Vice-Magazin in der Bredouille: George Soros will zu den Rettern gehören

Von 8. Mai 2019 Aktualisiert: 8. Mai 2019 11:37
Mit erheblichen Umsatzverlusten hatte in den letzten Jahren die Vice-Unternehmensgruppe zu kämpfen. Ein Skandal rund um sexuelle Belästigung und ein abflauendes Leserinteresse zwingen CEO Nancy Dubuc zu drastischen Einschnitten. Nun will eine Investorengruppe mit 250 Millionen Dollar aushelfen.

Der Weg des „Vice“-Magazins könnte implizit als Erklärung dafür dienen, warum die Äußerung des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama aus dem Jahr 2012, der im Zusammenhang mit privaten Unternehmen den Satz „Du warst es nicht, der das aufgebaut hat“ verwendet hatte, nicht noch größere Erregung ausgelöst hatte.

Das erst in Subkulturen und Szenelokalen verbreitete Magazin „Voice of Montreal“, das 1994 gegründet wurde, profitierte selbst anfangs davon, dass die Regierung es im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungsprogramms förderte. Im Jahr 1996 machte sich die Redaktion von ihrem bisherigen Herausgeber unabhängig und benannte das Magazin in „Vice“ um.

Im Jahr 2002 verlegte man seinen Sitz nach New York und profitierte vor allem vom Anzeigenverkauf an Streetwearfirmen. Obwohl „Vice“ nicht unbedingt zu den Vorreitern gehörte, was die Entdeckung des Cyberspace als Medienstandort der Zukunft anbelangt – Projekte wie „Drudge Report“, „Huffington Post“ oder „Breitbart“ hatten zu diesem Zeitpunkt schon längst viel beachtete Auftritte im Internet -, gelang dem Medienhaus 2009 ein großer Coup.

Partnerschaft mit Intel als Game Changer

In diesem Jahr gewann Vice den Technologieriesen Intel als Partner für ein Großprojekt zur Förderung kreativer Innovationen und Ideen im Internet. Diese Zusammenarbeit half, zum einen die Zahl der Standorte weltweit auszubauen, zum anderen auch eine Video- und Dokusparte aufzubauen, der es gelang, in weiterer Folge auch namhafte Mainstreamsender und Unterhaltungsportale als Partner zu gewinnen.

Mit „Viceland“ betreibt die Unternehmensgruppe von 2016 an sogar einen eigenen Fernsehsender und verfügt unter anderem auch noch über ein Musiklabel, eine Filmproduktionsgesellschaft, eine Marketing- und Designagentur, ein Werbenetzwerk und einen Verlag.

Noch 2017, als der Investor TPG Capital in die Unternehmensgruppe einstieg, wurde deren Gesamtwert auf 5,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bald begann der Stern des Lifestyle-Mediums für die Millennial-Generation jedoch zu sinken.

Dies lag nicht nur an einem Skandal, im Zuge dessen mehr als 20 ehemalige oder noch im Dienst stehende Mitarbeiterinnen berichtet hatten, in der Redaktion zum Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein. Auch Gründer Shane Smith geriet ins Visier und warf daraufhin das Handtuch.

Die Debatte um den sexuellen Missbrauch, die damals ausgehend von Hollywood unter dem Banner von #metoo weite Teile der Unterhaltungsbranche erfasste, war nicht der einzige Grund dafür, dass Vice in den letzten Jahren mehrfach deutlich seine Umsatzziele verfehlte. Das Wall Street Journal spricht allein mit Blick auf 2018 von umgerechnet rund 50 Millionen Euro Umsatzverlust.

Vom Trendsetter zur Dutzendware

Als wahrscheinlichere Erklärung gilt, dass Vice wesentliche Alleinstellungsmerkmale verloren hat, weil eine Reihe von Blogs und Medienprojekten dessen Stil kopierte. Clickbait-trächtige Überschriften, Einleitungen ohne große Rücksichtnahme auf Geschmacksgrenzen, marktschreierische Aufmachung und ein zunehmender moralisierender Unterton sind längst zum Standard in einem Großteil der linksliberalen Millennial-Medien geworden. Neben Vice sind auch andere zuvor als innovative Trendsetter des Onlinejournalismus in Schlingern geraten – unter anderem BuzzFeed und die Huffington Post.

Lange Zeit hieß es aus den Reihen der Verantwortlichen für Vice selbst, dass die Identifikation vonseiten der Leser der wesentliche Erfolgsfaktor sei. Diese scheint über die Jahre jedoch abgebröckelt zu sein. Im Agenturenstil gehaltene Reportagen aus „Volksbordellen“ neben Erlebnisberichten über die eigene „mit THC-Gleitgel stoned gemachte Pussy“, eingebetteten Berichte aus den ostukrainischen Kriegsgebieten und betroffenheitsschwangere Texte über die „Klimakrise“ oder „gegen rechts“: Das meisten davon haben Formate wie „bento“ mittlerweile in noch leichter konsumierbarer und noch stärker moralisierender Form. Und wem das immer noch nicht linksideologisch genug ist, kann mittlerweile auch auf RT-Ableger wie „In The Now“ oder „Backthen“ zurückgreifen, die ein junges Publikum anvisieren, das sich für die Textwüsten des Originals nicht erwärmen mag.

Soros und der Walt-Disney-Konzern als neue Sponsoren

„Es erstaunt, dass all die trendbewussten, kulturkritischen Großstädter über Boulevardzeitungen wie ‚Bild‘ die Nase rümpfen, aber ohne schlechtes Gewissen ‚Vice‘ konsumieren“, wunderte sich Ronja von Rönne bereits 2015. Hannah Lühmann hatte bereits ein Jahr zuvor erklärt, dass Vice Deutschland den Eindruck vermittle, dass „die Welt von Idioten und Freaks wimmelt – wobei sie keinen grundsätzlichen Unterschied macht zwischen Vergewaltigern in einem bolivianischen Urwalddorf und den extrem unangenehmen Erfahrungen, die man im Laufe einer einwöchigen Alkoholdiät macht“.

CEO Nancy Dubuc hat nach den Umsatzverlusten der letzten Zeit angekündigt, 250 Stellen abzubauen. Nun, so berichtet „Meedia“, gibt es für Vice jedoch auch einen Hoffnungsschimmer. Gleichsam pro gekündigtem Mitarbeiter will eine Investorengruppe nun jeweils eine Million US-Dollar in den Medienkonzern investieren – insgesamt also 250 Millionen US-Dollar.

Mit von der Partie ist auch der bekannte US-Milliardär und Philanthrop George Soros, der als Teil der von 23 Capital angeführten Investorengruppe Vice offenbar als unverzichtbare Säule in seinem Kampf für die „offene Gesellschaft“ begreift. Weitere Beteiligte sind die Walt Disney Company, A&E Networks, TPG Capital und Gründer Shane Smith selbst.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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