Belo Monte und die Ureinwohner Brasiliens – Milliarden nur für die WM

Von 16. Juni 2014 Aktualisiert: 16. Juni 2014 19:55

Milliarden wurden in die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2014 investiert. Für die Bevölkerung fehlen wesentlich kleinere Millionenbeträge. Aus der ganzen Welt reisen die Mächtigen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach Brasilien. Man möchte gesehen werden auf den Ehrentribünen und in den VIP-Zelten. Das notleidende Volk findet kaum Beachtung. 

Im Amazonasgebiet in Brasilien baut der Energiekonzern Norte Energia derzeit den drittgrößten Staudamm der Welt, das Mega-Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss, nahe der Bischofsstadt Altamira. Es ist das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk, dessen Stausee Ausmaße des Bodensees hat.

Zu den beteiligten europäischen Firmen gehören als Zulieferer Alstom, Voith und Siemens. Die Münchener Rückversicherungsgesellschaft Munich Re versichert das Projekt Belo Monte. Fertigstellung: 2015. Der Preis ist hoch: etwa 40.000 Menschen verlieren ihre Heimat.

Mordanschläge auf Bischof

„Der Staudamm ist jetzt Realität. Wir können nicht mehr verhindern, dass er gebaut wird“, sagt Erwin Kräutler, der katholische Bischof von Altamira. Der 1939 in Vorarlberg/Österreich geborene „Amazonas-Bischof“ leitet seit 1980 in Xingu die größte Diözese Brasiliens mit einer Fläche von 354.000 Quadratkilometern, so groß wie Deutschland.  

2010 wurde er mit dem „Alternativen Nobelpreis" für sein Engagement für das Amazonas-Gebiet ausgezeichnet. Ständig ruft er zu Protestaktionen gegen die Regierung und die Profitgier der Wirtschaftsgiganten auf.  Sein Leben wird ständig bedroht. Er hat inzwischen den Kampf gegen die gierigen Investoren von Belo Monte verloren.

1987 rammte ein Kleinlastwagen in einem inszenierten Autounfall seinen Pkw und ließ ihn schwerverletzt zurück, während sein Beifahrer starb. Mehrere Mitstreiter Kräutlers, darunter der Priester Hubert Mattle (1995) und die Ordensschwester Dorothy Mae Stang (2005), wurden kaltblütig ermordet, heißt es auf „Kathpress“. Infolge der bis heute anhaltenden Morddrohungen lebt Kräutler in Brasilien seit 2006 unter ständigem Polizeischutz.

Jetzt geht es nur noch darum, sich für die Menschen einzusetzen, die von den negativen Auswirkungen betroffen sind. Dazu zählt vor allem auch die indigene Bevölkerung, die durch den Bau ihre Lebensgrundlage verliert. Man bietet den Menschen 10.000,- Euro Entschädigung an – das reicht noch nicht einmal für ein Grundstück.

[–Menschen als Wegwerfprodukte behandelt–]

Besonders erschreckend ist, dass gerichtliche Instanzen den Staudamm-Bau mehrfach für illegal erklärt haben. Doch Belo Monte wird einfach weiter gebaut. Mithilfe einer Rechtskonstruktion, die aus der Zeit der Militär-Diktatur stammt. „Mit Demokratie hat das nichts zu tun“, sagt Bischof Kräutler. Dabei ist Belo Monte erst der Anfang: Etwa 150 weitere Staudamm-Projekte sind im Amazonas-Gebiet geplant.

Erwin Kräutler: „Papst Franziskus vertritt genau die Anliegen, die wir immer vertreten haben. Es geht darum, nicht nur auf die Armut hinzuweisen, sondern mit den Leuten etwas zu unternehmen, dass diese Armut wenigstens gemildert wird, und auch die Strukturen anzuprangern, die schließlich verantwortlich sind für die Kluft zwischen reich und arm. Darum geht es.

Es geht nicht nur um Almosen, dass man irgendetwas den Leuten gibt, damit sie nicht am Hungertuch nagen, sondern es geht auch um die Klärung oder Definition der Strukturen, die tatsächlich verantwortlich sind, dass Menschen in Armut leben oder an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Und da will man, auch im Dokument von Apericida, wie es heißt, dass man Menschen als überflüssig oder Abfallprodukt erklärt. Da gehen wir eben auf die Barrikaden und sagen, so geht es nicht, das ist nicht im Sinne des Evangeliums.

Wir bekämpfen solche Strukturen, die kurz- oder mittelfristig Leute in den Abgrund jagen. Und ich weiß, dass bestimmte Wirtschaftsformen und -systeme töten. Das erlebe ich am Xingu gut, das erlebe ich jetzt im Zusammenhang mit Belo Monte, wo man über Leichen geht und auch die Verfassung bricht, wenn es notwendig ist. Wenn ich an die indigenen Völker denke, die werden als überflüssig oder sogar als Wegwerfprodukte angesehen ist. Das ist Tod, physischer Tod oder auch kultureller Tod“.

Es ist geradezu menschenverachtend, dass Großkonzerne wie Siemens u.a. die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter sichern wollen, indem man andere Kulturen, die man offenbar geringschätzt, vernichtet. Man sagt und glaubt in Europa, Brasilien sei ein Rechtsstaat und hat eine demokratisch gewählte Regierung, also ist der Fall in Ordnung. Aber man schert sich keinen Deut darum, ob die brasilianische  Verfassung tatsächlich eingehalten wird.

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