Johannes Kepler (1571-1630)
„Das Beste findet sich dort, wo sich Fleiß mit Begabung verbindet.“ – Johannes Kepler, deutscher Astronom und Befürworter des heliozentrischen Weltbildes.Foto: iStock/public domain, Bearbeitung Epoch Times

Johannes Kepler: Ein Leben zwischen Wahrheit, Ablehnung und Hass

Von 2. Januar 2022 Aktualisiert: 29. Dezember 2021 4:00
Johannes Kepler, geboren am 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt, ist einer der bekanntesten und größten deutschen Mathematiker, Physiker und Astronomen. Seine Entdeckungen – heute Allgemeinwissen – waren vor über 400 Jahren revolutionär, und Kepler mit starkem Widerstand der „meinungsbildenden Gesellschaftsschichten“ konfrontiert.

Wenn wir heute an Johannes Kepler denken, verbinden wir den begabten und renommierten Forscher oft mit der Mathematik, Physik oder Astronomie. Jeder wird in seiner  Schulzeit vielleicht schon einmal von den „Keplerschen Gesetzen“ oder den „Kepler-Bahnen“ gehört haben. Zudem lieferte er mit der Erfindung des „Keplerschen Fernrohrs“ die Grundlage für heutige Digitalkameras. Nicht weniger bedeutungsvoll sind seine Arbeiten als Naturphilosoph und Theologe.

Er arbeitet viel, akribisch und mit großem Eifer – teilweise Nächte lang – nur bei schwachem Kerzenschein. „Auch nur ein wenig Zeit ungenützt verstreichen zu lassen war unerträglich“, schreibt Kepler in seinem Werk „Selbstcharakteristik“. Auch der Tod von Freunden, Frau oder Kindern konnten Keplers Schaffenskraft nicht mindern. Im Gegenteil.

Seine bahnbrechenden Entdeckungen publiziert er in unzähligen Büchern und Aufsätzen. Doch seine heute positiv bewerteten Werke stießen im 16. Jahrhundert auf viel Unmut und Ablehnung – der deutsche Astronom erleidet zahlreiche Rückschläge. Aufgeben kam für Kepler nicht infrage. Er blieb sich selbst und seinen Überzeugungen treu, egal welche Konsequenzen ihm drohten.

Nur die Liebe zur Wahrheit schafft Wunder.“ – Johannes Kepler

Wer war der Mann, der seine Nachwelt bedeutend prägen und verändern sollte? Wie verarbeitete er die Schicksalsschläge? Welche Schwierigkeiten, üblen Nachreden und Gefahren begleiteten ihn – teilweise bereits seit seiner Kindheit?

Eine Zeit, in der bereits ein falsches Wort reichte

Am 27. Dezember 1571 kommt der junge Kepler in Weil der Stadt, 25 Kilometer westlich von Stuttgart, zur Welt. Die 600-Seelen-Stadt im heutigen Baden-Württemberg wird als Geburtsort des berühmtesten deutschen Astronomen in die Geschichte eingehen. Er wird in eine Zeit hineingeboren, in der ein Buch ausreichte, um eine Revolution von alten Modellen und Theorien einzuleiten, ganz wie Martin Luther oder Nikolaus Kopernikus es taten.

Doch diese Epoche ist ebenso von religiösen Umbrüchen, weltanschaulicher Intoleranz, Kriegen und Hexenprozessen geprägt. Bereits eine „ketzerische“ Schrift, eine abweichende Lehrmeinung oder ein falsches Wort reichte aus, um seine Freiheit oder gar sein Leben zu verlieren. All das wird Kepler später am eigenen Leib erfahren müssen.

Der katholisch getaufte und evangelisch-lutherisch erzogene Johannes ist das älteste von sieben Kindern der Kepler-Familie. Zu seinem Vater, der als Söldner die meiste Zeit in fremden Ländern verbringt, hat er eine eher schlechte Beziehung. Ebenso zu seinem nächstjüngeren und charakterlich schwierigen Bruder Heinrich. Zu seinen restlichen Geschwistern und seiner Mutter Katharina Kepler pflegt er ein besseres Verhältnis. Da seiner Mutter der Bildungsweg verwehrt blieb, vertiefte sie stattdessen ihr Wissen in der Heil- und Kräuterkunde.

Kepler selbst wird häufig als schwächlich beschrieben, erkrankte mehrfach teilweise schwer an Krankheiten wie den Pocken oder Wechselfieber. Doch gleichzeitig zeigte Kepler enorme Zähigkeit und große Ausdauer, schreibt sich selbst eine „Hundenatur“ zu.

Beobachtung eines „Unglücksboten“

Bereits früh interessiert sich der angehende Astronom für die Ereignisse am Himmel. So beobachtete er mit fast neun Jahren erstmals den rot gefärbten Mond. Dieses Phänomen deutete er später im Erwachsenenalter folgerichtig als totale Mondfinsternis. Außerdem verfolgte er drei Jahre zuvor, im Herbst 1577, gemeinsam mit seiner Mutter die Erscheinung eines großen Kometen (heute bekannt als Komet C/1577 V1). Kometen galten im 16. und 17. Jahrhundert jedoch als „Unglücksboten“ für deren Betrachter, weshalb nur wenige Menschen ihr Erscheinen mit Neugier verfolgten.

Kepler wird zunächst die Lateinschule im benachbarten Leonberg und anschließend die Klosterschule von Maulbronn besuchen. Dort lernt er neben Latein auch eifrig die griechische Sprache. Schwerer fällt ihm dagegen das Zusammensein mit seinen Mitschülern. So schreibt er von seiner Schulzeit, dass er nicht beliebt bei seinen Mitschülern gewesen sei. Viele Kepler-Forscher vermuten, dass dies an seinem ehrgeizigen, lebhaften und temperamentvollen Charakter lag.

Mit 18 Jahren geht er schließlich an die evangelische Universität Tübingen, um dort Theologie zu studieren. Naturwissenschaftliche oder mathematische Studiengänge gab es noch nicht. Er erlernt zusätzlich die hebräische Sprache und studiert die Werke großer Namen wie Platon, Aristoteles, Cicero, Vergil oder Luther. Während viele seiner Zeitgenossen sich von antiken Schriften abgrenzten, blieb Kepler bei ihnen. So wollte er nichts verneinen, was seiner Auffassung nach noch korrekt oder brauchbar war – egal wie alt diese waren.

Neben den theologischen Veranstaltungen besucht er auch die des Mathematikers und Astronomen Michael Mästlin. Von ihm lernt Kepler nicht nur die theoretischen Grundlagen der Astronomie, sondern auch die Durchführung von Himmelsbeobachtungen. Zudem kam Kepler durch seinen Lehrer erstmals mit dem noch neuen und sehr umstrittenen heliozentrischen Weltsystem des Kopernikus in Kontakt. Bis zu Keplers Tod sollte Mästlin einer seiner treuesten und engsten Freunde sein.

Gesellschaftliche Intoleranz widerstrebt Johannes Kepler

Ende des 16. Jahrhunderts wird die Situation in Tübingen für Kepler schwieriger. Er pflegt aufgrund seiner weltanschaulichen und religiösen Auffassung eine eher schwierige Verbindung zu seinem Theologielehrer Matthias Hafenreffer. So schreibt Kepler in einem Brief an seinen Freund Mästlin: „Wirklich glaube ich nun noch mehr, was ich schon vorher gedacht habe: er [Hafenreffer] ist gar kein Gegner des Kopernikus, aber unter den übrigen Theologen muss er notwendig für die vermeintliche Autorität der Schrift [Bibel] eintreten. Daher sagt er mir seine wahre Meinung nicht.“

Außerdem steht noch immer ein im Jahr 1577, dem Jahr des großen Kometen, entstandener Glaubenskonflikt im Raum. Mit der Verfassung der Konkordienformel grenzten sich die Lutheraner von anderen Konfessionen wie dem Calvinismus ab. Für Kepler gehörten die Calvinisten jedoch genauso zu den protestantischen Christen wie auch die Lutheraner. Aus diesem Grund lehnte er den Ausschluss der Calvinisten ab. Die Folge: Er wird selbst von den Lutheranern als „verschlagener Calvinist“ bezeichnet und von der Kirche ausgeschlossen.

Zwei Jahre nach seinem Magister-Abschluss ereilt Kepler 1593 schließlich das Angebot für eine Stelle in Graz (Österreich) als Mathematiklehrer. Doch er zögert, denn er selbst sieht sich eher als Theologe. Die Gefahr dabei von seiner eigentlichen Berufung abzukommen, ist ihm zu groß. Kepler wendet sich um eine Entscheidungshilfe an seine Familie – auch sie sieht den begabten jungen Mann als Prediger. Immer noch unsicher überlässt er schließlich der Universität Tübingen die Entscheidung. Diese schickt ihn schließlich nach Graz.

Dieser Umstand führte zu der umstrittenen These, dass die Universitätsleitung diese Gelegenheit mit Freude ergriff. So konnte sie sich des jungen und unbequemen Absolventen entledigen, der bereits früh begann, seine eigenen Wege zu gehen und Dinge kritisch zu hinterfragen.

Einen Monat von Tübingen nach Graz

Am Ostersonntag, den 11. April 1594, kommt Johannes Kepler zusammen mit seinem Vetter endlich in Graz an. Seine 600 Kilometer lange Reise führte ihn mit nur einem Pferd und einem Wagen über die Alpen in die Steiermark. In der 8.000 Einwohner großen Stadt lebten zu dieser Zeit Menschen mit mehrheitlich protestantischem Glauben friedlich mit Menschen anderer Konfessionen zusammen. So knüpfte der aufgeschlossene und tolerante Kepler bereits zu Beginn seiner Grazer Zeit einige Kontakte zu protestantischen und katholischen Gläubigen.

Seine Tätigkeit als Mathematiklehrer war dagegen nicht von Erfolg geprägt, weshalb er sich bereits früh mehr der Astronomie zuwandte. Alljährlich erstellte er Kalender und Prognosen für Sonnen- und Mondfinsternisse, für Kriege, Krankheiten und das Wetter. Die Vorhersage individueller menschlicher Schicksale und Ereignisse lehnt er dagegen entschieden ab:

„Die Astrologie [kann] in einem Staatswesen großen Schaden stiften, wenn ein schlauer Astrologe sich die Leichtgläubigkeit der Menschen in böser Absicht zunutze mache.“

Mit gerade einmal 25 Jahren veröffentlicht Kepler sein erstes Werk „Weltgeheimnis“. In ihm bekennt sich Johannes Kepler mutig und offen zum Kopernikanischen Weltbild. Gleichzeitig lehnt er das bisher vorherrschende geozentrische Weltbild ab. Für ihn enthält es zu viele willkürliche Annahmen und unberücksichtigte Fragen. Neben der Frage nach dem Mittelpunkt unseres Planetensystems beschäftigt ihn auch die Anzahl und Anordnung der Planetenbahnen. „Die Natur liebt Einfachheit, sie liebt Einheitlichkeit“, schreibt Johannes Kepler. Genau dies sieht er in dem neuen Weltbild.

Im April 1597 heiratete Kepler zudem seine erste Ehefrau Barbara. Mit ihr bekam der Astronom insgesamt sechs Kinder. Von ihnen erreichten jedoch nur zwei das Erwachsenenalter.

Sein Werk reist nach Dänemark und Italien

Auf der Suche nach Meinungen zu seinem neu geschaffenen Werk nimmt Kepler erstmals brieflich Kontakt zu einem Mann in Padua (Italien) auf. Es handelt sich dabei um seinen berühmten Zeitgenossen und Astronomie-Kollegen Galileo Galilei. Doch das schnelle Rückschreiben fällt für Kepler eher ernüchternd aus. Zwar beglückwünscht Galilei seinen Kollegen und gibt sich erfreut über einen „Gefährten bei der Forschung nach der Wahrheit“, jedoch gibt er auch zu, nur die ersten Buchseiten kurz überflogen zu haben. Galilei rät dem deutschen Astronomen, sich erst für das neue Weltbild auszusprechen, wenn es mehr Anhänger dieser Theorie gäbe.

Mit dieser kurzen Rückmeldung zu seinem Werk gibt sich Kepler jedoch nicht zufrieden. Er schreibt dem italienischen Kollegen erneut – in der Hoffnung, endlich eine vollständige Beurteilung seines Buches zu erhalten. Doch er wird nie eine Antwort auf seine Bitte erhalten. Der Kontakt zwischen den beiden Astronomen bricht ab und sollte erst 1610 dank einer neuen Erfindung wieder aufgenommen werden.

Wesentlich mehr Erfolg hat Kepler dagegen bei einem Austausch mit dem dänischen Astronomen Tycho Brahe. Auch ihm schickt er eines seiner Bücher zu. In Brahes Antwort versichert er dem deutschen Astronomen, das Werk vollständig gelesen zu haben und lobt seinen „feinen Verstand und sein scharfsinniges Studium“. Doch auch Kritik und Anregungen erhält Johannes Kepler von dem Dänen. Vor allem die beobachtende Astronomie scheint dem sehr theoriebegabten Kepler schwerer zu fallen als dem mit guten Instrumenten ausgestatteten Tycho Brahe.

Nichtsdestotrotz bemüht sich Kepler um genaue Beobachtungen des Himmels. So versuchte er beispielsweise mit seinem selbst gebauten Winkelmessgerät die Theorie des heliozentrischen Weltbildes zu belegen. Doch der junge Astronom musste sich sehr schnell eingestehen, dass sein aus Holzlatten zusammengebautes Gerät wegen der zu großen Ungenauigkeit seine Anforderungen nicht erfüllen kann.

Toleranz und Demut von Johannes Kepler zahlen sich (manchmal) aus

Ab dem Jahr 1598 wurden Keplers Leben und Forschung in Graz auf eine Probe gestellt. Erzherzog Ferdinand befahl, die evangelische Schule, an der Kepler arbeitete, zu schließen und deren evangelische Mitarbeiter des Landes zu verweisen. Grund war der noch immer anhaltende Streit zwischen Protestanten und Katholiken. Kepler und seine Kollegen flohen und fanden schließlich Zuflucht im benachbarten Königreich Ungarn.

Nur wenige Zeit später erhielt Kepler eine Nachricht vom Erzherzog: Ihm allein sei es gestattet, zurück nach Graz zu kommen. Über die Gründe dieser Entscheidung wurde in der Forschung viel diskutiert. Allgemein wird jedoch angenommen, dass Keplers gute Beziehungen zu katholischen Gläubigen und seiner religiösen Toleranz ihnen gegenüber der Grund hierfür war. Kepler reist infolgedessen zurück nach Graz.

Dann ein kleiner Lichtblick: Der dänische Astronom Tycho Brahe lud Kepler zu einem Treffen ein, was jedoch in einem Streit zwischen den beiden endete. Kepler reist ab, weil er sich von Brahe gedemütigt fühlt. In einem Brief entschuldigt er sich wenig später und gesteht, den Streit verursacht zu haben. Die beiden einigten sich schließlich, dass Kepler den dänischen Astronomen zwei Jahre lang in Prag bei seinen Forschungen unterstützen sollte.

Im Juli 1600 wurde die Lage in Graz erneut brenzlig. Alle Bürger aus der Steiermark mussten ihre Konfession angeben. Wer nicht katholischen Glaubens war oder schleunigst wurde, musste das Land verlassen. Kepler bleibt sich erneut treu und bekennt sich zu seinem evangelischen Glauben. Als Demonstration der Macht wurden am Abend des 8. August 1600 mehr als 10.000 evangelische Bücher in Graz verbrannt. Kepler und seiner Familie blieb nichts anderes übrig, als allein und ohne finanzielle Mittel das Land erneut zu verlassen.

Neue Stadt, neues (Un-)Glück?

Ihr Weg führt die Familie Kepler nach Prag, in die Hauptstadt des damaligen Heiligen Römischen Reiches. Das Leben in der 60.000 Einwohner zählenden Stadt ist enorm teuer – die Aussicht auf eine erfolgreiche und gut bezahlte Stelle für Kepler gering. Hinzu kam sein sehr schlechter gesundheitlicher Zustand, denn gerade als Johannes Kepler in Prag ankommt, erkrankt er am Wechselfieber. Anstatt zu klagen, flüchtet er sich in seine geistige Arbeit.

Soweit es ihm gesundheitlich möglich ist, arbeitet er hier mit seinem Kollegen Brahe zusammen. 1601 erhielten die beiden eine Audienz bei Kaiser Rudolph II. Der Kaiser ist begeistert von Kepler und beauftragt ihn mit dem Erstellen der „Rudolphinischen Tafeln“. In diesem Werk, dessen Erstellung 25 Jahre dauerte, sollten Mond-, Sonne– und Planetenpositionen vorausberechnet werden.

Im Oktober 1601 verlor die Welt mit dem unerwarteten Tod von Tycho Brahe einen großen Forscher. Böse Zungen behaupteten, dass Kepler den Dänen mit Quecksilber vergiftet haben soll, um an dessen wissenschaftliche Arbeiten zu kommen. Kürzlich durchgeführte Analysen an den sterblichen Überresten von Brahe konnten dies jedoch widerlegen. Johannes Kepler würdigte seinen Kollegen noch lange in seinen Werken und brachte so seinen Respekt und seine Trauer gegenüber Brahe zum Ausdruck.

Nach Brahes Tod erhielt Kepler die Stelle des kaiserlichen Mathematikers – doch auch dieses (unregelmäßig) gezahlte Gehalt reichte kaum aus, um seine Familie zu versorgen. Im Dienste des Kaisers arbeitete er an zwei Großprojekten: zum einen an der Auswertung der Marsbeobachtungen von Brahe und zum anderen an einer Neubegründung der Optik (Lehre des Lichts).

Johannes Kepler auf den Spuren des Lichts

Die Lehre vom Licht ist ein Grundstein der Astronomie. Ohne sie hätte es keine Informationen über Himmelskörper gegeben. Ihr wissenschaftlich korrektes Fundament ist erforderlich, um Himmelskunde so genau wie möglich zu betreiben. Was wäre die Himmelsbeobachtung ohne Fernrohre oder Teleskope? In seinem Werk „Dioptrice“ beschrieb er schließlich sein selbst gebautes „Keplersches Fernrohr“, den Vorläufer aller modernen Linsenfernrohre, mit denen erstmals Planeten samt ihrer Monde, Sonnenflecken oder die Milchstraße beobachtet werden konnten.

Neben der Funktion von Linsen ergründet der Astronom auch das Wesen von Licht und Farbe. Im Oktober 1604 beobachtete Kepler ein bisher einmaliges Himmelsereignis: Eine Supernova in unserer Galaxie, die später den Namen „Keplersche Supernova“ bekommen sollte. Das Phänomen war mehr als ein Jahr lang sichtbar und strahlte zeitweise so hell wie die Venus.

Zudem machte Kepler Fortschritte in seiner Marsforschung. So erkannte er, dass die Planetenbahn des Mars kein Kreis sein konnte – der Grundstein für das 1. Keplersche Gesetz war gelegt. Kepler selbst spricht von der Entdeckung der ellipsenförmigen Planetenbahn als „Erleuchtung“. Der seit seiner Kindheit fehlsichtige Kepler erklärte im 17. Jahrhundert der Welt, wie Lichtbrechung, Sehen und das Fernrohr funktioniert.

1611 erlebt Johannes Kepler ein Déjà-Vu: Die politische Situation in Prag wird unruhig. Kaiser Rudolph II., in dessen Gunst Kepler steht, verliert an Einfluss und wird schließlich von seinem Bruder vom Thron verdrängt. Der Astronom weiß, dass seine Tage in Prag gezählt sind.

Überall Ablehnung und Hass

Aus diesem Grund wendet er sich an den Herzog von Württemberg in der Hoffnung, eine Professur an seiner Heimat-Universität zu bekommen. Doch dort werden Unterlagen über den ehemaligen Studenten hervorgeholt, in denen Kepler als „kein verlässlicher Lutheraner“ und „verschlagener Calvinist“ bezeichnet wird. Seine Bitte wird abgelehnt – Keplers Person passe nicht zu den Statuten der Universität. Auch familiär erleidet Kepler herbe Rückschläge: So sterben seine Frau Barbara und ein Sohn nach schwerer Krankheit.

Das Leben führt den deutschen Astronomen mit seinen beiden Kindern nach Linz (Oberösterreich). Dank eines Freundes erhält Kepler dort eine Anstellung als Mathematiklehrer an einer evangelischen Schule. Doch auch hier wird Kepler kaum lehren: Wegen religiöser Anfeindungen bleiben ihm die Schüler aus. Außerdem landet sein neu erschienenes Werk „Abriss der copernicanischen Astronomie“ auf dem römischen Index der verbotenen Bücher (dem sog. Index Librorum Prohibitorum).

Erneut geriet er zudem in einen Streit zwischen Gläubigen, diesmal zwischen Katholiken und Protestanten. Die Katholiken unter der Führung von Papst Gregor schlagen eine Änderung (gregorianischer Kalender) des bisherigen julianischen Kalenders vor. Die Protestanten lehnen den Vorschlag jedoch kategorisch ab, da sie andernfalls ihren Widersachern in Glaubensfragen zustimmen müssten.

Der evangelisch erzogene Kepler sieht das anders. Für ihn geht der Hass der Lutheraner gegenüber Menschen mit anderen Konfessionen zu weit. Darüber hinaus erkennt er als Astronom die Vorteile der neuen Kalenderrechnung. Doch jegliche Verteidigung und Begründung zum neuen Kalendersystem sollten keine Früchte tragen. Erst 1700 gelang die Einführung des gregorianischen Kalenders.

Es ist einer von vielen Momenten, wo Keplers Wesen erkenntlich wird: tolerant, gründlich und lösungsorientiert. Zudem ist er fähig, sich selbst zu hinterfragen und Fehler einzugestehen. So schrieb er über sich selbst, dass sein Eifer ihn blind machte und daran hinderte, alle Einzelheiten zu sehen. Ein kleiner Lichtblick in dieser schweren Zeit ist die Hochzeit mit seiner zweiten Frau Susanna.

Ein(e) Kepler vor dem Hexengericht

Doch Johannes Kepler ist nicht der Einzige in der Familie Kepler, der mit Anfeindungen und Problemen konfrontiert wird. So wird seine Mutter Katharina in seiner Heimat 1616 als Hexe beschuldigt. Die Beschuldigungen gingen so weit, dass ein Hexenprozess gegen sie eröffnet wird. Selbst ihr eigener Sohn, Keplers jüngerer Bruder Heinrich, sagt gegen sie und ihren „unlauter geführten Lebenswandel“ aus. Auch diverse Zeugen und Opfer treten auf den Plan, die vermeintlich durch ihre Kräuter und Salben geschädigt worden sein sollen.

Entsetzt von den Vorwürfen gegen seine Mutter schreibt Kepler mehrere Briefe an den Senat. In einem davon zitiert er den römischen Gelehrten Vergil und bringt so seinen Unmut in dieser Zeit zum Ausdruck:

Der schlechte Ruf ist ein Übel, das sich schneller verbreitet als alles andere.“ – Vergil, röm. Gelehrter.

Alle Bemühungen stießen zunächst auf taube Ohren. Keplers Mutter wird schließlich inhaftiert und verhört. Man droht ihr mit Folter, um das gewünschte Geständnis zu erwirken. Doch das Gegenteil ist der Fall: Sie lässt sich nicht einschüchtern und bleibt ehrlich – derselbe starke und mutige Charakter, den auch ihr Sohn besitzt. Als Johannes Kepler von dem Geschehen erfährt, handelt er sofort. Er verfasst eine über 100-seitige Verteidigung, in der er alle Gegenargumente und -beweise erbringt. Mit Erfolg: Seine Mutter wird freigesprochen.

Unruhiges Ende von Johannes Kepler

In den letzten Lebensjahren des Astronomen bricht der Dreißigjährige Krieg aus. 1625 verliert er erneut die Stelle als Lehrer, da es in Linz nur noch katholischen Gläubigen erlaubt war, dieses Amt auszuführen. Mit spärlichen finanziellen Mitteln arbeitet Kepler stattdessen an der Fertigstellung der Rudolphinischen Tafeln. Man schrieb später über Kepler:

Weder durch seine Armut noch durch das Unverständnis der maßgebenden Zeitgenossen […] ließ er sich lähmen oder entmutigen.“

Als sein Werk endlich gedruckt war, reiste er 1627 nach Prag, um dem neuen böhmischen Kaiser ein Exemplar zu überreichen. Dieser ist unerwartet freundlich und bietet dem Astronomen sogar eine Professur in Prag an. Doch das Angebot hat eine Bedingung: Kepler könne diese nur bekommen, wenn er zum katholischen Glauben konvertiere. Um dies zu erreichen, wurden ihm „Belohnungen“ versprochen und ein Freund von Kepler als Überzeugungshilfe eingesetzt.

Doch der Astronom bleibt wieder standhaft und lehnt die Stelle ab. In einem Brief klagt er über die gesellschaftliche Situation – Gefühle und Macht dominierten, während das Recht auf Prüfung unbequemer Wahrheiten unterliege. Außerdem vermisst er Sachlichkeit und Redlichkeit. „Der Hass verstopft sich die Ohren.“ Besonders der fehlende fachliche Austausch mit Gleichgesinnten fehlt ihm.

1628 nimmt er schließlich eine Stelle bei Wallenstein, dem Herzog von Sagan, im ehemaligen Schlesien an. Doch dort fühlt sich Kepler unwohl – mehr denn je, vermisst er seine Heimat Tübingen. Aus Angst vor der Zukunft verfällt er in Depressionen. 1630 stirbt er schließlich auf einer Reise in Regensburg mit 58 Jahren. Seine Arbeiten leben jedoch weiter und beeinflussten über seinen Tod hinaus viele Forscher wie Horrocks, Newton oder Einstein erheblich.

Johannes Kepler
Die Entdeckung der Weltharmonie

Posch, Thomas

Ver­lag wbg Theiss (2017)

264 Seiten, 24 Abbildungen schwarz-weiß

ISBN 978-3-8062-3452-7

24,95 €

Dr. Dr. Thomas Posch ist Forscher, Sachbuchautor und Schriftsteller. Er promovierte in den Fächern Philosophie (2002) und Astronomie (2005), habilitiert seit 2011 und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universitätssternwarte Wien. Er ist Verfasser von über 100 Publikationen in Fachzeitschriften zu astronomischen, mineralogischen, wissenschaftshistorischen und philosophischen Themen. Außerdem ist er seit 2014 Vorsitzender des Arbeitskreises Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 25, vom 30. Dezember 2021.



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