Das verlorene Kloster einer schottischen Prinzessin und Heiligen

Epoch Times25. März 2019 Aktualisiert: 24. März 2019 17:34
Eine heidnische Prinzessin gründete ein Kloster, das bald darauf von Wikingern gebrandschatzt wurde. Doch ihre Tugend und Legende überdauerten die Zeit, sodass sie Jahrhunderte später zur Heiligen wurde. Der Ort ihres Kloster als Beweis ihrer Existenz war bisher ein Geheimnis.

Aebbe (Æbbe), eine heidnische Prinzessin (615-668), konvertierte im 7. Jahrhundert zum Christentum. Als Äbtissin gründete sie ein Kloster in Coldingham, einem Dorf im Südosten Schottlands. Das Kloster überdauerte die Zeit nur kurz, da es bereits 870 von brandschatzenden Wikingern zerstört wurde. Doch ihre Tugend überdauerte die Zeit und so wurde sie später als Heilige ausgerufen.

Archäologen suchen seit Jahrzehnten nach den Überresten ihres Klosters – möglicherweise hat diese Suche nun ein Ende.

Mit Hobby-Forschern auf der Suche nach dem Kloster der Prinzessin

Nun gab das Team von DigVentures bekannt, dass ein Bagger einen schmalen, runden Graben freigelegt hat. Dabei könnte es sich laut den Archäologen um das „Vallum“ handeln oder aber die Grenze, die das religiöse Areal von Aebbe umgab. Bei der Untersuchungen der Fundstelle arbeiteten die Archäologen eng mit Hobby-Forschern zusammen.

„Vallum hatte nicht unbedingt tiefe, einschüchternde Abwehrstrukturen, sondern eher einen symbolischen Charakter. Es sollte den Menschen zeigen, dass sie gerade einen verehrten oder spirituellen Ort betraten“, schrieb Maiya Pina-Dacier, die Leiterin der Ausgrabung, Live Science in einer E-Mail.

Etwas außerhalb der Grenze machte das Ausgrabungsteam eine weitere überraschende Entdeckung: ein riesiger Knochenhaufen von geschlachteten Tieren. Darunter befanden sich neben beliebten Haustieren wie Rindern, Pferde, Schweine, Schafe, Ziegen und Geflügel auch Rotwild. Radiokarbondatierungen ergaben ein Sterbedatum der Tiere zwischen 664 und 864 – genau zu der Zeit, als das Kloster genutzt wurde.

„Das ist so ziemlich genau der Zeitpunkt, an dem Aebbes Kloster existierte“, sagte Manda Forster, die Programmmanagerin bei DigVentures, in einer Erklärung. „Ursprünglich um 640 n. Chr. erbaut, soll es kurz nach ihrem Tod abgebrannt sein, dann aber wieder aufgebaut und gedeiht haben, bis es 200 Jahre später durch Wikinger wieder zerstört wurde.“

Suche nach dem Kloster im Landesinneren brachte den Erfolg

Zuvor suchten bereits andere Archäologen nach dem Kloster. Aufgrund von historischen Überlieferungen vermuteten sie den Bau entlang der Klippen in Coldingham, mit Blick auf das Meer. Aber keiner dieser Experten konnte handfeste Beweise für ein ausgedehntes, wohlhabendes angelsächsisches Kloster an diesem Ort finden, erklärte Forster.

Die neu entdeckte Stätte liegt weiter im Landesinneren, in der Nähe des Priorats Coldingham (ein historisches Haus für Benediktinermönche), so Forster. DigVentures entschied sich, dort zu graben, da diese Stätte Umrisse mehrerer möglicher archäologischer Strukturen enthielt.

Darüber hinaus wurden dort mehrere Artefakte, darunter Fragmente eines angelsächsischen Gürtels und Bruchstücke von Skulpturen sowie mögliche frühchristliche Bestattungen, gefunden. „Und es macht Sinn, dass das spätere Benediktinerkloster auf dem Gelände seines angelsächsischen Vorgängers errichtet wurde“, sagte Forster.

Aebbe – eine mächtige angelsächsische Frau

Bisher deuten die Ausgrabungen darauf hin, dass sich die Überreste von Aebbes Kloster wahrscheinlich unter dem Priorat Coldingham befinden.

„Aebbe ist eine außergewöhnliche Figur – ein Beispiel für eine mächtige angelsächsische Frau, die im siebten Jahrhundert eine große Rolle bei der Etablierung des Christentums in der Region spielte“, sagte Forster. „Jetzt, wo wir Beweise haben, wo ihr Kloster war, können wir helfen, ihre Geschichte wieder zum Leben zu erwecken.“

Zum Beispiel wissen die Archäologen, dass die Prinzessin, die die Tochter eines nordumbischen Kriegsherrn war. Zusammen mit ihren Geschwistern floh sie, nachdem ihr Vater bei einem Kampf auf dem Schlachtfeld gefallen war. Sie gingen nach Dál Riata, einem gälischen Königreich, das ein Zentrum des frühen Christentums war. Kurz nach ihrer Ankunft verließ die Familie ihre heidnischen Wege und konvertierten zum Christentum.

Als ihr Bruder Oswald 635 den Thron von Northumbria zurückeroberte, begleitete ihn Aebbe, entschlossen, ihre Untertanen zum Christentum zu bekehren. Oswald schuf unterdessen das berühmte Kloster in Lindisfarne, das, genau wie das Kloster seiner Schwester, später von Wikingern überfallen wurde.

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