Eine offene Bibel in einer katholischen Kirche (Symbolbild).Foto: iStock

Zahl der Opfer ist „immens“: Massiver Missbrauch in katholischer Kirche – Franziskus trifft in Irland Opfer

Epoch Times21. August 2018 Aktualisiert: 21. August 2018 17:50
Der Papst will während seiner kommenden Irland-Reise auch Missbrauchsopfer treffen. Die Zahl der Missbrauchsofer in der katholischen Kirche ist immens, viele Gläubige sind verbittert.

Papst Franziskus will während seiner Irland-Reise am kommenden Wochenende auch Missbrauchsopfer treffen.

Bei allen Reisen des Papstes an Orte, wo Missbrauch geschehen sei, gebe es solche Begegnungen, sagte Vatikan-Sprecher Greg Burke am Dienstag bei einem Briefing zur Reise in Rom. Wann und mit wie vielen Betroffenen das katholische Kirchenoberhaupt zusammentreffen wird, sagte Burke nicht. Am Samstag werde der Pontifex außerdem an einem Licht in der Kathedrale von Dublin, das für Missbrauchsopfer aufgestellt wurde, für diese beten.

Die 24. Auslandsreise des Papstes findet im Rahmen des Weltfamilientreffens statt, das am Dienstag begann. Die Reise wird überschattet von Missbrauchsskandalen der vergangenen Jahrzehnte. Irland gehört zu jenen Staaten, in denen Priester und Ordensschwestern massiv Kinder und Frauen missbrauchten.

Franziskus steht wegen der Missbrauchsfälle unter enormem Druck: Ihm wird nachgesagt, zwar eine Null-Toleranz-Linie beim Thema Missbrauch zu verkünden, sie aber nicht durchzusetzen. Auch der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, hatte vom Papst eine offene Auseinandersetzung gefordert. Die Zahl der Opfer sei immens, viele Gläubige seien verbittert.

„Es gibt immer noch eine Menge Wut“, sagte Marie Collins der Deutschen Presse-Agentur. Die irische Kinderrechtsaktivistin wurde einst selbst zum Missbrauchsopfer. Aus „Frustration“ über die mangelnde Kooperation der vatikanischen Behörden trat sie im vergangenen Jahr aus der Päpstlichen Kinderschutzkommission aus.

„Tausende Menschen haben in kirchlichen Einrichtungen gelitten“, sagte Collins. Neben sexuellem Missbrauch durch Priester seien auch viele in Kinderheimen misshandelt worden, unverheiratete Mütter seien gezwungen worden, ihre Babys zur Adoption freizugeben und seien in Frauenhäusern „wie Sklaven“ behandelt worden.

Am Montag hatte Franziskus vor seiner Reise in einem Schreiben an die 1,3 Milliarden Katholiken in aller Welt eingeräumt, dass die Kirche den Schmerz der Opfer lange ignoriert hat. Anlass des Briefs war ein Bericht aus dem US-Staat Pennsylvania: Demnach vergingen sich über 300 Priester in den vergangenen 70 Jahren an Tausenden Kindern.

Die australische Organisation Broken Rites, die sich für die Rechte von Missbrauchsopfern stark macht, kritisierte die Botschaft des Papstes als „zu wenig und zu spät“. Der Vatikan müsse eingestehen, von den Übergriffen gewusst zu haben, forderte Broken-Rites-Chef Chris MacIsaac. Eine Untersuchung hatte im vergangenen Jahr ans Tageslicht gefördert, dass zwischen 1960 und 2015 Zehntausende Kinder in dem Land von Kirchenvertretern sexuell missbraucht wurden.

Die internationale Organisation Ending Clergy Abuse kritisierte, was Papst Franziskus bislang getan habe, um die Struktur der Kirche zu verändern, ist „offenkundig nicht genug“.

Das katholische Weltfamilientreffen findet alle drei Jahre an einem anderen Ort statt. Es versteht sich als Forum für Christen und Familienverbände. Zehntausende Menschen aus mehr als 100 Ländern wollen teilnehmen. Zur Abschlussmesse am Sonntag in Dublin werden mehr als eine halbe Million Katholiken erwartet.

Ehemalige Missbrauchsopfer kündigten zeitgleich mit der Papstmesse eine Mahnwache am Erinnerungsort für irische Freiheitskämpfer in Dublin an. Dazu rief unter anderem der Chef der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Irland, Colm O’Gorman, auf. O’Gorman war selbst einst Missbrauchsopfer durch einen Priester geworden. (dpa)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion