„Berlin-Monitor“: Berliner Senat stellt Phantomstudie vor

Gestern berichteten eine Reihe relevanter Medien über eine Studie zu Muslimfeindlichkeit und Antisemitismus, die zum dritten Mal erscheint und sich „Berlin-Monitor“ nennt. Aber die Studie lag noch gar nicht vor.
Titelbild
Muslimische Frauen in Berlin-Kreuzberg.Foto: Kay Nietfeld/dpa
Von 19. Dezember 2023

Der Berlin-Monitor wurde auf einer knapp 40-minütigen Online-Pressekonferenz besprochen, die aufgezeichnet, auf Youtube veröffentlicht wurde und nach einem Tag gerade einmal 43 Aufrufe hat. Die Teilnehmer dieser virtuellen Pressekonferenz bestanden überwiegend aus Mitarbeitern der Studie plus einer Handvoll regionaler Berliner Journalisten wie beispielsweise Isabel Pfannkuche, Reporterin der „Berliner Zeitung“, Joachim Fahrun von der „Berliner Morgenpost“ und einem Reporter vom „RBB“. Sie wussten von der Konferenz, beziehungsweise wurden dazu eingeladen.

Die größeren Zeitungen hatten gestern über die Studie berichtet. Aber wie sind diese Berichte zustande gekommen? Auf Nachfrage bei einer Sprecherin der „Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung“ /Pressestelle bestätigt diese gegenüber Epoch Times, dass die Studie „Berlin-Monitor“ nicht als Download vorliegt und auch nicht versandt werden kann: „Gibt’s leider nicht online.“ Es gebe eine Präsentation, die könne man versenden, sagt die Pressestelle. Nachfrage von Epoch Times: „Aber das ist doch auch nur eine Zusammenfassung der Studienmacher?“ Antwort einer Sprecherin: „Ja, genau.“

Die Medien berichten dennoch. Die Studienmacher – hier gleich mehr dazu, wer dahintersteckt – bieten eine „Präsentation“ und eine „Pressemitteilung“ an, geben den Medien also vorgefasst vor, was sie berichtet haben wollen. Und es wird anstandslos berichtet.

Beispielweise wurden „Autoritäre Aggressionen“ bei 54 Prozent der Befragten festgestellt. Da die Studie aber in Gänze nicht vorliegt, kann auch nicht umfassend überprüft werden, wie das von den Studienmachern konkret festgestellt wurde und auf welchen Befragungen das beruht. Es besteht anhand der 23-Seiten-Präsentation keine ausreichende Möglichkeit, die Arbeitsweise hinter der Studie oder etwa den Fragenkatalog selbst dahingehend zu überprüfen, wie hier vorgegangen wurde.

Der Berlin-Monitor für 2021 liegt mittlerweile zum Download vor. Er umfasst 126 Seiten inklusive des angehängten Fragebogens, der Journalisten ermöglicht, nachzuschauen, wie gefragt wurde. Wurde der Berlin-Monitor 2021 auch erst nach einer „Präsentation“ der Studienmacher veröffentlicht? In welchem zeitlichen Abstand?

Die echte Studie ist nur noch eine Randnotiz

Der Berlin-Monitor 2023 wurde gestern präsentiert, die Medien berichteten entlang der Zusammenfassung der Studienmacher. Wenn nun in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten die eigentliche Studie veröffentlicht wird, ist das medial nur noch eine Randnotiz. Die Berichte sind alle geschrieben und Ergebnisse so verbreitet worden, wie es die Studienmacher vorformuliert haben.

Im Rahmen der Online-Vorstellung der Studie mit den wenigen teilnehmenden Journalisten präsentierten die Studienmacher etwa 25 Minuten lang ihre Folien entlang der „Präsentation“. Dann wurden die Anwesenden aufgefordert, Fragen zu stellen.

Besagte Frau Pfannkuche von der „Berliner Zeitung“ erfuhr zunächst auf Nachfrage, dass der 7. Oktober 2023, also das Aufflammen von Antisemitismus in Deutschland, noch nicht in die Studie mit einbezogen wurde.

Joachim Fahrun, der Chefreporter der „Berliner Morgenpost“, wollte von Studienleiter Prof. Gert Pickel von der Universität Leipzig wissen, ob Muslime auch befragt worden seien, denn die seien ja eher nicht „anti-muslimisch“. Und wenn man die „abziehen“ würde, ob dann die Muslimfeindlichkeit nicht noch größer wäre.

Zudem wollte Fahrun wissen, ob Antisemitismus auch nach Gruppen abgefragt wurde. Der Journalist fragte nach einer Unterscheidung zwischen „importiertem“ Antisemitismus und jenem von „Biodeutschen“. All das musste er nachfragen, denn die Studie, die das möglicherweise mitteilen könnte, liegt nicht vor.

Zwei Fragen, zwei Antworten von Prof. Pickel: Man habe sich bei der Frage nach Muslimfeindlichkeit auf Nichtmuslime konzentriert. Was den Antisemitismus angehe, habe man „keine repräsentative Studie unter Muslim:innen gezogen“, deswegen müsse man das „immer mit etwas Vorsicht genießen“, sagte Pickel, aber es sei tatsächlich so, dass der Antisemitismus in der Gruppe der „Muslim:innen“ höher sei, das sei er aber „auch unter rechten Personen“, fügte Pickel an.

Genaue Zahlen gerade nicht dabei

Prof. Pickel entschuldigte sich, die genauen Zahlen hätte er „gerade nicht dabei“. Der Journalist hakte nach, möchte die Zahl trotzdem gern wissen, wie es da aussehe prozentual mit dem Antisemitismus der muslimischen Bevölkerung. Prof. Pickel sprach dann von Werten um die 15 bis 20 Prozent, die Antisemitismus bei Muslimen höher liegen würde.

Hier allerdings gibt es bereits weitere repräsentative Zahlen etwa von 2022 vom Institut für Demoskopie Allensbach, welches herausgefunden haben will, dass unter den befragten Muslimen die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen bei knapp 46 Prozent liege.

Wer sind die Studienmacher und wer beauftragt sie? In der Pressemeldung von Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung des Landes Berlin, heißt es dazu:

„Seit 2019 analysieren Wissenschaftler der Universität Leipzig im Auftrag des Berliner Senats die Entwicklung autoritärer und rechtsextremer Einstellungen in Berlin.“

Beauftragt von linken Stiftungen

Im Hintergrund steht hier Prof. Oliver Decker, der sich an der Uni Leipzig sein eigenes Institut aufgebaut hat, analog etwa zu Andreas Zick in Bielefeld. Decker wie Zick werden immer wieder von linker Politik und linken Stiftungen beauftragt, Studien zu fertigen; Schwerpunkt ist hier der Rechtsextremismus.

Decker beispielsweise gerät dabei immer wieder in die Kritik. Herausragend ist ein Disput mit Sigmar Gabriel (SPD) im April 2019 im Zusammenhang mit Deckers „Mitte-Studie“ für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung.

Gabriel schrieb in einem Kommentar im „Tagesspiegel“, die Deutschen seien entgegen der publizierten Auffassung besagter „Mitte-Studie“ sehr wohl demokratiefest und mehrheitlich tolerant. Und weiter: „Was aus den Ergebnissen der ‚Mitte-Studie‘ gemacht wird, ist verantwortungslos.“ Verantwortungslos waren für Gabriel nicht etwa die Medien, welche vielfach nur die Presseerklärungen abschrieben, sondern die Interpretationen der Umfrageergebnisse durch die Studienmacher der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Universität Bielefeld.

Gabriels Kritik wurde noch deutlicher:

„Es ist doch erstaunlich, wie sehr Politik und manche Medien anscheinend ein krisenhaftes Bild unserer Gesellschaft brauchen, um ihre Daseinsberechtigung zu legitimieren. […] Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, hier seien die Ergebnisse einer Studie unter einer bestimmten Vorwahrnehmung ihrer Autoren interpretiert worden.“

So machen es Werbeagenturen

Decker ist einer der Macher des Berlin-Monitors, der noch gar nicht vorliegt. Ist das ungewöhnlich? Das kommt jedenfalls nicht zum ersten Mal vor. Schon 2018 wurde ebenso verfahren: Besagte Uni Bielefeld von Andreas Zick hat es vorgemacht. Schon damals wurde eine Pressekonferenz veranstaltet, um eine Studie vorzustellen, die aber keiner kritischen Betrachtung unterzogen werden konnte, denn sie lag schlicht nicht vor. Der Presse wurden damals wie heute beim Berlin-Monitor Teile der Studie nebst seitenlangen PowerPoint-Grafiken vorgelegt. Wenig Inhalt, dafür Grafiken – so machen es etwa Werbeagenturen, die Kunden nicht mit zu viel Inhalt langweilen möchten.

Die „ZEIT“ schrieb damals davon, es sei eine Studie „veröffentlicht“ worden. Aber wie kann etwas veröffentlicht sein, das noch gar nicht vorliegt?

Der „Spiegel“ titelte gestern: „Antimuslimische Haltung in Berlin weitverbreitet“ und schrieb weiter, eine Studie zeige, „viele haben Vorurteile gegenüber Muslimen“. Problem hier nur: Dem „Spiegel“ lag die Studie nicht vor, so wie auch sonst niemandem.

Gestern schrieb auch die „Berliner Zeitung“ davon, die Berliner Senatorin Cansel Kiziltepe, hätte den Berlin-Monitor am Montag vorgestellt. Hat sie das wirklich? Nein, kann sie gar nicht, denn der Monitor liegt nicht vor. Verlinkt wurde entsprechend auf die Präsentation und nicht auf die Studie selbst.

Epoch Times hat bei der Pressestelle um Beantwortung gebeten, wann der Berlin-Monitor erscheinen soll.



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion