Neuer Handwerkspräsident warnt vor explodierenden Preisen

Der Wasserhahn tropft, die Heizung funktioniert nicht richtig, es sind Risse in der Wand: Wer derzeit einen Handwerker bestellt, muss tief in die Tasche greifen.
Titelbild
Ein Handwerker bei der Arbeit.Foto: Jean-philippe WALLET/iStock
Epoch Times2. Januar 2023

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Der Zentralverband des Deutschen Handwerks rechnet im neuen Jahr mit weiter steigenden Preisen für Handwerksleistungen. Diese könnten schon bald für viele Menschen in Deutschland nicht mehr bezahlbar werden, sagte Handwerkspräsident Jörg Dittrich der „Bild am Sonntag“. Der Grenze nähere man sich gerade.

„Für uns steigen ja nicht nur die Material- und Energiekosten“, begründete der Chef des Zentralverbandes die Preisentwicklung. Die Branche hätte auch mit steigenden Krankenkassen-, Pflegeversicherungs- und Berufsgenossenschaftsbeiträgen zu kämpfen. Hinzu kommen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer vom Staat obendrauf.

Das Ergebnis sei: „Die Lücke zwischen dem, was der Handwerker tatsächlich verdient, und dem, was die Stunde den Kunden kostet, wird immer größer“, beklagte der Dresdner Dachdeckermeister, der das Spitzenamt zum Jahreswechsel übernommen hat.

Lindner rechnet mit dauerhaft hohen Energiepreisen

Wenig beruhigend sind auch die jüngsten Signale aus der Politik. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) rechnet mit dauerhaft hohen Energiepreisen. „Es wird ein neues Normal sein“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Gas über die Flüssiggasterminals sei „schon aus logistischen Gründen“ teurer als das russische Pipeline-Gas.

Für viele Handwerksbetriebe könnte die Lage besonders im Januar und Februar brenzlich werden. Da die Energiepreisbremsen erst im März rückwirkend gewährt werden, müssten die Firmen bei den hohen Energierechnungen in die Vorfinanzierung gehen.

Handwerkspräsident für stärkere Zuwanderung auch ohne Qualifikation

Dem Handwerk mache außerdem der Personalmangel mittelfristig zu schaffen. Aktuell fehlten der Branche 250.000 Fachkräfte, Tendenz steigend. „Auch bei uns kommen die Babyboomer jetzt ins Rentenalter“, sagte Handwerkspräsident Dittrich.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Mikrozensus 2021 werden deutschlandweit rund 12,9 Millionen Beschäftigte in den nächsten 15 Jahren das Rentenalter erreichen. Dies entspricht knapp 30 Prozent der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Erwerbspersonen – bezogen auf das Berichtsjahr 2021.

In Deutschland gebe es „zu wenige Leute, die eine handwerkliche Ausbildung machen“, erklärte Dittrich weiter. Seine Lösung: eine stärkere Zuwanderung – und zwar auch von Menschen, die bislang keine Berufsqualifikation haben. Denn es gehe „nicht darum, in Vietnam den perfekt ausgebildeten Elektroniker für Gebäudesystemintegration zu finden, sondern um junge Leute, die bereit sind, in Deutschland ein Handwerk zu lernen und hier zu arbeiten“.

Handwerk gegen ausufernde Bürokratie

Viele Handwerksbetriebe beklagen darüber hinaus eine ausufernde Bürokratie in Deutschland. Es gebe zig Dokumentations- und Berichtspflichten, sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Von den Betrieben komme vermehrt der schlichte Wunsch: „Lasst uns doch einfach nur arbeiten.“ Wenn die Beschäftigten in jedem Bereich dokumentieren, nachhalten und nachweisen müssen, „platzt ihnen irgendwann die Hutschnur“, sagte Schwannecke. (dl)

(Mit Material von Nachrichtenagenturen)



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