Ein Tesla geht baden: Brennende E-Autos können nur mit Spezialausrüstung und viel Zeit gelöscht werden

Epoch Times8. Oktober 2019 Aktualisiert: 8. Oktober 2019 15:04
Mit der steigenden Zahl von E-Autos auf den Straßen steigen auch die Unfallzahlen. Während herkömmliche Rettungswerkzeuge ausreichen, um Personen zu bergen, bedarf das Löschen eines brennenden E-Autos Spezialausrüstung – und viel Zeit.

Auch elektrische Fahrzeuge sind nicht immun gegen Unfälle und obwohl die Sensorik unzählige Gefahren erkennt, kann sie nicht alles verhindern. Doch nicht nur bei einem Unfall, auch bei Überhitzung kann sich die Fahrzeugbatterie entzünden. Um brennende E-Autos zu löschen, reichen weder der Wassertank eines Feuerwehrautos, noch die mitgeführten Schaumlöscher.

Hitze, Brennstoff und Sauerstoff sind die drei Komponenten, die ein „normales“ Feuer zum Brennen benötigt. Fehlt eine der Komponenten, erlischt das Feuer. Auf diese Art und Weise bekämpfen Feuerwehren weltweit Brände: Brennende Autos kühlen sie mit Wasser, brennenden Maschinenräumen entziehen sie durch Fluten mit CO2 den Sauerstoff. In brennenden Wälder trennen die Einsatzkräfte durch Gegenbrände oder breite Ackerfurchen das Feuer von neuem Brennstoff.

Brennende E-Autos stellen die Feuerwehren gleich vor mehrere Herausforderungen. Einerseits müssen brennende Batterien mit äußerster Sorgfalt gelöscht werden – und selbst dann können sie sich auch Tage nach dem eigentlichen Brand erneut entzünden. Andererseits müssen die Feuerwehrleute die Starkstromtechnik berücksichtigen.

E-Autos: kontrolliert abbrennen lassen, anschließend „Tage oder Wochen“ überwachen

Um einen elektrischen Stromschlag zu vermeiden, können die Einsatzkräfte E-Autos nicht mit Wasser löschen. Mit Schaum versuchen sie, die Flammen zu ersticken und ein Übergreifen auf andere Fahrzeuge zu verhindern. Anschließend gilt es die Stromzufuhr zu unterbrechen. Große Feuerwehren besitzen Rettungskarten für jeden Typ (E-)Auto, die ihnen sagen, welche Bereiche sie meiden sollten und wo entscheidende Verbindungen liegen.

Ein herkömmliches Dieselfahrzeug wäre spätestens jetzt sicher und könnte mit grober Technik abtransportiert und gegebenenfalls einer polizeilichen Untersuchung zugeführt werden. Brennende E-Autos bedürfen eines Schritts – und viel Zeit – mehr.

Bei neueren E-Autos befindet sich die Batterie im Fahrzeugboden, ist damit schwer zugänglich und kann nicht ausgebaut werden. Zudem beinhaltet sie unterschiedliche, teils ätzende Chemikalien, mit denen Feuerwehrmänner bislang nichts zu tun hatten.

Nachdem die Flammen erstickt und die Batterie abgetrennt wurde, werden vermeintlich gelöschte E-Autos in Spezialcontainer verladen, diese mit Wasser geflutet und mindestens 72 Stunden lang beobachtet. In dieser Zeit können sich die Batterien jederzeit ohne Vorwarnung erneut entzünden. Feuerwehr-Pressesprecher Bernhard Brandl spricht in diesem Zusammenhang jedoch von „Tage oder Wochen“ und bezieht sich dabei auf Erfahrungen seiner deutschen Kollegen.

11.000 Liter Wasser und eine Kiesgrube für einen Tesla

Nach einem Unfall bei Kössen, Österreich, in der vergangenen Woche geriet der verunfallte Tesla in Brand. Passanten zogen den Fahrer aus dem Wagen und verständigten die Rettungskräfte, diese rückten daraufhin mit schwerem Gerät an.

Aus dem 70 Kilometer entfernten Schwaz rückte der Katastrophenschutz mit einem Spezialcontainer an, um die lokalen Retter zu unterstützen. „Dieser Container ist 6,8 Meter lang, 2,4 Meter breit und 1,5 Meter hoch, wasserdicht und wiegt drei Tonnen“ – leer. Mit einem ausgebrannten Tesla und der nötigen Wassermenge zum Kühlen verfünffacht sich sein Gewicht.

Da die Batterie eines E-Autos selbst in einer Art wasserdichten Koffer verbaut ist, kann die Feuerwehr ihn nicht direkt kühlen. „Brennt eine Elektrobatterie, dann folgen in einer Kettenreaktion Kurzschlüsse, die das Feuer ständig aufs Neue entfachen können. Im Löschcontainer wird das Elektroauto drei Tage unter Wasser gesetzt und von der Feuerwehr beaufsichtigt“, so Landeschemiker Manfred Holzer gegenüber dem ORF.

Tesla gibt an, dass etwa 11.000 Liter (11 Tonnen) Wasser benötigt werden, um einen brennenden Tesla „endgültig zu löschen“. Feuerwehrautos führen gewöhnlich etwa 2.000 Liter Wasser mit. Zudem besitzen die wenigsten Feuerwehren die entsprechende Technik. Landesweit gibt es in Österreich einen dieser Container. Auch in Deutschland ist ihre Zahl sehr überschaubar.

Den Container mit dem ausgebrannten Tesla haben die Einsatzkräfte in Kössen vorsorglich in einer Kiesgrube platziert, wo er bewacht wird. (ts)

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