O wie waltet die Stunde nun in seliger Ruh'!Foto: iStock

Herbstlich sonnige Tage – Von Emanuel Geibel

Von 13. Oktober 2021 Aktualisiert: 13. Oktober 2021 22:11
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Herbstlich sonnige Tage

Herbstlich sonnige Tage,

mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust.

O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh‘!
Jede schmerzende Wunde
schließet leise sich zu.

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.

Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blühn.

Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden nur.

Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.

Emanuel Geibel   (1815 – 1884)



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