Das Heilwissen der Landfrauen im Einklang mit der Natur

Teil 3: Sie wurden gebraucht, dann wurden sie belächelt, als sie sich vor über 100 Jahren zusammentaten. Heute sind sie nicht nur kenntnisreich, sondern melden sich auch öffentlich zu Wort: Die Landfrauen. Wir berichten in Fortsetzungen
Titelbild
Was so romantisch ausschaut, wie hier der Almabtrieb im Oktober 2014 in Schönau am Königssee, das gehört immer noch zu den Grundlagen bäuerlichen Lebens, an dem die Frauen entscheidend beteiligt sind. Schon seit über 100 Jahren treffen sie sich in Landfrauenverbänden, um ihr Wissen zu teilen und weiterzugeben.Foto: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Image
Von 11. September 2015

Das Wissen um die Kräfte der Natur wurde mit Pillen und Medikamenten beiseitegeschoben. Nun werden diese natürlichen und alten Weisheiten mittlerweile als Geheimtipp gehandelt. Besonders in den ländlichen Gebieten pflegen die LandFrauen auch heute noch eine ebenbürtige Gemeinschaft.

Melisse: Die beruhigende Wirkung der Melisse war schon den Mönchen im Mittelalter bekannt. Besonders die Zitronenmelisse wurde gerne in den Klostergärten angebaut. Auch die Landfrauen nutzten diese vielseitigen Blätter, um die Verdauung zu fördern, und gaben immer einige Blätter zum Kochen hinzu. Besonders bei sehr fetthaltigen Speisen. Die Gerbstoffe können die Muskulatur im Darm entspannen und damit Blähungen und Völlegefühl lindern. Neben den ätherischen Ölen enthalten die Blätter Rosmarinsäure, Gerb- und Bitterstoffe sowie Flavonoiden. Diese unterstützen den Organismus bei der Förderung körpereigener Abwehrmechanismen. Es handelt sich um sogenannte Antioxidantien. Diese sind in der Lage freie Radikale unschädlich zu machen. Zudem wird ihnen eine krebsvorbeugende Wirkung nachgesagt.

Auch gaben die Landfrauen gerne ihren Kindern Melisse als Beruhigungstee vorm Schlafengehen. Dieser Tee wirkt leicht beruhigend und angstlösend.

Pfifferlinge: Schon im Sommer konnten die Landfrauen in den Wäldern die Pfifferlinge sammeln gehen. Die Saison dieser Pilze geht bis in den Herbst und so bot der Pfifferling über Monate hinweg eine Abwechslung auf dem Speiseplan. Pfifferlinge sind eine gute Eiweißquelle und galten als guter Ersatz für Fleisch. Denn im Sommer wurden selten die großen Hausschweine geschlachtet, da man das Fleisch nicht gut kühlen konnte. Neben dem Vitamin A enthalten diese Pilze auch einen hohen Gehalt an Eisen und Kalium.

Um all diese Vitalstoffe möglichst auch während des Kochens zu erhalten, war und ist es auch heute noch wichtig, die Pfanne sehr stark zu erhitzen. Sobald die Pfifferlinge einen Pfeifton von sich geben ist gewährleistet, dass sie ihre Nährstoffe behalten. Die Fasern schließen sich und können so die Vitalstoffe besser binden. Von daher der Name: Pfifferling.

Leider ist der Bestand an Pfifferlingen deutlich zurückgegangen. Experten machen hierfür die Umweltschäden verantwortlich. Zudem sind nach wie vor in bestimmten Gegenden in Deutschland seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl teilweise alle Pilze noch radioaktiv belastet. Experten empfehlen deshalb, nicht mehr als 200 g Wildpilze pro Woche zu verzehren. Schwangere, stillende Mütter und Kleinkinder sollten überhaupt keine Wildpilze essen.

Rosmarin: Kaum eine Drogerie bietet nicht irgendeine Duschölcreme mit Rosmarin an, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Als Badezusatz oder Einreibung regt es die Durchblutung der Haut an.

Was schon die Landfrauen wussten, Rosmarin kurbelt den Kreislauf an, wirkt als Gewürz gegen Erschöpfung und Müdigkeit. Es gehörte schon immer als ein bewährtes Heilmittel dazu, um auch das Herz zu stärken. Diese Gewürzpflanze besitzt einen intensiven Geruch kann sowohl frisch wie auch getrocknet in der Küche genutzt werden.  Das Gewürz enthält ätherisches Öl – das Rosmarinöl. Es kann Blähungen und Völlegefühl lindern. Gerne werden Kartoffeln mit Rosmarin gewürzt, aber vor allen Dingen traditionell gebratenes oder gebackenes Huhn wird immer gern mit frischem Rosmarin gewürzt.

Über seine aromatischen Vorzüge hinaus soll sich Rosmarin äußerst positiv auf die Hirnzellen auswirken. Die alten Griechen waren überzeugt, dass Rosmarin das Gedächtnis maßgeblich verbessern kann. Forschungsberichte aus den Fachblättern „The Journal of Neurochemistry“ und „Nature Reviews Neuroscience“ bestätigen, was die Griechen schon vor 2.000 Jahren ahnten. Rosmarin enthält tatsächlich einen Inhaltsstoff, der das Gehirn gegen schädigende Einflüsse schützt.

Walnüsse: Walnüsse besitzen einen hohen Anteil an gesunden Omega-3 Fettsäuren. Außerdem enthalten Nüsse eine große Menge an Vitamin B6. Dieses Vitamin ist maßgeblich daran beteiligt, den Eiweißstoffwechsel zu regeln. Es koordiniert die Enzyme und stärkt zudem die Nerven und die Immunabwehr. Ein Anzeichen bei Mangel sind Appetitlosigkeit, Durchfall und Erbrechen. Zudem weisen sie auch einen hohen Zinkanteil aus, der unsere Konzentration und auch das Immunsystem stärken kann.

Auf den meisten Bauernhöfen stand ein Walnussbaum, und im Herbst wurden diese kostbaren Nüsse geerntet. Trocken und dunkel gelagert zehrte man den ganzen Winter von dem gesunden Knabberspaß. Gerne nutzten die Landfrauen Walnüsse für Salate, nicht selten wurde auch ein Huhn mit Äpfeln und Walnüssen gefüllt. Die Forschungsgruppe um Dr. Elaine Hardman gab sich in der Fachzeitung Nutrition and Cancer optimistisch, dass bereits eine relativ kleine Menge Walnüsse die Brustkrebs-Gefahr deutlich senken könnte.

Etwa 50 g Walnüsse sollten täglich konsumiert werden, um die präventiven Eigenschaften dieser Nüsse für die Zellen nutzbar zu machen und sie vor der möglichen Entstehung von Tumoren zu schützen.

Zitronen: In keiner orientalischen Küche fehlt der Saft von Zitronen. Weder bei Fleisch, noch Fisch oder Salatgerichten. Seitdem man in Mitteleuropa Zitronen bekommen konnte, nutzten auch die Landfrauen diesen Saft. Jeder grüne Salat ist damit bekömmlicher, und sollte in keiner Rohkostküche fehlen! Mittlerweile ist auch bekannt, dass in jedem grünen Salat zum Teil hohe Mengen von Nitrat enthalten ist, was dann im Körper in den schädlichen Stoff Nitrit umgewandelt wird. Insbesondere als Folge der Güllewirtschaft haben die Nitratgehalte der Grundwässer in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen – und ist damit auch in die Nahrungskette der Menschen angekommen.

Die Ursache für gesundheitliche Risiken liegt in der Gefahr einer Reduktion des Nitrats zu Nitrit und der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen. Das Vitamin C aus den Zitronen verhindert die Bildung dieses krebserregenden Stoffes. Gerne wird Zitronensaft auch mit heißem Wasser bei Erkältung getrunken, da er die Abwehrkräfte mobilisiert. Der Saft einer Zitrone stärkt zudem das Bindegewebe, schützt vor Stress und senkt nachweislich den Cholesterinspiegel.

Auch helfen Zitronen, wenn der Körper übersäuert ist. Einen Löffel Zitronensaft mit warmem Wasser am frühen Morgen getrunken, hilft die Gifte aus den Organen zu schwemmen und den Säuregehalt des Körpers zu reduzieren. Besonders Raucher, Schwangere, Menschen mit Dauerstress brauchen doppelt so viel Vitamin C wie üblich. Das kann sich gerne bis zu 150 mg pro Tag steigern.

Zwiebeln: Zwiebeln sind einfach zu pflanzen, fast ganzjährig vorrätig und sowohl in Salaten, Fleisch und Fischgerichten gut zu nutzen. Landfrauen bereiteten die Zwiebeln auch roh, denn sie stecken voller Heilkraft, wirken antibakteriell und desinfizierend. Ihre Schärfe, ihr Aroma, ihre Vielseitigkeit machen aus der Zwiebel ein wertvolles und günstiges Lebensmittel. Dabei bieten die roten Zwiebeln weit mehr gesundheitliche Vorteile als gelbe oder weiße Sorten. Sie sind reich an Antioxidantien, unterstützen den Körper bei der Krebsprophylaxe, schützen vor Diabetes, verdünnen das Blut, fördern die Gewichtsreduktion und bekämpfen Entzündungen. Deshalb wurden Zwiebeln auch gerne bei Heiserkeit verwendet. Der Tee war nicht gerade wohlriechend, aber bei Heiserkeit und Halsentzündung hilft Zwiebelwasser mit seiner antibakteriellen Wirkung schnell und effizient, und war gerade in der kalten Jahreszeit bei den Landfrauen ein bewährtes Hausmittel.    Deutscher Landfrauenverband e.V

Teil 1: Modern Times und das überlieferte Wissen der Landfrauen

Teil 2: Landfrauen und ihr Wissen um die Kräfte der Natur



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion