Größter friedlicher Protest in China seit 1989: Demonstranten sprachen mit Premierminister

Von 28. April 2021 Aktualisiert: 29. April 2021 10:29

Beim folgenden Beitrag handelt es sich um den Originaltext zum Video: „Zeitzeuge berichtet vom größten friedlichen Protest in China vor 22 Jahren“ vom YouTube-Kanal NTD-Deutsch. Epoch Times hat keine redaktionellen Änderungen vorgenommen. 

Heute schauen wir uns den größten friedlichen Protest in China seit dem Tiananmen-Massaker im Jahr 1989 an. Das Ereignis fand vor 22 Jahren statt und wurde später vom chinesischen Regime ausgenutzt, um ein blutiges Durchgreifen zu rechtfertigen.

Unsere Korrespondentin Penny Zhou hat sich mit einem Zeitzeugen getroffen und mit ihm den seltenen Moment in der chinesischen Geschichte rekapituliert.

Peking vor 22 Jahren. Rund 10 Jahre nach dem „Massaker auf dem Tiananmen 1989“ fühlte sich die Kommunistische Partei Chinas erneut bedroht und das, obwohl sie die größten Streitkräfte auf der Welt besitzt. 

Das Originalvideo von NTD Deutsch: 

Diesmal von einer Gruppe Chinesen, die schweigend an der Straße saß beziehungsweise stand – friedlich. Es war der 25. April 1999. Über Zehntausende Praktizierende der buddhistischen Meditationsschule Falun Gong versammelten sich in Peking. Sie forderten ihr Recht: freie Ausübung ihres Glaubens.

Unter ihnen war auch Shi Caidong, damals ein 28-jähriger Doktorand an Chinas Akademie der Wissenschaften.

Anfang der 90er-Jahre explodierte die Popularität von Falun Gong in China. Es verbreitet sich seitdem auf der ganzen Welt. Allein in China hieß es offiziellen Angaben zufolge, dass zu jener Zeit etwa 70 Millionen Menschen Falun Gong praktizierten – 5 Millionen mehr, als die Kommunistische Partei Chinas Mitglieder hatte.

Und das konnten Pekings Führer nicht dulden. Schon vor April 1999 kamen die ersten Anzeichen, dass die Praktik der Partei ein Dorn im Auge war. Zuerst wurden Falun Gong-Bücher und -Schriften verboten, dann wurde eine Verleumdungskampagne gestartet. Staatsmedien stellten Falun Gong als Sekte dar. Die Zivilpolizei ging mit Hochdruck-Wasserwerfern gegen Falun Gong-Übende vor, die friedlich in Stadtparks übten. 

Wozu das chinesische Regime fähig ist, zeigte es bereits vor 32 Jahren. Blutig schlug es die Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz in Peking nieder. Truppen schossen auf Hunderttausende, unbewaffnete Studenten. Studenten, die lediglich Freiheit und Demokratie forderten.

Doch die Brutalität der KP-Chinas machte dem Falun Gong-Übenden Shi keine Angst. Auch nicht, als er an dem friedlichen Protest am 25. April 1999 teilnahm.

Im Inneren wusste ich, dass ich nicht gegen das Gesetz verstoßen hatte. Ich habe mich nur nach den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht kultiviert. Also hatte ich keine Angst. Ich habe nichts Unmoralisches getan und nichts zu befürchten.“ – Shi Caidong, Falun Gong-Praktizierender, USA.

In Peking, im Gebäudekomplex Zhongnanhai, sitzt Chinas Zentralregierung. Shi und viele andere Falun Gong-Praktizierende gingen dorthin und standen ruhig am Straßenrand. Es war ein Protest im Stillen. Noch nicht einmal der Verkehr wurde blockiert.

Und dann ein Lichtblick. So dachten zumindest die Demonstranten damals. Zhu Rongji, der damalige chinesische Premierminister, trat heraus und suchte das Gespräch mit ihnen.

„Er stand in der Mitte der Praktizierenden. Er fragte: ‚Habt Ihr Vertreter? Wenn ja, könnt Ihr mit mir hineingehen, um die Angelegenheit zu besprechen.‘“ – berichtet Shi Caidong.

„Viele Praktizierende kamen vom Land. Sie hatten in ihrem Leben noch nie so einen hochrangigen Beamten gesehen. Deshalb trauten sie sich nicht, etwas zu sagen. Dann sagte ich einfach: ‚Premier Zhu, ich kann mit Ihnen hineingehen.‘“ 

Drei Praktizierende folgten Zhu Rongji ins Gebäude. Sie hofften, dem Minister ihr Anliegen darlegen zu können. Die Vertreter baten um die Freilassung von Falun Gong-Praktizierenden, die sich unrechtmäßig in Haft befanden. Danach verließen alle Falun Gong-Praktizierenden stillschweigend Zhongnanhai. 

Doch der gute Wille vom Staat währte nicht lange. „In derselben Nacht suchten mich Staatssicherheitsbeamte in meinem Forschungszentrum auf, um zu ermitteln. Sie nahmen jede einzelne Information über mich auf.“ – sagt Shi Caidong.

Zwei Monate später startete die Kommunistische Partei Chinas landesweite Massenverhaftungen von Falun Gong-Praktizierenden. Die Versammlung im April in Zhongnanhai nahmen sie als Vorwand. Die staatlichen Medien behaupteten, die Praktizierenden hätten das Regierungsgebäude umzingelt und angegriffen.

Shi wurde später in ein Umerziehungslager eingewiesen und dort gefoltert. Sie wollten, dass er Falun Gong abschwört. Im Jahr 2002 floh er in die USA. 

Viele Praktizierende in China hatten weniger Glück als Shi Caidong. Bis heute konnten nur etwas mehr als 3.000 Todesfälle durch Folter von Falun Gong-Übenden offiziell bestätigt werden. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Allein durch erzwungene Organentnahmen wurden mehr als 60.000 Menschen getötet.

Obwohl der Appell vom 25. April 1999 die Verfolgung von Falun Gong nicht verhindern konnte, so Shi, hat er der Welt gezeigt, dass es immer noch Menschen gibt, die trotz der Gräueltaten des chinesischen Regimes bereit sind, ihre Meinung zu sagen. Er ist überzeugt:

Auch wenn die Gesellschaft komplizierter wird und die Sterblichkeit zurückgeht, werden die guten Menschen sehen, dass es noch gutherzige Menschen gibt und Menschen, die darauf bestehen, rechtschaffene Dinge zu tun. Sie werden nicht leichtfertig aufgeben oder sich unterwerfen.“



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