Kanadier bewegt von „Chinas Gewissen“

Epoch Times9. November 2013 Aktualisiert: 9. November 2013 18:37

Die Angst überwinden heißt, sich der Gefahr bewusst zu sein und zu wissen, dass einem Leiden zugefügt werden wird – und dennoch vorwärts zu gehen und sich dazu zu entscheiden, es trotzdem zu tun. 

Der Film "Jenseits der Angst" erzählt die mutige Geschichte des chinesischen Bürgerrechtlers Gao Zhisheng. Er riskiert sein Leben für die Menschen, die in China am meisten unterdrückt werden: Untergrund-Christen, Opfer von Zwangsenteignungen und Falun Gong-Anhänger. 

„Gao ist gleich zu setzen mit Nelson Mandela und Mahatma Gandhi“, ist der ehemalige kanadische Parlamentsabgeordnete und renommierte Menschenrechtsanwalt David Kilgour überzeugt. "Ich denke, er ist unglaublich", sagte Kilgour über Gao nach dem Screening "Jenseits der Angst" beim Filmfestival "Freies Denken" im kanadischen Ottawa.

Gao wurde drei Mal für den Friedensnobelpreis nominiert – einmal davon von Kilgour und dem Menschenrechtsanwalt David Matas aus Winnipeg.

Gao wird oft als das "Gewissen Chinas" bezeichnet. Seine aktuelle Notlage wurde von politischen Führern in Kanada, den Vereinigten Staaten, Europa und anderorts angesprochen.

Bescheidene Anfänge

Für Gao war es nichts Neues, zu kämpfen. Er musste außergewöhnlich große Schwierigkeiten überwinden, um einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Anwälte Chinas zu werden.

Er wurde in einer Höhle im Norden Chinas geboren und großgezogen. Ein Leben in extremer Armut, das noch schlimmer wurde, nachdem sein Vater gestorben war. Für seine Mutter, die sieben Kinder durchbringen musste, war es ein täglicher Kampf ums Überleben. Gao verließ mit 15 sein zu Hause und arbeitete mit seinem Bruder in einem Kohlebergwerk.

Nach Jahren des Lebens auf dem Land heiratete Gao schließlich. Eines Tages, nachdem er in einem Artikel in einer Zeitung, die er von der Strasse aufhob, gelesen hatte, dass China in den nächsten zehn Jahren 150.000 Anwälte brauchen würde, begann Gao mit einem Selbststudien-Programm. Im Jahr 1995 war er einer jener "1 Prozent", die die Anwaltsprüfung erfolgreich abgeschlossen hatten.

Den Großteil seiner Zeit verbrachte er damit, die Schwächsten ehrenamtlich zu verteidigen: die Behinderten, die Vertriebenen und die Verfolgten. Seine Bemühungen brachten ihm zahlreiche Auszeichnungen. Durch das Ministerium für Justiz wurde er im Jahr 2001 zu einem der zehn "ehrenhaftesten Anwälte" ernannt. 

Lokale Beamte herauszufordern ist eine Sache, aber die zentrale Behörde des Regimes herauszufordern eine ganz andere. Es ging noch, Christen zu verteidigen oder Bauern, die ihr Land an Regional- und Kommunalbeamte verloren hatten. Aber als er seinen ersten Falun Gong-Fall annahm – was kein anderer Anwalt zuvor zu tun gewagt hatte, seit die spirituelle Disziplin im Jahr 1999 offiziell verboten wurde – zog er den Zorn der obersten Ränge der Kommunistischen Partei Chinas auf sich.

Offene Briefe

Die Fälle der Falun Gong-Praktizierenden führten ins Leere, aber die Geschichten seiner Angeklagten bewegten ihn tief. Er konnte nichts Anderes machen, als offene Briefe zu schreiben – gerichtet an den damaligen Präsidenten Hu Jintao, um gegen die Misshandlungen, Folter und Morde, die er untersucht hatte, zu protestieren.

"Es werden unermessliche Kapitalressourcen verschwendet. Polizeikräfte werden ausgeschöpft und unterdrücken Falun Gong-Praktizierende, die einfach nur friedlich praktizieren, ihren Charakter kultivieren und ihre Gesundheit verbessern möchten. Die Unterdrückung verwandelt die Gesellschaft in ein Chaos. Es ist vollkommen kriminell, ein Verstoß gegen grundlegende Menschenrechte", schrieb er in einem der Briefe.

Daraufhin wurde seine Anwaltskanzlei geschlossen und ihm die Anwaltszulassung entzogen. Er wurde überwacht und er und seine Familie Tag und Nacht beschattet.

Seine Antwort darauf war, dass er die Details dieser Verfolgung auf seiner Webseite veröffentlichte. Er erklärte öffentlich, dass er ein Christ sei und trat aus der Kommunistischen Partei Chinas aus. Er nannte es den stolzesten Tag seines Lebens. Danach begann der eigentliche Ärger.

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Ab 2005 wurde Gaos Familie häufig angegriffen und ständig überwacht. Im August 2006 verschwand Gao dann plötzlich. Im Dezember des gleichen Jahres wurde er wegen "Anstiftung, die Macht des Staates zu untergraben" angeklagt. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Bewährung verurteilt.

In der Zwischenzeit besetzte die Polizei sein Haus und beobachtete seine Frau den ganzen Tag, auch im Badezimmer.

Während Gao auf Bewährung war, verschwand er mindestens sechs Mal. Einmal war er 20 Monate lang abgängig. Jedes Mal wurde er schwer gefoltert. Er beschrieb die 50 Tage lange Folter, die er durchmachen musste, in einem offenen Brief:

"Und dann schlugen sie mich mit elektrischen Schlagstöcken. Mein ganzer Körper, mein Herz, meine Lungen und Muskeln sprangen unkontrolliert unter meiner Haut. Ich fiel zu Boden und wand mich vor Schmerzen und versuchte weg zu kriechen", schrieb er.

"Mein Betteln, sie mögen doch aufhören mich zu foltern, resultierte nur in Gelächter und es folgte unglaubliche Folter. Daraufhin hielt Wang den elektrischen Schlagstock drei weitere Male auf meine Genitalien, während er mich laut anschrie."

Wenige Tage bevor Gaos Bewährung zu Ende war wurde in den staatlichen Medien berichtet, dass er "für die nächsten drei Jahre ins Gefängnis muss." Ende des Jahres 2011 wurde er heimlich in ein abgelegenes Gefängnis verlegt; die ersten zehn Monate wusste seine Familie nicht wo er war, noch, wie es ihm ging.

Barbarisch und Brutal 

Kilgour verurteilt Gaos Behandlung auf das Schärfste.

"Diese Leute sind unmenschlich. Sie sind barbarisch, unzivilisiert, sie sind brutal und hirnlos. Die Dinge, die sie mit ihm gemacht haben, die Dinge die sie zu ihm gesagt haben … Die Leute, die China unter Kontrolle haben, sind einfach abscheulich“, so Kilgour.

"Ich kannte die Geschichte von Gao Zhisheng. Die Geschichte dieses Mannes ist einfach unvergleichlich und tiefgründig", sagte der ehemalige Diplomat Brian McAdam, der sich ebenfalls den Film ansah.

"Gaos Leiden sind herzzerreißend", kommentierte die chinesische Demokratie- und Menschenrechtsaktivistin Maggie Wenzhuo Hou, die in Ottawa lebt.

"In China wagen es nur sehr wenige Menschen, Falun Gong zu verteidigen. Allerdings, je mehr man der Sache auf den Grund geht, desto mehr sieht man die wahre Situation: Die KP wagt es nicht, einer Gruppe, an der verheerender Völkermord betrieben wird, eine Stimme zu geben. Das ist die Schande des chinesischen Volkes."

Gaos Frau und deren zwei Kinder konnten sicher in die USA fliehen, aber Gao ist weiterhin in Untersuchungshaft.

Gaos Beispiel hat jedoch zu einem Wandel in China geführt. Es war der Beginn einer Welle von Anwälten, die aufstand, um das Regime und deren schwerste Verbrechen anzuprangern.

Jetzt gibt es Dutzende von Anwälten, die bereit sind, sich gegen die Brutalität des Regimes auszusprechen und die vielen hilflosen Menschen zu verteidigen. In den Menschen lebt die Hoffnung auf ein gerechtes China. Der Titel der Autobiographie Gaos: "Chinas Hoffnung".

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