Der Untersuchungsbericht von Kilgour und Matas ist auch als Broschüre über den Epochtimes Europe Zeitungsverlag zu beziehen.

Untersuchungsbericht zu den Anschuldigungen der Organentnahme an Falun Gong Praktizierenden in China

Von und 14. August 2006 Aktualisiert: 29. März 2016 17:54
Der Report

Der aufsehenerregende Untersuchungsbericht, den David Kilgour und David Matas am 6. Juli 2006 vorlegten, geht den zahlreichen Hinweisen auf die systematischen Organentnahmen an lebenden Gefangenen in China nach und kommt zu erschreckenden Schlussfolgerungen. Zum Herunterladen des gesamten Berichts klicken sie bitte hier: Download (pdf)

Inhaltsverzeichnis

Der Untersuchungsbericht von Kilgour und Matas ist auch als Broschüre über den Epochtimes Europe Zeitungsverlag zu beziehen.
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A. Einführung
B. Arbeitsmethoden
C. Die Anschuldigung
D. Schwierigkeiten der Beweisfindung
E. Methoden der Beweisbeschaffung
F. Tatbestände der Beweise und Widerlegungen

1. Empfundene Bedrohung
2. Eine Strategie der Verfolgung
3. Aufstacheln zum Hass
4. Umfassende Verhaftungen
5. Unterdrückung
6. Die nicht identifizierten und die verschwundenen Personen
7. Quellen der Transplantate
8. Blutuntersuchungen
9. Fehlende Organe bei Leichnamen
10. Ein Geständnis
11. Eingeständnisse
12. Wartezeiten
13. Belastende Informationen auf Webseiten
14. Interviews mit Opfern
15. Allgemeine Menschenrechtsverletzungen
16. Finanzielle Betrachtungen
17. Korruption
18. Gesetzgebung

G. Glaubwürdigkeit
H. Weitere Nachforschungen
I. Schlussfolgerungen
J. Empfehlungen
K. Kommentar

Anhang 13 – Abschrift eines Interviews
Anhang 14 – Abschriften telefonischer Nachforschungen

A. Einführung

Die Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China (CIPFG), eine in Washington D.C. registrierte Menschenrechtsorganisation mit einer Zweigstelle in Ottawa, Kanada, erbat mit Schreiben vom 24. Mai 2006 unsere Hilfe bei der Untersuchung von Anschuldigungen, die besagen, dass staatliche Institutionen und Mitarbeiter der Regierung der Volksrepublik China von lebenden Falun Gong-Praktizierenden Organe entnehmen und sie dabei töten. Das Schreiben ist diesem Bericht als Anlage beigefügt. Viele Freunde Chinas, zu denen auch wir zwei gehören, sind besorgt über diese Anschuldigungen. Angesichts ihrer Bedeutung sowie unserer Verpflichtung gegenüber der Würde des Menschen auf der ganzen Welt haben wir diesem Ersuchen zugestimmt.

David Matas ist Anwalt für Einwanderungs- und Flüchtlingsrecht und für internationale Menschenrechte mit privater Kanzlei in Winnipeg. Als Autor, Sprecher und Mitwirkender bei diversen Menschenrechtsorganisationen engagiert er sich aktiv für die Förderung der Anerkennung der Menschenrechte.

David Kilgour ist ehemaliger Parlamentsabgeordneter und ehemaliger kanadischer Staatssekretär für den Asien- und Pazifikraum. Vor seiner Amtszeit als Parlamentarier war er als Staatsanwalt auf Bundesebene tätig. Die Biografien der beiden Autoren sind diesem Bericht als Anlagen beigefügt (siehe Anhang 2 und 3).

B. Arbeitsmethoden

Unsere Nachforschungen haben wir unabhängig von der CIPFG, dem Falun Dafa-Verein oder irgendeiner anderen Organisation oder Regierung durchgeführt. Unser Versuch, nach China zu gehen, war erfolglos. Jedoch sind wir bereit, die Ermittlungen in einer zweiten Phase fortzuführen, sobald uns der Zugang zu Zeugen und Institutionen möglich ist. Wir interviewten eine Anzahl verschiedener Personen, die in einem Anhang zu diesem Bericht aufgeführt sind, und studierten ausführlich jede relevante Information, die wir erhalten konnten. Wir wurden für diesen Bericht von niemandem bezahlt, sondern haben diese Arbeit auf freiwilliger Basis ausgeführt.

C. Die Anschuldigung

Die Anschuldigung lautet, dass Falun Gong-Praktizierende Opfer von Organentnahmen sind, die in ganz China an lebendigen Körpern durchgeführt werden. Die Anschuldigung lautet, dass die Organentnahmen im Zuge einer systematischen Vorgehensweise in großer Anzahl und ohne Einwilligung der Falun Gong-Praktizierenden an vielen verschiedenen Orten stattfinden.

Die Organentnahme ist ein Schritt zur Organtransplantation. Das Ziel von Organentnahmen ist, Organe zu Transplantationszwecken bereitzustellen. Die Transplantation muss nicht notwendigerweise am Ort der Organentnahme stattfinden. Oft handelt es sich um zwei unterschiedliche Örtlichkeiten; Organe, an einem Ort entnommen, werden für die Transplantation an einen anderen Ort geliefert.

Die Anschuldigung lautet weiterhin, dass den Praktizierenden die Organe entnommen werden, während sie noch am Leben sind. Die Praktizierenden werden im Verlauf der Operation oder unmittelbar danach getötet. Diese Operationen sind eine Form von Mord.

Schließlich wurde uns mitgeteilt, dass die auf diese Weise getöteten Praktizierenden anschließend verbrannt werden. Somit gibt es keinen einzigen Leichnam, den man im Zuge einer Untersuchung als Quelle eines Organtransplantats identifizieren könnte.

Der Gedanke an ein solches Vorgehen, das sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts und möglicherweise sogar unter Anweisung einer Regierung in einer Zeit zuträgt, in der die Achtung vor dem individuellen menschlichen Leben immer weiter steigt, ist höchst alarmierend. Dementsprechend erschüttert waren wir über die Aussage einer der ersten Zeugen, einer Frau, die nicht Falun Gong praktiziert. Sie sagte vor der Kamera aus, ihr Ehemann, der als Chirurg tätig war, habe ihr erzählt, dass er persönlich vor Oktober 2003 (danach weigerte er sich, weiterzumachen) die Augenhornhaut von ca. 2.000 anästhesierten Falun Gong-Gefangenen im Nordosten Chinas innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren entnommen habe. Viele Dinge, auf die wir anschließend stießen und die wir in diesem Bericht beschrieben haben, sind gleichermaßen erschütternd.

D. Schwierigkeiten der Beweisfindung

Diese Anschuldigungen sind aufgrund ihrer Beschaffenheit schwer zu beweisen beziehungsweise zu widerlegen. Die besten Beweise, um irgendeine Anschuldigung zu belegen, sind Augenzeugenberichte. Allerdings gibt es gerade für dieses angebliche Verbrechen kaum Augenzeugenberichte.

Die Menschen, die sich dort befinden, wo Falun Gong-Praktizierenden Organe entnommen werden, sind entweder Täter oder Opfer. Es gibt keine Zuschauer. Weil die Opfer den Anschuldigungen zufolge getötet und verbrannt werden, kann kein Leichnam gefunden werden, an dem eine Autopsie durchgeführt werden könnte. Außerdem gibt es unter den Opfern keine Überlebenden, die erzählen könnten, was ihnen zugestoßen ist. Täter werden wohl kaum zugeben, dass sie sich an dem beteiligen, was man Verbrechen gegen die Menschlichkeit nennt. Obwohl wir keine vollständigen Geständnisse erhalten konnten, haben wir dennoch eine überraschende Anzahl an Eingeständnissen durch Telefonanrufe von Ermittlern erhalten.

Am Tatort der Verbrechen werden keine Spuren hinterlassen, nachdem die Tat stattgefunden hat. Der Operationssaal sieht nach einer vollzogenen Organentnahme genauso aus wie jeder andere ganz normale leere Operationssaal.

Das harte Durchgreifen in China gegen die Berichterstattung über die Menschenrechte erschwert eine Beurteilung der Anschuldigungen. Bedauerlicherweise unterdrückt China Journalisten, die über Menschenrechte berichten, sowie Menschenrechtsbefürworter. Es gibt keine Meinungsfreiheit. Diejenigen, die über Menschenrechtsverletzungen in China berichten, werden häufig in Gefängnisse gebracht und wegen Verrats von Staatsgeheimnissen angeklagt. Durch das Schweigen von Menschenrechtsorganisationen erfahren wir in diesem Kontext nichts über Organentnahmen ohne Einwilligung an Falun Gong-Praktizierenden.

Das Internationale Rote Kreuz sowie andere Organisationen, die sich mit den Menschenrechten von Gefangenen befassen, dürfen die Gefangenen in China nicht besuchen. Dadurch wird der Zugang zu potentiellen Beweisen ebenfalls blockiert.

In China gibt es kein Recht auf Informationsbeschaffung. Es ist unmöglich, von der chinesischen Regierung grundlegende Informationen über Organtransplantationen zu erhalten, sprich, wie viele Transplantationen es gibt, wo die Organe herkommen, wie viel eine Transplantation kostet, beziehungsweise wohin dieses Geld fließt.

Zur Zusammenstellung dieses Untersuchungsberichtes versuchten wir, nach China zu reisen. Unsere Bemühungen führten zu nichts. Wir baten schriftlich um ein Treffen mit der Botschaft, um die Einreisebedingungen zu besprechen. Unser Brief ist diesem Bericht als Anlage beigefügt. Unserer Bitte um einen Gesprächstermin wurde nachgekommen. Aber das Interesse der Person, die sich mit David Kilgour traf, bestand lediglich darin, die Anschuldigungen zurückzuweisen, und nicht darin, für uns einen Besuch zu arrangieren.

E. Methoden der Beweisbeschaffung

Wir mussten etliche Faktoren berücksichtigen, um entscheiden zu können, ob die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen oder nicht. Keiner dieser Faktoren allein bestätigt oder widerlegt die Anschuldigungen. Aber zusammen ergeben sie ein Bild.

Viele der Beweisstücke, die wir berücksichtigt haben, stellen, separat betrachtet, keinen knallharten Beweis dar. Aber ihr Nichtvorhandensein würde die Widerlegung darstellen. Die Kombination all dieser Faktoren, insbesondere, wenn es sich um eine so große Anzahl handelt, bewirkt die Glaubwürdigkeit der Anschuldigungen, selbst wenn jeder einzelne von ihnen allein nicht diese Wirkung hat. Wenn jedes denkbare Einzelelement, das wir zur Widerlegung finden konnten, darin versagt, die Anschuldigungen zu widerlegen, wird es sehr wahrscheinlich, dass die Anschuldigungen zu Recht bestehen.

Beweisführung kann entweder induktiv oder deduktiv sein. Die Kriminalpolizei arbeitet normalerweise deduktiv, indem sie einzelne Beweisstücke zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Die Einschränkungen, denen sich unsere Untersuchung gegenüber sah, stellte auch erhebliche Einschränkungen bei der Anwendung dieser deduktiven Methode dar. Einige Komponenten, aus denen wir ableiten konnten, was wo stattfindet, standen trotzdem zur Verfügung, insbesondere die Telefonanrufe der Ermittler.

Wir wendeten auch die induktive Beweisführung an und suchten sowohl in diese als auch in jene Richtung. Falls die Anschuldigungen nicht stimmen, wie können wir dann wirklich wissen, dass sie nicht stimmen? Wenn die Anschuldigungen stimmen, welche Tatsachen liegen vor, die diesen Anschuldigungen entsprechen? Womit kann die Richtigkeit dieser Anschuldigungen erklärt werden, wenn die Anschuldigungen tatsächlich stimmen? Die Antworten auf diese Art von Fragen halfen uns, unsere Rückschlüsse zu ziehen.

F. Tatbestände der Beweise und Widerlegungen

Wir berücksichtigten sämtliche Elemente von Beweisen und Widerlegungen, die zur Verfügung standen und die zur Verfügung stehen könnten. Einige auf Beweisen beruhende Spuren führten nirgendwo hin. Trotzdem bemühten wir uns, ihnen nachzugehen.

1. Empfundene Bedrohung

Die Kommunistische Partei Chinas (KPC) begann Ende der 90er Jahre, Falun Gong als Bedrohung ihres ideologischen Machtmonopols über China zu betrachten. Diese empfundene Bedrohung stellt keinen Beweis für die Anschuldigungen dar. Würde Falun Gong jedoch nicht als Bedrohung für die Macht der KPC betrachtet, wären damit die Anschuldigungen untergraben.

Falun Gong wurde im Jahr 1992 im Nordosten Chinas durch Li Hongzhi gegründet. In den 80er Jahren begann Li mit der Ausübung von Qigong, einem jahrhundertealten System von Atemübungen – zuweilen als „chinesisches Yoga“ bezeichnet – das Gesundheit und spirituelle Sensibilität steigern soll. Qigong wurde, seitdem die KPC im Jahr 1949 in Peking die Führung übernahm, in all aseinen Varianten im gesamten Land unterdrückt, aber seit den 80er Jahren zeigte sich das Umfeld des Polizeistaates weniger gewaltsam gegenüber allen Formen des Qigongs, einschließlich Falun Gong.

Falun Gong wurde erst kurze Zeit später durch Li entwickelt und beinhaltet Elemente des Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus. Im Wesentlichen lehrt es Meditationsmethoden durch Übungen, die darauf abzielen, die physische und spirituelle Gesundheit und Fitness zu verbessern. Die Bewegung ist unpolitisch und seine Anhänger versuchen, Wahrhaftigkeit, Toleranz und Barmherzigkeit zu verbreiten, über die Grenzen von Nation, Kultur und Rasse hinaus. Gewalt ist Falun Gong-Anhängern ein Gräuel. Li registrierte seine Bewegung bei dem Qigong-Forschungsverein der Regierung und gab Mitte der 90er Jahre ungefähr 60 Millionen Praktizierende an. Laut Einschätzung der Abteilung für Sport der chinesischen Regierung gab es im Jahr 1999 70 Millionen Falun Gong-Anhänger.

Laut Professor Maria Hsia Changs Buch Falun Gong, veröffentlicht im Jahr 2004 von der Yale Universität,„bildeten, wie berichtet, den Hauptanteil der Falun Gong-Praktizierenden Menschen mittleren Alters aus der Mittelklasse, obwohl in ihren Reihen auch Studenten, ältere Menschen sowie Bauern vertreten waren. Sie kamen aus allen Bevölkerungsschichten: Lehrer, Ärzte, Soldaten, Kader der KPC, im Ausland stationierte Diplomaten und andere Regierungsbeamte. Außerdem befanden sich Berichten zufolge unter den Anhängern von Li Hongzhi die Ehepartner und Familienmitglieder einiger führender Beamter Chinas, einschließlich denen von Präsident Jiang, Premier Zhu und Beamten des Staatsrates, dem ausführenden Organ der Regierung.“

Falun Gong war Teil der Explosion religiöser Aktivität, die in China seit den 80er Jahren auftrat als „Teil von Chinas ‘spirituellem Vakuum’ nach der Zeit Maos und dem Rückgang der ideologischen Kontrolle der Gesellschaft durch die Partei…“.2 Der besondere populäre Reiz von Falun Gong basierte auf dem Bemühen, moderne Wissenschaft mit chinesischer Tradition zu verbinden.

Bevor Falun Gong im Juli 1999 verboten wurde, trafen sich Anhänger regelmäßig in Chinas unzähligen Städten, um ihre Übungen zu praktizieren. Wie Chang anmerkt, gab es allein in Peking über 2.000 Übungsplätze. Chinas Premier Zhu zum Beispiel, fügt sie hinzu, schien über die wachsende Popularität der Bewegung von Li erfreut wegen ihrer positiven sozialen Auswirkungen, einschließlich verringerter Geldleistungen für die Krankheitsversorgung der Praktizierenden, die in der Regel gesund waren. Berichten zufolge hatte Präsident Jiang im Jahr 1992 selbst mit der Ausübung von Qigong begonnen, indem er ein Mitglied von Zhong Gong, einer Gruppe, die damals angab, 38 Millionen Mitglieder zu haben, zur Behandlung seiner Arthritis und Nackenschmerzen eingeladen hatte. (Anfang 2000 jedoch verbot Jiangs Regierung Zhong Gong als „böse Sekte“ und vertrieb dessen Anführer aus China.)1

Jiangs persönliche Konfrontation mit Falun Gong begann sich 1996 zu entwickeln, folgern Chang und zahlreiche andere Beobachter, als von Lis Buch Zhuan Falun fast eine Million Exemplare in China verkauft wurden. Dies machte nervöse Parteiführer, einschließlich Jiang, auf die wachsende Popularität der Bewegung aufmerksam. Aus Angst vor der Möglichkeit einer politischen Revolte gegen die Regierung verboten sie den Verkauf von China Falun Gong und anderen Veröffentlichungen und ermutigten verärgerte Anhänger, Li zu beschuldigen, die Öffentlichkeit beraubt zu haben. Chang merkt an:

„Als er spürte, dass er und (Falun Gong) in Ungunst gefallen waren – und angeblich unter dem Druck der Behörden – wanderte Li Anfang 1998 in die Vereinigten Staaten aus, wo er seitdem seinen permanenten Wohnsitz hat.“1

Die gewaltlose Phase der Kampagne währte bis Mai 1998, als ein Reporter des Regierungsfernsehens auf Falun Gong als „Aberglauben“ verwies. Changs Nachforschungen zufolge resultierte dies darin, dass etwa 100 Partei-, Regierungs- und Militärpensionäre der KPC, die Anhänger von Falun Gong waren, Jiang ersuchten, Falun Gong zu legalisieren, jedoch ohne Erfolg. Die Partei veröffentlichte später einen Artikel in einem Magazin (Wissenschaft und Technologie für die Jugend), der Falun Gong hervorhob als Aberglauben und Gesundheitsrisiko, da Falun Gong-Praktizierende bei ernsthaften Krankheiten konventionelle medizinische Behandlung möglicherweise verweigern würden. Eine große Anzahl Falun Gong-Anhänger demonstrierte friedlich gegen den Inhalt dieses Artikels außerhalb des Redaktionsbüros in Tianjin. Als dies in Verhaftungen und Prügel durch die Polizei mündete, war die Bühne für einen weiteren Akt des Protestes in der Hauptstadt eröffnet.1

Am 25. April 1999 versammelten sich 10.000 bis 16.000 gewöhnliche chinesische Bürger von Sonnenaufgang bis spät in die Nacht vor dem KPC-Hauptquartier von Zhongnanhai, neben Pekings Verbotener Stadt. Unter den Teilnehmern befanden sich Intellektuelle, Regierungsbeamte und Parteimitglieder. Der Protest war schweigsam; es gab keine Plakate und kein einziger politischer Slogan oder aufsässiger Gedanke wurde zum Ausdruck gebracht. Chang: „Am Tag der Demonstration ließ sich (Jiang) in seiner Limousine um Zhongnanhai herumfahren und starrte durch die getönten Fenster auf die Menschenmenge. In derselben Nacht, sichtlich alarmiert durch die Demonstration, schrieb er an das Politbüro, um seinen Kollegen zu versichern, dass er glaube, ’Marxismus kann über Falun Gong triumphieren’.“1 Das halbe Jahrhundert des Monopols der Macht der KPC befand sich laut der persönlichen Ansicht des damaligen Führers in großer Gefahr.

David Ownby, Direktor des Centre of East Asian Studies der Universität Montreal und Spezialist in moderner chinesischer Geschichte, schrieb über die Vorgänge bis Mitte 2001 offen in einem Bericht, der vor fünf Jahren für Kanadas Institute of Internal Affairs verfasst wurde.2 Ownby beobachtet, dass die

„[die] anscheinend freundliche Natur von Falun Gong in Nordamerika und sein scheinbar ‚böser’ Charakter in China könnte Kanadier, die wegen der Menschenrechte in Sorge sind, dazu veranlassen, diese Angelegenheit in China gegen Falun Gong sehr genau zu betrachten.“

Obwohl chinesische Führer Falun Gong als „Kult“ bezeichnen, merkt Ownby an, dass

„es wenig in deren Praktik in Kanada und den USA gibt, das die Idee unterstützt, die Gruppe sei eine ‚Sekte’ [Anm.d.Übers.: das Wort ‚cult’ im englischen Original hat eine eindeutig negative Bedeutung] im allgemeinen Sinne des Wortes. Der Fall der chinesischen Regierung gegen Falun Gong als eine ‚Sekte’ kann nicht überzeugen, außer die Regierung erlaubt die unabhängige Überprüfung der Vorwürfe korrupter Machenschaften durch Falun Gong in China. China hat im Wesentlichen aus Angst vor der Fähigkeit von Falun Gong, seine Anhänger zu mobilisieren, reagiert …“

2. Eine Strategie der Verfolgung

Wenn Organraub an Falun Gong-Praktizierenden in China weit verbreitet wäre, würde man eine strategische Anweisung der Regierung in Bezug auf dieses Thema erwarten. Durch die Geheimhaltung der politischen Grundsatzfragen in China können wir jedoch nicht feststellen, ob solch eine politische Anweisung existiert.

Wir wissen jedoch, dass die Verfolgung von Falun Gong als offizielle Politik existiert. Es gibt einige sehr kräftige politische Aussagen seitens der chinesischen Regierung und der Kommunistischen Partei Chinas, die diesem Bericht als Anhang beiliegen, die zur Verfolgung von Falun Gong aufrufen, einschließlich der physischen Verfolgung. Diese Äußerungen stimmen mit den Anschuldigungen überein, die wir gehört haben.

Laut Li Baigen, dem damaligen stellvertretenden Direktor des Pekinger Büros für Gemeindeplanung, der an dem Treffen teilnahm, luden die drei Männer, die das Büro 610 leiteten, 1999 mehr als 3.000 Beamte in die Große Halle des Volkes in die Hauptstadt ein, um die Kampagne gegen Falun Gong, die zu dem damaligen Zeitpunkt nicht gut lief, zu diskutieren. Demonstrationen setzten sich in der Hauptstadt fort. Li Lanqing, Leiter des Büros 610, verkündete mündlich die neue Politik der Regierung gegenüber der Bewegung: „Zerstört ihren Ruf, ruiniert sie finanziell, vernichtet sie physisch.“ Es scheint so, als ob die in Polizeigewahrsam Verstorbenen erst nach diesem Treffen als Fälle von Selbstmord verzeichnet wurden.

Uns wurde von Falun Gong-Praktizierenden in Kanada vorgetragen, dass vielen ihrer Mitglieder in China in diversen Regionen von dazu ermächtigten Beamten erzählt wurde, dass der „Tod von Falun Gong-Mitgliedern als Selbstmord zählt und sie sofort verbrannt werden“.

3. Aufstacheln zum Hass

Die Falun Gong-Praktizierenden in China werden des Menschseins in Wort und Tat beraubt. Politische Anweisungen stimmen mit der Aufhetzung der gesamten Bevölkerung überein, um die politische Verfolgung zu rechtfertigen, Menschen zur Teilnahme anzustiften und eine Opposition zu verhindern. Gegen eine bestimmte Gruppe gerichtet, wurde diese Art von Vokabular sowohl der Vorbote und als auch das Kennzeichen von groben Menschenrechtsverletzungen, gerichtet gegen die Gruppe.

Gemäß Amnesty International bedient sich die chinesische Regierung dreier Strategien, um Falun Gong zu zerschlagen: Gewalt gegen Praktizierende, die sich weigern, ihren Glauben aufzugeben; „Gehirnwäsche“, um alle bekannten Praktizierenden zu zwingen, Falun Gong zu
verlassen und aufzugeben; und eine noch effektivere Medienkampagne, um die Meinung der Öffentlichkeit gegen Falun Gong zu richten.3

Die Medienkampagne hat ein Ereignis vom 23. Januar 2001 groß herausgebracht, als sich fünf Personen, einschließlich eines 12-jährigen Mädchens und dessen Mutter, die die Regierung als Falun Gong-Praktizierende bezeichnete, auf dem Platz des Himmlischen Friedens anzündeten – so wurde es behauptet. Die staatseigenen Medien sendeten wiederholt schockierende Bilder vom brennenden Körper des Mädchens und Materialien, die das Ziel verfolgten, die Gruppe nach dem Vorfall in Verruf zu bringen. Berichten zufolge hatte dies eine Änderung der öffentlichen Meinung zur Folge. Es gibt erhebliche Bedenken, ob der ganze Vorfall nicht in Wirklichkeit von den Behörden inszeniert wurde.

Aufstacheln zum Hass ist nicht spezifisch genug, um die Form zu zeigen, in der die Verfolgung abläuft. Aber es fördert alle und jede gewalttätigen Übergriffe. Ohne diese Art von Hass-Propaganda wäre es schwer, sich alle diese Anschuldigungen vorzustellen, von denen wir hörten, sie seien wahr. Erst mit dem Existieren dieser Form von Aufhetzung hört die Tatsache, dass sich Menschen an einem solchen Verhalten gegenüber Falun Gong beteiligen – ihre Organe rauben und sie im Verlauf dieses Prozesses töten – auf, unwahrscheinlich zu sein.

4. Umfassende Verhaftungen

Trotz der Medienkampagne reisten Hunderttausende von Männern und Frauen nach Peking, um zu protestieren oder Transparente hochzuhalten und sprachen sich fast täglich für die Legalisierung der Gruppe aus.4 Die Autorin Jennifer Zeng aus Peking, die jetzt in Australien lebt, bestätigt, dass sie in den Besitz von geheimen Informationen gelangte, aus denen hervorgeht, dass bis Ende April 2001 etwa 830.000 Falun Gong-Anhänger verhaftet wurden.

Eine große Anzahl von Falun Gong-Anhängern, auf unbestimmte Zeit in willkürlicher, geheimer Haft festgehalten, ist allein kein Beweis für die Anschuldigungen. Aber das Gegenteil, nämlich das Fehlen eines solchen Pools von Häftlingen, würde die Behauptungen unterminieren. Eine extrem große Gruppe von Menschen, den Launen und der Macht des Staates unterworfen, ohne die Möglichkeit irgendeiner Form des Schutzes ihrer Rechte, liefert eine potentielle Quelle für den Organraub ohne Einwilligung.

5. Unterdrückung

Die Verfolgung von Falun Gong beinhaltet auch Präsident Jiangs Bildung einer Spezialeinheit, des Büros 610 5 6, in jeder Provinz, Stadt, Landkreis, Universität, Regierungsdienststelle und staatseigenem Betrieb, als Sturmspitze für diesen Angriff . Jiang gab diesem Büro den Auftrag, Falun Gong „auszulöschen“.6 Dies schloss die Einweisung Abertausender von Praktizierenden in Gefängnisse und Arbeitslager Anfang Sommer 1999 mit ein. Der Länderbericht des US-Außenministeriums von 2005 über China7 zeigt zum Beispiel, dass Hunderte von Internierungslagern unter der Leitung der Polizei stehen, von denen allein 340 Lager für die ‘Umerziehung durch Arbeit’ eine Kapazität von 300.000 Personen aufweisen. Der Bericht besagt ebenfalls, dass die Anzahl der Falun Gong-Praktizierenden, die in Haft starben, bei schätzungsweise einigen Hundert bis einigen Tausend liegt.

Der UN-Sonderberichterstatter für den neuen Bericht8 über Folter vermerkte:

„Seit 2000 haben der Sonderberichterstatter und seine Vorgänger der chinesischen Regierung 314 Fälle von Folter gemeldet, die wohl mehr als 1.160 Personen betreffen.“ Und: „Außerdem soll erwähnt werden, dass ein im Jahr 2003 berichteter Fall (E/CN.4/2003/68/Add.1para. 301) detaillierte Angaben zu Misshandlung und Folter von Tausenden von Falun Gong-Praktizierenden machte.“

Des Weiteren verweist der Bericht darauf, dass 66% der Opfer von Folter und Misshandlung Falun Gong-Praktizierende waren; bei den übrigen Opfern handelte es sich um Uighuren (11%), Prostituierte (8%), Tibeter (6%), Menschenrechtsverteidiger (5%), politische Dissidenten (2%) und andere (HIV-Infizierte beziehungsweise AIDS-Kranke und Mitglieder religiöser Gruppen 2%).

Allen Kreisverwaltungen wurde unbegrenzte Amtsbefugnis erteilt, um im Jahr 1999 und danach Pekings Anweisungen durchzusetzen. Dies umfasste auch viele künstlich inszenierte Versuche, um Chinas Bevölkerung zu zeigen, dass Praktizierende Selbstmord durch Selbstverbrennung begehen, Familienmitglieder töten und verstümmeln und medizinische Behandlung ablehnen. Im Laufe der Zeit hatte diese Kampagne den gewünschten Effekt, und viele, wenn nicht sogar die meisten Chinesen, akzeptierten schließlich die Sichtweise der KPC in Bezug auf Falun Gong. Erst Ende 1999 verabschiedete der Nationale Volkskongress neue Gesetze, die sich rückwirkend gegen Falun Gong richten und vorgeben, eine lange Liste illegaler Aktionen gegen Falun Gong-Praktizierende zu legalisieren.

Ein Bericht des Büros der Washington Post in Peking zwei Sommer später (am 5. August 2001)9, veranschaulicht die Härte der anhaltenden, gegen Falun Gong-Praktizierende angewandten Methoden des Büros 610 und anderer Behörden:

„Auf einer Polizeistation im Westen Pekings musste sich Ouyang ausziehen und wurde fünf Stunden lang verhört. ‚Wenn ich nicht die richtige Antwort gab, also nicht ’ja’ sagte, schockten sie mich mit dem Elektrostab’, sagte er. Danach wurde er in ein Arbeitslager in einem westlichen Vorort von Peking gebracht, wo ihn die Wärter zwangen, mit dem Gesicht zur Wand zu stehen. Wenn er sich bewegte, schockten sie ihn. Wenn er vor Müdigkeit hinfiel, schockten sie ihn …“

„Er wurde (später) vor eine Gruppe von Falun Gong-Mithäftlingen gebracht und lehnte die Gruppe wieder ab, sobald die Videokameras liefen. Ouyang verließ das Gefängnis und durchlief die verschiedenen Stufen von Gehirnwäsche. Nach 20 Tagen mit jeweils 16 Stunden der Diskussion über Falun Gong ‚stieg er auf’. ’Der Druck auf mich war und ist immer noch unglaublich’, sagte er. ‚In den letzten zwei Jahren habe ich das Schlimmste gesehen, dessen ein Mensch fähig ist. Wir sind wirklich die schlimmsten Tiere auf Erden.´“

Ownby verwies darauf, dass Menschenrechtsorganisationen

„einstimmig Chinas brutale Kampagne gegen Falun Gong verurteilt haben und viele Regierungen auf der ganzen Welt einschließlich der kanadischen haben ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht.“ Er zitierte den Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2000, der angab, dass 77 Falun Gong-Praktizierende „unter Bewachung oder kurz nach ihrer Freilassung seit Beginn der Unterdrückung im Juli 1999 unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen.“2

6. Die nicht identifizierten und die verschwundenen Personen

Obwohl die Festnahmen von Falun Gong in gewisser Weise die übliche chinesische Unterdrückung darstellten, deren unglückliche Opfer Falun Gong war, wiesen die Verhaftungen von Falun Gong-Praktizierenden trotzdem ein ungewöhnliches Merkmal auf. Falun Gong-Praktizierende, die zum Platz des Himmlischen Friedens nach Peking kamen, um zu protestieren oder zu appellieren, wurden verhaftet. Diejenigen, die gegenüber denen, die sie festgenommen hatten, ihre Identität preisgaben, wurden an ihren Wohnort zurückgebracht. Ihre Familien wurden mit einbezogen und unter Druck gesetzt, um die Praktizierenden dazu zu bringen, Falun Gong aufzugeben. Ihre Vorgesetzten am Arbeitsplatz, ihre Kollegen und die Vorgesetzten ihrer lokalen Behörden wurden mit dafür verantwortlich gemacht und dafür bestraft, dass diese Personen nach Peking gingen, um zu appellieren beziehungsweise zu protestieren.

Um ihre eigenen Familien zu schützen und eine feindselige Haltung der Menschen an ihrem Wohnort zu vermeiden, lehnten es viele inhaftierte Falun Gong-Praktizierende ab, sich zu identifizieren. Das Resultat war, dass auch die Behörden ihre Identität nicht kannten. Und niemand, der sie kannte, wusste, wo sie waren.

Obwohl die Weigerung, die Identität bekannt zu geben, dazu diente, andere zu schützen, hatte dies möglicherweise auch einen gegenteiligen Effekt. Denn es ist leichter, eine Person schlecht zu behandeln, wenn der Familie ihr Aufenthaltsort unbekannt ist, als wenn die Familie davon weiß. Diese Bevölkerungsgruppe wird selbst für chinesische Verhältnisse auffallend wenig in Schutz genommen.

Diese Bevölkerungsgruppe der nicht-identifizierten Personen wurde besonders schlecht behandelt und auch ohne Angabe von Gründen innerhalb des chinesischen Gefängnissystems von einer Haftanstalt zur nächsten gebracht.

War das die Bevölkerungsgruppe, die zur Quelle der Falun Gong-Praktizierenden entnommenen Organe wurde? Offensichtlich kann ihre Existenz allein dies noch nicht bestätigen. Aber die Existenz dieser Gruppe ist eine gute Erklärung für die Quelle der entnommenen Organe, wenn die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen. Mitglieder dieser Gruppe könnten verschwinden, ohne dass irgendjemand außerhalb des Gefängnissystems etwas davon erführe. Informationen über diese Bevölkerungsgruppe der nicht-identifizierten Personen befinden sich im Anhang zu diesem Bericht.

Tatsächlich werden viele Falun Gong-Praktizierende vermisst. Ein Anhang zu diesem Bericht zeigt den Beweis für ihr Verschwinden. Wenn alle Falun Gong-Praktizierenden anwesend wären und man sie zählen könnte, dann wären die Anschuldigungen, denen wir uns gegenüber sehen, widerlegt. Aber eine Person kann aus verschiedenen Gründen verschwinden. Das Verschwindenlassen einer Person ist eine Menschenrechtsverletzung, für die China verantwortlich gemacht werden sollte. Aber es ist nicht notwendigerweise diese [Menschenrechts-]Verletzung.

Es gibt allen Grund für die Annahme, dass die chinesische Regierung für das Verschwinden vieler Falun Gong-Praktizierender verantwortlich ist. Dieses Verschwinden beweist nicht die ihr gegenüber gemachten Anschuldigungen. Aber wie viele der anderen Fakten, die wir geprüft haben, stimmen sie mit diesen Anschuldigungen überein.

7. Quellen der Transplantate

Es gibt viel mehr Transplantate als erkennbare Quellen. Wir wissen, dass manche Organe von exekutierten Häftlingen stammen und nur sehr wenige von Familienmitgliedern auf freiwilliger Basis gespendet werden. Die Gesamtzahl der Exekutierten und der freien Spender erreicht auch nicht annähernd die Gesamtzahl der Transplantate, so dass hier riesige Lücken bleiben.

Allein die Anzahl der exekutierten Häftlinge ist nicht bekannt. Wir gehen nur von Schätzungen aus, die im Anhang beigefügt sind. Diese Schätzungen sind im Vergleich zur Anzahl der weltweiten Exekutionen enorm, aber entsprechen nirgends der geschätzten Gesamtzahl an Transplantaten.

Mindestens 98% der Organe für Transplantationen stammen nicht von Spenden von Familienmitgliedern 10. Was zum Beispiel die Nieren anbelangt, so sind nur 227 von 40.393 Transplantaten – ca. 0,6% –, die zwischen 1971 und 2001 in China transplantiert wurden, Spenden von Familienmitgliedern 11. Aus kulturellen Gründen stellen Chinesen ihre Organe nach ihrem Tod nur ungern als Spende zur Verfügung. Es gibt in China noch kein organisiertes System von Organspenden. 12 10

Die chinesische Regierung gab die Verwendung von Organen exekutierter Häftlinge nur für das letzte Jahr zu 13 14, obwohl dies viele Jahre lang statt fand. Für das Regime gab es keine Hindernisse, die Organe von „Feinden des Staates“ zu vermarkten.

Nach Angaben von AI 15 lag der Jahresdurchschnitt der hingerichteten Häftlinge zwischen 1995 und 1999 bei 1.680. Zwischen 2000 und 2005 lag er bei 1.616. Die Zahlen variierten von Jahr zu Jahr, aber der Gesamtdurchschnitt aus der Zeit von vor und nach der Verfolgung von Falun Gong bleibt gleich. Exekutionen können nicht die steigende Anzahl an Organtransplantationen seit Beginn der Verfolgung von Falun Gong erklären.

Öffentlichen Berichten zufolge gab es in China bis 1999 insgesamt etwa 30.000 16 Transplantationen und etwa 18.500 16 17 in den sechs Jahren zwischen 1994 und 1999. Professor Bingyi Shi, Vizepräsident der Chinesischen Medizinischen Organtransplantationsgesellschaft, nennt die Gesamtzahl von etwa 90.000 18 bis 2005; damit verbleiben noch 60.000 in den sechs Jahren von 2000 bis 2005, seit Beginn der Verfolgung von Falun Gong.

Die anderen identifizierten Quellen für Organtransplantate wie spenderwillige Familienmitglieder und Gehirntote waren schon immer gering. Im Jahr 2005 lag der familienbezogene Anteil der Nierentransplantationen bei 0,5 % der gesamten landesweiten Transplantationen 19. Die Anzahl von Gehirntoten als Organspender in ganz China und in allen Jahren bis zum März 2006 beträgt 9 Personen 19 20. Es gibt keine Anzeichen für einen signifikanten Anstieg einer dieser Kategorien in den vergangenen Jahren. Es ist anzunehmen, dass die identifizierten Quellen für Organtransplantate, die für eine Summe von 18.500 Organtransplantaten in der Sechs-Jahres-Periode der Jahre 1994 bis 1999 stehen, dieselbe Zahl an Organtransplantaten in der nächsten Sechs-Jahres-Periode von 2000 bis 2005 geliefert haben. Das bedeutet, dass die Herkunft von 41.500 Transplantaten für die Sechs-Jahres-Periode von 2000 bis 2005 ungeklärt bleibt.

Woher kommen die Organe für diese 41.500 durchgeführten Transplantationen? Die Anschuldigung des Organraubes an Falun Gong-Praktizierenden bietet uns eine Antwort.

Noch einmal, diese Art Lücke in den Zahlen beweist noch nicht, dass die Anschuldigung des Organraubes an Falun Gong-Praktizierenden wahr ist. Andersherum, eine vollständige Erklärung aller Quellen der Organtransplantationen würde die Anschuldigung widerlegen. Falls die Spuren für alle Organtransplantationen entweder zu den freiwilligen Spendern oder zu den hingerichteten Gefangenen zurückgeführt werden könnten, dann würde sich die Anschuldigung betreffend Falun Gong nicht bestätigen. Aber diese Rückverfolgung ist nicht möglich.

Schätzungen über die Anzahl an Hinrichtungen in China liegen oft weit höher als die Zahlen, die auf öffentlich zugänglichen Angaben über Hinrichtungen beruhen. Es gibt keine offizielle Gesamt-Statistik über Hinrichtungen, daher kann man die Höhe nur schätzen.

Eine Technik, die einige von denjenigen verwendet haben, die die Zahl der Hinrichtungen geschätzten, ist die [Orientierung an der] Anzahl der Transplantationsoperationen. Weil bekannt ist, dass zumindest einige Transplantate von hingerichteten Gefangenen stammen und dass es weit weniger Spender aus Familien gibt, haben einige Untersucher aus der Zahl der gestiegenen Transplantationen auf eine höhere Anzahl an Hinrichtungen geschlossen.

Diese Schlussfolgerung ist nicht überzeugend. Man kann die Anzahl der Exekutionen nicht über die Anzahl der Transplantationen schätzen, es sei denn, Exekutionen wären die einzige Quelle für Transplantate. Jedoch sind Falun Gong-Praktizierende eine weitere vermutete Quelle. Es ist unmöglich, den Schluss zu ziehen, dass diese Praktizierenden wegen der Anzahl der Exekutionen nicht eine Quelle von Organen für Transplantationen darstellen, wobei die Anzahl der Hinrichtungen von der Zahl der Transplantationen abgeleitet ist.

Vor 1999 scheint es in ganz China nur 22 21 Lebertransplantationszentren gegeben zu haben, während Mitte April 2006 22 12 500 gezählt wurden. Die Anzahl der Lebertransplantationen betrug in ganz China im Jahr 1998 135 11, dem stehen mehr als 4.000 18 allein im Jahr 2005 gegenüber. Bezüglich Nieren ist das Verhältnis ebenfalls bemerkenswert (3.596 11 Transplantationen 1998 und fast 10.000 18 in 2005).

Der Anstieg der Organtransplantationen verläuft parallel zu der Ausweitung der Verfolgung von Falun Gong. Dieser parallele Anstieg an sich beweist nicht die Anschuldigung. Aber er stimmt mit der Anschuldigung überein. Falls die Parallele nicht existieren würde, würde die hypothetische Nicht-Existenz die Anschuldigung untergraben.

8. Blutuntersuchungen

Wir wissen, dass bei inhaftierten Falun Gong-Praktizierenden systematisch Blutuntersuchungen durchgeführt werden. Wir haben eine solch große Anzahl von Zeugenaussagen, dass es nicht den geringsten Zweifel an der Existenz solcher Untersuchungen gibt. Warum werden sie durchgeführt?

Den Praktizierenden selber wird nichts gesagt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Proben einem Gesundheitszweck dienen. Zum einen ist es unnötig, zum Zwecke der Gesundheitsvorsorge das Blut der Menschen systematisch zu testen. Zum anderen wird die Gesundheit der Falun Gong-Gefangenen auf so vielfache Weise missachtet. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Behörden Blutproben als vorbeugende Gesundheitsmaßnahme durchführen.

Blutproben sind eine Vorbedingung für Organtransplantationen. Spender und Empfänger müssen auf einander abgestimmt werden, so dass die Antikörper des Empfängers nicht das Organ des Spenders abstoßen.

Die bloße Tatsache der Durchführung von Blutuntersuchungen beweist noch nicht den Organraub an Falun Gong-Praktizierenden. Aber der Umkehrschluss ist wahr. Wenn es keine Bluttests gäbe, wäre die Anschuldigung widerlegt. Durch die weitverbreitete Praxis der Durchführung von Bluttests an gefangenen Falun Gong-Praktizierenden scheidet diese Möglichkeit der Widerlegung aus.

9. Fehlende Organe bei Leichnamen

Etliche Familienangehörige von in Gefangenschaft gestorbenen Falun Gong-Praktizierenden berichteten, dass sie die Leichname ihrer Angehörigen sahen, an denen chirurgische Einschnitte sichtbar waren und an denen Körperteile fehlten. Die Behörden gaben keine plausible Erklärung für die entstellten Leichname. Die Beweise für die verstümmelten Leichname sind im Anhang dieses Berichtes aufgeführt.

Uns liegen hier nur einige Fälle von solchen verstümmelten Leichen vor; wir haben keine offizielle Erklärung, warum sie verstümmelt waren. Ihre Verstümmelung deckt sich mit dem Organraub. Wir können noch nicht einmal vermuten, warum diese Leichen sonst so verstümmelt wurden und wofür Körperteile entfernt wurden.

10. Ein Geständnis

Wir trafen eine Zeugin, die aussagte, dass ihr Ehemann, ein Chirurg, ihr erzählte, dass er persönlich die Augenhornhaut von etwa 2.000 anästhesierten Falun Gong-Gefangenen in Nordost-China während der 2 Jahre vor 2003 entfernt habe, danach verweigerte er die Fortsetzung seiner Arbeit. Der Chirurg machte seiner Frau klar, dass keiner der „Hornhautspender“ den Eingriff überlebt habe, weil andere Chirurgen gleichzeitig andere lebenswichtige Organe entfernten und alle Körper danach verbrannt wurden. Die Frau ist keine Falun Gong-Praktizierende.

Dieses Geständnis stammt aus zweiter Hand. Die Frau gesteht nicht etwas, was sie selber getan hat. Stattdessen berichtet sie über ein fürchterliches Geständnis ihres Ehemannes.

Die Aussage der Zeugin muss auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüft werden; dies wird in diesem Bericht an anderer Stelle geschehen. Hier können wir jetzt sagen, sollte sie glaubhaft sein, wäre die Anschuldigung allein dadurch bereits begründet.

11. Eingeständnisse

Einer von uns hat sich zusammen mit einem beglaubigten Mandarin/Englisch-Dolmetscher im Namen der Falun Gong-Gemeinschaften in Kanada und USA die zuvor zitierten Aufzeichnungen von Telefongesprächen zwischen offiziellen Stellen und Anrufern angehört. Beglaubigte Kopien der relevanten Aufnahmen in Mandarin und Englisch wurden uns überlassen. Die Korrektheit der Übersetzungen der Teile, die für diesen Bericht verwendet wurden, wurde von einem beglaubigten Dolmetscher der Regierung von Ontario, Herrn. C.Y., bestätigt. Er bestätigte, dass er die Aufzeichnungen der Gespräche, die in diesem Bericht erwähnt werden, mitgehört sowie die Protokolle in Mandarin und in der englischen Übersetzung gelesen hat und dass die Protokolle korrekt und die Übersetzungen richtig sind. Die Originalaufnahmen der Telefongespräche werden außerdem weiterhin zur Verfügung stehen. Einer von uns traf sich am 27. Mai mit zweien der Anrufer in Toronto, um die Vorgehensweise, den Zeitablauf, die Aufnahmen und die Korrektheit der Übersetzungen aus Mandarin ins Englische und andere Merkmale der Anrufe zu besprechen.

Eine der Anruferinnen, „Frau M“, die ihre Identität nicht preisgeben möchte, um ihre noch in China lebenden Familienangehörigen nicht zu gefährden (im Folgenden als „M“ bezeichnet), sagte einem von uns, dass es ihr Anfang März 2006 gelungen sei, zum Büro für Öffentliche Sicherheit in Shanxi zu gehen. Ihr Ansprechpartner dort sagte ihr, dass unter den Gefängnisinsassen gesunde und junge Gefangene als Organspender ausgewählt würden. Falls die Kandidaten nicht überlistet werden könnten, die für erfolgreiche Transplantationen notwendigen Blutproben zu geben, so sagte der Beamte mit argloser Offenheit, würden die Beamten des Büros die Proben gewaltsam entnehmen.

Am 18. oder 19. März 2006 sprach M mit einem Vertreter der Augenabteilung des Militärkrankenhauses der Volksbefreiungsarmee in Shenyang in Nordost-China. Es gelang ihr allerdings nicht, dieses Protokoll vollständig aufzunehmen. Laut ihren Aufzeichnungen sagte die Person, die sich selbst als Chefarzt der Abteilung identifizierte, dass das Krankenhaus „viele Augenhornhaut-Operationen“ durchgeführt habe und dass „wir auch frische Augenhornhäute haben“. Auf die Frage, wie dies zu verstehen sei, antwortete der Chefarzt: „…soeben aus dem Körper entfernt.“

Im Militärkrankenhaus 301 in Peking ergänzte im April 2006 eine Chirurgin, die zu M sagte, dass sie selber Lebertransplantationen durchführe, die Herkunft der Organe sei „Staatsgeheimnis“ und man werde „von der Durchführung solcher Operationen disqualifiziert“, sollte man die Quelle aufdecken.

Die zweite Ermittlerin von der Weltorganisation zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong (WOIPFG) führte die Anrufe vom Festland der Vereinigten Staaten aus (im Folgenden als „N“ bezeichnet). N telefonierte mit ungefähr 30 Krankenhäusern, Haftanstalten und Justizbehörden in ganz China und nahm Teile auf Tonband auf, in denen zugegeben wurde, dass die Organe von Falun Gong-Praktizierenden verwendet würden. Ihre Methoden, Übersetzungen und so weiter wurden von einem von uns protokolliert, der sich mit ihr am 27. Mai in Toronto traf, wobei praktisch genauso vorgegangen wurde wie bei M und dies deshalb von uns beiden als korrekte Darstellung der Gespräche am Telefon akzeptiert wurde. Die Niederschriften ihrer aufgezeichneten Telefongespräche wurden von demselben beglaubigten Dolmetscher bearbeitet.

Eingeständnisse von Krankenhäusern und Haftanstalten während der Telefongespräche
ORGANE VON FALUN GONG-PRAKTIZIERENDEN SIND NOCH IMMER LEICHT VERFÜGBAR

Eingeständnisse der Mishan Haftanstalt:

Am 8. Juni 2006 gab ein Beamter der Mishan Haftanstalt in der Provinz Heilongjiang zu, dass die Anstalt mindestens fünf oder sechs männliche Falun Gong-Praktizierende im Alter von unter 40 Jahren als Organlieferanten verfügbar habe. Herr Li, Mitarbeiter der Anstalt, gab auch Einzelheiten darüber preis, wie bei der Auswahl der Falun Gong- Praktizierenden als Organlieferanten für Krankenhäuser vorgegangen wird:

  1. Die spezielle Haftanstalt wählte zu der Zeit die Organlieferanten aus, nicht das Krankenhaus.
  2. Der Leiter der Haftanstalt namens Cui war zum Zeitpunkt des Gespräches die zuständige Kontaktperson für Organlieferanten.
  3. Blut wird den Gefangenen entnommen, die als Organlieferanten ausgewählt wurden; diese Gefangenen kennen den Zweck der Blutproben nicht.
  4. Die Haftanstalt wendet unterschiedliche Methoden an, um Blutproben von widerspenstigen „Spendern“ zu erhalten.

Zhongshan Krankenhaus in Shanghai:

Mitte März dieses Jahres sagte ein Arzt des Krankenhauses, alle [dort transplantierten] Organe würden von Falun Gong-Praktizierenden stammen.

Qianfoshan Krankenhaus in Shandong:

Im März deutete ein Arzt dieses Krankenhauses an, dass ihm zu jenem Zeitpunkt Organe von Falun Gong-Praktizierenden zur Verfügung stünden; er fügte hinzu, dass es im April „mehr dieser Sorte von Körpern …“ geben werde.

Minzu Krankenhaus in der Stadt Nanning:

Dr. Lu von diesem Krankenhaus sagte im Mai, dass keine Organe von Falun Gong- Praktizierenden verfügbar seien und schlug vor, in Guangzhou anzurufen, um welche zu erhalten. Er gab auch zu, früher in Gefängnisse gegangen zu sein, um gesunde Falun Gong-Praktizierende im Alter von rund 30 Jahren auszuwählen und ihre Organe anzubieten.

Medizinische Universität Zhengzhou in der Provinz Henan:

Dr. Wang von diesem Zentrum stimmte Mitte März dieses Jahres zu, dass „wir alle jungen und gesunden Nieren auswählen …“

Militärkrankenhaus des Bezirks Guangzhou:

Dr. Zhou von diesem Krankenhaus sagte im April dieses Jahres, sie hätten einige Nieren des Typs B von Falun Gong [-Praktizierenden], dass sie aber vor dem 1. Mai „mehrere Lieferungen“ bekommen würden, aber möglicherweise bis zum 20. Mai oder danach keine mehr.

Zentrum des Ostens für Organtransplantationen:

Mitte März dieses Jahres sagte der Chefarzt Song unaufgefordert, dass das Krankenhaus mehr als zehn „schlagende Herzen“ habe. Die Anruferin fragte, ob dies „lebende Körper“ seien und Song antwortete: „Ja, so ist es.“

Tongji Krankenhaus der Stadt Wuhan:

Zwei Wochen später meinte ein Angestellter des Krankenhauses zu der Anruferin: „Es ist kein Problem“ für seine Einrichtung, als die Anruferin sagte: „…wir hoffen, dass die Organspender am Leben sind. Wir suchen nach Organen von lebenden Gefangenen, zum Beispiel lebende Körper von Gefangenen, die Falun Gong praktizieren. Ist das möglich?“

Haftanstalten und Gerichte:

Erste Haftanstalt der Stadt Qinhuangdao:

Mitte Mai dieses Jahres sagte ein Beamter dieses Zentrums der Anruferin, sie solle beim Mittleren Volksgericht anrufen, um Nieren von Falun Gong [-Praktizierenden] zu erhalten.

Mittleres Volksgericht von Qinhuangdao:

Am selben Tag sagte ein Angestellter des Mittleren Volksgerichtes, sie hätten keine Nieren von lebenden Falun Gong-Praktizierenden, aber in der Vergangenheit, insbesondere im Jahr 2001, hätten sie welche gehabt.

Erstes Strafgericht des Volksgerichtes in Jinzhou:

Im Mai dieses Jahres sagte ein Beamter dieses Gerichtes der Anruferin, der Zugang zu Nieren von Falun Gong-Praktizierenden hinge gegenwärtig von der „Eignung“ der Organsuchenden ab.

Auf der nachstehenden Landkarte von China sind die Regionen markiert, in denen Angestellte von Haftanstalten oder Krankenhäusern den telefonischen Ermittlern gegenüber Eingeständnisse machten:


Die meisten Auszüge der aufgezeichneten Telefonanrufe sind als Anhang beigefügt. Zur Veranschaulichung folgen Auszüge von drei mitgeschnittenen Telefongesprächen:

(1) Haftzentrum der Stadt Mijian, Provinz Heilongjiang (8. Juni 2006):

M: Haben Sie [Organ-] Spender, die Falun Gong-Praktizierende sind? …

Li: Normalerweise ja.

M: … wie ist es jetzt?

Li: … Ja.

M: Können wir sie selbst auswählen, oder versorgen Sie uns direkt?

Li: Wir werden sie für Sie besorgen.

M: Wie ist es mit dem Preis?

Li: Das besprechen wir, wenn Sie hier sind.

M: … Wie viele Falun Gong-Praktizierende haben Sie als Spender, die unter 40 Jahre alt sind?

Li: Ziemlich viele.

M: Sind es Männer oder Frauen?

Li: Männer.

M: Gut, wegen … der männlichen gefangenen Falun Gong-Praktizierenden, wie viele haben Sie?

Li: Sieben, acht, mindestens haben wir fünf oder sechs.

M: Kommen sie vom Land oder aus der Stadt?

Li: Vom Land.

(2) Minzu Krankenhaus der Stadt Nanning in der Autonomen Region Guangxi (22. Mai 2006):

M: Können Sie Organe von inhaftierten Falun Gong-Praktizierenden besorgen?

Lu: Lassen Sie mich Ihnen sagen, wir haben keine Möglichkeit, sie zu bekommen. In Guangxi ist das jetzt eher schwierig. Wenn Sie nicht warten können, schlage ich Ihnen vor, nach Guangzhou zu gehen, weil es dort sehr einfach ist, Organe zu erhalten. Dort ist man in der Lage, landesweit zu suchen. Wenn dort eine Lebertransplantation durchgeführt wird, kann man Ihnen gleichzeitig eine Niere besorgen, deshalb ist es sehr einfach. Viele wenden sich dorthin, wenn sie keinen Vorrat mehr haben …

M: Warum ist es für sie einfach, welche zu bekommen?

Lu: Weil das eine wichtige Einrichtung ist. Sie kontaktieren das Justiz-System im Namen der ganzen Universität.

M: Dann verwenden sie Organe von Falun Gong-Praktizierenden?

Lu: Richtig …

M: … welche haben Sie vorher verwendet, stammten sie von Strafanstalten und Gefängnissen?

Lu: Von Gefängnissen.

M: …und sie stammten von gesunden Falun Gong-Praktizierenden …?

Lu: Richtig. Wir wählen die Guten aus, um die Qualität unserer Operationen zu gewährleisten.

M: Das bedeutet, Sie wählen die Organe selbst aus.

Lu: Richtig …

M: Wie alt sind die Organspender normalerweise?

Lu: Normalerweise zwischen 30 und 40.

M: … Dann gehen Sie in die Gefängnisse, um sie selbst auszuwählen?

Lu: Richtig. Wir müssen sie auswählen.

M: Was ist, wenn sich die Ausgewählten kein Blut abnehmen lassen wollen?

Lu: Sie werden uns das sicher machen lassen.

M: Wie?

Lu: Die werden sicher einen Weg finden. Worüber machen Sie sich Gedanken? Über diese Dinge sollten Sie sich keine Gedanken machen. Die haben ihre Methoden.

M: Weiß die Person, dass ihr ein Organ entnommen werden wird?

Lu: Nein, das weiß sie nicht.

(3) Organtransplantationszentrum des Ostens (auch Zentralhospital der Stadt Tianjin genannt), Stadt Tianjin (15. März 2006):

N: Spreche ich mit Chefarzt Song?

Song: Ja, bitte sprechen Sie.

N: Ihr Arzt sagte ihr, dass die Niere recht gut sei, weil (der Spender) Falun Gong praktiziere.“

Song: Natürlich. Alle, die wir haben, atmen und die Herzen schlagen … Bisher haben wir in diesem Jahr mehr als zehn Nieren, mehr als zehn von solchen Nieren.

N: Mehr als zehn dieser Nieren? Meinen Sie lebende Körper?

Song: Ja, so ist es.

12. Wartezeiten

Die Webseiten der Hospitäler in China werben mit kurzen Wartezeiten für Organtransplanta-tionen. Transplantationen von Spendern, die schon lange tot sind, können aufgrund des Organverfalls nach dem Tod nicht verwendet werden. Wenn wir die Werbung der Hospitäler für bare Münze nehmen, teilen sie uns mit, dass es eine Anzahl von Menschen gibt, die jetzt noch leben und die geradezu auf Nachfrage als Quellen für Organe zur Verfügung stehen.

In China scheinen die Wartezeiten für Empfänger von Organtransplantationen wesentlich kürzer zu sein als üblich. Auf der Webseite des Internationalen Chinesischen Transplantations-Betreuungszentrums heißt es: „In nur einer Woche finden wir einen passenden (Nieren-) Spender, es dauert höchstens einen Monat …“ 23. Weiter heißt es: „Wenn etwas Unvorhergesehenes mit dem Organ eines Spenders passiert, hat der Patient die Möglichkeit, dass ihm ein anderer

Organspender angeboten wird und die Operation kann dann in einer Woche erneut stattfinden.“ 24

Auf der Webseite des Transplantationszentrums des Ostens hieß es Anfang April 2006,

„die durchschnittliche Wartezeit (für eine passende Leber) beträgt zwei Wochen.“ 25 Auf der Webseite des Changzheng Hospitals in Shanghai wurde mitgeteilt: „Die durchschnittliche Wartezeit für die Bereitstellung einer Leber beträgt für alle Patienten eine Woche.“ 26

Im Gegensatz dazu betrug die durchschnittliche Wartezeit in Kanada im Jahr 2003 32,5 Monate und in British Columbia [Provinz in Kanada] betrug sie sogar noch länger, nämlich 52,5 Monate 27. Wenn also die Überlebenszeit einer Niere zwischen 24-48 Stunden und die einer Leber bei

ca. 12 Stunden liegt 28, muss es für die chinesischen Transplantationszentren eine riesige Organbank von lebenden Nieren-/Leber-“Spendern“ geben, ansonsten könnten sie ihren Kunden solche kurzen Wartezeiten nicht zusichern. Die erstaunlich kurzen Wartezeiten, mit denen für perfekt passende Organe geworben wird, lässt die Existenz sowohl eines Computer gesteuerten Abgleichsystems vermuten, das die passenden Organe für Transplantationen findet, als auch eine große Bank von potentiellen „Spendern“.

Die Werbung spricht nicht von Falun Gong-Praktizierenden als Quelle der Organe. Jedoch gibt es keine anderen Angaben zur Herkunft der Organe. Selbst wenn es nur eine Behauptung ist, dass Falun Gong-Praktizierende die Quelle dieser Organe sind, ist es der einzige Verdacht, den wir haben. Kein anderer entsprechend großer lebender Personenkreis wurde als Organquelle identifiziert, der so groß ist, dass er die beträchtliche Nachfrage an Transplantaten, die derzeit in China besteht, befriedigen könnte.

13. Belastende Informationen auf Webseiten

Viele Informationen, die auf den Webseiten diverser Transplantationszentren in China vor dem 9. März 2006 zur Verfügung standen (als Anschuldigungen über den großangelegten Organraub in kanadischen und internationalen Medien auftauchten) sind ebenfalls belastend. Verständlicherweise wurde seitdem ein großer Teil dieser Informationen entfernt. Deshalb beziehen sich diese Kommentare nur auf die Webseiten, die immer noch an archivierten Orten aufzufinden sind; die Quellenverzeichnisse sind entweder in den Kommentaren oder als Fußnote gekennzeichnet. Eine überraschende Menge von belastenden Informationen ist in der letzten Juniwoche 2006 immer noch für Webbrowser zu erreichen. Wir führen hier nur vier Beispiele an:

(1) Webseite der Internationalen Transplantationsnetzwerkszentrale China der Stadt
Shenyang (http://en.zoukiishoku.com/) (Stadt Shenyang)

Auf der englischen Version dieser Webseite (die chinesische Version verschwand offenbar nach dem 9. März) wurde am 17. Mai 2006 angegeben, dass das Zentrum im Jahr 2003 beim Ersten Angegliederten Krankenhaus der Medizinischen Universität China „… besonders für Freunde aus dem Ausland“ gegründet wurde und „Die meisten der Patienten kommen aus aller Welt.“ Der Einleitungssatz 29 auf der Titelseite erklärte, dass „Viscera“-Spender (eine Definition aus dem Lexikon: „weiche innere Organe … wie das Gehirn, Lungen, Herz etc.“) umgehend gefunden werden können!“ Auf einer anderen Seite 30 auf der gleichen Webseite befindet sich folgende Aussage: „Die Anzahl der jährlich durchgeführten Nierentransplantationen im ganzen Land beträgt mindestens 5.000. Viele Transplantationen sind der Unterstützung der chinesischen Regierung zu verdanken. Der Oberste Gerichtshof, die Höchste Rechtsprechung – Beamte, die Polizei, die Gesetzgebung, das Ministerium für Gesundheit und die Bürgerverwaltung haben zusammen ein Gesetz auf den Weg gebracht, um sicherzustellen, dass Organspenden von der Regierung unterstützt werden. Dies ist einmalig auf der ganzen Welt.“

In der Rubrik „Fragen und Antworten“ kann man auf der Webseite finden:

„Vor der Transplantation einer lebenden Niere werden wir die Nierenfunktion des Spenders prüfen … Dadurch ist die Sicherheit höher als in anderen Ländern, wo die Organe nicht von einem lebenden Spender stammen.“ 31

F: „Stammen die Transplantate der Bauchspeicheldrüsen von hirntoten Patienten?“

A: „Unsere Organe stammen nicht von hirntoten Opfern, weil der Zustand der Organe unter Umständen nicht gut sein könnte.“ 32

(2) Webseite des Transplantationszentrums des Ostens, Tianjin Stadt (http://www.ootc.net )

Auf einer Seite, die laut unseren Informationen Mitte April geändert wurde, jedoch noch immer im Archiv eingesehen werden kann, findet sich die Behauptung, dass seit „Januar 2005 bis jetzt 647 Lebertransplantationen durchgeführt wurden – 12 davon wurden in dieser Woche durchgeführt.“ Eine Grafik, die auch zur gleichen Zeit entfernt wurde, (im Archiv jedoch noch verfügbar 33) legt dar, dass seit der Anfangsphase im Jahr 1998, als lediglich neun Lebertransplantationen durchgeführt werden konnten, bis 2005 insgesamt 2.248 34 Transplantationen durchgeführt wurden.

Dagegen betrug die Gesamtanzahl aller durchgeführten Transplantationen in Kanada laut dem

kanadischen Organ-Ersatzregister 27 im Jahr 2004 lediglich 1.773.


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(3) Webseite des Zentrums für Lebertransplantationen der Jiaotang Universität, Shanghai (http://www.firsthospital.cn/hospital/index.asp)

Eine Bekanntmachung am 24. April 2006 35 auf der sohu-Webseite besagt in einem Abschnitt: „Die Anzahl der Lebertransplantationen (hier) belief sich im Jahr 2001 auf 17 Fälle, im Jahr 2002 auf 53 Fälle, 2003 auf 105 Fälle, 2004 auf 144 Fälle, 2005 auf 147 Fälle und im Januar 2006 auf 17 Fälle.“

(4) Webseite des Organtransplantationszentrums des Changzheng Krankenhauses, angeschlossen an die Medizinische Militär-Universität Nr. 2 (http://www.transorgan.com/) (Shanghai)

Eine Seite wurde nach dem 9. März 2006 entfernt. (Internet Archivseite steht zur Verfügung 36). Sie enthält die folgende Grafik, die die Zahl der jährlichen Lebertransplantationen in diesem Zentrum darstellt:


In dem Anmeldeformular für eine Lebertransplantation 37 heißt es ganz oben: „…Gegenwärtig kostet eine Lebertransplantation einschließlich der Kosten für die Operation und der Kosten für den Krankenhausaufenthalt insgesamt ungefähr 200.000 Yuan (66.667 kanadische Dollar) und die Wartezeit für eine Leber beträgt für alle Patienten in unserem Krankenhaus eine Woche …“

14. Interviews mit Opfern

Wir führten einige Interviews mit den Opfern der Falun Gong-Unterdrückung in China, die jetzt in Kanada leben. Diese Interviews brachten Aktivitäten der Behörden ans Tageslicht, die einzeln für sich genommen ohne Beweiskraft sind, die wir allerdings im Zusammenhang mit allem anderen als Bestätigung der Anschuldigungen und als in Übereinstimmung mit den Anschuldigungen stehend betrachtet haben.

(1) Frau Yuzhi Wang, Vancouver

Einer von uns traf sich am 27. Mai mit Frau Wang in Toronto. An einem Ort in der Universität von Toronto hörte er ihre tief bewegende persönliche Geschichte. Weil sie als Falun Gong-Praktizierende plötzlich ab Mitte 1999 zu „einem Feind des Volkes“ geworden war, verbrachte sie die meiste Zeit zwischen 2000 und Ende 2001 in Arbeitslagern, eingezwängt mit 20 bis 50 Personen in einer Zelle von ungefähr 15 Quadratmetern. Nachdem sie Ende 2001 aufgrund ihrer Weigerung, ihren Glauben aufzugeben, über einen langen Zeitraum hinweg auf unterschiedliche Weise gefoltert worden war, war sie dem Tode nahe und wurde zur „Behandlung“ ins Krankenhaus gebracht. Diese Behandlung bestand unter anderem aus einer fast drei Monate andauernden Zwangsernährung, nachdem sie aus Verzweiflung in Hungerstreik getreten war, und in weiterer Prügel durch Schläger des Büros 610.

In Harbin wurde Frau Wang in mehreren Krankenhäusern gründlich untersucht; die untersuchenden Ärzte stellten bei ihr Organschäden fest. Als sie später mithörte, wie ein Arzt sagte, dass sie nicht genesen werde, verlor das Personal des Büro 610 „plötzlich das Interesse an mir und ich konnte (schließlich) aus dem Krankenhaus entkommen“. Als sie nach einiger Zeit gesundheitlich wiederhergestellt war, fand sie eine Möglichkeit, in ein Land im Mittleren Osten umzusiedeln, doch selbst dort versuchten sechs bis zehn Agenten, sie zu entführen, weil Frau Wang gegenüber Touristen aus China Jiangs Regime kritisierte. Frau Wang rechnet es den dortigen kanadischen Immigrationsbeamten hoch an, dass sie eingriffen und es ihr ermöglichten, als Flüchtling nach Kanada zu kommen. Sie ist davon überzeugt, dass sie nur überlebte, weil die Leute, die sie in Harbin gefangen genommen hatten, zu dem Schluss kamen, dass sie durch den Verkauf ihrer Organe keinen Gewinn erzielen würden, weil diese nach deren Meinung durch die „Behandlung“ geschädigt wurden.

(2) Herr Xiaohua Wang, Montreal

Beim Treffen am 27. Mai gab Herr Wang einen detaillierten Bericht über seine Verfolgung durch Beamte in den Jahren 2001 und 2002. Es fing damit an, dass er im Institut für Design der Stadt Kunming, wo er als Ingenieur arbeitete, verhaftet wurde. Seine Wohnung wurde durchsucht, sein Computer gestohlen und man brachte ihn ins Gefängnis. Seine Frau und sein zweijähriges Kind konnten nur noch dem abfahrenden Polizeifahrzeug hinterher rufen. Im Gefängnis wurde er auf Anordnung des Wärters von Langzeit-Häftlingen bewusstlos geschlagen. Das ständige Motto des Wärters war: „Schläge sind die einzige Art der Behandlung (von Falun Gong-Praktizierenden).“

Später wurde Herr Wang in das örtliche „Gehirnwäsche-Zentrum“ gebracht. Nach seiner Freilassung floh er ohne seine Familie in eine weit entfernte Region des Landes, wo er Arbeit fand, bis er als ein vom Büro 610 „meist gesuchter Krimineller“ wieder verhaftet wurde. Er landete im Zwangsarbeitslager Nr. 2 von Yunnan, in dem künstliche Edelsteine und Kristalle unter Verwendung von Chromoxyd für den Export hergestellt werden. Weil er sich weigerte, seinen Glauben an Falun Gong aufzugeben, wurde Herr Wang dort fast zwei Jahre lang festgehalten. Sein Haar wurde grau, weil er ständig den Chemikalien ausgesetzt war und einen 16-stündigen Arbeitstag hatte.

Im Januar 2002 nahm das örtliche Krankenhaus eine umfassende Untersuchung des Körpers jedes einzelnen Falun Gong-Praktizierenden vor. Diese bestand aus einem Elektrokardiogramm, Röntgenaufnahmen des gesamten Körpers sowie Leber-, Blut- und Nierentests. Zuvor wurde ihm von der Polizei mitgeteilt: „Die Kommunistische Partei ist sehr besorgt um dich. Sie wollen Falun Gong (-Praktizierende) umerziehen, egal was es kostet.“ Da Herr Wang den vermutlich wahren Grund dieser Untersuchungen nicht kannte, zeigte er sich kooperativ. Auf wundersame Weise schaffte er es schließlich, aus China zu entkommen und Anfang 2005 nach Kanada zu gelangen. Auch er lobte die kanadischen Immigrationsbeamten, weil sie ihn und seine Familie so rasch herausgeholt hatten.

(3) Frau Na Gan, Toronto

Frau Na Gan arbeitete elf Jahre lang, bis Mitte Juli 1999, als Zollbeamtin auf dem internationalen Flughafen von Peking. Dann versuchten sie und fünf weitere Falun Gong-Praktizierende das Recht auf Petition, das jedem Bürger verfassungsmäßig zusteht, an der dafür vorgesehenen Stelle in der Nähe des Hauptquartiers der KPC im Zentrum von Peking zu nutzen. Die Polizei schlug auf die Gruppe ein und zerrte alle Praktizierenden in bereitstehende Busse. Danach wurde Frau Na Gan fünf weitere Male eingekerkert, weil sie sich weigerte, Falun Gong aufzugeben. Obwohl ein Psychiater sie in einem Krankenhaus untersuchte und für geistig gesund erklärte, sperrte die Polizei sie dort acht Tage lang mit schreienden Patienten in einem abgeschlossenen Raum ein. Als sie später ein Transparent mit der Aufschrift „Wahrhaftigkeit – Barmherzigkeit – Nachsicht“ auf dem Platz des Himmlischen Friedens entrollte, wurde sie von der Polizei herumgestoßen. Wieder festgenommen, wurde sie von anderen Gefangenen auf Anordnung der Beamten geschlagen und gezwungen, ohne Mantel stundenlang im Schnee zu stehen.

Im März 2000 brachte ihr der Vorfall mit dem Transparent ein Jahr Hausarrest, Rauswurf aus der Kommunistischen Partei und die Beendigung ihrer Gehaltszahlungen ein. Ende des Jahres war Frau Na Gan wieder in einer von zum größten Teil mit Falun Gong-Anhängern überfüllten Zelle eingesperrt. Als sie sich weigerte, einen Artikel, in dem Falun Gong diffamiert wurde, laut zu lesen, schlug ihr ein Polizist wiederholt auf den Kopf. Als nächstes brachte man sie in das Pekinger Arbeitslager für Frauen, wo die Behandlung so schlimm war, dass sie schließlich die Erklärung unterzeichnete, Falun Gong aufzugeben. Sie schaffte es, China zu verlassen und aus Angst vor weiterer Verfolgung als Immigrantin im Mai 2004 nach Kanada auszureisen, jedoch ohne ihren Mann und ihre Tochter.

Die Beobachtungen von Frau Na Gan in Bezug auf Organraub sind möglicherweise nicht überzeugend. Zahlreiche gefangene Falun Gong-Praktizierende, die zusammen mit ihr in Peking inhaftiert waren – in einigen Zellen waren jeweils bis zu 30 Frauen eingesperrt – wurden nur anhand vierstelliger Zahlen identifiziert. Eines Nachts wurde Frau Na Gan von Geräuschen wach. Am nächsten Morgen sah sie, dass einige der nummerierten Häftlinge aus den Zellen verschwunden waren und nie wieder zurückkehrten. Man kann daraus nicht gleich die schlimmsten Schlüsse ziehen, ohne mehr darüber zu wissen. Ab der Mitte des Jahres 2001 gehörte Frau Na Gan fünf Monate lang zu einer Zwangsarbeitsgruppe. Diese bestand aus etwa 130 gefangenen Falun Gong-Praktizierenden, die meisten von ihnen Frauen. Nur die Personen, die dieser Gruppe von Falun Gong-Praktizierenden angehörten, wurden von Soldaten in das nahegelegene Polizeikrankenhaus zu Blut- und Urinuntersuchungen, Röntgenaufnahmen und Augenuntersuchungen gebracht. Diese medizinische Fürsorge erschien Frau Na Gan damals völlig im Widerspruch zu all dem anderen zu stehen, was sie im Lager erlebte. Erst später erfuhr sie von dem Organraub, der in ganz China stattfindet.

15. Allgemeine Menschenrechtsverletzungen

Falun Gong-Praktizierende sind nicht die einzigen Opfer von Menschenrechtsverletzungen in China. Zweifellos werden zum Tode verurteilten Gefangenen nach der Exekution Organe entnommen.

Neben Falun Gong (-Praktizierenden) sind Tibeter, Christen, Uighuren, demokratische Aktivisten und Verteidiger der Menschenrechte Hauptzielscheibe der Menschenrechtsverletzun-gen. Mechanismen der Rechtsstaatlichkeit, die Menschenrechtsverletzungen verhindern, wie unabhängige Gerichtsbarkeit, die Möglichkeit zu Beratung bei Haft, Haftprüfung und das Recht auf eine öffentliche Verhandlung fehlen in China eklatant. China wird laut seiner Verfassung von der Kommunistischen Partei regiert, es wird nicht vom Gesetz regiert.

Dieses Gesamtbild der Menschenrechtsverletzungen allein ist, wie viele andere Faktoren auch, kein Beweis für die Anschuldigungen. Doch es schließt einen Aspekt für die Widerlegung aus. Es ist unmöglich zu sagen, dass diese Anschuldigungen nicht im Einklang mit dem Gesamtmuster der Menschenrechtsverletzungen in China stehen. Während die Anschuldigungen für sich genommen überraschend sind, überraschen sie weniger bei einem Land, das, wie China, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in dieser Weise mit den Menschenrechten umgeht.

16. Finanzielle Betrachtungen

In China ist die Transplantation von Organen ein profitables Geschäft. Wir können die Gelder verfolgen von Personen, die für Organtransplantationen an bestimmte Krankenhäusern, die Organtransplantationen durchführen, bezahlen, aber mehr können wir nicht tun. Wir wissen nicht, wer das Geld erhält, das bei den Krankenhäusern eingeht. Werden den Ärzten und Krankenschwestern, die an kriminellen Organentnahmen beteiligt sind, für ihre Verbrechen maßlose Summen gezahlt? Dabei handelte es sich um eine Frage, die wir unmöglich beantworten konnten, da uns kein Weg offen stand, in Erfahrung zu bringen, wohin das Geld geflossen ist.

Webseite des „China International Transplantation Network Assistance Centre“ (http://en.zoukiishoku.com) (Stadt Shenyang)

Bevor die Webseite im April 2006, wie angegeben, gelöscht wurde, waren die Preise für Transplantationen in der folgenden Preisliste angegeben:

Niere US-$ 62.000
Leber US-$ 98.000 – 130.000
Leber/Niere US-$ 160.000 – 180.000
Niere/Bauchspeicheldrüse US-$ 150.000
Lunge US-$ 150.000 – 170.000
Herz US-$ 130.000 – 160.000
Augenhornhaut US-$ 30.000

Um Anschuldigungen im Hinblick auf Verbrechen, bei denen Geld im Spiel ist, zu überprüfen, ist eine übliche Methode, den Lauf des Geldes zu verfolgen. Doch im Fall China und seiner verschlossenen Türen ist diese Vorgehensweise nicht möglich. Dass wir nicht wissen, wohin das Geld geht, beweist nichts. Und dadurch wird auch nichts widerlegt, auch nicht die Anschuldigungen.

17. Korruption

Korruption ist ein Hauptproblem in ganz China. Staatliche Institutionen werden manchmal zum Wohle derer geführt, die sie leiten, und nicht zum Wohle des Volkes.

Militärkrankenhäuser im ganzen Land arbeiten unabhängig vom Gesundheitsministerium. Da ihre Angaben in Bezug auf Organtransplantationen geheim sind, gehen wir davon aus, dass die Anzahl der Transplantationen hoch ist. Der Handel mit lebenswichtigen Organen von
Falun Gong-Praktizierenden würde in Einklang stehen mit zahlreichen anderen wirtschaftlichen Aktivitäten der chinesischen Armee, besonders in den Jahren bis 2004, als Jiang Vorsitzender der Militärkommission des Landes war.

Die weit verbreitete Korruption der Beamten der chinesischen Institutionen wirft die Frage auf, ob der Organraub an Falun Gong-Praktizierenden zum Zwecke der Transplantation, wenn er denn stattfindet, als Resultat der offiziellen Politik erfolgt oder aus der Profitmacherei einzelner Krankenhäuser, die die wehrlose Lage von gefangenen Falun Gong-Praktizierenden in ihrer Gegend ausnutzen. Die Politik der Unterdrückung von Falun Gong bedeutet, dass die Falun Gong-Praktizierenden in den Gefängnissen den korrupten Beamten rechtlos ausgeliefert sind. Das Schüren von Hass gegen Falun Gong (-Praktizierende) und ihre Erniedrigung bedeutet, dass sie bedenkenlos abgeschlachtet und getötet werden können von denjenigen, die durch die offizielle Hasspropaganda Gewinn machen.

Für uns ist es schwierig, absolut sicher zu sein, ob die Organentnahme an Falun Gong-Praktizierenden, sofern sie tatsächlich stattfindet, ein Resultat der offiziellen Politik oder der inoffiziellen Korruption ist. Chinesische Beamte, die theoretisch für das Land Sorge tragen, haben manchmal beträchtliche Schwierigkeiten bei ihren Ermittlungen hinsichtlich der Existenz von Korruption, und erst recht, wenn es um Beendigung der Korruption geht. Für uns Außenstehende ist es einfacher, darüber zu einem Schluss zu kommen, ob Organraub stattfindet, als zu entscheiden, ob diese Praktik, sofern sie existiert, das Resultat von Politik oder von Korruption ist.

18. Gesetzgebung

Im März erließ China ein Gesetz, das am 1. Juli in Kraft tritt und den Verkauf von menschlichen Organen verbietet und eine schriftliche Einwilligung der Spender für die Transplantation ihrer Organe fordert. Diese gesetzliche Regelung nennt sich „vorübergehende Vorschrift“. Die Vorschriften begrenzen darüber hinaus die Transplantationschirurgie auf bestimmte Einrichtungen. Diese Einrichtungen müssen überprüfen, ob die Organe aus legalen Quellen stammen. Komitees für Transplantationsethik in Krankenhäusern müssen alle Transplantationen im Vorhinein bewilligen.

Dieses Gesetz ist zu begrüßen. Doch allein schon sein Inkrafttreten unterstreicht die Tatsache, dass es derzeit kein solches Gesetz gibt, die Organtransplantationen zur Zeit im gesetzlosen Raum schweben. Eben diese Gesetzlosigkeit schließt einen weiteren möglichen Aspekt für eine Widerlegung aus, auch wenn sie kein Beweis für die Anschuldigungen ist. Das Nicht-Vorhandensein jeglicher gesetzlicher Einschränkungen in Bezug auf Organtransplantationen in China macht es leichter, die Anschuldigungen, auf die sich dieser Bericht bezieht, zu akzeptieren.

Bis zum 1. Juli war nach chinesischem Recht der Kauf und Verkauf von Organen erlaubt. Das chinesische Recht forderte von den Spendern kein schriftliches Einverständnis für die Transplantation ihrer Organe. Es gab keine Einschränkung für Einrichtungen, die sich an Organentnahme und Transplantationen beteiligten. Bis zum 1. Juli bestand für die Einrichtungen, die sich an Transplantationen beteiligten, keine Verpflichtung zu belegen, dass die zu transplantierenden Organe aus legalen Quellen stammten. Es bestand keine Auflage, dass eine Transplantations-Ethikkommission alle Transplantationen im Vorhinein zu bewilligen hat.

Auch die Tatsache, dass ab dem 1. Juli ein Gesetz in Kraft tritt, bedeutet nicht, dass das Problem, sollte es existieren, nach diesem Datum nicht mehr weiter existieren wird. In China ist es ein großer Schritt zwischen dem Inkrafttreten eines Gesetzes und seiner Anwendung.

Um ein offensichtliches Beispiel zu nennen: Chinas Verfassung von 1982 sieht vor, dass die Bürger China in ein Land mit einem hohen Maß an Demokratie umwandeln. Heute sind 24 Jahre seit Inkrafttreten dieser Verpflichtung zur Demokratie vergangen. Aber China ist weit davon entfernt, demokratisch zu sein.

Die bloße Tatsache, dass China jetzt ein Gesetz zur Organtransplantation hat, bedeutet für sich allein genommen noch nicht, dass das Gesetz auch angewendet wird. Tatsächlich lässt die gesamte Situation bei der Einführung neuer chinesischer Gesetze vermuten, dass die alten Praktiken zur Organtransplantation, wie immer sie sich auch darstellen, zumindest in einigen Gegenden Chinas sehr wahrscheinlich für eine ziemlich lange Zeit weitergeführt werden.

G. Glaubwürdigkeit

Wir kommen zu dem Schluss, dass man den mündlichen Eingeständnissen in den Abschriften der Interviews, die von Ermittlern gemacht wurden, vertrauen kann. Wir haben keinerlei Zweifel daran, dass diese Interviews mit den benannten Personen zum angegebenen Zeitpunkt am angegebenen Ort stattgefunden haben und dass die Übersetzungen exakt das wiedergeben, was gesagt wurde.

Darüber hinaus kann man dem Inhalt der Gespräche Glauben schenken. Zum einen wirkt sich der kürzlich erfolgte internationale Aufruhr bezüglich der angeblichen Organentnahmen auf die Haltung zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking aus. Die Eingeständnisse der verschiedenen Einrichtungen stehen im Gegensatz zu den Bemühungen der chinesischen Regierung, ihren Ruf zu wahren und zu ihrem Versuch, die internationale Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass das weitverbreitete Töten von gefangenen Falun Gong-Praktizierenden wegen ihrer lebenswichtigen Organe nicht stattfinde.

Die Zeugenaussage der Frau des bei dem Organentnahme an Falun Gong-Praktizierenden mitschuldigen Chirurgen war für uns glaubwürdig, teilweise wegen ihrer extremen Detailliertheit. Diese Detailliertheit stellte für uns jedoch auch ein Problem dar, weil sie uns reichlich Informationen lieferte, die unmöglich unabhängig bestätigt werden konnten. Es widerstrebte uns, unsere Ergebnisse nur auf den Informationen einer einzigen Quelle beruhen zu lassen. So haben wir uns schlussendlich nur auf die Aussagen der Zeugin bezogen, die mit anderen Beweisen überein stimmten und durch sie erhärtet wurden; die Zeugenaussage wurde nicht als alleinige Informationsquelle genommen.

Im Verlauf unserer Arbeit trafen wir auf einige Personen, die bezüglich der Anschuldigungen skeptisch waren. Diese Skepsis hat eine Anzahl unterschiedlicher Ursachen. Ein Teil der Skepsis erinnert an eine Aussage aus dem Jahr 1943 von Felix Frankfurter, Richter des Obersten Gerichtshofs der USA, gegenüber einem polnischen Diplomaten als Reaktion auf das, was ihm von Jan Karski über den Holocaust gesagt worden war:

„Ich habe nicht gesagt, dass dieser junge Mann lügt. Ich sagte, dass ich nicht in der Lage bin, zu glauben, was er mir erzählt hat. Das ist ein Unterschied.“

Die hier vorgebrachten Anschuldigungen sind so schockierend, dass es fast unmöglich ist, sie zu glauben. Die Anschuldigungen würden, wenn sie wahr sind, eine groteske Form des Bösen darstellen, die trotz aller Verdorbenheit, die unsere Menschheit gesehen hat, auf diesem Planeten neu ist. Der schlimme Horror lässt uns in Unglauben zurücktaumeln. Aber dieser Unglaube bedeutet nicht, dass die Anschuldigungen unwahr sind.

H. Weitere Nachforschungen

Dieser Bericht ist offensichtlich nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit. Es gibt vieles, das wir selber gerne tun würden, wenn wir die Möglichkeit dazu hätten, bevor wir diesen Bericht abschließen. Aber das würde bedeuten, Wege für Untersuchungen zu verfolgen, die uns jetzt nicht offen stehen. Wir werden jeden Kommentar über den Inhalt oder zusätzliche Informationen willkommen heißen, die Einzelpersonen oder eine Regierung gewillt sind, uns zu geben.

Wir würden gerne Berichte über Transplantationen aus chinesischen Krankenhäusern einsehen. Wurden die Einverständniserklärungen gesammelt? Gibt es Aufzeichnungen über die Herkunft der Organe?

Spender können viele Arten von Transplantations-Operationen überleben, doch niemand kann die Spende einer vollständigen Leber oder eines Herzens überleben. Die Spende einer Niere dagegen endet normalerweise nicht tödlich. Wo sind die Organspender, die überlebt haben? Wir würden gerne Stichproben bei den Organspenden machen, um zu sehen, ob wir die Spender ausfindig machen können.

Familienmitglieder verstorbener Organspender sollten entweder über das Einverständnis der Spender Bescheid wissen oder selber ihr Einverständnis gegeben haben. Auch hier würden wir gerne eine Stichprobe bei engsten Familienangehörigen machen, um zu sehen, ob die Familienangehörigen selber einverstanden waren oder von einem Einverständnis des Spenders gewusst haben.

China hat sich in den letzten Jahren für einen großen Ausbau von Transplantationseinrichtungen engagiert. Dieser Ausbau soll von Machbarkeitsstudien bezüglich der Organquellen begleitet gewesen sein. Wir würden diese Machbarkeitsstudien gerne einsehen.

Idealerweise würden wir gerne weiter nachforschen, bevor wir irgendeine endgültige Schlussfolgerung ziehen. Aber selbst die Entschlossenheit, sich für weitere Ermittlungen zu engagieren, macht vielleicht eine vorläufige Schlussfolgerung erforderlich. Wenn wir jetzt entscheiden könnten, dass die Anschuldigungen grundlos sind, könnten wir gut das Fazit ziehen, dass weitere Nachforschungen gegenstandslos sind.

I. Schlussfolgerungen

Auf der Basis dessen, was wir jetzt wissen, müssen wir (jedoch) zu der bedauerlichen Schlussfolgerung kommen, dass die Anschuldigungen wahr sind. Wir glauben, dass es einen großangelegten Organdiebstahl gegenüber Falun Gong-Praktizierenden gab, der gegen ihren Willen erfolgte und noch heute erfolgt.

Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die chinesische Regierung und ihre Behörden in den zahllosen Teilen des Landes, insbesondere in den Krankenhäusern, aber auch Haftanstalten und „Volksgerichtshöfen“, seit dem Jahr 1999 eine unbekannte, aber große Anzahl von Glaubensgefangenen von Falun Gong töten ließen. Den Praktizierenden wurden ohne Einwilligung lebenswichtige Organe, einschließlich Herz, Leber, Niere und Augenhornhaut entnommen und zu hohen Preisen verkauft, manchmal an Ausländer, die in ihren Heimatländern normalerweise mit einer langen Wartezeit für eine freiwillige Organspende rechnen müssen.

Wieviele der Opfer zunächst wegen irgendwelcher Anschuldigungen, ernstzunehmend oder sonstwie, von offiziellen Gerichten verurteilt wurden, können wir nicht abschätzen, denn solche Informationen scheinen weder für Menschen chinesischer Nationalität noch für Ausländer erhältlich zu sein. Wir haben den Eindruck, dass viele Menschen, die einer friedlichen, freiwilligen Organisation angehören, vor sieben Jahren von Jiang Zemin in die Illegalität getrieben wurden, weil Jiang Zemin dachte, dass Falun Gong die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei Chinas bedrohen könnte. Die Falun Gong-Praktizierenden wurden tatsächlich wegen ihrer Organe vom medizinischen Personal hingerichtet.

Wir ziehen unsere Schlussfolgerung nicht aus einem einzigen Beweisstück, sondern aus dem Zusammenfügen aller Beweise, die wir in Betracht bezogen haben. Jeder einzelne Aspekt der Beweise, die wir betrachtet haben, ist in sich überprüfbar und in den meisten Fällen unanfechtbar. Stellt man sie zusammen, ergeben sie ein belastendes Gesamtbild. Es ist dieses Gesamtbild, das uns überzeugt hat.

J. Empfehlungen

  1. Es muss nicht besonders betont werden, dass die Organentnahme ohne Einwilligung bei Falun Gong-Praktizierenden, wenn sie denn so, wie wir annehmen, stattfindet, ein Ende haben muss.
  2. Organentnahme ohne Einwilligung der Spender, sei sie systematisch oder weit verbreitet, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir sind nicht in der Lage, mit den uns zur Verfügung stehenden Quellen und Informationen, ein Ermittlungsverfahren durchzufüh-ren. Die Justizbehörden in China sollten den Vorwürfen zum Zweck einer möglichen Strafverfolgung nachgehen.
  3. Regierungs-, Nicht-Regierungs- und internationale Menschenrechtsorganisationen mit weitaus besserer Ermittlungskapazität als wir sie haben, sollten diese Vorwürfe ernst neh-men und selber entscheiden, ob sie wahr sind oder nicht.
  4. Artikel 3 des Protokolls der Vereinten Nationen zur Vorbeugung, Unterdrückung und Be-strafung von Menschenhandel verurteilt unter anderen Praktiken auch die Organentnahme. Regierungen sollten die UN auffordern (wir schlagen das UN Komitee gegen Folter und den Sonderbeauftragten der UN für Folter vor), Nachforschungen anzustellen, ob Chinas Regierung sich irgendeiner Verletzung des Artikels 3 schuldig gemacht hat oder noch macht. Falls ja, sollten mit überlegter Eile notwendige Schritte unternommen werden, um Abhilfe zu schaffen.
  5. Solange das chinesische Gesetz über Organtransplantation nicht effektiv durchgesetzt ist, sollten ausländische Regierungen chinesischen Ärzten, die zum Zweck der Weiterbildung in der Organ- oder Körperteil-Transplantationstechnik ins Ausland reisen möchten, kein Visum erteilen. Jedem Arzt, von dem bekannt ist, dass er am Organhandel von Gefange-nen beteiligt ist, sollte von anderen Ländern die Einreise auf Dauer verweigert werden.
  6. 6) Alle Staaten sollten ihre Gesetze gegen das Verbrechen des Organhandels verschärfen. Die Ärzte sollten laut Gesetz dazu verpflichtet werden, den Behörden ihres Landes solche An-zeichen bekannt zu geben, die vermuten lassen, dass ein Patient ein Organ einer ausländi-schen Person erhalten hat, das aus dem Menschenhandel stammt, per Definition sollten auch Menschen in Haft im Ausland in diesen Personenkreis [der Organspender] einge-schlossen sein.
  7. Alle sollten ihre Bürger solange davon abhalten oder ihnen zumindest davon abraten, Or-gantransplantate in China zu erwerben, bis das chinesische Gesetz zur Organtransplantati-on vollständig umgesetzt ist. Die Länder sollten notfalls Pässe verweigern oder sie von denjenigen, die zur Organtransplantation nach China reisen, einziehen.
  8. Bis die Einführung des neuen chinesischen Organtransplantationsgesetzes zur Zufrieden-heit der internationalen Staatengemeinschaft erfolgt ist, sollten ausländische Versicherun-gen, medizinische Organisationen und einzelne Mediziner an keiner von China gesponser-ten Organtransplantationsforschung oder Treffen teilnehmen. Ausländische Firmen, die gegenwärtig Waren oder Dienste für Chinas Transplantationsprogramm liefern, sollten dies abbrechen und ab sofort unterlassen, bis die chinesische Regierung belegen kann, dass ihr Gesetz zur Organtransplantation wirksam ist.
  9. Die derzeitige Form des Menschenrechts-Dialogs zwischen Kanada und China sollte be-endet werden. Der kanadische Politikwissenschaftler Charles Burton erklärte den Dialog kürzlich für eine Farce. Rückblickend betrachtet hat sich die Regierung geirrt, indem sie zustimmte, die Gespräche zu akzeptieren und dafür im Gegenzug nicht mehr den alljährli-chen Antrag bei der UN Menschenrechtskommission zu unterstützen, in dem Kritik an Chinas Regierung geübt wird.
  10. Die Unterdrückung, die Freiheitsberaubung und die schwere Misshandlung der Falun Gong-Praktizierenden muss sofort aufhören.
  11. Alle Haftanstalten, einschließlich der Zwangsarbeitslager, müssen der internationalen Ge-meinschaft für eine Untersuchung durch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes oder andere Menschenrechts- oder humanitäre Organisationen zugänglich gemacht wer-den.
  12. Chinesische Krankenhäuser sollten die Aufzeichnungen über die Herkunft jedes Trans-plantates aufbewahren. Die Berichte sollten der Inspektion durch internationale Menschen-rechtsbeauftragte zugänglich sein.
  13. Jeder Organspender sollte ein schriftliches Einverständnis geben. Die Einverständniserklä-rungen sollten der Inspektion durch internationale Menschenrechtsbeauftragte zugänglich sein.
  14. China und jeder andere Staat, der Partner der Konvention gegen Folter ist, einschließlich Kanada, sollte dem optionalen Protokoll zur Konvention gegen Folter beitreten.
  15. Jede Organtransplantation sollte sowohl für die Spender- als auch für die Empfängerseite vor der Durchführung der Transplantation offiziell durch eine von der Regierung beauf-tragte Behörde bewilligt worden sein.
  16. Organentnahme von hingerichteten Gefangenen sollte sofort beendet werden.
  17. Die Vermarktung der Organtransplantate sollte beendet werden. Organe sollten nicht zum Verkauf angeboten werden.

K. Kommentar

Die erste Empfehlung zu akzeptieren, würde bedeuten, zu akzeptieren, dass die Anschuldigungen wahr sind. Bei all den anderen Empfehlungen, die wir gemacht haben, ist dies nicht notwendig. Wir schlagen in jedem Fall die Annahme dieser anderen Empfehlungen vor.

Die nächsten drei Empfehlungen zu akzeptieren, würde bedeuten, den Anschuldigungen zumindest einen gewissen Glauben zu schenken. Die nächsten drei Empfehlungen erfordern nicht die Annahme, dass die Anschuldigungen begründet sind; aber sie sind nur dann sinnvoll, wenn eine annehmbare Möglichkeit vorliegt, dass die Anschuldigungen begründet sind.

Die verbleibenden Empfehlungen sind sinnvoll und könnten umgesetzt werden, unabhängig davon, ob die Anschuldigungen nun wahr sind oder nicht. Die nächsten fünf Empfehlungen richten sich an die internationale Gemeinschaft mit der Bitte, von China Respekt für internationale Standards hinsichtlich Organtransplantationen zu fordern.

Wir sind uns durchaus dessen bewusst, dass Chinas Regierung die Anschuldigungen bestreitet. Wir schlagen vor, dass China alle Empfehlungen dieses Berichtes, die nach den ersten acht folgen, umsetzt, um auf diese Weise ihr Dementi glaubhaft und effektiv zu untermauern. Sind die verbleibenden Empfehlungen umgesetzt, könnten die hier in Erwägung gezogenen Anschuldigungen nicht mehr länger erhoben werden.

Alle, die den Anschuldigungen skeptisch gegenüberstehen, bitten wir, sich selbst zu fragen, welche Vorschläge gemacht werden könnten, um zu vermeiden, dass in jedwedem Staat Anschuldigungen wie diese wahr werden können. Eine vernünftige Liste mit Methoden zur Vorbeugung, um die Art Handlungen, die hier infrage gestellt werden, zu vermeiden, fehlt in China gänzlich. Bis es zum kürzlich erlassenen Gesetz kam, fehlte es an vielen grundlegenden Maßnahmen der Vorbeugung, um den hier beschuldigten Missbrauch zu vermeiden. Dieses Gesetz füllt die Lücke nicht aus, solange es nicht umfassend umgesetzt wird.

Jeder Staat, nicht nur China, muss in seine Schutzkräfte investieren, um Organentnahme gegen den Willen eines Menschen, bei Randgruppen und bei Wehrlosen zu vermeiden.

Was immer man auch über die Anschuldigungen denken mag, und wir wiederholen, wir halten sie für wahr, China ist in bemerkenswerter Weise unvorbereitet darauf, Vorgehensweisen wie die hier beklagten zu verhindern.

Es gibt viele Gründe dafür, warum die Todesstrafe falsch ist. Nicht zuletzt ist es die Desensibilisierung der Exekutierenden. Wenn der Staat wehrlose Menschen tötet, die sich wegen ihrer Vergehen bereits in Gefangenschaft befinden, wird es nur zu einfach, den nächsten Schritt zu vollziehen, ihre Organe ohne deren Einwilligung zu entnehmen. Dies

ist ein Schritt, den China ohne Zweifel vollzogen hat. Wenn der Staat die Organe von hingerichteten Gefangenen ohne deren Einwilligung entnimmt, besteht der weitere Schritt, der nur zu einfach und verführerisch ist, darin, die Organe von weiteren geschmähten, entpersonalisierten, wehrlosen Gefangenen ohne deren Einwilligung zu entwenden, besonders, wenn man damit das große Geschäft machen kann. Wir fordern Chinas Regierung auf, was immer sie auch über die Anschuldigungen hier denkt, Schutzmaßnahmen gegen die geringste Möglichkeit von unfreiwilligen Organentnahmen bei Falun Gong-Praktizierenden einzurichten.

Mit Hochachtung vorgelegt,

David Matas,  David Kilgour David Matas, David Kilgour

Ottawa, 6. Juli 2006

 

Den vollständigen Report als pdf-Datei können Sie hier herunterladen (52 Seiten, 871 KB)

Dieser Bericht in englischer und französischer Sprache




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