Alte El Niño-Events zeigen Grenzen zukünftiger Klimavorhersagen auf

Wissenschaftler der University of Texas untersuchten das Wetterphänomen El Niño über 9.000 Jahre der Erdgeschichte hinweg. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die natürlichen Schwankungen des El Niño so stark sind, dass heute keine sicheren Aussagen über die Zukunft getroffen werden können.
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Regenwetter: Nur der Schirm bringt etwas Farbe ins Spiel.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa
Von 2. April 2022

El Niño ist ein stetig wiederkehrendes Wetterphänomen, bei dem sich die Wasser- und Luftströmungen nahe des Äquators im Pazifik umkehren und verändern. Dabei treiben Winde nicht – wie es normal ist – feuchte Luft nach Westen, also Australien und Südostasien, sondern vermehrt nach Osten Richtung Amerika. Während in Regionen, die dringend Regen benötigen, die Feuchtigkeit ausbleibt und Dürren entstehen, werden andere mit zu viel Wasser versorgt, sodass es zu Überschwemmungen kommt.

Trägt Klimaerwärmung zur Verstärkung von El Niño bei? Dieser Ansicht sind einige Forscher, beispielsweise der ehemalige WMO-Generaldirektor Michel Jarraud. Wissenschaftler der University of Texas in Austin (USA) stellen das im Rahmen ihrer aktuellen Studie allerdings infrage. Die Geologen analysierten 9.000 Jahre Erdgeschichte (von etwa 7.000 v. Chr. bis heute) in Bezug auf einstige El Niño-Events.

Dabei kamen sie zu dem Fazit, dass das Wetterphänomen von Natur aus sehr stark variiert. Aus diesem Grund sei es heute kaum möglich, starke El Niño-Ereignisse mit der globalen Erwärmung in Verbindung zu bringen. Sichere Aussagen über künftige Ereignisse zu treffen sei kaum möglich. Die amerikanischen Forscher stützen ihre These auf Klimadaten, die in alten Korallen „gespeichert“ sind.

Klärung einer alten Frage

Im Rahmen ihrer kürzlich im Fachblatt „Science Advances“ veröffentlichten Studie wollten die Forscher die Frage klären, inwieweit die Veränderung des Weltklimas El Niño in Zukunft beeinflussen könnte. Starke Ereignisse wie die von 1997 und 2015 führten unter anderem zu Waldbränden in den Regenwäldern von Borneo (Asien). Dieses Phänomen trete laut den Forschern etwa alle zehn Jahre auf. Ob diese El-Niño-Ereignisse schwächer oder stärker werden, wenn sich das Weltklima erwärmt, ist laut Computermodellen jedoch nicht sicher.

„Ein Großteil der weltweiten Temperatur und der Niederschläge wird von den Ereignissen im tropischen Pazifik beeinflusst, wo El Niño seinen Anfang nimmt“, sagte Studienhauptautorin Allison Lawman in einer Pressemitteilung. „Der Unterschied in den Niederschlägen zwischen stärkeren und weniger starken El-Niño-Ereignissen wird eine entscheidende Frage für Infrastruktur- und Ressourcenplaner sein.“

Lawman und ihre Mitarbeiter nutzten den Supercomputer Lonestar 5 der Universität von Texas, um eine Reihe von Klimasimulationen zu erstellen. Diese Simulationen fallen zeitlich in eine Periode der Erdgeschichte, die weit vor dem Beginn der Industrialisierung lag. Nach der Computerarbeit verglichen die Forscher ihre Simulationen mit den Klimaaufzeichnungen uralter Korallen.

Klimawandel wie leise Musik – neben einem Presslufthammer

Das Studienergebnis: Die Anzahl starker El Niño-Ereignisse nahm zwar im Laufe der Zeit zu, deren Auswirkungen wurden dafür stetig schwächer. „Es ist, als würde man versuchen, neben einem Presslufthammer leise Musik zu hören“, sagte Studienmitautor Jud Partin vom Institut für Geophysik der Universität Texas.

Um das Phänomen El Niño noch besser zu verstehen, fordern die Forscher weitere Untersuchungen. Diese sollten noch frühere Zeiten der Erdgeschichte betreffen, wie beispielsweise die letzte Eiszeit. So könne man besser nachvollziehen, wie El Niño auf intensivere Veränderungen des Klimas reagiert.

„Wissenschaftler müssen die Grenzen der Modelle weiter ausreizen. Sie müssen auch geologische Zeiträume untersuchen, die Hinweise darauf geben könnten, wie empfindlich El Niño auf Klimaveränderungen reagiert“, sagte Mitautor Pedro DiNezio. „Denn wenn es einen weiteren großen El Niño gibt, wird es sehr schwer sein, ihn einzuordnen.“



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