Intendant der Bayerischen Staatsoper kritisiert Urteil zur Wahl in Österreich

Epoch Times9. Juli 2016 Aktualisiert: 9. Juli 2016 9:57

Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper, hat in scharfer Form das Urteil zur österreichischen Bundespräsidentenwahl kritisiert. Die Aufhebung der Wahl durch das oberste Gericht sei in keiner Weise ein Sieg der Demokratie, sagte der frühere Intendant des Wiener Burgtheaters in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“. „Es passiert dort gerade das Gleiche wie in den Anfangsjahren der Nazis: Mit rechtsstaatlichen Mitteln werden Wahlen für ungültig erklärt, werden politische Gegner desavouiert, werden auf mafiöse Art Posten verteilt – das sind katastrophale Zustände“, sagte Bachler der SZ. Der gebürtige Österreicher sieht sein Heimatland auf einem ähnlichen Weg wie Ungarn, wo es bereits erhebliche Restriktionen für die Theater und die Kultur gebe.

„Man braucht nicht zu glauben, dass das so weit weg ist“, so der 65-Jährige, der seit 2008 die Bayerische Staatsoper leitet, das größte Theater Bayerns. Sehr kritisch äußert sich Bachler auch zur Diskussion um eine Leitkultur, die gerade die CSU vorantreibt. Für den Intendanten ist das eine „absurde Diskussion“. Denn der Begriff Leitkultur sei ein Widerspruch in sich: „Leiten heißt Richtlinien vorgeben und bedeutet etwas Einengendes. Kultur bedeutet das Gegenteil: Kultur heißt Freiheit.“ Sein Haus möchte er aber trotz der Kritik an den Vorgängen in Österreich und Ungarn und den Debatten in Deutschland nicht zur Aktionsfläche machen. „Theater ist keine Bürgerinitiative. Unsere Mittel sind die Mittel der Kunst“, sagte Bachler. Er tritt aber dafür, dass die Oper mit Werken und Inszenierungen drängende politische und gesellschaftliche Fragen aufwerfe. „Wir haben die Aufgabe, gesellschaftliche Diskurse zu eröffnen“, so Bachler in der SZ. Der 65-Jährige wird bis 2021 die Staatsoper leiten, in die beginnende Nachfolgediskussion wolle er sich aber nicht einmischen. Auf die Frage, was das Haus nach seinem Weggang brauche, sagte Bachler: „Etwas Neues und etwas anderes – und etwas Junges.“

(dts Nachrichtenagentur)

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