Coronavirus in Deutschland: RKI empfiehlt Atemschutzmasken für Gesundheitsbehörden – Was ist mit den Bürgern?

Von 30. Januar 2020 Aktualisiert: 31. Januar 2020 9:24
Im Dschungel der Hygienevorschriften: Hände waschen, desinfizieren, Atemschutzmaske - ja oder nein? Mit Hilfe des Hygiene-Experten Klaus-Dieter Zastrow fanden wir stark voneinander abweichende Empfehlungen für Bürger und Gesundheitsbehörden.

Atemschutzmaske ja oder nein? Händewaschen oder Hände desinfizieren? Unter der Bevölkerung herrscht Uneinigkeit. Manche halten die Atemschutzmaske für nicht notwendig, weil die Regierung sie nicht empfiehlt. Andere würden sie tragen, haben aber Angst aufzufallen. Wiederum andere setzen sie einfach auf, einfach zum Schutz ihrer eigenen Gesundheit.

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sind Behörden und Krankenhäuser in Deutschland gut gerüstet für den Umgang mit dem Coronavirus. Laut „Bild-Talk“ sagte Spahn: „Hände waschen und desinfizieren lohnt sich immer, übrigens auch bei der Grippewelle“ und „Mundschutz ist nicht notwendig, weil der Virus gar nicht über den Atem übertragbar ist“.

Wir sprachen über diese Aussage mit dem Hygiene-Experten Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow. „Natürlich wird das Virus nicht über den Atem übertragen“, sagte er. Allerdings sei diese Aussage von Spahn  irreführend, denn die Übertragung des Coronavirus erfolge durch Tröpfchen über die Atemwege. Und diese sollte man schützen, mit einer Atemschutzmaske, so Zastrow. Der Hygiene-Experte hat keine Worte mehr für so viel Unwissenheit. Er sagte: „Wer hat dem Minister so einen gefährlichen Unsinn erzählt?“

Wenn es diesen Infektionsweg nicht gäbe, dann bräuchte sich niemand zu sorgen, die Chinesen könnten alle Schutzmaßnahmen aufgeben und wir könnten unsere Pandemiepläne in den Müll werfen, sagte Zastrow.

Aber vielleicht entspringt diese Weisheit ja auch der Tatsache, dass derzeit keine Atemschutzmasken mehr verfügbar sind und dann klingt es ja besser, wenn man sagen kann, dass man sie sowieso nicht braucht, rätselt der Facharzt für Hygiene.

Im Dschungel der Hygieneempfehlungen

Epoch Times telefonierte heute mit verschiedenen Gesundheitsbehörden in Deutschland. Ausnahmslos wurde uns bestätigt, dass Händewaschen die beste Maßnahme sei. Ein Mund-Nasen-Schutz sei nicht notwendig.

Dr. Udo Götsch von der Gesundheitsbehörde Frankfurt teilte auf unsere Anfrage mit, dass die Atemschutzmasken in Deutschland zudem eher ein Unwohlsein unter der Bevölkerung verbreiten könnten. In China sei das Tragen nichts Besonderes, da gäbe es einen „kulturellen Hintergrund“. Eine reale Bedrohung sei zudem nicht gegeben. In Deutschland seien erst vier Infektionen aufgetreten. Die Krankenhäuser seien bestens vorbereitet.

Auf der Internetseite der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.(ABDA) „Händewaschen schützt vor Atemwegsinfektionen – auch mit Corona-Viren“ wird darüber informiert, dass Wasser und Seife beim Händewaschen ausreichen. Antimikrobielle Zusätze seien „in aller Regel nicht notwendig“. Das Händewaschen solle etwa für 20 Sekunden erfolgen. Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer empfiehlt: „Man muss dafür nicht auf die Uhr sehen. Einfach zweimal das Lied ‚Happy Birthday‘ summen, das entspricht 20 Sekunden“ und nach dem Waschen die Hände gründlich abtrocknen.

„Man ist entsetzt über so viel mangelnden Sachverstand! Die Apothekerkammer verbreitet Irrlehren“, warnt Hygiene-Experte Zastrow. Er sagte:

Der Irrglaube, dass Händewaschen den Coronavirus abtötet, ist noch immer weit verbreitet unter den Medizinern.“

Außerdem würden die Ärzte ohnehin nichts gegen die Politik sagen, so Zastrow. Der öffentliche Gesundheitsdienst folgt ohnehin nur den Anweisungen der Politik.

Empfehlungen des RKI für Bürger und Gesundheitsämter

Bei unseren Recherchen fanden wir zunächst auf der Website des RKI keinen Hinweis auf Atemschutzmasken oder ein Desinfizieren der Hände. Unter FAQ  „Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?“ (20.12 Uhr) empfiehlt des RKI ratsuchenden Bürgern:

„Um die Ausbreitung respiratorisch übertragbarer Krankheiten zu vermeiden, sollten ganz besonders in Regionen mit Erkrankungsfällen durch das neuartige Coronavirus gute Händehygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten gehalten werden. Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten. Stand: 24.01.2020“

Nur mit Hilfe unseres Hygiene-Experten fanden wir schließlich die „Empfehlungen des RKI für die Hygiene­maßnahmen und Infektions­kontrolle bei Patienten mit Pneumonien verursacht durch ein neuartiges Coronavirus (nCoV) aus Wuhan, China“. Darin heißt es ausdrücklich:

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Für Einrichtungen des Gesundheitswesens in Deutschland werden aufgrund der aktuellen Datenlage nachfolgende Empfehlungen gegeben:

Im Falle von Verdachtsfällen wird zunächst ein Vorgehen zur Prävention der Übertragung durch Tröpfchen empfohlen – hierzu gehören das Tragen eines mehrlagigen Mund-Nasen-Schutzes mit korrektem Sitz vom Patienten (sofern toleriert), die Unterbringung in einem Isolierzimmer möglichst mit Vorraum/Schleuse, wenn dies nicht möglich ist in einem Einzelzimmer mit eigener Nasszelle, und zusätzlich vom Personal die Verwendung von Schutzkleidung, Schutzbrille, mindestens FFP2-Masken als Atemschutz und Handschuhen neben der konsequenten Einhaltung der Basishygienemaßnahmen.

Atemschutzmasken: ausverkauft

Eine Apothekerin teilte uns mit, dass der gesamte Jahresbedarf von Atemschutzmasken einer Firma innerhalb weniger Tage ausverkauft war. Das hat ihr ein Vertreter erzählt. Auch in München sind die Atemschutzmasken in einigen Apotheken bereits ausverkauft, erzählte uns eine Korrespondentin. Eine Chinesin wies darauf hin, dass ihre Bestellung von Atemschutzmasken bei Amazon storniert wurde: nicht mehr lieferbar.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus müssen nun die Häftlinge in Hongkong deutlich mehr Schutzmasken produzieren als gewöhnlich. Bislang würden rund 50.000 Stück Mundschutz täglich in den Gefängnissen der chinesischen Sonderverwaltungszone angefertigt, sagte Verwaltungschef Matthew Cheung am Donnerstag vor Journalisten. „Wir werden rund um die Uhr arbeiten, um die Produktion hoffentlich von monatlich 1,1 Millionen auf 1,8 Millionen zu erhöhen.“

Für gewöhnlich fertigen die Gefängnisinsassen in Hongkong im Rahmen spezieller Arbeitsprogramme Schutzmasken für Krankenhäuser oder Regierungsbeamte an. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus sorgte allerdings für Panikkäufe der Bevölkerung; vor Apotheken bildeten sich lange Schlangen. In Hongkong wurden bislang zehn Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Cheung zufolge stockte die Regierung den Vorrat an Schutzmasken deutlich auf. In diesem Monat seien fünf Millionen zusätzliche Exemplare gekauft worden. Weitere acht Millionen Stück würden in den nächsten Wochen importiert.

Finanzexperte: „fahrlässige“ Empfehlung der Regierung

Zumindest nach außen hin sei die Regierung entspannt, sagt Finanzexperte und Autor Dirk Müller in einem kurzen Video-Statement. Ein Rat von der Regierung, man solle keine Panik aufkommen lassen, sei schon fast „schwachsinnig“. Kein Mensch würde anderen dazu raten, in Panik zu verfallen, selbst wenn es die Lage hergäbe. Laut Müller würde die durch das Coronavirus drohende Gefahr heruntergespielt.

Mundschutz sehe halt ein bisschen „blöd“ aus, aber wenn man sich vor einer längeren Krankheit schützen könne, warum nicht? Wenn sich später herausstellen würde, dass das Virus durch das Tragen eines Schutzes hätte harmlos verlaufen können, sei das schon fahrlässig.

„Die Empfehlung zu geben, keine Maske zu tragen, führt auch dazu, dass selbst die, die es eigentlich tun würden, es nicht machen, weil sie ja nicht die einzigen Idioten sein wollen, die draußen unterwegs sind und von allen anderen ausgelacht werden“, sagte Müller.

Und genau das empfiehlt Hygiene-Experte Zastrow auch: „Desinfizieren Sie Ihre Hände und besorgen Sie sich eine Atemschutzmaske – solange Sie noch eine bekommen.“

(mit dts)

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