Theresia Köpf.Foto: Epoch Times

Zwischen den Welten

Von 20. Mai 2022 Aktualisiert: 20. Mai 2022 8:44
Theresia Köpf reist mit dem chinesischen Künstlerprojekt „Shen Yun“ durch die Welt.

Vor 13 Jahren reiste sie nach China und hätte damals nicht geglaubt, dass sich ihr Leben danach grundlegend ändern wird. Ihr Reiseleiter empfahl der Österreicherin, zurück in der Heimat, sich die Show „Shen Yun“ anzuschauen. Und das tat die Köchin Theresia Köpf dann auch – und war begeistert.

Ihre Begeisterung ging so weit, dass sie die Künstlergruppe schon ein Jahr später mit einer selbst gebackenen Torte überraschte und sich als Köchin bewarb. Dass die Tänzer und Musiker größtenteils Asiaten sind, das empfand sie nicht als Hindernis. Und auch das weltweit bekannte Ensemble, das auf seinen Welttourneen mit eigenem Küchenteam reist, freute sich über westlichen Zuwachs.

Shen Yun, gegründet 2006 in New York, hat sich zwar zur Aufgabe gemacht, die 5.000-jährige traditionelle Kultur Chinas wiederzubeleben, verschließt sich dabei aber nicht den westlichen Kulturen. So wie das dazugehörige klassische Live-Orchester Musiker, Instrumente und Klänge aus Ost und West vereint, so will man auch im kulinarischen Bereich den Gaumen in alle Richtungen verwöhnen.

Und so kommt es, dass die 54-Jährige ihren Küchenposten in einem Landhotel in Niederösterreich jährlich für einige Monate eintauscht, um mit Shen Yun auf Tournee zu gehen. Ob Schweinebraten oder Kaiserschmarrn, Brathähnchen oder Sachertorte, ihre Kochkünste sind bei den Asiaten beliebt. „Die Künstler essen genauso gern die westlichen Speisen wie die asiatischen“, sagt Köpf, „aber vor allem bei den Torten ist die Nachfrage groß, die werden immer wieder gewünscht.“

Es kommt auf die Harmonie an

Ihre Leidenschaft für die Show hat sie bisher nicht nur durch Europa geführt, auch in Mexiko und Japan sei sie gewesen, um Bratwurst mit Sauerkraut und andere deutsche und österreichische Hausmannskost für die Künstler zu kochen. Das kleine Team, das einen chinesischen Küchenchef hat, stößt dabei oft auf neue Herausforderungen. „Es ist immer wieder spannend, was für eine Küche uns erwartet. Wir haben schon fabelhaft ausgestattete Theaterküchen erlebt, aber auch schon das ganze Gegenteil, wo es dann heißt: improvisieren“, erinnert sie sich.

„Egal, wie die Herausforderungen sind, am Ende kommt es immer auf eine reibungslose Zusammenarbeit in unserem Team an“, weiß die Österreicherin. „Wenn die Arbeit Hand in Hand geht, dann verschmelzen die kulturellen Eigenheiten unter uns zu einem großen Ganzen und das Buffet, das wir kreieren, versetzt die Künstler in Staunen und Entzücken“, so Köpf weiter.

Sie spüre dann die Freude und die Dankbarkeit der Gruppe, und das sei für sie unbezahlbar.

Überhaupt spielt der Aspekt des harmonischen Miteinanders eine sehr große Rolle bei dem künstlerischen Projekt Shen Yun, was zu Deutsch „die Schönheit tanzender göttlicher Wesen“ bedeutet. Nicht nur in der Küche, auch auf der Bühne erlebt man „eine Traumwelt in Perfektion“, wie Zuschauer es schon genannt haben. Das Publikum ist weltweit begeistert und schwärmt von einer harmonisierenden und tiefen inneren Frieden vermittelnden Atmosphäre, die den Zuschauersaal erreicht.

Klassischer chinesischer Tanz

Die alte chinesische Kultur war einst angefüllt mit Weisheit, Tugend und Spiritualität, erfährt man auf der Website des Ensembles, das mittlerweile über sieben Tourneegruppen verfügt, die zeitgleich weltweit unterwegs sind.

Nach alter chinesischer Legende heißt es, dass Gottheiten in der Gestalt von Kaisern, Gelehrten und Helden einst in die Menschenwelt hinabstiegen, um ihnen ihre Kultur zu hinterlassen. Shen Yun hat das aufgegriffen und führt den Zuschauer in eine Welt voller prachtvoller Paläste, atemberaubender Landschaften und Figuren, die Gutherzigkeit, Loyalität, Sanftmut, aber auch Heldenmut vermitteln. Wer die Show schon einmal gesehen hat, versteht die Einzigartigkeit dessen, was ihm hier begegnet.

Der klassische chinesische Tanz ist eine ganz besondere und einzigartige Form des Tanzes. Er besteht nicht nur aus äußerst anspruchsvollen technischen Fertigkeiten wie Sprüngen und Salti, sondern er dient vor allem dazu, die wahre Essenz und Bedeutung dieser Kultur zu transportieren und in den Bewegungen auszudrücken. Dabei wird deutlich gemacht, wie die innere Haltung sich im Äußeren widerspiegelt.

Über Jahrtausende wurde diese Kunstform innerhalb des Kaiserpalastes, Theatern und der Oper weitergegeben. Angereichert mit den tiefgründigen Weisheiten jeder Dynastie, vollendete sie sich zu einem vollständigen Tanzsystem. Laut der Tänzerin Elsie Shi beginne man zu „verstehen“, sobald man das einzigartige Gefühl des klassischen chinesischen Tanzes erfasst habe.

Auftrittsverbot in China

In China ist Shen Yun verboten. Es hat den Zorn der Kommunistischen Partei auf sich gezogen, da in der Aufführung auch die Verfolgung der friedlichen Meditationspraktik Falun Gong thematisiert wird. Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, verbindet sanfte Qigong-Übungen mit moralischen Grundsätzen, basierend auf den Prinzipien von Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht.

In den 1990er-Jahren sehr beliebt unter der chinesischen Bevölkerung, wuchs es sehr schnell zu einer großen Gruppe Praktizierender heran. Aus Machtgier und Neid auf die Beliebtheit der Gruppe hatte der damalige Staatschef Jiang Zemin ab 1999 nur noch ein Ziel, nämlich Falun Gong komplett auszuradieren. Seitdem sind die Praktizierenden in China schlimmster Verfolgung ausgesetzt.

Shen Yun lässt sich von den Gängeleien der KP Chinas nicht beeindrucken. Auch Theresia Köpf nicht. Seit Januar ist sie mit der Show wieder in Europa unterwegs. Apfelstrudel und Schwarzwälder Kirschtorte stehen heute auf ihrem Arbeitsplan.

Was sie an der Show besonders mag, seien die Hoffnung und die Zuversicht, die sie vermittle. „Gerade jetzt nach der Pandemie ist Shen Yun wie ein Balsam für die Seele“, sagt Köpf und ihre Augen strahlen.

Im deutschsprachigen Raum neigt sich die Tournee langsam dem Ende zu. Vom 20. bis 22. Mai ist das Tanzensemble noch einmal in Basel zu sehen, vom 22. bis 24. Mai in Bregenz und vom 31. Mai bis 3. Juni in der Jahrhunderthalle in Frankfurt.

 



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