Blinde Studenten singen zusammen an einer Berufsschule in Malawi.Foto: Cesar Chelala

Das Beste daraus machen

Von 30. Januar 2011 Aktualisiert: 30. Januar 2011 17:03

In Gedanken bin ich in Malawi, einem Land, das ich vor einigen Jahren besucht hatte. Als Berater für öffentliche Gesundheit hatte ich einen Beamten in einer Behörde für internationale Entwicklung in New York besucht und sein Büro frustriert wieder verlassen. Obwohl der Mann, den ich dort traf, eine sehr angenehme Wesensart hatte, konnte ich nicht erkennen, wo mich dieses Treffen beruflich hinführen sollte. Ich sollte mich irren.

Zwei Wochen später erhielt ich einen Anruf von einem anderen Beamten der gleichen Behörde. Er bot mir die Gelegenheit, an einer Mission teilzunehmen, bei der es darum ging, den Gesundheitszustand der mosambikanischen Flüchtlinge in Malawi zu erfassen. Dieses Land musste ich auf der Landkarte erst einmal finden. Als ich ihn fragte, wer ihm von mir erzählt hatte, sagte er, es wäre der Beamte gewesen, den ich dort schon beim ersten Mal getroffen hatte. Obwohl ich noch nie in Afrika war, war ich voller Erwartung und nahm sein Angebot an.

Bei der Ankunft in Lilongwe, Malawis Hauptstadt, stellte ich fest, dass mein einziges Gepäckstück beim Transit verloren gegangen war. Da ich gerne mit leichtem Gepäck reise, trug ich nur eine Umhängetasche mit einigen Toilettenartikeln und einem Buch. Ich hatte auch nur die Kleider bei mir, die ich anhatte. Zu sagen, dass ich verärgert war, ist eine Untertreibung, denn ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich die vierwöchige Mission unter diesen Bedingungen bewältigen könnte. Ich irrte mich wieder, denn es gelang mir gut.

Ich wusch meine Unterwäsche jede Nacht im Hotel, kaufte noch ein Paar Hosen und war erleichtert, nicht jedes Mal, wenn wir das Landesinnere besuchten, kein schweres Gepäck tragen zu müssen. Meine Kollegen schauten mir immer mit neidischen Blicken zu, wenn wir umziehen mussten. Nie zuvor war ich so glücklich gewesen, so wenige Dinge bei mir zu haben.

Auf einer unserer Reisen in das Landesinnere kamen wir durch wunderschöne Teeplantagen, die einen herrlichen Blick auf Mount Mulanje zuließen, der wie eine Kulisse wirkte. Kurz danach baten uns unsere Gastgeber, eine Berufsschule zu besuchen, an der vor allem erwachsene Malawier ausgebildet wurden. Ich war an dem Besuch sehr interessiert, weil meine Frau mehrere Jahre lang in der Erwachsenenbildung tätig gewesen war.

In der Schule gingen wir durch mehrere Räume. Die meisten Schüler dort waren Frauen, die unterschiedliche Handfertigkeiten lernten. Junge Frauen lernten, auf Webstühlen zu weben, eine andere Gruppe lernte, Holzmöbel herzustellen und eine dritte Gruppe erarbeitete sich die Grundlagen für das Lesen und Schreiben in englischer Sprache. Ich war fasziniert davon, wie Erwachsene unterschiedlichen Alters in dieser letzten Gruppe eine Sprache kennenlernten, trotz der offensichtlichen Schwierigkeiten, die sie mit diesen Aufgaben hatten.

Während ich damit beschäftigt war, den Studenten in dieser Gruppe zuzuschauen, gingen meine Begleiter in eine andere Klasse. Kurz danach folgte ich ihnen, aber da ich später gekommen war, konnte ich die Studenten nicht aus der Nähe sehen und blieb außerhalb des Zimmers. Trotzdem konnte ich erkennen, dass dies eine Musikklasse war und dass die Erwachsenen vor den Besuchern sangen.

Das Lied war eine wundervolle Melodie und erzählte davon, wie schön ihr Land ist, wie mächtig seine Flüsse, wie grün seine Berge und wie zahlreich seine Teeplantagen sind. Es war ein Lied voller Sehnsucht und Dankbarkeit für die Schönheiten ihres Landes. Ihre Stimmen waren so gut aufeinander abgestimmt und trugen die Melodie so gut, dass ich annahm, dass sie das Lied schon lange Zeit geübt haben.

Als das Lied endete und meine Begleiter den Eingang zu diesem Raum verließen, konnte ich endlich die Sänger sehen. Erst dann stellte ich fest, dass ich einem Chor blinder Männer zugehört hatte.

César Chelala ist ein international anerkannter Gesundheitsexperte und schreibt über Menschenrechte und Themen der Außenpolitik

Artikel auf Englisch: Making the Most of Things in Malawi

 

 

 



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