Transrapid-Ausbau verursacht größte Proteste seit Demokratiebewegung

Von 22. Januar 2008 Aktualisiert: 22. Januar 2008 17:30
Transrapid-Ausbau in Shanghai unerwünscht

„Unsere grüne Heimat schützen“, stand auf dem elf Meter langen Transparent an der Außenwand eines Wohnhauses in dem Shanghaier Wohnviertel „Champs Elysees“. Die Anwohner protestierten gegen den geplanten Ausbau der weltweit einzigen kommerziellen Transrapidstrecke, die nun mitten durch ihr Wohnviertel führen sollte. Sie fürchten Gesundheitsschäden durch elektromagnetische Strahlung, Schallemissionen und Erschütterungen sowie eine Wertminderung ihrer Immobilien durch die Nachbarschaft zur schnellen Magnetbahn Transrapid.

„Wir sind im Dienst. Sie sollten verstehen, dass Sie gerade nichts gesehen haben, sonst müssen Sie die Konsequenzen tragen.“ Als Chen am 17. Januar gegen Mitternacht nach Hause kam, wurde er mit diesen Worten von einem Unbekannten in Uniform vor seinem Haus erwartet. Er sah noch sieben weitere Männer in Uniform, zwei davon hatten eine lange Sichel in der Hand und kletterten am Haus hoch.

Schwere Körperverletzung wegen eines Transparents

Chen nahm an, dass sie das Transparent herunternehmen wollten und verlangte die Dienstausweise. Sofort wurde er von den fünf Männern zusammengeschlagen. Er wurde schwer verletzt und musste mehrere Tage im Krankenhaus zubringen. Auf eine Anzeige der Hausbewohner hin soll die Polizei sofort ermittelt haben. Dem zufolge sollen die Unbekannten nur Mitarbeiter eines Reinigungsunternehmens gewesen sein, die das Haus reinigen wollten.

„Warum machen sie nicht tagsüber die Reinigungsarbeiten, das ist doch viel besser?“, bezweifelte Frau Chen die Angaben der Polizei. Und: „Warum hatte der Reinigungsdienst kein Gerüst? Es ist doch viel zu gefährlich, mit einem Seil am Haus hochzuklettern“. Eine Anfrage von Epoch Times nach mehr Details wurde von der Polizei abgelehnt.

In den vergangenen zwei Wochen versuchten Einwohner Shanghais auf unterschiedliche Weise gegen den Ausbau der neuen Transrapidstrecke zu protestieren. Aufgebrachte Anwohner hatten bereits Anfang des Jahres an verschiedenen Orten in Shanghai demonstriert, wobei der Protestzug jeweils nach wenigen Minuten von mehreren Dutzend Polizisten gestoppt und die Menge auseinander getrieben wurde.

Bei einer Kundgebung vor dem Rathaus wurden Teilnehmer von der Polizei in Busse geladen und weggefahren. Am 13. Januar hatten auf der belebten Einkaufstraße „Nanjing Dong Lu“ im Zentrum der Stadt über tausend Anwohner demonstriert und vereinzelt Schilder mit einem durchgestrichenen Zug hochgehalten.

Medienkampagne gegen „Straßenpolitik“

Am 15. Januar dann erstmals ein Kommentar der staatlichen Zeitung „Jie Fang Ri Bao“. Die Shanghaier Bürger sollen „den Regelweg benutzen“ und „dem Gesetz folgen“, wenn sie ihre Meinungen äußern möchten. Sie sollen auf keinen Fall jene radikale Weise wie „Straßenpolitik“ anwenden, um sich für ihre Meinungen und Ansprüche auszusprechen. Jene Weise könne nur die Basis der „Stabilität unserer harmonischen Gesellschaft“ zerstören, hieß es. Der Zeitungskommentator von „Jie Fang Ri Bao“ weiter: „Diese Tendenz soll unbedingt vermieden werden. Alle sollen einen klaren Kopf behalten und jene Taten, die gegen das Gesetz verstoßen und dem öffentlichen Interesse Schaden zufügen, stoppen“.

Bis zur ersten Berichterstattung des lokalen Shanghaier Blattes „Nan Fang Dou Shi Bao“ am 13. Januar über den seit Anfang des Jahres ununterbrochenen Protest gegen die Magnetschwebebahn, verhielten sich die regionalen und überregionalen Medien sehr zurückhaltend gegenüber der ganzen Angelegenheit. Erst danach begannen die großen Online-Medien, wie Xinhua-Net und Xinlang-Net, darüber zu berichten. Das lokale Nachrichtenportal „East-Net“ veröffentlichte von einem Tag zum anderen mehrere Kommentare und kritisierte die Berichterstattung mancher Medien. Sie hätten über die möglichen negativen Wirkungen der Magnetschwebebahn nicht objektiv und wissenschaftlich berichtet, was der „Stabilität“ schade. Die meistver-kaufte Tageszeitung, das „Xinmin-Abendblatt“, veröffentlichen mehrere „wissenschaftliche“ Artikel, um die Leser zu überzeugen, dass eine Magnetschwebebahn keine negative Wirkung auf die Umwelt hat.

Der jetzige Protest soll der größte in Shanghai sein seit der Demokratiebewegung, die im Tiananmen-Massaker in Peking im Jahr 1989 niedergeschlagen wurde. Zuverlässigen Informationen zufolge hat er unter der lokalen Regierung große Unruhe und Angst ausgelöst, weil die meisten Protestteilnehmer zur Mittelschicht der Gesellschaft gehören, die Geld hat um Eigentumswohnungen zu kaufen. Darüber hinaus wenden sich die Teilnehmer an die Medien im Ausland und veröffentlichen plausible Artikel. Deswegen ist die Sache auch besonders sensibel geworden, die interne Anweisung des Parteisekretärs von Shanghai soll lauten: „Kühl behandeln, zurückhaltend die Polizei einsetzen“. Unter der Bevölkerung verbreiten sich Gerüchte, dass der Staatsrat der Zentralregierung die Shanghaier Regierung darauf hingewiesen habe, eine Ausdehnung der Konflikte zu vermeiden.

31,8 Kilometer lange teure Strecke

Die örtlichen Behörden bestreiten eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch den Transrapid. Wegen früherer Proteste war der Ausbau der in Deutschland von einem Konsortium um Siemens und ThyssenKrupp entwickelten Magnetbahn zwischenzeitlich gestoppt und die geplante Streckenführung angepasst worden. Der inzwischen überarbeitete Plan sieht eine 31,8 Kilometer lange Verbindung vor, drei Kilometer kürzer als ursprünglich vorgesehen. Die neuen Pläne sollen derzeit zur Ansicht für die Bürger öffentlich ausliegen.

Die neue Streckenführung wurde offiziell damit begründet, dass sie dicht bevölkerte Stadtgebiete meide. Zu den nahe liegenden Häusern sei eine größere Pufferzone geplant. Die Kosten für die Verlängerung könnten sich dadurch mit 500 Millionen Yuan (46,6 Millionen Euro) pro Kilometer mehr als verdoppeln. Den Plänen zufolge soll die Strecke vom Flughafen Pudong über die derzeitige Endhaltestelle und den Südbahnhof zum zweiten Flughafen Hongqiao führen. Es gibt auch Pläne, sie über 175 Kilometer bis in die Stadt Hangzhou in der Provinz Zhejiang zu verlängern. Die mächtige Reform- und Entwicklungskommission in Peking arbeitet an der Gründung einer Firma für das Projekt.

Der Transrapid Shanghai wurde am 31. Dezember 2002 auf einer 30 km langen Strecke von der Station Lóngyáng-Straße in einem Außenbezirk Shanghais zum Flughafen Pudong mit einem Probebetrieb gestartet. Der Transrapid verkehrt auf der Strecke täglich 14 Stunden und kann bei der knapp zehnminütigen Fahrt bis zu 440 Passagiere transportieren. Im Durchschnitt wurden täglich rund 7.500 Passagiere befördert und so die maximale Kapazität kaum ausgeschöpft.

Eine einfache Fahrt 2. Klasse kostet 50 Yuan (ca. 5 Euro). Das ist der 10-fache Preis einer innerstädtischen U-Bahn Fahrt über 5 – 7 Stationen oder der 2,5-fache Preis des Flughafenbusses, der die Innenstadt direkt mit dem Flughafen Pudong verbindet. Der Transrapid wird preisbedingt insbesondere von den Einwohnern von Schanghai kaum genutzt.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Nr. 4 (23.-29- Januar 2008)

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