"Wie sagst du, dass du HIV hast?"Foto: dapd/Alex Domanski

„Wie sagst du, dass du HIV hast?“

Epoch Times26. November 2012 Aktualisiert: 26. November 2012 8:24

Mit einer Lüge zu leben oder zu verheimlichen, "dass ich HIV positiv bin, das ist das Schlimmste", sagt Hans aus Frankfurt. "Stell dir vor, du hast ein Vorstellungsgespräch. Sagst du es?", fragt der Mann mit den markanten Gesichtszügen. "Und wenn du vier, fünf Jahre keinen Sex hattest und dann kannst du mit jemanden in die Kiste - sagst du, dass du positiv bist?"

Frankfurt/Main – Mit einer Lüge zu leben oder zu verheimlichen, „dass ich HIV positiv bin, das ist das Schlimmste“, sagt Hans aus Frankfurt. „Stell dir vor, du hast ein Vorstellungsgespräch. Sagst du es?“, fragt der Mann mit den markanten Gesichtszügen. „Und wenn du vier, fünf Jahre keinen Sex hattest und dann kannst du mit jemanden in die Kiste – sagst du, dass du positiv bist?“ Die Angst vor Zurückweisung begleitet den 52-Jährigen seit 25 Jahren, jeden Tag. Damals wurde er im Betrieb bei einem regulären Gesundheitscheck HIV positiv getestet. Heute will er aufklären und sich immer mehr von der Last des Schweigens befreien.

Hans ist einer von sechs Menschen, die ab Montag (26. November) von ihrem Leben mit HIV auf Frankfurts Straßen berichten. Im Audio-Projekt „Stimmen der Stadt“ von der Aids-Hilfe wurden sie dafür interviewt. „Diese Interviews werden wir zehn Tage, rund um den Welt-Aids-Tag, über Lautsprecher in Frankfurt abspielen“, sagt Thorsten Berschuk, Leiter des Projektes. Der Beginn war für Montagnachmittag angesetzt.

In einer Endlos-Schleife sollen sie Tag und Nacht am Eisernen Steg, an der Konstabler Wache oder am Römer die Aufmerksamkeit der Fußgänger wecken. Prägnant seien die Interviews und etwa 10 bis 15 Minuten lang. Auch im Internet können sie heruntergeladen werden.

Da sprechen eine heterosexuelle Frau und ein schwuler Rechtsanwalt genauso wie ein Rentner oder ein Mann, der lange Zeit Drogen nahm, wie Berschuk sagt. Die Lebensläufe seien sehr unterschiedlich. „Wir wollten den Menschen mit HIV eine Stimme geben“, erklärt er weiter. Denn durch den medizinischen Fortschritt und die Aufklärung über Verhütung sei es in den letzten Jahren „leiser um Aids geworden“.

260 neue Infizierungen und 50 Todesfälle

Die etwa 260 Menschen, die 2012 allein in Frankfurt positiv getestet wurden, würden von der Gesellschaft kaum noch wahrgenommen, sagt Berschuk. 50 Betroffene seien hier in diesem Jahr nach Ausbruch von Aids gestorben.

Im Gegensatz zur medizinischen Behandlung hätten sich die Ängste der Betroffenen seit der Entdeckung von HIV in den 1980er Jahren nur wenig geändert, sagt Hans, der heute junge Infizierte unter 30 Jahren berät. Die Stigmatisierungen zögen sich in alle Lebensbereiche.

Bis vor einem Jahr hätten HIV-Positive nicht einmal in die USA reisen dürfen, gibt er als Beispiel an. „Manche haben ihre tausend Pillen in Vitaminkapseln umgefüllt und auf Formularen alles verheimlicht“, berichtet Hans. Er jedoch konnte das nicht. Mittlerweile hätten sich aber die Einreisebestimmungen geändert.

Zudem spricht Hans mit Schulklassen über sein Leben mit dem HI-Virus. „Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich“, betont er. Wenn er jedoch in einer Schulklasse diejenigen auffordere, aufzustehen, die vor dem Sex mit ihrem Partner über Aids sprechen, seien das meist nur zwei bis drei Schüler.

„Auch jeder Erwachsene kennt das, wenn einem vor dem Sex die Pferde durchgehen“, sagt Hans. Trotzdem müsse man sich der Gefahr bewusst sein. Von wem er sich damals angesteckt hat, wisse er nicht. „Ich hatte Pech“, fügt er hinzu.

Starke Nebenwirkungen von täglichen Tabletten

Vier oder fünf Jahre nach der Infektion sei bei ihm Aids ausgebrochen. Davon habe sich sein Körper nie wieder vollkommen erholt. Heute lebt er von einer kleinen Rente und arbeitet ehrenamtlich bei der Aids-Hilfe. „Nach drei Stunden Arbeit muss ich mich oft hinlegen“, sagt er. Auch die Nebenwirkungen der täglichen Medikamente, wie Durchfall und Schwächeanfälle, machten ihm zu schaffen.

Allein diese Beschwerden seien schon „enorm“, sagt er eindringlich. Daher hoffe Hans, mit dem Projekt „Stimmen in der Stadt“ oder in Gesprächen mit Schülern gesellschaftlich etwas bewegen zu können. „Wenn jeder Positive einfach sagen könnte, dass er positiv ist, dann wäre uns eine große Last genommen.“

(www.StimmenInDerStadt.de )

dapd



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