UFOs über der Ostsee: Ausstellung zeigt „Luftschlacht von Stralsund“

Vor fast 400 Jahren berichteten Fischer von UFOs über der Ostsee. Die Kunstbibliothek Berlin widmet dem bis heute unerklärten Luftphänomen eine eigene Ausstellung und zeigt mehr oder weniger überraschende Parallelen auf.
Ufos über der Ostsee
Kupferstich,Foto: Staatsbibliothek zu Berlin, Abteilung Handschriften und Historische Drucke
Von 21. Mai 2023

8. April 1665. Gegen 14 Uhr beobachten sechs Fischer beim Heringsfang vor Stralsund, wie sich Vogelschwärme am Himmel in Kriegsschiffe verwandeln und sich donnernde Luftgefechte liefern. Als ihnen am Abend über der Kirche Sankt Nikolai noch „eine platte runde Form wie ein Teller“ erscheint, ergreifen sie die Flucht. Tags darauf – so wird berichtet – zittern sie am ganzen Leib und klagen über Schmerzen. Ausgerechnet in jene Kirche schlug fünf Jahre später am 19. Juni 1670 ein Blitz ein.

Wie Flugblätter und Zeitungen vor fast 400 Jahren von diesen bizarren Ereignissen berichteten, unterscheidet sich kaum von der heutigen Kommunikation und Berichterstattung über „unidentified aerial phenomena“ oder kurz UFOs: dem Narrativ folgen, Totschweigen oder Erfinden wilder Theorien.

Kein Gott ist auch keine Erklärung

So prägten hauptsächlich religiöse Überzeugungen die Berichterstattung der Zeit. Ihnen gemeinsam war das damalige Weltbild von einem Gott, der bevorstehende Heimsuchungen an den Himmel projiziert. Auch die Luftschlacht wurde als ein solches „Prodigium“ (lat. „Vorzeichen“) gedeutet. Niemand kam auf die Idee, dass es sich um ein Naturphänomen oder eine Zeitungsente handeln könnte.

Letzteres wäre heute vermutlich die erste Erklärung, gefolgt von russischen oder chinesischen Drohnen. Darin zeigt die sich im Laufe der Jahrhunderte geänderte Weltanschauung und die Abkehr vom Göttlichen. Gleichwohl gibt es auch in jüngerer Zeit nachweislich einige Luftphänomene, die sich selbst gestandene Piloten, Militärs und Astronauten nicht erklären können.

Außer-Irdische Reisen statt UFOs

Nicht nur die Religion prägte das Bild der Luftschlacht von Stralsund, eine besondere Rolle spielten futuristische Visionen von Luftschiffen, welche die Menschen des 17. Jahrhunderts begeisterten. Mehr als 100 Jahre vor dem ersten bemannten Ballonflug erregte der Entwurf eines von Vakuumkugeln getragenen Flugboots europaweit für Aufsehen. Dass das Vorhaben nie realisiert werden konnte, tat der Euphorie keinen Abbruch. Ein Muster, das sich in der Geschichte der UFO-Forschung mehrfach wiederholen sollte.

Als erste Ausstellung zu einer historischen UFO-Sichtung rekonstruiert „UFO 1665“ anhand etwa 50 zeitgenössischer Bild- und Textquellen die Karriere der sensationellen Meldung. Sie führt Besucher in eine fremdartige Bilderwelt, die sich vor dem Massenpublikum der Museen zwischen den Seiten alter Bücher oder in Archiven versteckt.

Wer die Kunst des 17. Jahrhunderts nur aus den großen Gemäldegalerien kennt, wird sich überrascht die Augen reiben. Man hat den Eindruck, als beträte man ein barockes Paralleluniversum mit seltsamen Zeichen am Himmel, Luftschiffen, Weltraumraketen sowie fliegenden und/oder schwimmenden Scheiben.

Die menschliche Fantasie war längst so weit, sich Expeditionen zu bewohnten Planeten und entsprechende Antriebssysteme vorzustellen. Außerirdische, die ihrerseits mit Flugapparaten an unserem Himmel erscheinen, gab es (noch) nicht.

UFO 1665. Die Luftschlacht von Stralsund

Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin
5. Mai – 27. August 2023
6,- Euro; ermäßigt 3,- Euro

Kulturforum, Kunstbibliothek
Matthäikirchplatz 6, 10785 Berlin
Di. – Fr. 10 – 18 Uhr; Sa. + So. 11 – 18 Uhr



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