Niederlande: Regierungschef entschuldigt sich für Sklaverei in der Vergangenheit

Laut Empfehlung einer Kommission vom letzten Jahr hat die niederländische Regierung nun offiziell eine Entschuldigung zu den Kolonialverbrechen im 16. und 17. Jahrhundert ausgesprochen. Diese kommt aber nicht bei allen gleich gut an. Einige Nachkommen verlangen Entschädigungen oder fordern eine offizielle Entschuldigung durch König Willem-Alexander.
Niederlande: Regierungschef entschuldigt sich für Sklavenhandel in der Vergangenheit
Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bittet um Entschuldigung für die Versklavung in Südamerika und anderen Ländern.Foto: ROBIN VAN LONKHUIJSEN/ANP/AFP via Getty Images
Epoch Times24. Dezember 2022

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hat den Sklavenhandel des niederländischen Staates in der Vergangenheit verurteilt. In einer Rede vor einem geladenen Publikum im Nationalarchiv in Den Haag bittet er für die Handlungen in der Vergangenheit um Verzeihung.

Es sei durch „unzählige Geschichten überliefert“ und durch „Zeugenaussagen belegt, dass die willkürliche Grausamkeit des Sklavensystems keine Grenzen kannte“, sagt Rutte, der dazu aufgerufen hat, die Sklaverei als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu betrachten. „Jahrhundertelang ist unter niederländischer Staatsautorität die Menschenwürde mit Füßen getreten“ worden.

Die Sklaven seien wie „Vieh abtransportiert“ worden. „Sie wurden ihren Familien entrissen und ihrer Menschlichkeit beraubt.“ Wie Rutte betonte, will sich die niederländische Regierung nun für eine Aufarbeitung und Linderung des Leids der Nachkommen einsetzen.

Unter den Zuhörern im Nationalarchiv befanden sich auch Nachfahren versklavter Menschen aus den damaligen Kolonien.

Noch vor der Ansprache von Ministerpräsident Rutte und einer Entschuldigung von Regierungsvertretern in der ehemaligen Kolonie Suriname und Überseegebieten gab es heftige Debatten. Einige finden Datum und Form nicht gut, manche Nachfahren fühlen sich schlecht eingebunden. Andere fordern, König Willem-Alexander müsse die Entschuldigung aussprechen, Holland müsse eine Entschädigung zahlen.

Ruttes Entschuldigungsplan wurde vorab unabsichtlich publik

Bereits in den Jahren 2001 und 2013 hatte die Regierung zwar ihr Bedauern für die Sklaverei-Verbrechen geäußert, für eine Entschuldigung der ehemals drittgrößten Kolonialmacht der Welt setzten sich Nachfahren von Sklaven und Bewohner damaliger Kolonien aber lange vergeblich ein.

Eine von der Regierung eingesetzte Kommission erklärte dann im Juli, dass die Niederlande sich entschuldigen und aktiv für das Bekämpfen der Folgen wie Rassismus einsetzen müssten. Dabei wurde Ruttes Entschuldigungsplan vorab unabsichtlich publik. Wochenlang wurde herumgedruckst, worum es gehen könnte – und einige waren vorab schon unzufrieden.

Surinamische Vereine wollten im Eilverfahren erreichen, dass die Entschuldigung nicht an einem willkürlichen Datum, sondern am 1. Juli kommenden Jahres erfolgt, 160 Jahre nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei durch die Niederlande. Ein Gericht wies die Klage am vergangenen Donnerstag ab.

Von 1640 bis 1670 waren die Niederlande weltweit größter Sklavenhändler

Es war schon lange bekannt, dass die Niederlande mit ihren stattlichen Herrenhäusern an Amsterdamer Grachten und den Gemälden reich beladener Handelsschiffe auch eine dunkle Vergangenheit hat. Neben Waren aus den Kolonien transportierten die Boote auch Menschen – von 1640 bis 1670 waren die Niederlande weltweit der größte Sklavenhändler.

Das Land versklavte in 200 Jahren schätzungsweise 600.000 Menschen. Sie wurden meist aus Westafrika verschleppt, verkauft und mussten auf den Plantagen in den damaligen Kolonien Suriname und den Antillen in der Karibik arbeiten. Offiziell schaffte das Königreich den Sklavenhandel zum 1. Juli 1863 ab. Damit war es eines der letzten Länder Europas. (dpa/il)



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