Roman (gespielt von Tyrese Gibson) bei einem todesmutigen Sprung in dem Action-Thriller „Fast & Furious 6“.Foto: Universal Pictures

Kino: Filmrezension „Fast and Furios 6“

Von 25. Mai 2013 Aktualisiert: 25. Mai 2013 8:06

Boa! Hier kommt Leben! „Fast & Furious 6″ – das ist der 2013 Sommer-Renner, Leute! So viel wie einer auch die „Fast & Furious“-Reihe spontan verspotten mag, so muss er sich doch die Frage gefallen lassen, wie in aller Welt es denn zu sechs Folgen kommen konnte. Sie erfüllen eindeutig ein Bedürfnis. Welches? Need for Speed. Zu deutsch: die Lust zu rasen. Auf Hochdeutsch: das Bedürfnis nach Geschwindigkeit.

In der fünften Folge „Fast Five“ (auch ein Kassenmagnet), zogen der Autodieb Dominic Toretto (Vin Diesel) und Ex-Cop Brian (Paul Walker) einen 100 Millionen Dollar-Bank Job an Land und gingen damit in Rente. Also mussten sie wieder aus dem Ruhestand geholt werden.

Dwayne Johnson spielt den Diplomatic Security Service-Agenten Luke Hobbs und wiederholt seine Rolle aus „Fast Five“. Hobbs hatte sich in „5″ mit Dominic Toretto verbündet, dem unbestrittenen Auto-bad-boy-Star der „Fast“-Serie in „5″. In „6″ macht Hobbs Toretto ein Angebot, das dieser nicht ablehnen kann.

Es geht um die Festnahme einiger Super-Fahrer-Söldner. Dabei stellt sich heraus, dass die Freundin des bad-boys-Anführers Letty (Michelle Rodriguez) ist, Doms ehemalige Freundin, die in einer früheren Folge gestorben war.

Letty wird aus dem Reich der Toten zurück geholt, halt mal eben so wie in Seifenopern üblich. Na und?

Der einzige Weg, um diese neuen superbad-boys-Autofahrer zu stoppen, ist die alte Crew von superbad-boy Autofahrer auf sie anzusetzen. Wie Hobbs sagt: „Willst du Wölfe fangen, brauchst du Wölfe.“

Sie machen in London einen Deal mit der Bedingung, dass alle bad boys volle Begnadigung für ihre vielen früheren Gesetzesübertretungen erhalten.

Was macht einen „FF“-Film zu dem was er ist? Vin Diesels Triple-Mega-Bass-Stimme, das slo-mo vierfache Charisma, mit dem er die Basslinien liefert, und dann das fünffache cool für die Tatsache, dass er Autos fährt und sein Name „Diesel“ ist. Alles klar?
Noch ein Wort zu Vins Waffen. Es ist eine bekannte Klausel in seinem Vertrag, wie viel von den Diesel-Waffen in einem Film gezeigt werden können.

Aber mehr als Vins Waffen – warte ’ne Sekunde – die Waffen von Dwayne Johnson! Die sind wie ein Brahmanen-Stier. Nee warte – sie sind wie ein Löwe. Sie sind ein Stier UND ein Löwe. Spektakulär. Also die Kamera liebt Dwaynes Bewaffnung, und das Mikrofon liebt Vins Stimme. Das beschert uns einen sechsfachen Kintopp-Renner.

Und dann hast du DIE Autos gesehen. Oah, die AUTOs. Sie sind eigene Charaktere. Amerikanische Muskel-bepackte Autos sind eine Kunstform für sich, von ihren exotischen ausländischen Kollegen gar nicht zu reden. Sie fauchen, brüllen, rollen auf dich zu wie Panther und knurren. Man riecht das Benzin. Wir lieben sie!

Schließlich noch das Spotlight auf die Familie. Ein „FF“-Film ist haarsträubend, macho, oft sehr lustig, und dann auch wieder mal warm und flauschig. Eine unschlagbare Mischung aus menschlichen Gefühlen.

Gina Carano, ehemalige Mixed-Martial-Arts-Superstar, festigt hier ihren Übergang zum Filmstar. Ihre Kampfszenen mit Michelle Rodriguez sind elektrisierend, möglicherweise weil Rodriguez als Boxerin für den Film trainierte, der sie berühmt gemacht hatte („Girlfight – Auf eigene Faust“) und bringt Authentizität in die Szenen.

Wie in so vielen Actionfilmen dieser Tage sind Gewalt und Action am Set völlig lächerlich und comic-mässig. Aber Regisseur Justin Lin schafft es, die Lächerlichkeit in solch fesselnde Geschichten einzuweben, dass wir tatsächlich in der Lage sind, den Zweifel abzulegen oder zumindest den Wunsch haben, es möge wahr sein, die vielen, vielen Sprünge von Lastwägen in rasende Cabrios, von einem Autodach auf das nächste, oder aus Flugzeugen auf Autodächer.

Dann der Hochgeschwindigkeitszweikampf im Flug von einem Auto, das an einem Stahlseil von einem rasender Panzer herunterbaumelt, wo der Tackler (Offensiv- und Defensiv-Stopper im American Football) besagtes baumelndes Auto verlässt und auf Letty (Michelle Rodriguez) zufliegt, die von dem Panzer heruntergeschleudert wird. Beide landen mit hohen Tempo -Bumm!- auf der Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. Und sie sind nicht tot. Alles kapiert? Na klar die Schose.

Die „Fast & Furious“-Franchise übernimmt zuletzt eine Seite aus der „Avenger“-Franchise. Wie wir inzwischen alle wissen, muss man während eines „Avenger“-Films eine kleine Vorschau aussitzen. Die „Fast and Furious 6″ Abspann-Vorschau verlinkt die Franchise mit einer anderen Stunt-Driving-Franchise und bringt andere beliebte virtuose bad-boy-Autofahrer aus der Filmwelt. Die Reaktion des ausgesuchten Publikums: ohrenbetäubendes frenetisches Gehupe. Das sind Aussichten!

Eine Serie, die in der fünften und sechsten Folge immer populärer wird, ist eine beachtliche Leistung von Hollywood. Hut ab vor „Fast & Furious 6″.

4 Sterne

Regie: Justin Lin
Darsteller: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Luke Evans, Gina Carano, Jordana Brewster, Gal Gadot, Sung Kang, Tyrese Gibson, Chris „Ludacris“ Bridges
Laufzeit: 2 Stunden und 10 Minuten
Rating: PG-13

„Fast and Furios 6“ ist am Donnerstag in den deutschen Kinos gestartet.

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