Industrie hat Rezession noch nicht überwunden – Coronavirus erschwert Aufschwung

Von 10. Februar 2020 Aktualisiert: 10. Februar 2020 10:43
Die Industrie wird es in den kommenden Monaten noch schwer haben, sagen Vertreter der Wirtschaft. Die Rezession ist noch nicht vorbei. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rät zu mehr Steuersenkungen und öffentlichen Investitionen.

Die deutsche Industrie litt im Dezember unter schwachen Auftragseingängen – einer Rezession. Zahlen des Statistischen Bundesamtes und Eurostat zum Wirtschaftswachstum zeigen die Probleme der Industrie, erklären die Ökonomen. Für die nächsten Monate rechnen die Vertreter der Wirtschaft noch mit einer weiterhin andauernden schwache Phase.

Mit der Ausbreitung des Corona-Virus droht der Industrie neues Ungemach

Eurostat veröffentlichte am 7.2. vorläufige Schätzungen zum Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal 2019. Dr. Nils Jannsen, Federführung Konjunktur Deutschland am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, liest aus den Zahlen ein leichtes Plus von 0,1 Prozent beim Wirtschaftswachstum für das vierte Quartal.

Die Entschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und China wirke zwar stabilisierend für die Konjunktur. Das zeige sich auch in einer „aufgehellten Stimmung“ im Industriekreis im Januar. Trotzdem erwartet Jannsen im ersten Quartal eine Stagnation des Bruttoinlandsproduktes. Er rechnet damit, dass die Industrie die Rezession in den kommenden Monaten noch nicht überwinden wird.

Bei dieser schwachen Industriekonjunktur dürfte auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im ersten Quartal 2020 verhalten bleiben.“

Das macht er an den Dezemberzahlen der Auftragseingänge fest. Gegenüber dem Vormonat November gab es einen Rückgang von mehr als 2 Prozent bei den Auftragseingängen.

Mit der Ausbreitung des Corona-Virus droht aber neues Ungemach, nicht nur für die Nachfrage, sondern auch für die Produktionsprozesse in der Industrie.“

Rezession: Kurzfristig drohen produktionsseitige Ausfälle durch Corona-Epidemie

Das vierte Quartal 2019 zeigte die Probleme der Industrie – es hatte den „kräftigsten Einbruch im gegenwärtigen Abschwung“, sagte Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Mit dem Dezemberquartal gab es sechs Minusquartale in Folge. Gegenüber dem Vorquartal gab es einen Rückgang von über zwei Prozent. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am 7.2. Zahlen zur Produktion im vierten Quartal.

Die Inlandsaufträge im Dezember seien zwar nach oben gegangen. Das Auslandsgeschäft jedoch überwiege – und das sei schwach. Maßgeblich waren vor allem rückläufige Bestellungen aus dem übrigen Euroraum, so Kooths. Selbst Aufträge, die sich zuvor zu stabilisieren schienen, nahmen weiter ab.

„Die Rezessionskräfte haben (…) die deutsche Industrie immer noch fest im Griff“, so Kooths weiter. Er rechnet damit, dass „die Erholung in der deutschen Industrie länger auf sich warten“ lässt.

Auch wenn die Weltwirtschaft konjunkturell allmählich wieder festeren Tritt fassen dürfte, so drohen kurzfristig vor allem produktionsseitige Ausfälle in Folge der Corona-Epidemie“, befürchtet Kooths.

Schwache Entwicklung bei den Aufträgen aus dem Ausland im Dezember

Im Monatsvergleich sei die Zahl der neuen Aufträge um 2,1 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamts am Donnerstag (6.2.) mit. Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten beim Auftragseingang im Schnitt einen Zuwachs um 0,6 Prozent erwartet.

Im Jahresvergleich sanken die Aufträge im Dezember um 8,7 Prozent. Auch in dieser Abgrenzung fiel der Auftragseingang ebenfalls enttäuschend aus. Analysten hatten nur einen Rückgang um 6,6 Prozent erwartet.

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Mit ausschlaggebend für die Rezession im Dezember war eine schwache Entwicklung bei den Aufträgen aus dem Ausland. Hier meldete das Bundesamt einen Rückgang um 4,5 Prozent im Monatsvergleich. „Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone um 13,9 Prozent ab“, hieß es weiter in der Mitteilung.

DIHK: Mehr Steuersenkungen und öffentliche Investitionen

„Die lahmende Weltkonjunktur und strukturelle Herausforderungen hierzulande machen der hiesigen Industrie zu schaffen“, sagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Ursachen für den deutlichen Auftragsrückgang im Dezember waren neue Zölle, Wirtschaftssanktionen und unklarer Ausgang des Brexit. „Energiewende, die Digitalisierung und der Fachkräftemangel“ machen es für 2020 nicht einfacher.

Am besten wäre es, die strukturellen und bürokratischen Rahmenbedingungen zu verbessern und mehr in die berufliche Bildung zu investieren, sagt Kevin Heidenreich, DIHK-Außenwirtschaftsexperte- „Steuern senken und die öffentlichen Investitionen hochfahren sollte ein zentrales Motto in diesem Jahr sein“, so Heidenreich.