Brexit-Sackgasse: May hofft auf Kompromiss mit linkem Oppositionsführer Corbyn

Epoch Times3. April 2019 Aktualisiert: 3. April 2019 19:38
Die britische Premierministerin sucht gemeinsam mit Labour-Chef Corbyn nach einem Ausweg aus der Brexit-Sackgasse. May kam mit dem Oppositionsführer zusammen, um einen chaotischen EU-Austritt ohne Abkommen zu verhindern.

Die britische Premierministerin Theresa May sucht seit Mittwoch gemeinsam mit Oppositionsführer Jeremy Corbyn nach einem Ausweg aus der Brexit-Sackgasse. May kam am Mittwoch mit dem Labour-Chef zusammen, um einen chaotischen EU-Austritt ohne Abkommen am 12. April zu verhindern. Damit scheint nun eine Brexit-Variante wahrscheinlich, bei der Großbritannien zumindest wirtschaftlich eng an die EU gebunden bleibt. Aus Protest traten zwei Staatssekretäre zurück.

May hatte am Dienstagabend eine Kehrtwende vollzogen und erstmals einen Schritt auf Corbyn zu gemacht, nachdem sich in den Tagen zuvor im Parlament keine Mehrheit für eine der möglichen Brexit-Varianten gefunden hatte. Sie wolle mit dem Oppositionschef nach einem gemeinsamen Plan suchen, um die EU auf „geordnetem Weg“ verlassen zu können, sagte May. Corbyn erklärte, er sei „sehr gerne“ dazu bereit.

Zugleich kündigte die Premierministerin an, einen erneuten Aufschub über den 12. April hinaus bei der EU zu beantragen. Durch einen „möglichst kurzen“ Aufschub solle das Parlament die Zeit bekommen, doch noch ein Austrittsabkommen zu beschließen. „Mit einem Abkommen auszutreten ist die beste Lösung“, sagte May.

Corbyn ist für viele Politiker der konservativen Regierungspartei ein rotes Tuch. Er gehört zum linken Labour-Flügel und hatte vier Jahrzehnte lang keine herausgehobene Funktion in der Partei. 2015 kandidierte er mit sozialistischen Positionen für das Amt des Parteichefs und wurde überraschend gewählt.

May sagte vor ihrem Treffen mit Corbyn, sie stimme mit dem Oppositionsführer beim Brexit „in etlichen Bereichen“ überein. Es gehe darum, eine Lösung zu finden, für die es eine Mehrheit im Unterhaus gebe. Den Verbleib in einer Zollunion mit der EU schloss May ausdrücklich nicht aus.

Eine Zollunion über den Brexit hinaus ist eine Kernforderung von Labour. Auch bei der Unterhaus-Abstimmung über Brexit-Alternativen am Montag war der Vorschlag für eine Zollunion unter den Varianten mit den meisten Unterstützern.

May hat solche Forderungen bisher abgelehnt. Entsprechend empört reagierten zahlreiche Tories nun auf ihr Gesprächsangebot an Labour. Der Staatssekretär für Wales, Nigel Adams, und der Brexit-Staatssekretär Chris Heaton-Harris erklärten am Mittwoch ihren Rücktritt.

Adams bezeichnete Mays Kehrtwende in einem Brief an die Premierministerin als „schweren Fehler“. Es sei klar, dass Großbritannien nun „in der Zollunion enden“ werde. „Das ist nicht der Brexit, der meinen Wählern versprochen wurde“, schrieb Adams.

Heaton-Harris schrieb an May, er könne eine weitere Brexit-Verschiebung „einfach nicht unterstützten.“ May wolle die EU offensichtlich nicht ohne Abkommen verlassen, fügte der Tory-Abgeordnete hinzu, der als Parlamentarischer Staatssekretär unter Brexit-Minister Stephen Barclay für die Vorbereitungen auf einen ungeordneten Brexit zuständig war. Diese Haltung mache seinen Job in der Regierung „irrelevant“.

Barclay erklärte, May wolle „ohne Vorbedingungen“ mit Corbyn verhandeln. Falls es nicht zu einer Einigung komme, wolle die Regierung in den kommenden Tagen wieder das Parlament über Brexit-Alternativen abstimmen lassen. Diese Abstimmungen seien für die Regierung dann „bindend“, sagte Barclay. Im „nationalen Interesse“ werde May akzeptieren, „wofür das Parlament gestimmt hat“.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnten erneut einen geordneten Brexit an. Merkel sagte, sie werde „bis zur letzten Stunde“ für einen Brexit mit Abkommen kämpfen. Auch Juncker betonte in Brüssel, er werde „bis zum letzten Augenblick“ für einen geregelten EU-Austritt Großbritanniens kämpfen.

Der britische Notenbank-Chef Mark Carney hält allerdings einen Chaos-Brexit für wahrscheinlich. Das Risiko sei „beunruhigend hoch“, sagte Carney im Sender Sky News. Obwohl das britische Parlament und die Regierung gegen einen EU-Austritt ohne Abkommen seien, könne dies noch „aus Versehen“ passieren. Die Behauptung der Brexit-Hardliner, die wirtschaftlichen Folgen abfedern zu können, sei „absoluter Blödsinn“. (afp)

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