Holzindustrie für weitere Bewirtschaftung von Naturschutzgebieten

Nach dem Weltnaturgipfel von Montreal hat sich der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie dafür stark gemacht, Bäume auch weiterhin in Naturschutzgebieten schlagen zu dürfen. „Restriktive Nutzungsverbote" seien schlechter für den Artenschutz als aktive, nachhaltige Bewirtschaftungsformen.
Geschlagenes Holz wartet auf den Abtransport Foto: abadonian/iStock
Geschlagenes Holz wartet auf den Abtransport.Foto: abadonian/iStock
Von 20. Dezember 2022

Die deutsche Holzindustrie will ein Totalverbot für Holzernten in Naturschutzgebieten verhindern. „Der Schutz großer Flächen mit restriktiven Nutzungsverboten“ sei weit weniger erfolgreich für den Artenschutz als „Bewirtschaftungsmodelle unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung“, sagte Dr. Denny Ohnesorge, der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH), im Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Hintergrund ist die Abschlusserklärung zum 15. Weltnaturgipfel, der vom 7. bis zum 19. Dezember im kanadischen Montreal stattfand. Vertreter aus rund 200 Ländern hatten sich im Verlauf der zweiwöchigen Konferenz darauf geeinigt, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Landflächen, der Binnengewässer sowie der Küsten- und Meeresflächen „wirkungsvoll konservieren“ zu wollen.

Die Naturschutzpläne des Weltnaturgipfels seien grundsätzlich zu begrüßen, räumte der HDH-Verbandschef Ohnesorge ein – aber nur, wenn man die geschützten Gebiete „mit einer aktiven Bewirtschaftung“ verbinde. Er forderte die Bundesregierung auf, „Projekte zur Entwicklung nachhaltiger Bewirtschaftungsformen“ noch stärker zu unterstützen.

Biodiversität immer besser

Der Forstwissenschaftler betonte, dass die bewirtschafteten Wälder in Deutschland „seit Jahrzehnten eine positive Entwicklung der Biodiversität“ aufwiesen. Außerdem würden sie „im Vergleich zu den anderen Landnutzungsformen“ am besten abschneiden.

Nach aktuellen Studien der Food and Agriculture Organization, der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sei die Waldfläche in Europa in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich ausgeweitet worden – und zwar „im Einklang mit nachhaltiger Bewirtschaftung“, betonte Ohnesorge. „Die aktive Bewirtschaftung des Waldes auf Basis definierter Nachhaltigkeitsstandards steigert die Akzeptanz für den Artenschutz und sichert die Biodiversität.“

Deutschlands Holzwirtschaft

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft waren im Kalenderjahr 2021 deutschlandweit 82,9 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen worden. Beim Löwenanteil (61 Prozent) habe es sich um sogenanntes „Kalamitätsholz“ gehandelt, also um Holz von Bäumen, die durch Feuer, Schädlinge oder Stürme beschädigt wurden. Der Anteil von Fichtenarten habe darunter mit 71 Prozent zu Buche geschlagen.

Das Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2021 eine Zahl von fast 35.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Forstwirtschaft aus. Der durch den Holzeinschlag geschaffene Umsatz betrage über eine Milliarde Euro. Der Anteil des Waldes an der Gesamtfläche liege in Deutschland bei rund 30 Prozent. 2021 führte Rheinland-Pfalz mit 40,7 Prozent seiner Fläche das Ranking der waldreichsten Bundesländer an.

Nach Paragraph 5 des Bundesnaturschutzgesetzes ist die Holzernte in Deutschland auch in Naturschutzgebieten nicht generell verboten. Wer dort Holz schlagen will, muss sich aber an bestimmte Auflagen halten – beispielsweise zum Schutz von Biotopen und der Tierwelt.

Dabei ist stets „das Ziel zu verfolgen, naturnahe Wälder aufzubauen und diese ohne Kahlschläge nachhaltig zu bewirtschaften“. Die jeweils zuständige Landesbehörde kann festlegen, wie weit die forstwirtschaftliche Nutzung eines Naturschutzgebietes eingeschränkt oder sogar ganz verboten wird.

In Deutschland stehen nach Angaben der „Tagesschau“ bereits heute deutlich über 30 Prozent der Landfläche inklusive Landschaftsschutzgebiete unter Naturschutz. Bei den Meeresflächen verzeichne das Bundesumweltministerium sogar eine Quote von 45 Prozent.

Weltnaturgipfel 2022

Nach dem Willen des Weltnaturgipfels soll künftig auch mehr Geld für den Schutz der Artenvielfalt in die Hand genommen werden. Ärmere Länder sollen dafür von den reicheren Ländern bis 2025 jedes Jahr Zuschüsse in Höhe von rund 20 Milliarden bekommen. Das berichtet die „Tagesschau“.

Bis 2030 solle zudem nur noch die Hälfte an Pestiziden versprüht und „umweltschädliche Subventionen“ abgebaut werden. All das könne in der Praxis schwierig umzusetzen sein, schreibt die „Tagesschau“, denn die Abschlusserklärung sei „rechtlich nicht bindend“. Zudem seien „viele Zielsetzungen recht vage gehalten“.

Zum Beginn des Weltnaturgipfels hatte sich UN-Generalsekretär António Guterres für „Frieden mit der Natur“ ausgesprochen und ein „starkes Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt“ gefordert. „Mit unserem bodenlosen Appetit auf unkontrolliertes und ungleiches wirtschaftliches Wachstum“ sei „die Menschheit zu einer Massenvernichtungswaffe geworden“, so Guterres.

(Mit Informationen von Agenturen)



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