Thoma: „Ex-ORF-Chef Bacher hätte Armin Wolf nach ‚Stürmer‘-Vergleich an den Ohren aus dem Studio gezogen“

Von 3. Mai 2019 Aktualisiert: 3. Mai 2019 17:15
Anlässlich seines 80. Geburtstags gab der frühere Chef von RTL, Helmut Thoma, der in Wien erscheinenden „Kronen Zeitung“ ein Interview. Darin äußerte er Kritik am umstrittenen „Stürmer“-Vergleich des ORF-Journalisten Armin Wolf in dessen Interview mit FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky.

Die Affäre um das Interview des bekannten ORF-Nachrichtenmoderators Armin Wolf mit dem Spitzenkandidaten der FPÖ für die Europawahl, Harald Vilimsky, zieht weiter ihre Kreise. Der umstrittene Vergleich einer einwanderungskritischen Karikatur der freiheitlichen Jugendorganisation RFJ mit einer antisemitischen Darstellung des NS-Hetzblattes „Der Stürmer“ durch Wolf und die darauf folgende Drohung Vilimskys mit Konsequenzen für den Journalisten haben auch in deutschen Medien Resonanz gefunden.

Während die ARD „volle Solidarität“ mit Wolf gegen die vermeintlichen Angriffe der „Rechtsnationalisten“ auf die Pressefreiheit erklärt, hat Ex-RTL-Chef Helmut Thoma die Kritiker Wolfs in Schutz genommen, die dem Moderator zum Vorwurf machen, Grenzen überschritten zu haben.

„Bacher hat Grenzen gesetzt“

Thoma sprach anlässlich seines 80. Geburtstages mit der „Kronen Zeitung“ unter anderem auch über die jüngste ORF-Affäre. Der gebürtige Österreicher war selbst noch beim ORF beschäftigt, als dieser noch unter der Führung des langjährigen Generaldirektors Gerd Bacher stand, der bis heute als eine Art Legende innerhalb der österreichischen Medienlandschaft gilt.

Dass diese Interviewführung von Armin Wolf im ORF ohne Folgen bleibt, ist nicht zu verstehen“, erklärte Thoma.

„Gerd Bacher hätte Armin Wolf nach seinem Interview mit diesem ,Stürmer’-Vergleich an den Ohren aus dem Studio der ,ZiB 2‘ gezogen und gesagt: ,Jetzt reicht’s!’“

Bacher, der 1967 sein Amt als Generalsekretär des ORF antrat, bekleidete mit Unterbrechungen insgesamt 20 Jahre lang diese Funktion und baute den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich zu einem modernen Unternehmen aus. Politisch galt er als prononcierter Konservativer, in den Jahren 1974 bis 1978 war er Medienberater von Helmut Kohl, der 1976 vom Ministerpräsidentenamt in Rheinland-Pfalz in die Bundespolitik wechselte. Trotz der konservativen Ausrichtung Bachers gelang es der Linken, zunehmend die inhaltliche Ausrichtung des Rundfunks zu bestimmen.

„Auch Richter werden aus dem Budget bezahlt“

Nicht ganz im Sinne Bachers wäre jedoch der Rat gewesen, den Thoma der derzeitigen Regierungskoalition im „Krone“-Interview mitgab. Er riet ÖVP und FPÖ dazu, ihre auch im Koalitionsvertrag angesprochene Ankündigung umzusetzen und das jeden Haushalt verpflichtende GIS-Gebührensystem zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu beenden. Dies wäre, so Thoma, „eine zusätzliche kleine Steuerreform“.

Warnungen vor einer Gefahr für die Unabhängigkeit des ORF seien fehl am Platze. Thoma dazu: „Auch alle Richter werden in Österreich aus dem Budget bezahlt – und niemand zweifelt an deren Unabhängigkeit.“

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