86 Prozent der Chinesen zahlen per HandyApp - auch im Schnellimbiss an der Ecke.Foto: iStock

Peking beschleunigt Arbeit an „De-Dollarisierung“ – Elektronischer Yuan soll zur globalen Reservewährung werden

Von 20. August 2020 Aktualisiert: 23. Dezember 2020 12:14
Peking weitet die Tests zur Einführung des elektronischen Yuan aus. Ab dem 14. August werden weitere 28 Provinzen und Städte in die Testläufe der digitalen Zentralbankwährung ausgeweitet. Darunter sind auch Peking, Shanghai und Hongkong.

Im April begann in vier Städten Chinas der Test zur Einführung der eigenen Digitalwährung. Dabei wurde der Lohn teilweise als digitales Zentralbankgeld (CBDC) gezahlt. Am 14. August kündigte das chinesische Handelsministerium an, die Testläufe der digitalen Zentralbankwährung auf 28 Provinzen und Städte auszuweiten, darunter die Hauptstadt Peking, das Finanzzentrum Shanghai und die Sonderverwaltungszone Hongkong.

China ist nicht das einzige Land, das an einer Digitalwährung forscht. In Singapur, Kanada, Schweden und der Schweiz haben die Zentralbanken in den letzten Jahren mit eigenen Forschungen begonnen. Auch die Bank of England arbeitet mit der EZB zusammen, um an einer Digitalwährung zu forschen. Im Gespräch ist auch der E-Euro der EZB.

Ausschlaggebend für die Bemühungen war die zunehmende Bedeutung von Kryptowährungen wie Bitcoin und privaten Währungen wie Libra (Facebook), die als Konkurrenz zum bisherigen Banken- und Finanzsystem angesehen werden. Im Vergleich zu China zögern westliche Länder. Keiner weiß, wie mit der Datensicherheit und der Privatsphäre umzugehen ist, die Auswirkungen auf die bestehenden Banken- und Finanzsysteme sind unbekannt.

Chinesen zahlen zu 86 Prozent mit Handy-App

Die Situation in China ist anders. Bitcoins werden in China streng kontrolliert und Facebook hat keinen Zutritt zum chinesischen Markt. Das chinesische Banken- und Finanzsystem steht daher nicht in Konkurrenz zu einem neuen Zahlungsmittelanbieter.

In kaum einem Land der Welt sind digitale Bezahlsysteme so weit verbreitet wie in China. Wenn Chinesen einkaufen gehen – egal ob in einem gehobenen Einkaufszentrum oder auf dem Straßenmarkt – zahlen die meisten weder mit Bargeld noch mit Karte, sondern mit Handy-Apps wie WeChat und Alipay. 86 Prozent der Menschen in China benutzen ihre Smartphones zum Bezahlen. Die chinesischen Verbraucher haben eigentlich keinen Bedarf an einem neuen Zahlungssystem.

Warum will China das erste Land der Welt sein, das ein rein virtuelles Zentralbankgeld auf den Markt bringt? Die folgenden fünf Punkte könnten eine Antwort bieten:

1. Was ist eine „Digitalwährung“?

Die Digitalwährung ist ein Ersatz für Geldscheine und Münzen. Der elektronische Yuan ist praktisch die digitale Form der chinesischen Währung Renminbi. Auf den digitalen Geldscheinen stehen auch die verschiedenen Nennwerte, wie sie von den Banknoten bekannt sind.

Gesetzlich darf kein Geschäft in China einen Kunden ablehnen, wenn er mit dem elektronischen Yuan bezahlen will.

2. Wo wird das Geld bewahrt?

Anstatt eine richtige Brieftasche bei sich zu führen, muss lediglich eine virtuelle Geldbörse als App auf einem Smartphone installiert sein. Der Verbraucher kauft die Digitalwährung per Abbuchung von seinem Bankkonto oder bekommt sein Gehalt direkt vom Arbeitgeber als Digitalwährung überwiesen.

Mit der App kann er dann seine Rechnungen bezahlen und Überweisungen tätigen.

3. Wo liegt der Unterschied zu Bitcoin?

Bitcoin ist die erste große Kryptowährung. Kryptowährungen werden nicht von staatlichen Zentralbanken oder dergleichen geführt. Mithilfe von Blockchain-Technologien werden verschlüsselt Transaktionen durchgeführt, ohne dass Banken oder der Staat Kontrolle über das Netzwerk haben.

Wenn eine Überweisung im Inland oder Ausland mit Bitcoin erfolgen soll, braucht der Empfänger lediglich eine „digitale Geldbörse“, eine sogenannte Wallet und eine stabile Internetverbindung. Banken und andere Finanzsysteme haben bei der Geldtransaktion keine Verwaltungsrechte.

Der elektronische Yuan steht hingegen unter der vollen Kontrolle der chinesischen Zentralbank.

4. Was ist der Unterschied zu Paypal, WeChat oder Alipay?

Im Gegensatz zu Bezahlapps wie Paypal, WeChat oder Alipay ist bei der chinesischen Digitalwährung keine Internetverbindung nötig. Es reicht, wenn die Smartphones eingeschaltet sind. Dann müssen sich die zwei Smartphones verbinden und anschließend erfolgt die Zahlung.

Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass die Zahlung mit der Digitalwährung nicht an ein Bankkonto oder eine Kreditkarte gebunden ist.

5. Kontrollierbarkeit

Zahlungen mit Bargeld sind schwer nachzuverfolgen. Bei der Digitalwährung erhält die chinesische Zentralbank die volle Kontrolle über die Geldbewegungen der Nutzer. Mit der Einführung der Digitalwährung kann die Parteiführung in Peking die Bürger noch besser überwachen.

Geldscheine aus Papier begünstigen „illegale Transaktionen, Geldwäsche und Kapitalflucht“. Dies ist ein Hauptargument der chinesischen Regierung für die Einführung der Digitalwährung. Mit dem elektronischen Yuan könnte die Zentralbank besser das Kapital im Land halten.

Chinas Währung soll eine globale Reservewährung werden

Chinas Staatsführung hat ein weiteres Ziel: Die chinesische Währung soll eine globale Reservewährung werden. Dass Peking versucht, die Einführung der Digitalwährung zu beschleunigen, hat vermutlich mit den US-Sanktionen zu tun.

Nach der Einführung des neuen Nationalen Sicherheitsgesetzes in Hongkong haben die USA Sanktionen gegen elf chinesische Beamte in Hongkong verhängt. Seitdem dürfte das Leben der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam in einigen Aspekten mühsamer geworden sein. So ist es für sie jetzt schwer, eine halbwegs angesehene Bank in Hongkong zu finden, die sie weiterhin als Kundin akzeptiert. Selbst Chinas staatliche Banken haben Angst davor, gegen die Sanktionen der Amerikaner zu verstoßen, weil sie alle mit dem US-Dollar handeln müssen.

Das Problem dahinter ist: Kaum eine Bank, die mit dem Dollar handelt, kann das Zahlungsausgleichs-System SWIFT umgehen. SWIFT ist eine internationale Organisation, die ein besonders sicheres Telekommunikationsnetz für Finanzaktionen (SWIFTNet) betreibt. An dieses Netzwerk sind mehr als 11.000 Banken, Brokerhäuser, Börsen und andere Finanzinstitute in etwa 200 Ländern angeschlossen.

Über SWIFT fließen täglich rund 5 Billionen Dollar grenzüberschreitende Zahlungen. Über dieses System können die USA viele der Geldströme nachverfolgen. Wenn die Amerikaner ein Land davon ausschließen, würde dieses Land von der internationalen Finanzwelt abgetrennt werden. Iran und Nordkorea haben diese Folgen bereits gespürt.

Peking befürwortet „De-Dollarisierung“

Der Konflikt zwischen den USA und China eskaliert. Chinesischen Beamten ist klar, dass Carrie Lam nicht die letzte Beamtin ist, die von den Sanktionen der USA betroffen sein wird. Peking braucht daher dringend ein Zahlungsmittel, das Washington kaum nachverfolgen kann und durch welches Peking die Sanktionen der USA abschwächen oder sogar umgehen könnte.

China möchte ein eigenes Währungssystem, um seinen Einfluss in Afrika, Südamerika und im Nahen Osten ausbauen. Würde Peking seinen eigenen elektronischen Yuan als Währungssystem bereits etabliert haben, dann wäre beispielsweise der Iran in der Lage, die amerikanischen Sanktionen zu umgehen. Der Iran könnte sein Öl exportieren und weiterhin Atombomben bauen, ohne dass Washington davon erführe. Für die kommunistische Führung in China wäre es auch viel leichter, andere Länder zu beeinflussen.

Den Aufbau eines eigenen Währungssystems mit dem elektronischen Yuan bezeichnen die chinesischen Staatsmedien als „De-Dollarisierung“. Die Digitalisierung des chinesischen Yuan wird dem Regime zudem neue Möglichkeiten eröffnen, Daten zu sammeln, diese zu zentralisieren und in das Sozialkreditsystem einzuspeisen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion