Von der ersten Queer-Theorie-Professur zum Queer-Beauftragten im Bundestag

Vor 20 Jahren noch als „Schwuchtel-Diplom“ betitelt – Wer heute beim „Innen“ nicht mitmacht, ist womöglich „draußen“ bis hin zur universitären Cancel Culture gegenüber Verfechtern von zwei biologischen Geschlechtern. Eine Spurensuche.
Zahlreiche Menschen nehmen an der Polit-Parade des Christopher Street Days (CSD) in der Stuttgarter Innenstadt teil. Deutschlandweit feiern lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle, heterosexuelle und queere Menschen.
Zahlreiche Menschen nehmen an der Polit-Parade des Christopher Street Days (CSD) in der Stuttgarter Innenstadt teil. Deutschlandweit feiern lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle, heterosexuelle und queere Menschen.Foto: Christoph Schmidt/dpa
Von 20. Februar 2023

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„Die Zeiten ändern sich“ ist ein geflügeltes Wort, das sich aufdrängt, wenn man einen Spiegelartikel liest, der vor 20 Jahren erschienen ist. Unter dem Titel „Das Schwuchtel-Diplom“ berichtete das Magazin von der ersten Professur für Queer-Wissenschaften. Eine Entwicklung, die im Januar 2022 zum erstem Queer-Beauftragten der Bundesrepublik  geführt hat.

Ein woker Marsch durch die Institutionen von der Uni, durch die Medien, direkt bis in die Regierung. In besagtem Spiegel-Artikel heißt es: „Das Modefach ‚Gender Studies‘ hat einen neuen Ableger für sexuelle Minderheiten bekommen – mit dem ersten Lehrstuhl für ‚Queer-Theorie‘.“

Ironie oder nicht, „Schwuchtel-Diplom“ wäre als Schlagzeile heute unmöglich. Seinerzeit wurde berichtet, dass sich beim akademischen Neuzugang Queer Theory durchaus Fragen stellen würden wie „Was ist das? Und: Was macht man damit?“ Um es an der Stelle vorwegzunehmen, das Fazit des Artikels ist: „Mit der nötigen Gender-Kompetenz kann ein Mann sogar Frauenbeauftragter werden.“

Jens Lehmann, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, propagiert heute „Familie ist bunt“. Ein Grünen-Politiker mit abgeschlossenem Hochschulstudium, wenn auch nicht in Gender-Wissenschaften oder Queer-Theory.

Gender-Siegeszug an den Unis: Fast zweihundert Professuren

Laut Zeitschrift „Forschung & Lehre“ vom November 2022 gibt es aktuell 146 Genderprofessuren an Universitäten und 50 Genderprofessuren an Fachhochschulen. Was, nur um das ins Verhältnis zu setzten, nicht viel weniger sind als die Anzahl der Pharmazieprofessuren (191).

Das Gender Studies Studium wird mittlerweile an zehn Universitäten in Deutschland gelehrt. Die meisten Genderprofessuren existieren in Nordrhein-Westfalen (63), gefolgt von Berlin, wobei Sachsen leer ausgeht.

Geschlechterforschung an der Uni ist Normalität geworden und auch das Teilgebiet Queer-Studies, wo die Ausschreibung einer Professur im besagtem Spiegel-Artikel so kommentiert wurde:

„Queer Studies sind ein Teilgebiet der sogenannten ‚Gender Studies‘, und das wiederum ist der neueste Modestudiengang in Deutschland. […] Gender Studies kommen aus den USA, sie sind ein Kind der Frauenforschung. ‚Gender‘ heißt so viel wie Geschlecht, gemeint ist aber nicht die Anatomie, sondern die Geschlechterrolle.“

„Queer“ bedeutet eigentlich „eigenartig, schräg“ und wurde in den USA lange als Schimpfwort für Homosexuelle benutzt. Im Verlauf eignete sich die Szene das Wort an. Man kann sich das in etwa so vorstellen, wenn Menschen mit Migrationshintergrund sich selbst untereinander „Kanake“ nennen und damit für sich vereinnahmend umgedeutet haben, womit sie ursprünglich abschätzig betitelt wurden.

Queere Minderheit innerhalb einer Minderheit

„‚Queer‘ wurde ein Kampfbegriff, in Abgrenzung zu ‚gay‘, […] queer nannten sich nunmehr alle, die offensiv anders lebten als die Mehrheit – Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle.“ „queer“ steht für einen Lebensstil einer Minderheit innerhalb einer Minderheit.

Nochmal der Spiegel vor zwanzig Jahren:

„Sind Queer Studies also nur etwas für Leute, die sich gern mit sich selbst beschäftigen, zumindest aber mit selbst gemachten Problemen, was in einigen Fällen auch dasselbe sein kann – ein Schwuchtel-Diplom, sozusagen?“ Die Antwort der Hamburger Dozentin Marianne Pieper, die mithalf, den Studiengang zu etablieren: „Wir sind keine akademische Selbsthilfegruppe.“ Als Student aber kann man lernen, ‚wie Mehrheiten funktionieren und wie die gesellschaftliche Dominanz eines Lebensstils hergestellt wird‘.

Einer aktuellen Umfrage eines Berliner Umfrage-Startups Dalia von 2022 unter 11.000 Befragten zufolge identifizieren sich gerade mal 5,9 Prozent der Bevölkerung als LGBT (Lesbian, Gay, Bi, Trans). Unter den neun europäischen Ländern, die statistisch signifikante Ergebnisse lieferten, hat Deutschland mit 7,4 Prozent den höchsten LGBT-Anteil. Weit abgeschlagen auf Platz neun dagegen Ungarn mit nur 1,5 Prozent.

Andere Befragungsergebnisse liefern zum Beispiel eine Untersuchung der britischen Statistikbehörde, die den Anteil an Schwulen, Lesben und Bisexuellen im Lande mit lediglich 1,7 Prozent bezifferte.

Ob jetzt die Wahrheit irgendwo dazwischenliegt, sei dahingestellt. Interessant jedenfalls, dass und wie sich die Altersgruppen aufsplitten: Die oben benannte Dalia-Umfrage ergab, dass sich von den Jüngeren (14- bis 29-Jährigen) mit 11,2 Prozent ungefähr doppelt so viel mit LGBT identifizieren wie bei den 50- bis 65-Jährigen, da sind es nur 6,4 Prozent.

Diese Zahlen bieten jedenfalls ein breites Feld an Diskussionsgrundlagen und viele offene Fragen. Auch die, ob hier eine kleine Minderheit die Sprache, die wissenschaftliche Welt und am Ende den Bundestag gekapert haben könnte.

Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

Gender durchdringt mittlerweile alle akademischen Fächer. Politik und Wirtschaft ziehen mit. Symbol hierfür ist die unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Merkel im Jahr 2006 veröffentlichte Selbstverpflichtung „Charta der Vielfalt“ zur Diversität in Bezug auf Nationalität, Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Hier haben Wirtschaftsunternehmen, Behörden, soziale sowie akademische Einrichtungen Konsens erklärt.

Mittlerweile wird kaum noch eine Stellenanzeige ohne (w/m/d) annonciert, wobei das „d“ für divers steht. Und es gibt zahlreiche Beispiele, die jemandem, der noch vom alten Eisen ist – oder muss man hier „von vorgestern“ sagen? – und einfach in „ich Mann, du Frau“ und „jeder nach seiner Fasson“ denkt, vermutlich eher den Kopf schütteln lässt.

Aktuelles aus dem Gender-Land

In einer westfälischen Kleinstadt werden für Tausende von Euros 46 „Homo-Ampeln“ installiert und in den Streuscheiben von Wolfenbütteler Fußgängerampeln wahlweise zwei sich an den Händen haltende Frauen mit Herzchen oder ein ebensolches Männer-Pärchen angezeigt.

Die Deutsche Bahn musste wegen nicht genderneutraler Sprache im letzten Jahr eintausend Euro Strafe wegen Diskriminierung zahlen und ihr Buchungssystem genderneutral nachzurüsten, ansonsten droht jetzt ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro.

Das Gender-WC als Bekenntnis?

An den Unis hat Gendern nicht nur in Sprache und Lehre, sondern auch bei den Grundbedürfnissen Einzug gehalten: Immer mehr deutsche Hochschulen führen Unisex-Toiletten ein für diejenigen, die sich weder eindeutig als Frau noch als Mann fühlen.

Hotspot des Gender-Gaga scheinen aber Berlin und seine Unis zu sein. Hier sind nicht nur 36 Professuren vergeben, der zweitmeisten in Deutschland, nein, die Studenten gendern hier ihre Vornamen wie früher die Waldorf-Schüler den ihren tanzten, und auch die stillen Örtchen sind schon geschlechterneutral gemarkert: Jüngst forderte der „Studierendenausschluss“ an der TU Tampons auf allen Uni-Toiletten. Und damit gemeint war tatsächlich „auf allen“ – auch auf Herrenklos.

Was mittlerweile als Impfschaden bekannt und anerkannt ist, wurde hier sogar noch als Argumentationshilfe herangezogen: Eine stärkere Periode als Auswirkungen von Corona-Impfungen. Ebenfalls für Kopfschütteln sorgen mittlerweile andere Stilblüten, wie die „All-Gender-Periodenunterwäsche“, sprich Periodenhöschen, falls „Ihr menstruiert, egal, welches Geschlecht Ihr habt“.

Mehr als nur „kulturelle Aneignung der stillen Örtchen“ an Unis

Diese Ideologie ist nicht mehr nur an den Toilettentüren oder im Sprachgebrauch zu finden, sie hat Einzug in die Lehre gehalten. Allerdings nicht in eine wissenschaftliche Debattenkultur, sondern im Gewand von Cancel Culture. So machte die „Lange Nacht der Wissenschaften“ der Humboldt-Uni Berlin über den Wissenschaftsbetrieb hinaus Furore mit einem ursprünglich geplanten Vortrag der Biologin Marie-Luise Vollbrecht mit dem Titel „Geschlecht ist nicht gleich Geschlecht. Sex, Gender und warum es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt.“ Vollbrecht wollte vortragen, warum es aus biologischer Sicht nur zwei Geschlechter gibt und dass das biologische Geschlecht (Sex) und Geschlechterrollen (Gender) unterschiedliche Dinge sind. Die Uni cancelte den Vortrag und sagte ihn „aus Sicherheitsgründen“ ab, da Aktivisten mit Zoff wegen Queerfeindlichkeit drohten.

Das Ideal der gerechteren Gesellschaft

Die Genderwissenschaften haben ihren Ursprung in den 1970er und 1980er-Jahren, als Frauenbewegungen und LGBTQ-Aktivisten verstärkt darauf drängten, Geschlechterfragen und Geschlechterungleichheiten in den Fokus der akademischen Forschung zu rücken. Diese Thematisierung soll zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft beitragen, in der Chancen gleich verteilt sind und wo alle Menschen unabhängig von tradierten Rollenmustern ein selbstbestimmtes Leben führen können – ohne Diskriminierungen.

Dem gegenüber sagen Kritiker, wie schon im Jahr 2015 der Kasseler Professor Ulrich Kutschera: „Das ist eine feministische Sekte, die uns da ihren Unsinn aufdrückt – und alle machen widerstandslos mit.“ Die Universität reagiere prompt auf Beschwerden über die Aussagen des Biologen und verlautbarte offiziell, dass „sie Gleichstellung und Diversity als zentrale Themen ihrer Entwicklung begreift“.

„Die Zeiten ändern sich“. Was heute als geflügeltes Wort gilt und oft in Kombination mit einem Achselzucken gesagt wird, kommt aus dem Lateinischen „Tempora mutantur et nos mutamur in illis“ und heißt als Ganzes: „Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen.“



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