Fortsetzung der „S-Serie“ in der CSU? – Von einem Bayern aus Bayern

Von 9. November 2018 Aktualisiert: 9. November 2018 17:25
Markus Söder will Horst Seehofer auch als Parteivorsitzender beerben. Doch die oberbayerische CSU mit Ilse Aigner an der Spitze grollt – insgeheim. Gastautor J. E. Rasch stammt aus Bayern und lebt in Bayern.

Die Reihe ist so illuster wie sie lang ist – nach Strauß, Streibl und Stoiber, nur unterbrochen vom glücklosen Erwin Huber, folgte Seehofer als weiterer Parteichef und/oder Ministerpräsident des weiß-blauen Freistaates mit dem „S“ am Namensanfang.

Die Serie soll nun fortgesetzt werden. Mit Söder, Markus Söder. Denn derselbe drängt machtvoll und mächtig darauf, seinen Vorgänger im Staatsamt auch als CSU-Vorsitzenden zu beerben.

Es hat sich ohnehin schon viel getan in der alten Volkspartei mit ziemlich unverblümtem Totalregierungsanspruch. War der erste Versuch, den geradezu monarchistisch umschleierten Sessel des bayerischen Ministerpräsidenten nicht mit einem Altbayern (Ober- oder Niederbayer, Oberpfälzer), sondern mit einem Franken zu besetzen, noch krachend misslungen – Günther Beckstein war dereinst nur mal gerade ein Jahr Regierungschef gewesen, an seiner Seite der verstoßene Erwin Huber als Parteichef – scheint nun mit Markus Söder ein Mittelfranke den unsichtbaren Hermelin von FJS dauerhaft auf seinen Schultern zu behalten.

Horst Seehofer muss zudem schon verlauten haben lassen, dass er sich „in Bälde“ nun auch von seinem „Amt“ als Partei-Vorsitzender zurückziehen will. Jedenfalls mehren sich die Flüsterer und deren Parolen dazu.

Doch im mächtigen CSU-Berzirk Oberbayern, von wo doch allermeistens die ungekrönten, aber gekürten Gebieter in der Münchner Residenz gekommen waren, regt sich Widerstand, wenn auch nur verhalten grollend. Ilse Aigner, die vorerst mit dem ehrenvollen, aber regierungspolitisch irrelevanten Posten der Landtagspräsidentin aus dem Rennen um ein anderes einflussreiches Amt gebracht worden ist, wird wohl andere Vorstellungen und nicht minder Erwartungen gehabt haben.

Zudem drängen der nun zum Euro-Spitzenkandidaten ausgerufene Manfred Weber aus Niederbayern und sein sich momentan arg verschleißender Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, ebenfalls aus dem ostbayerischen Passau, an die Futtertröge der Partei.

Und da ist dann noch Alexander Dobrindt aus dem geradezu CSU-durchdrungenen, oberbayerischen Kreis Weilheim-Schongau. Der dürfte sich als Generalsekretär, Minister im vorletzten Merkel-Kabinett und nun als Landesgruppen-Chef der CSU in der Unionsfraktion im Bundestag kaum wort- und widerstandslos aus dem Geplänkel heraushalten.

Seine Loyalität zu Seehofer, als dieser in der Sommerkrise haderte und wankte, kommt nicht von ungefähr. Ambitionen auf die Parteispitze und vor allem auf das Amt des Innenministers in Berlin wären darob keine Überraschung, sie sind sogar sehr wahrscheinlich.

Auch das ist also ein Grund für die Oberbayern-CSU, auf die Vorreiter-Rolle zu pochen. Natürlich erst im richtigen Augenblick. Der ist aber momentan nicht in Sicht. Markus Söder ist derzeit zu stark.

Es knistert und bullert halt im Unterholz. Der Hüne von Ingolstadt nimmt es äußerlich gelassen, doch er sucht bereits nach einer rauchfreien Lichtung, um das arg verqualmte Dickicht aufrecht und mit leichtem Schmunzeln in den Mundwinkeln verlassen zu können.

Einen Sieg hat er schon eingeheimst, wenn auch nur indirekt: der Merkelmotor läuft nur noch auf einem Zylinder. Die Zweitakter aus dem Osten sind eh schon länger am Aussterben. Das scheint so trivial wie offensichtlich.

Dass seine liebste Feindin Angela noch vor seinem Abgang ganz die Segel streichen muss, wird er allerdings nicht ganz abwarten können.

Doch bald werden sie beide Geschichte sein. Denn, wer zu spät kommt…ja, wir wissen es.

Und der Applaus wird sich in gewissen Grenzen halten.

…zum Autor… : Joseph Emich Rasch, freier Autor, Linguist, Dramaturg und Kolumnist, ist Dozent für Kommunikation, Rhetorik und Dialektik und befasste unter anderem mit den Auswirkungen der Politik auf  die  Sprache.

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