Der einstige Hollywood-„Gott“ vor einem irdischen Gericht

Epoch Times5. Januar 2020 Aktualisiert: 5. Januar 2020 14:48
Am Montag beginnt in New York der Prozess gegen den 67-Jährigen Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen.

Jahrzehntelang war Harvey Weinstein einer der mächtigsten Männer Hollywoods. Ein einflussreicher Studio-Boss, Garant für Kinoerfolge und Oscars, Herr über Karrieren – und unantastbar. Doch Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen dutzende Frauen haben zum tiefen Fall des „Pulp Fiction“-Produzenten geführt. Weinstein, den Schauspielerin Meryl Streep einmal als „Gott“ bezeichnete, ist jetzt ein geächteter Mann. Am Montag beginnt in New York der Prozess gegen den 67-Jährigen wegen Sexualverbrechen.

Mehr als 80 Frauen haben Weinstein jahrzehntelanges sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen, darunter bekannte Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Salma Hayek, Gwyneth Paltrow und Rosanna Arquette. Die Vorwürfe traten im Herbst 2017 die weltweite #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Übergriffe und Gewalt an Frauen los.

Beim Prozess geht es um zwei Fälle

Bei dem New Yorker Prozess, der mit der Auswahl der Geschworenen beginnt, geht es aber nur um zwei Fälle: Die frühere Produktionsassistentin Mimi Haleyi wirft dem Gründer des Miramax-Filmstudios vor, ihr 2006 in seiner New Yorker Wohnung Oralsex aufgezwungen zu haben. Eine anonyme Frau beschuldigt Weinstein zudem, sie 2013 in einem Hotelzimmer vergewaltigt zu haben.

Bei dem Prozess wird auch „Sopranos“-Darstellerin Annabella Sciorra als Zeugin aussagen. Sie gibt an, Weinstein habe sie vor mehr als 25 Jahren vergewaltigt. Die Vorwürfe sind zwar wie bei vielen anderen Frauen verjährt – die Staatsanwaltschaft will aber die Jury davon überzeugen, dass es bei Weinstein ein Muster sexueller Gewalt gab.

Weinstein hat die Vorwürfe, die im Oktober 2017 von der „New York Times“ publik gemacht wurden, stets zurückgewiesen. Der einstige Hollywood-Mogul spricht von einvernehmlichen sexuellen Beziehungen. Nach Bekanntwerden der Anschuldigungen erklärte er, damals seien die Zeiten ganz einfach anders gewesen: „Ich bin in den 60er und 70er Jahren groß geworden, als die Regeln zu Verhalten und Arbeitsplätzen anders waren.“

Sein von der Strafverteidigerin Donna Rotunno angeführtes Anwaltsteam dürfte im Prozess versuchen, die Glaubwürdigkeit der mutmaßlichen Opfer in Zweifel zu ziehen. Die Anwälte haben E-Mails und Textbotschaften vorgelegt, die zeigen sollen, dass die Frauen Weinstein noch Monate nach den mutmaßlichen Angriffen freundschaftlich verbunden waren. Die Anwältin von Haleyi und Sciorra, Gloria Allred, fürchtet, dass sich ihre Mandantinnen auf „brutale Kreuzverhöre“ gefasst machen müssen.

Weinsteins Anwälte könnten auch den Fall Lucia Evans vorbringen. Die Staatsanwaltschaft hatte im Oktober 2018 das Verfahren zu Vorwürfen des erzwungen Oralverkehrs der einstigen Schauspielerin einstellen müssen. Evans hatte anscheinend einer Freundin erzählt, sie habe Weinstein im Gegenzug für eine Rolle freiwillig oral befriedigt.

Weinstein droht lebenslange Haft

Weltweites Medieninteresse ist sicher, wenn Richter James Burke am Montag den auf rund sechs Wochen angelegten Prozess eröffnet. Weinstein, derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß, droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.

Doch auch wenn der 67-Jährige freigesprochen wird: Die Karriere des Mannes, der hinter Erfolgen wie „Shakespeare in Love“, „The Artist“ und „The King’s Speech – Die Rede des Königs“ steht und dessen Filme insgesamt 81 Oscars gewannen, ist in Trümmern. Weinstein ist ein Verstoßener, sein Millionenvermögen seit Bekanntwerden der Vorwürfe zusammengeschmolzen, seine Weinstein Company pleite.

Geschwächt und bleich wirkte Weinstein, als er im Dezember zu einer Anhörung vor Gericht erschien. Kürzlich musste er sich einer Rückenoperation unterziehen.

Von Einsicht ist derweil wenig zu merken. Mitte Dezember sorgte Weinstein mit einem Interview für Empörung, in dem er sich als „Pionier“ der Frauenförderung in Hollywood bezeichnete. Er habe mehr Filme von Frauen und über Frauen produziert als jeder andere Produzent vor ihm – das werde jetzt „vergessen“.

Die Geschichte hat ein anderes Urteil über Weinstein gefällt. Zu welchem Urteil die Geschworenen kommen werden, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. (afp)

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