Chinas rassenbasierte Rekrutierung von Spionen verstehen – Ein Gespräch mit einem Ex-Nachrichtenoffizier der US-Navy

Von 5. Oktober 2018 Aktualisiert: 5. Oktober 2018 9:18
Die KP-China konzentriert sich bei ihrer Rekrutierung von Spionen stark auf die Rasse der Person - eine wohldurchdachte Strategie.

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) konzentriert sich bei ihrer Rekrutierung von Spionen stark auf die Rasse der Person, um bei etwaiger Verfolgung chinesischer Spione die „Rassenkarte“ ausspielen zu können. Das wiederum sensibilisiere die Leute für Diskriminierung, so der ehemalige leitende Nachrichtenoffizier der US-Navy John Jordan.

Für die Rekrutierung ihrer Spione nutzt die KPCh zwei Hauptstellen: die „Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront“ und das „Overseas Chinese Affairs Office“.

Die „Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront“ ist eine Erweiterung der Kontrollsysteme der KPCh in Bezug auf chinesische Gemeinden, oft in Form von brüderlichen Organisationen, die auch als „Zangen“ bekannt sind. Die Behörde für chinesische Angelegenheiten in Übersee verwaltet diese Systeme im Ausland so, als handele es sich dabei um chinesische Provinzen. Auch betrachtet sie chinesische Einwanderer der zweiten und dritten Generation nach wie vor als chinesische Staatsbürger, mit denen sie dann ihr rassenbezogenes Rekrutierungssystem in die Praxis umsetzt.

Insgesamt verleihen diese Systeme der KP-China Macht über andere Länder. Das ist mit der Sowjetunion vergleichbar, die während des Kalten Krieges die Unterstützung durch ihre Diaspora aufrechterhalten hat. Damals versuchten die Russen, die kommunistische Revolution voranzutreiben, und konnten dies vor allem deshalb tun, weil sie Hochschulprofessoren, Politiker, Filmstars und viele andere Persönlichkeiten an ihrer Seite hatten, die das sowjetisch geführte System unterstützten.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor sie jedoch einen großen Teil dieses unterstützenden Netzwerks und damit das mächtigste Instrument, um ihre Interessen im Ausland durchzusetzen.

Die KPCh unterhält heute auch ein solches Netzwerk, das die Errungenschaften der Sowjets vielleicht sogar noch übertrifft. Sie nutzt dieses Netzwerk, um ähnliche Ziele zu erreichen.

Um besser zu verstehen, wie die KPCh und Russland Spione rekrutieren und wie diese Operationen ablaufen, haben wir mit dem ehemaligen leitenden Nachrichtenoffizier der US-Navy John Jordan gesprochen.

Rassenbasierte Agentenrekrutierung

John Jordan: Nun, es ist offensichtlich, dass die rassische Dimension enorm ist. Es ist sehr schwer zu sagen, ob jemand Russe ist oder nicht. Wir haben viele Amerikaner russischer Abstammung in diesem Land.

Es gibt ein Sprichwort in der Spionagewelt, das besagt, dass Agenten bzw. Spione nach dem Schema „MICE“ rekrutiert werden: Geld, Ideologie, Gewissen, Ego. Was China betrifft, da gibt es in gewissem Maße oft eine loyale Haltung gegenüber dem Land der Eltern. Es ist schwierig, das nachzuprüfen. In San Francisco gibt es eine beträchtliche chinesische Gemeinde, wobei es auch hier eine politische Dimension gibt. Die KPCh möchte Einfluss nehmen und verstehen, wie das politische System Amerikas funktioniert und wie hier Politik gemacht wird. In San Francisco gab es eine Dame namens Rose Pak, die vor ein paar Jahren gestorben ist. Es wurde immer behauptet, sie sei lange Zeit eine der großen Königsmacher in der Politik gewesen.

Joshua Philipp: Es war oberflächlich bekannt, dass sie Politikern bei der Wahl geholfen hat.

Jordan: Sie war eine der Bienenköniginnen der Politik in San Francisco. Es wurde immer behauptet, aber nie bewiesen, dass sie eine Agentin der KPCh war. Es gibt also auch eine politische Dimension dahinter ‑ politische Informationen erhalten und verstehen, wie amerikanische Politik gemacht wird, um aus dem Kaffeesatz zu lesen, damit die chinesische Regierung effektiv kontern kann. Und vielleicht auch, um an Einfluss auf amerikanische Politiker zu gewinnen. Wenn die Vorwürfe gegen Pak tatsächlich berechtigt waren, denke ich, dass das vermutlich eine ihrer Aufgaben war.

Subversion einer offenen Gesellschaft

Jordan: China ist uns gegenüber im Vorteil. Ein struktureller Vorteil ist, dass Amerika eine offene Gesellschaft ist. Die politisch korrekte Kultur setzt die amerikanische Sicherheit aufs Spiel. Wir sind eine offene Gesellschaft; wir sind eine vielrassige Gesellschaft. Für die amerikanischen Geheimdienste ist es offensiv schwierig; wir müssen es anders machen. Wir können uns nicht so einfach in ausländische Unternehmen oder Behörden ausländischer Regierungen einbringen, weil es Gesetze gibt, die das Handeln amerikanischer Geheimdienste sowie die Strafverfolgung einschränken. Jeder weiß, was diese Gesetze sind. Man muss sich nicht fünf Mal „Law and Order“ anschauen, um das herauszufinden.

Außerdem, wenn wir in Übersee sind, müssen wir ihren Leuten auf die Schliche kommen. Und es ist noch schwieriger für uns, zu überprüfen, zu untersuchen und sicherzustellen, dass es sich bei dieser Person nicht um einen Lockvogel oder einen Doppelagenten handelt, der uns bestimmte Informationen unterschieben soll. Wir haben keine Millionen und Abermillionen [von ausländischen Bürgern], aber wir sind, was die Nationalität betrifft, kein eindeutiges Land. Wir haben einen großen ausländischen Bevölkerungsanteil.

Philipp: Mir wurde auch von einigen im Ausland lebenden Chinesen gesagt, dass sich die KPCh das offene System der Vereinigten Staaten zunutze macht.

Jordan: Für eine offene Gesellschaft ist das eines der Merkmale einer Demokratie. Nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch Westeuropa und Länder mit einer allgemein demokratischen Regierung haben normalerweise keine Propagandaabteilung. Wir haben normalerweise kein Propagandaministerium wie die geschlossenen Gesellschaften. Weil geschlossene Gesellschaften die Berichterstattung kontrollieren müssen, müssen sie die Informationen kontrollieren. Wenn man wirklich glaubt, dass die Geschichte auf der Seite von Freiheit und Demokratie steht ‑ und ich glaube, dass sie das tut ‑ braucht man solche Werkzeuge nicht. Geschlossene kommunistische Gesellschaften sind immer wieder gescheitert. Also ich denke, langfristig gesehen ist das mehr ein Maß für die Schwäche einer Gesellschaft als für ihre Stärke.

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Philipp: Eines der größten Probleme, das ich gesehen habe, wenn es um China geht … sie haben Themen, über die man nicht sprechen kann, wenn man in China bleiben will. Wenn es um Medien geht – Journalisten werden also keine sensiblen Themen ansprechen, viele dieser sensiblen Themen bringen sie nicht zur Sprache. Außerdem müssen sie noch die chinesischen Berichte hochspielen. Man muss absolut neutral sein, selbst wenn das, was einem von chinesischer Seite gesagt wird, eine Lüge ist. Das Gleiche gilt für die akademische Gemeinschaft. Wenn man nach China geht und dort über Menschenrechte, Demokratie, Hongkong, Verfolgung von Falun Gong, Verfolgung von Tibetern spricht, wird man auf die schwarze Liste gesetzt. Und plötzlich ist das, was man sein ganzes Leben lang studiert hat, nutzlos, es sei denn, man möchte in die Vereinigten Staaten zurückkehren und Bücher schreiben.

Die kommunistische Maskerade

Jordan: Wenn über eine Sache nicht berichtet wurde, dann darüber, dass China nicht [monolithisch] ist. Die Amerikaner neigen dazu, China als monolithisch zu betrachten. Viel von der Komplexität, der demographischen Herausforderung und der wirtschaftlichen Rückständigkeit in großen Teilen Chinas sehen sie nicht. China ist nicht unbedingt eine so stabile Gesellschaft, wie sie im Westen wahrgenommen wird. Das Land steht vor einigen echten Herausforderungen. Glaubt wirklich jemand an ihre Zahlen in Bezug auf ihr Wirtschaftswachstum? Der sowjetische Gosplan, das damalige Komitee für Wirtschaftsplanung, hat das Büro belogen. Ich finde es schwer zu glauben, dass in China nicht dasselbe passiert. Dort kontrolliert sogar das Militär das Industrieimperium ‑ enorme Ressourcenverschwendung und enorme Ineffizienz.

Aber China ist komplex, es hat enorme Stärken und gegenüber den Vereinigten Staaten gewisse Wettbewerbsvorteile. Es hat aber auch interne strukturelle Schwächen. Alle in ihrem Militär wurden eingezogen. Sie haben z. B. Probleme mit ihrem Flugzeugträger und Mühe, einfache Dinge umzusetzen, die wir bei uns für selbstverständlich halten. Ein Großteil der grundlegenden Technologie ist nicht vorhanden. Und die freie Marktwirtschaft hat sich in China noch nicht vollständig etabliert, sodass sie aufgrund des schwerfälligen Wesens des Staates in der Wirtschaft nicht in der Lage ist, einen Teil ihrer Technologie voll zu nutzen.

Philipp: Das ist auch ein Problem, von dem mir schon einmal berichtet wurde. Wenn man Bilder von China sieht, sieht man die Bilder, die man sehen soll. Die Medien, die sie nach China bringen, sind alle in den schönsten Teilen des Landes; die anderen Teile zeigen sie dir nicht. Das ist das kommunistische System. Die Menschen mit Geld sind Mitglieder der KPCh.

Jordan: Das ist wie in [der Fabel] „Farm der Tiere“: Einige Tiere sind ebenbürtiger als andere.

Aus Gründen der Länge und Klarheit wurde dieses Interview überarbeitet.

Das Original erschien in der englischen „The Epoch Times“ (deutsche Bearbeitung von aw). Originalartikel: Understanding China’s Race-Based Espionage