Quantenphysiker Hans-Peter Dürr – Ein Leben voller Staunen

Von 7. Oktober 2013 Aktualisiert: 7. Oktober 2013 16:47
Friedensnobelpreisträger und Quantenphysiker Hans-Peter Dürr gab der Publizistin Anne Devillard, langjährige Chefredakteurin des renommierten Monatsmagazins „Natur & Heilen“, Einblick in sein Leben.

Die französische Publizistin Anne Devillard, langjährige Chefredakteurin des renommierten Monatsmagazins „Natur & Heilen“, hat mit dem Quantenphysiker Hans-Peter Dürr und seiner amerikanischen Frau und Folkloretänzerin Sue Durham  sehr tief berührende Gespräche geführt und daraus ein wunderschönes Buch gemacht. Man erlebt die Begegnung mit Persönlichkeiten, die als Orientierungs-Leuchttürme für unsere Gesellschaft Wichtiges zu vermitteln haben.

In den Kriegswirren des 2. Weltkriegs hat der weltberühmte Atom- und Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, am 7. Oktober 1929 in Stuttgart geboren, sein Abitur gemacht. Sein Vater war Gymnasiallehrer für Mathematik, der 1943 in völliger Verzweiflung  mit einer Pistole in der Hand nach Hause kam und die gesamte Familie (Frau, zwei Söhne und vier Töchter) erschießen wollte, um ihr zu erwartendes Leid zu ersparen. Die beherzte Mutter konnte das Unglück verhindern, sie ist später im hohen Alter von 93 Jahren gestorben. 1944 wurde der Vater kurzfristig eingezogen und starb wenige Monate später an der Front. Hans-Peter Dürr musste 15-jährig im letzten Kriegsjahr in den Dienst des „Führers“. Bei der totalen Zerstörung von Pforzheim verlor er seine beste Freundin, deren verbrannten Körper er eigenhändig begrub.

Heute fühlt er sich jünger als zu der damaligen Schreckenszeit. Dürr machte eine Feinmechanikerlehre und studierte Physik, obwohl er sich an einen sehr langweiligen Physikunterricht in der Schule erinnerte. Aufgrund seiner enormen Begabung erhielt er ein Stipendium für die USA und kam an die Elite-Universität in Berkeley, San Francisco. Er wurde Schüler von Edward Teller (1908 – 2003), dem Erfinder der Wasserstoffbombe, und promovierte bei ihm über das Thema „Resonanzphänomene elektromagnetischer Felder“, das ist heute die Grundlage die Kernspintomographie in der Nuklear-Medizin.  Dürr lernte Robert Oppenheimer (1904 – 1976) und andere namhafte Physiker jener Zeit persönlich kennen. Heute trägt er das Erbe seines verehrten Lehrers und Weggefährten Werner Heisenberg (1901 – 1976, Nobelpreisträger für Physik im Jahre 1932) fort, mit dem er 20 Jahre lang in München eng zusammengearbeitet hat.

Dürr ist nach wie vor die führende Kapazität im Bereich der Quantenphysik. Er ist farbenblind und sieht von Kindheit an nur auf dem rechten Auge. „Mein Weg zum Dritten Auge führt zunächst über das zweite Auge, das ich gar nicht nutzen kann“, sagt Dürr lächelnd, in Anspielung auf angeblich Sehende, die das Wesentliche zu erkennen glauben. Dürr zählt zur Familie der Physiker, bei denen es keine Geheimnisse, aber unterschiedliche Ansichten gibt. 

Zahllose Vorlesungen hat er an führenden Universitäten der Welt gehalten (USA, China, Japan, Indien, Süd-Amerika). Dürr war Mitglied der Russischen Akademie der Wissen-schaften und war maßgeblich an der  Rehabilitierung des Kernphysikers und Nobelpreisträgers Andrej Sacharows (1921 – 1989) beteiligt. Ein Jahr lang war er Chef von Green Peace in Deutschland und hat dort Grundlegendes auf den Weg gebracht. Mit Michail Gorbatschow ist er seit langem befreundet, der bis heute seinen Rat sucht. Durch den engen Kontakt zu Gorbatschow war Hans-Peter Dürr über den „Fall der Mauer“ lange im Voraus informiert.

Er ist Gründer des „Global Challenges Network“ (1987 in Starnberg aus der Taufe gehoben) und ist in diversen internationalen Gremien maßgebend tätig. Zu der Zahl seiner besonderen Auszeichnungen gehören der Alternative Nobelpreis 1987, der Friedensnobelpreis 1995 zusammen mit den  Mitgliedern der Pugwash Conferences on Science and World Affairs, und die Ehrenbürgerschaft der Stadt München 2007.  70 – 80 Vorträge hält er pro Jahr, reist noch ständig rund um den Globus und warnt vor der Gefahr einer großen Katastrophe, wobei er dennoch stets Hoffnung ausstrahlt und Lösungen anbietet.

Als junger Student in Berkeley lernt Hans-Peter Dürr die fünf Jahre jüngere Folkloretänzerin Sue Durham kennen, mit der er seit über 50 Jahren glücklich verheiratet ist; das Ehepaar Dürr hat zwei Töchter und zwei Söhne sowie zwölf Enkelkinder – alle sehr künstlerisch geprägt. „Wir waren sehr verschieden und haben die Ergänzung genossen und geliebt“, erzählt die lebenslustige Sue Dürr. In ihrem Münchner Haus finden regelmäßig Tanzveranstaltungen statt, „aber irgendwann habe ich gemerkt, dass man sich politisch direkt engagieren muss und die Welt nicht nur über Singen und Tanzen verbessern kann“.

Hans-Peter Dürr ist der Auffassung: „Wir sind der Zugang zu unserer inneren Quelle, wir brauchen eigentlich keine äußere Hilfe.“

An seinem 80. Geburtstag las der Physiker seinen Gästen das wunderschöne Gedicht „Die Einladung“ von Oriah Mountain Dreamer vor:

„Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhaltverdienst.

Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen. Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.

Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual. Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz – meinem und deinem –  dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen. Ich will wissen, ob du mit der Freude –  meiner und deiner –  da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig. Ich will wissen,  ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst. Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern – meinem und deinem – leben  kannst und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmondes rufst: Ja!

Es interessiert mich nicht zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast.

Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muss.

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Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie du hergekommen bist. Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit du gelernt hast. Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. Ich will wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.“

Und Hans-Peter Dürr kommentierte diesen Text mit folgenden Worten:

„Es geht hier um das Selbstbewusstsein, das sich aus eigener Stärke entwickelt, aber gleichzeitig auf den Zusammenhang hin orientiert und nicht in einer egozentrischen Weise nutzbar ist. Die Person, die dieses Gedicht geschrieben hat, ist kein Indianer, wie fälschlicherweise behauptet wird, sondern eine Frau, eine in Kanada lebende Schriftstellerin.

Dies erklärt, warum sie auf einmal von der Not spricht und wie sie nach einer Nacht der Verzweiflung aufsteht und alles tut, was für die Kinder getan werden muss. Da kommt eben die Verantwortung für das Ganze und nicht nur für sich selbst durch. Was wir brauchen, ist, wachsam zu sein, dann kommt die Hilfe von selbst. Eine Begegnung wird dann möglich sein. Aber in diesem heutigen Lärm treffen sich die Menschen nicht mehr. Das ist mein Gefühl. Unsere Angst, unser Mangel an Vertrauen hindern uns daran, aus unserer inneren Quelle zu schöpfen…“

 

Ein Leben voller Staunen

von Anne Devillard

Driediger Verlag

209 Seiten, Hardcover
mit zahlreichen Fotos
ISBN:  978-3-932130-29-8
Preis:  17,90 €