Eine Frau steht wartend vor einem Zelt für den Coronatest in Berlin-Lübars mit Teströhrchen.Foto: Kay Nietfeld/dpa/dpa

Wie aufschlussreich sind Antikörpertests wirklich?

Epoch Times27. April 2020 Aktualisiert: 27. April 2020 14:04
Viele wünschen sich nach überstandener Infektion, dass sie gegen Corona immun sind und wieder ins Normalleben zurückkehren können. Doch inwieweit eine Immunisierung tatsächlich eintritt, darüber sind die Forscher noch unterschiedlicher Meinung.

Die Sonne geht gerade erst über Berlin-Reinickendorf auf, als Lothar Kopp in einer Schlange auf eine für ihn wichtige Untersuchung wartet. Der 65-Jährige will mit einem von einer Corona-Schwerpunktpraxis angebotenen Antikörper-Test herausfinden, ob er unbemerkt schon eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus hinter sich hat.

„Wenn ich Corona hatte, kann ich keinen mehr anstecken“, sagt Kopp. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt allerdings vor dieser Schlussfolgerung.

Kopp, der Mitte Februar eine Woche lang mit hohem Fieber im Bett lag, will sich Gewissheit verschaffen, damit er sorgenfrei seine betagte Mutter besuchen kann. Doch Gewissheit können solche Antikörper-Tests derzeit nicht verschaffen.

Denn zum einen ist laut WHO nicht geklärt, ob Menschen sich ein zweites Mal mit dem Virus Sars-CoV-2 anstecken können, zum anderen sind bei den gegenwärtig angebotenen Antikörper-Tests auch falsch negative oder falsch positive Ergebnisse nicht ausgeschlossen.

Noch laufen Studien

Nichtsdestotrotz wird in aller Welt diskutiert, ob Menschen mit einer „Immunitätsbescheinigung“ nach positivem Antikörper-Test von den Corona-Schutzbestimmungen ausgenommen werden könnten.

Auch einige Experten halten dies für denkbar. So sagte Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt bereits Ende März in einem Zeitungsinterview, Menschen mit überwundener Sars-CoV-2-Infektion „wären die ersten, die ins Normalleben entlassen werden könnten“.

In Deutschland wurden bereits zehntausende solcher Antikörper-Tests vorgenommen, es laufen hierzulande mehrere großangelegte Studien mit diesem Verfahren.

Auch in anderen Regionen der Welt wie etwa im besonders schwer betroffenen US-Bundesstaat New York werden die Tests genutzt, um ein genaueres Bild über die Verbreitung des neuartigen Virus in der Bevölkerung zu erhalten.

Experten unter anderem von der WHO warnen allerdings immer wieder vor Ungenauigkeiten bei den derzeitigen Antikörper-Tests. Abgesehen davon sei noch unklar, wie lang bei Menschen mit überstandener Sars-CoV-2-Infektion die Immunität anhält. Positive Antikörper-Tests könnten Menschen also in falscher Sicherheit wiegen.

Experte lehnt Schnelltests ab

Matthias Orth vom Vorstand des Berufsverbands Deutscher Laborärzte (BDL) sieht außerdem in der Ungenauigkeit der bislang verfügbaren Antikörper-Tests ein großes Problem. Antikörper gegen andere, weitaus weniger gefährliche Coronaviren könnten ein positives Ergebnis beim Sars-Cov-2-Antikörpertest verursachen, sagt er. Schnelltests für Zuhause lehnt Orth rundweg ab: „Die sind Unsinn.“

Orth ist bewusst, welche Hoffnungen die Antikörper-Tests wecken: „Jeder will diesen Test haben.“ Derzeit sei es aber „zu früh, dass man dem Patienten eine klare Aussage geben kann, dass er sicher immun ist.“

Massen-Untersuchungen mit Antikörpertests finden in der Fachwelt allerdings große Aufmerksamkeit. In München startete Anfang April eine Studie, für die Menschen aus rund 3000 Haushalten auf Abwehrkörper gegen das neuartige Coronavirus untersucht werden.

In Gangelt wird fleißig getestet

Auch in Gangelt im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg, Deutschlands erstem großem Corona-Infektionsherd, wird breit getestet. Aus den bisherigen Untersuchungen ergab sich eine Infektionsrate in der dortigen Bevölkerung von etwa 15 Prozent.

Abgesehen von den Tests im Rahmen von wissenschaftlichen Studien bieten auch mehrere kommerzielle Pharma-Unternehmen die Antikörper-Tests mit Laborauswertung an.

Deutschlandweit wurden laut dem Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) bereits rund 70.000 Corona-Antikörpertests in 54 Laboren untersucht.

Die Praxis in Reinickendorf bietet die Tests seit Mitte März an. Ärztin Ulrike Leimer-Lipke hält dies für „sinnvoll“, um ein besseres Gesamtbild der Corona-Pandemie zu bekommen, aber auch um individuell zu helfen.

Die Berliner Ärztin sagt, die Frage, ob sie immun und damit keine potenziellen Überträger des neuartigen Coronavirus sind, sei unter anderem wichtig für Menschen, „wenn sie eine Großmutter oder eine Mutter oder einen Vater haben, den sie eigentlich pflegen“.

Eine WHO-Sprecherin betont jedoch, darüber, ob und für wie lange ein positives Testergebnis einen Infektionsschutz nachweist, gebe es noch „viele Diskussionen“. (afp)


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