Friedrich II. nutzte das Chinesisches Teehaus im Sommer zum Speisen.Foto: iStock

Friedrich II. als Chinese: „Du siehst, erhabener Kaiser, wie anders alle Dinge in Europa und Asien sind …“

Von 17. Dezember 2017 Aktualisiert: 17. Dezember 2017 18:51
Eine fröhliche Gesellschaft umringt von Affen, Papageien und Buddha-Statuen: So sieht im Chinesischen Haus von Sanssouci die Idealvorstellung des alten China aus. Besucher aus aller Welt bestaunen den Pavillon mit den vergoldeten Figuren im Potsdamer Schlosspark. Doch nur wenige wissen, dass sich Friedrich der Große auch als Philosoph sehr für China interessierte.

Was kann Europa von China lernen? Diese Frage beschäftigte im 18. Jahrhundert die Gelehrten, als chinesische Seide, chinesisches Porzellan und Kunsthandwerk den Adel begeisterten.

Während christliche Missionare ihrem Sendungsbewusstsein folgend nach China gingen, waren es die Denker der Aufklärung, die tiefer in die philosophische Gedankenwelt der Chinesen einzudringen suchten. Die großen Aufklärer wie Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Wolff und Voltaire waren von Chinas Gesellschaftssystem und Konfuzius fasziniert – und mit ihnen Preußenkönig Friedrich der Große (1712-1786). In China sahen sie das Ideal einer auf Verstand und Moral gegründeten Gesellschaftsordnung verwirklicht: Eine Zivilisation, die ohne konkreten Bezug zu einer Religion auskam und seit Jahrtausenden funktionierte.

Weil damals ein Brief jedoch Monate, wenn nicht jahrelang reiste, waren über China selbst kaum Details bekannt. Und so diskutierten Europas Denker vor der Projektionsfläche des idealen China besonders die Missstände ihrer Zeit – denn europäische Ereignisse standen damals in starkem Kontrast zu den Entwicklungen in Fernost.

Hugenotten-Verfolgung in Europa – kaiserliche Toleranz in China

Eine Fluchtwelle der Hugenotten wurde ausgelöst, nachdem der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. im Jahr 1685 das Edikt von Nantes widerrief, was den Protestanten ihre religiösen und bürgerlichen Rechte nahm. Auch nach Preußen kamen viele Hugenotten.

Nur wenig später erließ der Kangxi-Kaiser sein historisches Toleranz-Edikt. 1692 legalisierte er das Christentum in China. Im November 1700 bekräftigte Kangxi dann nochmals den weltanschaulichen Dialog zwischen Ost und West, indem er per Gesetz erklärte, „dass das Wort ‚Himmel‘, (…) im Verständnis der Gelehrten und der alten Chinesen ein höchstes, intelligentes Wesen, Herrscher über Himmel und Erde, bezeichne und nicht etwa den physikalischen Himmel“.

Kangxis Nachfolger hoben das Toleranzedikt zwar wieder auf – aber das Zeichen war gesetzt.

Friedrich schreibt aus chinesischer Sicht

Über den Himmel, wie ihn die Chinesen verstanden, schrieb 60 Jahre später auch Friedrich der Große. Dabei sparte er nicht mit satirischen Spitzen gegen das Papsttum und die katholische Kirche – und lobte gleichzeitig das vorbildliche China.

1760 erschien in Köln das Büchlein, mit dem sich der Preußenkönig in die Reihe der fiktiven Reiseberichterstatter einreihte, welche Europas politische Situation aus chinesischer Sicht karikierten. Friedrichs „Bericht des Phihihu, Sendbote des Kaisers von China in Europa“ erzählt vom Aufeinanderprallen von Islam und Christentum, dem Herrschaftsanspruch des Papsttums und den Nachwirkungen der Reformation.

Der kaiserliche Bote Phihihu, alias Friedrich, reibt sich darin die Augen über die europäischen Verhältnisse: „Religion, Regierung, Sitten und Politik, alles überrascht mich. Vieles erscheint mir unbegreiflich“, schreibt er an „seinen“ Kaiser. „Der Hauptunterschied zwischen dem Denken der Europäer und dem unseren besteht darin, daß sie sich oft rückhaltlos ihrer Einbildungskraft überlassen, die sie für Vernunft halten, während die, welche das Glück haben, als Deine Sklaven geboren zu sein, den Grundsätzen des gesunden Menschenverstandes und der Weisheit unverbrüchlich treu sind.“

Und in einem Dialog über Toleranz schreibt Friedrich:

„ … ich fände es scherzhaft, dass er von jedermann verlangte, seine Meinung zu teilen. Denn als der Tian [Himmel] uns schuf, habe er jedem besondere Züge, einen besonderen Charakter und eine besondre Art, die Dinge zu sehen, gegeben. Wenn man also nur in der Übung der sittlichen Tugenden einig sei, käme es auf das übrige wenig an.“

Wer die „Phihihu-Briefe“ liest, bekommt einen humorvoll-direkten Blick auf Friedrich den Großen und seine Zeit und lernt den Philosophenkönig auf ungewohnte Art kennen.


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