Die Energiewende und die Illusion „Netto-Null“

Die Vereinten Nationen bemühen sich seit Jahrzehnten, die weltweiten CO₂-Emissionen zu reduzieren. Dr. Benny Peiser analysierte, wie effektiv die politische Umsetzung von „Netto-Null“ bisher war.
Die Energiewende und die Illusion „Netto-Null“
Eine Weltkugel hängt auf der Weltklimakonferenz über dem deutschen Pavillion in Bonn.Foto: Oliver Berg/dpa/Archiv/dpa
Von 12. Dezember 2022

Dr. Benny Peiser von der Global Warming Policy Formation berichtete bei der EIKE-Konferenz Ende November über das „Netto-Null“-Ziel der Vereinten Nationen (Net-Zero-Plan). Darunter versteht sich das Bestreben, dass die Staaten in Summe kein CO₂ mehr emittieren wollen.

Der Kulturwissenschaftler betonte in seinem Vortrag vor allem, dass die letzten dreißig Jahre der versuchten CO₂-Reduktion eindeutig erfolglos waren. Die Emissionen steigen – nach wie vor – weltweit an, während die Wirtschaft der europäischen Industrieländer durch fragwürdige Klimaregulierungen stagniert.

Der Ursprung von „Netto-Null“

Der „Net Zero Plan“ geht auf das Ziel der UN-Klimakonferenz von 1992 in Rio de Janeiro zurück, sogenannte „gefährliche“ menschliche Eingriffe in das Klimasystem zu vermeiden. Zur Umsetzung sollten die UN-Vertreter Maßnahmen umsetzen, die die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau beschränken sollen.

Dieses Zwei-Grad-Ziel stammt von dem amerikanischen Klima-Ökonomen William Nordhaus, der im Jahr 1977 eine Kosten-Nutzen-Analyse aufgestellt und publiziert hatte. Nordhaus nahm an, dass die Begrenzung der globalen Erwärmung bis zwei Grad mehr Nutzen als Kosten erzeugen würde und unterhalb von zwei Grad die Kosten überwiegen würden. Laut Dr. Peiser nahm die UN später in Kopenhagen diese Definition in ihre Klimaagenda auf.

Doch die UN sah in dem erklärten Zwei-Grad-Ziel ein entscheidendes Problem, wie der Referent erklärte. Denn bei einem Erwärmungstrend von ungefähr 0,2 Grad pro Jahrzehnt hätte es lange gedauert, bis diese Temperaturgrenze erreicht wäre. Das habe den Aktivisten und Politikern viel zu lange gedauert, erklärte der Kulturwissenschaftler.

Man brauchte also etwas, was kurzfristiger drohen könnte. Und so kamen wir auf das 1,5-Grad-Ziel“, teilte Dr. Peiser auf der EIKE-Tagung mit.

Das 1,5-Grad-Ziel erzeugt mehr Angst

Daraufhin legte der Weltklimarat im Jahr 2014 einen Bericht vor, wonach das neue 1,5-Grad-Ziel bereits nach sechs Jahren – also im Jahr 2020 – erreicht sein würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies so eintreffe, gab der Rat laut Dr. Peiser mit 66 Prozent an.

Infolgedessen hatten auf der 21. UN-Klimakonferenz 2015 nahezu alle Staaten einen Vertrag unterzeichnet, wonach sie Anstrengungen zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels unternehmen wollten. Das UN-Umweltprogramm veröffentlichte dann den sogenannten jährlichen „Emissions Gap Report“: einen Bericht über den Treibhausgasausstoß und den Klimawandel.

Die Kommission übermittelt diesen jedes Jahr an die Vereinten Nationen. Jedes Jahr hätten sie einen Rekord mitgeteilt und 2016 hieß es, in drei Jahren wäre dieses Ziel erreicht. Andere Fachleute hätten hingegen von fünf Jahren gesprochen, berichtete Dr. Peiser.

Aber es war klar, die Angstmacherei fokussierte sich zunehmend auf einen kurzen Zeitraum“, stellte Dr. Peiser klar.

Trotz Irrtum Kurs beibehalten

Bereits ein Jahr später, im Jahr 2017, ermittelten Wissenschaftler die tatsächlichen Temperaturen von 2000 bis 2016. Sie mussten anhand der Daten zu dem Schluss kommen, dass die Erderwärmung längst nicht so dramatisch verläuft, wie vermutet. Das Kohlenstoff-Budget sei viel größer, als in früheren Computermodellen angenommen.

Trotz dieses nachgewiesenen Irrtums hatte der Weltklimarat im Jahr 2018 einen Sonderbericht erstellt. Dieser ermittelte, wie viel Zeit man noch für das Erreichen der 1,5-Grad-Marke hätte, schilderte Dr. Peiser. Bis 2050 müsste demnach „Net Zero“ erreicht werden und die CO₂-Emissionen müssten bis 2030 um 40 Prozent sinken.

Die Reaktionen von Politik und Medien ließen nicht lange auf sich warten. Dr. Peiser zeigte seinen Zuhörern einige Meldungen vom Herbst 2018. Diese „hysterisierten“, dass man nur noch zwölf Jahre Zeit hätte, um den Planeten vor den katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels zu retten. Auch verschiedene Umwelt-Organisationen starteten Protestaktionen. Zudem erwähnte er, wie hohe Regierungspersonen bei Klimakonferenzen eine „apokalyptische Stimmung“ verbreiteten. Auch wies Dr. Peiser auf zwei Websites mit sogenannten Klima-Uhren hin, die die angeblich verbleibende Zeit anzeigen, bis das globale CO₂-Budget aufgebraucht wäre – der Kampf gegen den Klimawandel ist entweder am 27. April 2026 oder am 22. Juli 2028 verloren (Stand: Dezember 2022).

„Netto-Null“ oder 30 Jahre globales Scheitern

Anschließend äußerte Dr. Peiser, dass die Emissionen trotz der Bemühungen des UN-Weltklimarates ungebrochen anstiegen. Die internationale Klimapolitik, die seit mindestens 30 Jahren viele Milliarden in diese „grüne“ Politik, in diese „grüne“ Energie investiert hätte, hätte überhaupt keinen Einfluss auf die Kurve des atmosphärischen CO₂ ausgeübt.

Dr. Peiser ging sogar noch weiter. Er sei davon überzeugt,

dass die Erneuerbaren eigentlich diese Kurve mit angetrieben haben“, kritisierte er.

Denn wenn die Entscheidungsträger tatsächlich daran interessiert gewesen wären, die globale Wirtschaft zu dekarbonisieren, hätten sie niemals auf erneuerbare Energien gesetzt. Stattdessen hätten sie Kernenergie und neueste Gaskraftwerke gefördert. Dann hätte man laut Dr. Peiser tatsächlich den globalen CO₂-Ausstieg bremsen können. Die „Grünen“ hätten diesen Weg letztendlich unterbunden.

Dass der Energieverbrauch und mit ihm der globale Bedarf an fossilen Energieträgern in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen werde, bezeichnete Dr. Peiser als „harte Realität“. Die amerikanische Energieagentur (EIA) gehe von einem zusätzlichen Energieverbrauch in den nächsten 30 Jahren von fast 50 Prozent aus. Laut den Prognosen würden die erneuerbaren Energien trotz Wachstum deswegen keinen relevanten Marktanteil-Zuwachs erlangen. Erdöl, Erdgas und Kohle würden somit auch 2050 immer noch rund 75 Prozent des globalen Energiebedarfs decken.

OECD stagniert, die übrige Welt wächst

Die Investition in erneuerbare Energiequellen hat nach Dr. Peiser eine ganz entscheidende Bedeutung. Politisch und geopolitisch ergebe sich daraus, dass vor allem Europa wirtschaftlich und gesellschaftlich mindestens stagnieren wird, während der Rest der Welt weiter expandieren wird.

Wir wissen natürlich, wie wichtig Energie für jede Wirtschaft ist. Die Preise für Energie in Europa sind [momentan] viel zu hoch, als dass vernünftige Investoren in Europa investieren. In den USA bezahlt man für Energie ein Fünftel des Preises“, sagte Dr. Peiser.

Für den Kulturwissenschaftler ergebe es daher „keinen Sinn mehr, in Europa eine Fabrik zu bauen, die viel Energie braucht.“ Mittlerweile könnten jedoch auch kleinere Unternehmen diese Energiepreise kaum oder gar nicht mehr bezahlen.

Was wir machen, ist das genaue Gegenteil der industriellen Revolution. Die industrielle Revolution in Großbritannien, in ganz Europa basierte auf billiger Energie, vor allem Kohle. Diese billige Energie begünstigt die Industrie, den Handel und die Industrialisierung.“

Die aktuell teure Energie würde allerdings nach Auffassung von Dr. Peiser zu einer Art Deindustrialisierung in Europa führen.

Die gute Nachricht

Seinen Vortrag schloss Dr. Peiser mit einer – seiner Ansicht nach – guten Nachricht ab. Neueste wissenschaftliche Daten hätten gezeigt, dass die globale Erwärmung seit 1990 sehr viel langsamer voranschreitet, als alle Modelle prophezeit haben. Gegenwärtig liege der Anstieg irgendwo zwischen 0,14 und 0,18 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Das sei am untersten Rand aller dargestellten Szenarien.

Dr. Peiser wollte sich nicht anmaßen, vorherzusagen, wie das Klima im Jahr 2050 sein werde. Jedoch vermutete er anhand der Daten der letzten Jahrzehnte, dass das Klima sehr viel geringer auf die CO₂-Emissionen zu reagieren scheint, als es die Modelle prognostiziert haben.

Heutzutage hätten „diese [Klima-]Themen eine religiöse Form angenommen“, stellte Dr. Peiser fest. Man könne darüber oftmals nicht mehr vernünftig reden. Zudem kritisierte er scharf die „apokalyptische Stimmung“, wobei jeder, der am Klima-Narrativ zweifle, „als ein potenzieller Zerstörer der Welt dargestellt wird.“

Insofern könne er kurzfristig keine politische Lösung dieses Problems nennen. Aller Voraussicht nach werde es wirtschaftlich so schwierig werden, dass erst „eine neue Generation von Politikern heranwachsen muss, um das Ganze noch mal neu zu überdenken und vernünftigere Ansätze zu entwickeln.“ Aber leider bedeute dies, dass Europa wahrscheinlich „wirtschaftspolitisch einen sehr hohen Preis“ für diese grüne Religion bezahlen werde.



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