Verweigerter Handschlag durch muslimischen Politiker schlägt Wellen

Epoch Times21. April 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 16:18
Nach dem Fall des schwedischen Grünen-Politikers Yasri Khan, der als Muslim einer Journalistin vor der Kamera die Begrüßung per Händedruck verwehrt hatte, wenden sich deutsche Politiker gegen religiös begründete Diskriminierung von Frauen durch Alltagsgesten.

Die bayerische Sozial- und Integrationsministerin Emilia Müller (CSU) bezeichnete die Gleichstellung von Mann und Frau als "tragende Säule unserer Leitkultur", die nicht verhandelbar sei. Der Händedruck sei ein "selbstverständlicher Bestandteil unserer Kultur", sagte Müller der "Welt".

"Deshalb ist es auch nicht hinnehmbar, wenn ein Mann einer Frau den Händedruck verweigert. Das ist eine bewusste Provokation, gerade weil der Händedruck als Begrüßung für jeden, der in Deutschland lebt, normal ist. Dem müssen wir offensiv entgegen treten. Wegschauen aus falsch verstandener Toleranz halte ich hier für die falsche Antwort."

Für CDU-Vize Julia Klöckner, der selbst bereits einmal der Handschlag durch einen Imam verwehrt worden war, ist der Händedruck vor allem ein Zeichen des Respekts. "Der freundliche Händedruck wird einer Frau ja verweigert, gerade weil sie Frau ist. Nicht, weil sie Schnupfen hat", sagte Klöckner der "Welt". Für ein solches Rollenbild sei in unserer Gesellschaft kein Platz.

"Genau hier, im täglichen Miteinander, zeigt sich doch, ob Integration funktioniert oder nicht. Ein Iman in Deutschland oder ein Politiker in Schweden sind öffentliche Personen, damit Vorbild und Autorität. Auch für junge Muslime."

Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt wies darauf hin, dass in einem weltlichen Umfeld weltliche Werte gälten. Im öffentlichen, in diesem Fall sogar politischen Raum, müsse klar sein, dass der Handschlag ein Gebot der Höflichkeit ist. "Da geht es nicht, einen Unterschied zwischen Frauen und Männern zu machen. Dafür haben wir die Demokratie und die Gleichberechtigung in unseren Verfassungen."

Der Vorsitzende des Zentralrats der deutschen Muslime, Aiman Mazyek, nannte die Verweigerung des Handschlags problematisch, da dies "fast zwangsläufig zu Missverständnissen" führe, wie er der "Welt" sagte. "Es gibt auch keine zwingende theologische Begründung dafür, ihn zu verweigern." Wenn ein muslimischer Mann aus Gewohnheit oder welchen Gründen auch immer den Handschlag nicht geben wolle, sei das schwer zu kommunizieren. "Eine solche Haltung erfordert eine Erklärung – und eine Ersatzbegrüßung wie einen kleinen Knicks oder Augenkontakt. Was gar nicht geht ist, durch eine Frau hindurchzuschauen. Das ist flegelhaftes Benehmen, nichts weiter."

Der Sprecher des liberalen Muslimischen Forums Deutschland, Ahmad Mansour, sagte, wenn ein Mann einer Frau den Handschlag verweigere, geschehe das aus bestimmten religiösen Gründen. "Er geht davon aus, das jeglicher körperlicher Kontakt zwischen Mann und Frau verboten ist. Die Frau wird als Sexualobjekt wahrgenommen, nicht als Mensch. Das dürfen wir nicht akzeptieren." Stattdessen brauche die Gesellschaft Regeln. "Wir müssen festlegen, was verhandelbar ist und was nicht."

Mansour warnte zugleich vor falsch verstandenen Toleranz der Mehrheitsgesellschaft. "Wir Muslime sind keine geschützte Tierart. Wir müssen nicht vor Kritik bewahrt werden." Standards müssten Tag für Tag ausgefochten werden. "Vor allem aber müssen wir unsere Naivität ablegen – und die Probleme beim Namen nennen."

Die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) wies darauf hin, dass durch die Globalisierung überall auf der Welt Menschen unterschiedlicher Religionen und Traditionen zusammenlebten – so auch in Deutschland. "Es gibt aber einige Menschen, deren Lebensweise wir teilweise ablehnen und für die wir auch kein Verständnis haben", sagte Öney der "Welt". "Gerade Muslime stehen häufiger im Fokus, obwohl es auch andere orthodox gläubige Gruppen gibt, die zum Beispiel den Handschlag verweigern. Wie ehrlich sind wir bei den Diskussionen? Und was bringt diese Aufregung? Darüber sollten wir uns im Klaren sein."

(dts Nachrichtenagentur)

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