Syrien-Konflikt: IS befreit kurdische Gefangenen – Kurden stellen Kämpfe gegen IS ein

"Kein IS-Kämpfer kann den Nordosten Syriens verlassen!“. So lautet das Versprechen des türkischen Präsidenten Erdogan. Die Realität scheint anders: Medien berichten von Ausbrüchen und Befreiungsaktion.
Titelbild
Ein Mitglied der kurdischen inneren Sicherheitspatrouille begleitet die Frau eines IS-Kämpfers. (Symbolbild)Foto: DELIL SOULEIMAN/AFP/Getty Images
Epoch Times19. Oktober 2019

Die Mission: Befreiung „entführter muslimischer Frauen“. Der Ort: das Hauptquartier kurdischer Sicherheitskräfte westlich von Rakka.

Laut „Kronenzeitung“ sind bei der Befreiungsaktion am Donnerstag mehrere kurdische Wachen getötet worden. Ob die befreiten Frauen Angehörige von Kämpfern oder IS-Mitglieder waren, sei noch unklar. Zuvor waren bereits inhaftierte IS-Kämpfer und ihre Angehörigen aus kurdischen Gefängnissen ausgebrochen, berichtete das Blatt. Damit bestehe Gefahr zur Annahme, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sein vor wenigen Tagen gemachtes Versprechen nicht halten kann. Er hatte angekündigt: „Kein IS-Kämpfer kann den Nordosten Syriens verlassen!“

Am Mittwoch sagte Maslum Abdi, Chef der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), dass sich die Kurden gezwungen gesehen hätten, alle Aktivitäten gegen den IS einzufrieren. Es sei der Fall eingetreten, vor dem die SDF im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat immer gewarnt hätte. Laut „DW“ sagte er:

Wir haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass der Kampf gegen den IS im Fall eines Angriffs des türkischen Staates für uns zur Nebensache wird.“

Spekulationen, dass die Türkei sich später mit den inhaftierten IS-Gefangenen befassen würde, wies Abdi zurück. Diese Option sei „inakzeptabel“. Dann betonte er: „Über das Schicksal der inhaftierten IS-Banden und ihrer Angehörigen entscheiden wir“.

Rund 12.000 IS-Kämpfer befinden sich in kurdischen Gefängnissen in Nordsyrien, sagte Abdi. Bis zu 3.000 Gefangene seien Ausländer – darunter 60 französische Staatsangehörige.

Verstoß gegen Waffenruhe

Die türkische Regierung hat den kurdischen Milizen inzwischen vorgeworfen, gegen die vereinbarte Waffenruhe für Nordsyrien zu verstoßen. Die türkischen Streitkräfte hielten sich „vollständig“ an die am Donnerstag vereinbarte Waffenruhe, erklärte das Verteidigungsministerium am Samstag. Trotzdem hätten „Terroristen“ in den vergangenen 36 Stunden 14 Angriffe ausgeführt. Zwölf der Angriffe kamen demnach aus der Grenzstadt Ras al-Ain. Verübt wurden sie den Angaben zufolge mit leichten und schweren Waffen, darunter auch Raketen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Donnerstag nach langen Verhandlungen mit US-Vizepräsident Mike Pence einer fünftägigen Waffenruhe zugestimmt, um den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) Zeit zum Abzug aus einer „Sicherheitszone“ in Nordsyrien zu geben. Wenn alle Kämpfer der Kurdenmiliz aus dem 30 Kilometer breiten Streifen entlang der türkischen Grenze abgezogen sind, soll der Militäreinsatz ganz eingestellt werden.

Nach Angaben von Aktivisten hatte die Türkei am Freitag aber weiterhin Luftangriffe geflohen. Bei der Bombardierung des Dorfs Bab al-Cheir wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 14 Zivilisten getötet. In Ras al-Ain gab es demnach auch Gefechte zwischen der türkischen Armee und der YPG. Auch eine AFP-Reporterin auf der türkischen Seite der Grenze hörte Gefechtslärm und sah Rauch aufsteigen.

Die Luftangriffe und der Artilleriebeschuss durch die Türkei seien eine „Verletzung“ der Waffenruhe, sagte der Sprecher der von der YPG dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mustafa Bali. Erdogan drohte bereits mit einer Wiederaufnahme der Offensive, sollte die YPG-Miliz nicht wie vereinbart abziehen. (afp/sua)

 



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