Wirtschaftsweise Grimm gibt keine Hoffnung auf günstigeren Strom in der Zukunft

Derzeit halten sich die Strompreise auf konstantem und hohem Niveau. Eine neue Studie der Wirtschaftsweise Grimm nimmt jedoch die letzten Hoffnungen auf sinkende Preise in der „erneuerbaren“ Zukunft. Stattdessen bleiben sie gleich – bestenfalls.
Veronika Grimm, die Vorsitzende der Gaspreiskommission, dämpft die Erwartungen.
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm erwartet keine günstigeren Energiepreise durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie.Foto: Hannes P. Albert/dpa
Von 12. April 2024

Die Bundesregierung hat versprochen, dass mit zunehmendem Ausbau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen die Stromkosten hierzulande sinken. Eine neue Studie der Wirtschaftsweisen Prof. Veronika Grimm von der Technischen Universität Nürnberg widerspricht allerdings dieser These.

Die in Zusammenarbeit mit dem Forscher Leon Oechsle und Prof. Gregor Zöttl von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entstandene Arbeit trägt den Titel „Stromgestehungskosten von Erneuerbaren sind kein guter Indikator für zukünftige Stromkosten“.

Stromgestehungskosten sind die Kosten für die Errichtung und den jährlichen Betrieb eines Kraftwerks über seine gesamte Lebensdauer. Die Ampelregierung bewirbt häufig gerade diese Kosten im Zusammenhang mit Windkraft und Photovoltaik (PV) und dem Versprechen von sinkenden Preisen.

Die Autoren der Studie hingegen stellen klar:

Die [Stromgestehungskosten] stellen jedoch keine belastbare Grundlage für die Einschätzung der zukünftigen Stromkosten dar.“

Das Problem: Erneuerbare benötigen Back-up

Die Stromproduktionen von Wind- und Solaranlagen sind in der Studie die Grundlage der Berechnung. Denn die Bundesregierung hat diese Energiequellen im Rahmen der Energiewende priorisiert.

Grimm bemerkt, dass sich durch die sogenannten erneuerbaren Energiequellen „in vielen Stunden des Jahres Versorgungslücken ergeben“. Denn nicht immer scheint die Sonne und auch der Wind weht nicht durchgehend.

Somit sind ergänzende Technologien wie Batteriespeicher, Gaskraftwerke und künftig auch wasserstoffbetriebene Kraftwerke nötig, um die Lücken zu füllen. Die benötige Gesamtkapazität hierfür liegt im zweistelligen Gigawattbereich und existiert aktuell bisher nicht. Die Netzbetreiber oder andere Investoren müssten sie erst errichten.

Schockmeldung von Wirtschaftsweise Grimm: Strom wird teuer bleiben

Erneuerbare benötigen Reservekraftwerke, falls kein Wind weht oder keine Sonne scheint. Foto: iStock

„Die Investitionskosten dieser Anlagen und ihres Betriebs müssen in die Berechnung der Kosten zur Befriedigung der Nachfrage eingehen“, schreiben die Autoren der Studie. Und die entsprechenden Ergebnisse deuteten nicht darauf hin, dass die Stromkosten mittel- bis langfristig deutlich sinken werden.

Für das Jahr 2040 errechneten die Fachleute die Stromgestehungskosten für das Kilowatt für Windkraft und PV. Für Windkraft alleine sind das 4,69 Cent pro Kilowattstunde (kWh), für PV alleine 2,59 Cent pro kWh. Doch um eine durchgehende Stromversorgung zu gewährleisten, sind, wie erwähnt, die ergänzenden Technologien notwendig.

Im Mix mit Batteriespeicher, Gas- und Wasserstoffkraftwerken betragen die Kosten 7,8 Cent pro kWh. Auf ähnlich hohem Niveau befinden sich die heutigen Preise, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Der reale Strompreis, auf den noch staatliche Abgaben hinzukommen, kostete in Neuverträgen für kleinere und mittlere Industrieunternehmen zu Jahresbeginn 17,65 Cent pro kWh.

Viele Faktoren ausgeklammert

Die Studienautoren machen deutlich, dass es sich um eine „vereinfachte Betrachtung“ handele. So sind beispielsweise „Margen am Strommarkt, Netz- und Konzessionsabgaben sowie Steuern noch nicht berücksichtigt“. Ebenfalls sind in der Studie weitere Kostenfaktoren wie Abweichungen vom aufgeführten „kostenminimalen Kraftwerksmix“ nicht miteinbezogen.

Ein zusätzlicher, großer Kostenfaktor sind die Netzausbaukosten. Die Netze müssen erheblich angepasst werden, um künftig die großen Strommengen transportieren zu können. Aktuelle Schätzungen vom Bundesrechnungshof und der Bundesnetzagentur gehen inzwischen von Kosten in Höhe von bis zu 563 Milliarden Euro bis 2030 aus. Auch die Kosten für zusätzliche Reservekraftwerke hat die Studie ausgeklammert. Hierfür sind weitere rund 60 Milliarden Euro nötig.

Die Studie lässt offen, wie sich die Strompreise künftig tatsächlich entwickeln. Je nach Faktoren können sie höher oder niedriger sein als die errechneten Ergebnisse. In einem Punkt sind sich die Autoren jedoch sicher:

In jedem Fall ist es aber so, dass die […] Kosten letztendlich von Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern getragen werden müssen. Entweder über den Strompreis oder über Abgaben, Umlagen beziehungsweise heutige oder zukünftige Steuern.“

Hat die Regierung Kosten unterschlagen?

Die Ergebnisse der Studie sind schlechte Nachrichten für den Standort Deutschland. Bereits seit einigen Jahren kämpfen Industrie und mittelständische Betriebe mit den hohen Energiepreisen, die als einer der größten Standortnachteile gelten. Viele Unternehmen haben bereits Insolvenz angemeldet oder ihre Produktionsstätten ins zumeist günstigere Ausland verlagert.

Für das von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erhoffte grüne Wirtschaftswunder war das Absinken der Stromkosten ein wesentliches Element.

Die Wirtschaftsweise Grimm und ihre Kollegen bemängeln, dass die bisherigen Berechnungen, die der Bund auch oftmals kommuniziert hat, „die Kosten nicht berücksichtigen, die komplementär zu den erneuerbaren Energien aufgebracht werden müssen, um eine gegebene Stromnachfrage zu befriedigen“.

So kam bereits eine Kostenberechnung für nur PV für 2021 auf 4,07 Cent pro kWh. Um aber ein typisches Nachfrageprofil damit abzudecken, müssen beispielsweise Gaskraftwerke die Dunkelphasen abdecken. Das Leistungsverhältnis ist in der Rechnung mit PV 1,68 kW zu Gas 1,00 kW angegeben. Hierbei ergeben sich durchschnittliche Kosten von 6,5 Cent pro kWh.

Eine regelrechte Preisexplosion von PV-Strom enthüllt die Studie, wenn Batteriespeicher die Dunkelphasen abdecken sollen und eine konstante Stromnachfrage – etwa eine durchgehend produzierende Fabrikhalle – bedienen wollten. Dann liege der Strompreis bei 99,51 Cent pro kWh. Bei solch exorbitanten Preisen besteht jedoch die Vermutung, dass es dann aber am Standort Deutschland schon keine Industrie mehr geben dürfte, falls diese die Strompreise voll zahlen müsste.



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