Energiebranche warnt vor unterschiedlichen Strompreiszonen in Deutschland

Der Vorschlag der Bundesnetzagentur für unterschiedliche Zonen stößt auf gemischte Reaktionen. Vor allem aus Süddeutschland kommen Bedenken.
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Strommasten. Symbolbild.Foto: iStock
Epoch Times16. August 2023

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat vor unterschiedlichen Strompreiszonen in Deutschland gewarnt. „Die deutsche Preiszone muss unbedingt erhalten werden: Sie trägt zu einem hochliquiden und von starkem Wettbewerb geprägten Strommarkt bei, um den uns viele – insbesondere mit Blick auf die Terminmärkte – beneiden“, sagte Verbandschefin Kerstin Andreae der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vom Mittwoch. Unterstützung für den Vorschlag der Bundesnetzagentur für eine Strompreisreform gab es von den Ampel-Fraktionen.

Die BDEW-Chefin warnte derweil bei der Angleichung der Netzentgelte vor Schnellschüssen. „Die bestehende Netzentgeltsystematik sollte überprüft werden. Aufgrund der hohen Komplexität und der Gefahr von Fehlsteuerungen darf es hier jedoch keine Schnellschüsse geben. Eine praktische Umsetzung durch die Netzbetreiber muss jedenfalls gewährleistet sein“, sagte Andreae.

Die Bundesnetzagentur hatte sich am Samstag für eine Strompreisreform mit niedrigeren Gebühren für Regionen mit viel Windkraft ausgesprochen. In Bayern, aber auch in Ländern wie Baden-Württemberg, wird deutlich weniger Windenergie produziert als in norddeutschen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Brandenburg. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unterstützte diesen Vorschlag.

Söder warnt: Strompreiszonen gefährden Süddeutschland

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte dazu, unterschiedliche Strompreiszonen wären ein großer Fehler“ und gefährdeten Süddeutschland als industrielles Herz der Republik“.

Der zuständige Staatssekretär im Umweltministerium in Schleswig-Holstein, Joschka Knuth (Grüne), hielt dagegen: Die neue Aufteilung „wäre ein Weg, den von der Industrie so dringend benötigten Grünstromzubau anzureizen, die Strompreise dauerhaft zu senken und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfest zu machen“, sagte er der „Rheinischen Post“. An den Netzentgelten hänge eine „zentrale Gerechtigkeitsfrage der Energiewende“.

Zuspruch kam auch von den Ampel-Fraktionen. „Wo der erneuerbare Strom produziert wird, braucht es Entlastung und keine Belastung“, sagte SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Mittwoch.

Netzentgelte beeinflussen 20 Prozent des Strompreises

Ungerechtigkeiten wie regional unterschiedliche Belastungen bei den Netzentgelten könnten nach Angaben des RWI-Leibniz-Instituts dadurch abgeschafft werden, „dass die Netzentgelte künftig nicht mehr von den Stromverbrauchern bezahlt werden, sondern aus dem Klima- und Transformationsfonds“. Auch sämtliche Umlagen auf den Strompreis und Senkungen der Stromsteuer auf das EU-weite Minimum sollten aus dem Fonds finanziert werden, sagte RWI-Energieexperte Manuel Frondel der „Rheinischen Post“.

Die Netzentgelte, um die es in dem Streit geht, sind eine Art Gebühr für die Nutzung des Leitungs- und Stromversorgungsnetzwerks, die vom örtlichen Stromnetzbetreiber erhoben wird. Durch das Netzentgelt werden der Betrieb und der Ausbau der Netze finanziert. Nach Angaben der Bundesnetzagentur macht diese Gebühr bei Haushaltskunden etwa ein Fünftel des gesamten Strompreises aus. (afp/dl)



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