputra-Flusses – der von Tibet nach Indien und Bangladesch fließt – und schürt damit die Angst, dass das Regime die Kontrolle für seine politischen und wirtschaftlichen Vorteile missbrauchen könnte. 

Diese Befürchtungen gewannen nach den jüngsten tödlichen Zusammenstößen an der Grenze zwischen Indien und China im Galwan-Tal an Dringlichkeit.

Moynihan erwähnte ein Gespräch mit einem indischen General im Ruhestand, den sie auf einer Cocktailparty in Neu-Delhi traf. „Wir sprachen über Tibet“, sagte Moynihan. „Er sagte: ‚Nun, was sollen wir machen? Sie sind dort. Und wir sind hier und schauen hinauf, und ihre Gewehre sind auf uns gerichtet. Und sie haben auch unser Wasser. Was sollen wir tun?’“

Das Original erschien in der englischen EPOCH TIMES (deutsche Bearbeitung von as)
Originalartikel: Chinese Regime ‘Weaponizing’ Tibet’s Rivers, Choking Asia’s Water Supply: Expert


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